Zoo Dortmund

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Zoo Dortmund
Zoo Dortmund.svg
Vollständiger Name Zoo Dortmund
Motto Der Park unter den Zoos
Ort Mergelteichstraße 80
44225 Dortmund
Fläche 28 Hektar
(11 Hektar Erweiterungsgebiet)
Eröffnung 24. Mai 1953
Tierarten 223 Tierarten (1. Jan. 2015)[1]
Individuen 1244 Tiere (1. Jan. 2015)[1]
Artenschwerpunkte Tiere Südamerikas
Besucherzahlen 487.502 (2014)[1]
Organisation
Leitung Frank Brandstätter
Trägerschaft Stadt Dortmund
Förderorganisationen Zoofreunde Dortmund e. V.
Förderverein Kinder und Zoo Dortmund e. V.
Mitglied bei WAZA, EAZA, VdZ, Stiftung Artenschutz
www.dortmund.de
Zoo Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
Zoo Dortmund
Koordinaten: 51° 28′ 28″ N, 7° 28′ 15″ O

Der Zoo Dortmund wurde am 24. Mai 1953 von der damaligen Zoo-Gesellschaft Dortmund e. V. über dem Grubenfeld der ehemaligen Zeche Glückaufsegen südlich des Rombergparks im Stadtteil Brünninghausen als Tierpark Dortmund eröffnet.

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Gesamtfläche von 28 Hektar finden sich heute ca. 1240 Tiere in 223 Arten. Der Zoo Dortmund konzentriert sich auf die Haltung und Zucht südamerikanischer Tierarten und ist führend in der Zucht des Großen Ameisenbären, des Tamanduas und des südamerikanischen Riesenotters.[2] Zu den Attraktionen zählen das Regenwaldhaus „Rumah hutan“, das Amazonashaus, das Tamanduahaus, das Giraffenhaus, das Otterhaus und das im Jahr 2006 eröffnete Nashornhaus.

Im Rahmen der „Welt-Zoo-Naturschutzstrategie“ gibt es folgende Arbeitsschwerpunkte:

  • Haltung und Zucht seltener Tierarten
  • Schaffung eines naturkundlichen und artenschützenden Bewusstseins in der Bevölkerung
  • Erholungs- und Bildungsangebot für Besucher
  • Auswilderungsprogramme

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zoodirektor: Frank Brandstätter
  • Stellvertretende Direktorin und Kuratorin: Ilona Schappert
  • Veterinärin: Christine Osmann

Geschichte des Zoos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Gründungsbestrebungen gehen auf den 1932 unter Vorsitz des Zahnarztes Heinrich Seeger gegründeten „Zooverein Dortmund“ zurück, der vom Zirkus Sarrasani nach einem Gastspiel in der damaligen Westfalenhalle zwei Löwen geschenkt bekam, aber keine Finanzierung des Projektes sicherstellen konnte. Die Aufstellung eines haltbaren Finanzierungsplanes gelang erst der 1950 unter Vorsitz von Ferdinand Marx gegründeten „Zoo-Gesellschaft“, die von der Stadt Dortmund ein Grundstück zu einem möglichst niedrigen Pachtzins erbat.

Konrad Glocker (1900–1977), Gartenbauarchitekt und nach einer Lehre in den königlich-bayerischen Hofgärten in Nymphenburg und Studium Assistent von Baurat Hans Strobel bei den Arbeiten am Hauptfriedhof Dortmund, übernahm 1948 die Leitung des Dortmunder Garten- und Friedhofsamtes und damit den Wiederaufbau der Grünflächen der Stadt nach den Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges. Ab 1952 organisierte er Blumenschauen in den Westfalenhallen und 1959 die erste Bundesgartenschau in Dortmund, wofür der Westfalenpark umgestaltet und u. a. der Fernmeldeturm „Florian“ errichtet wurde. Gleichzeitig begann er mit den Planungen eines zoologischen Gartens auf dem ehemaligen Zechengelände am Hang des Schweinebergs (111,9 m ü. NN), angrenzend an den Rombergpark, in dem die Adelsfamilie von Romberg bereits einen Wildpark unterhalten hatte. Der Aufbau wurde Ende 1951 in Angriff genommen. Die Bezeichnung „Tierpark“ sollte einem einheitlichen städtischen Grünflächenkonzept Rechnung tragen.

Am 24. Mai 1953 konnte der Tierpark seiner Bestimmung übergeben werden. Auf elf Hektar Fläche wurden 90 Tiere gezeigt, meist europäische Arten, aber auch Exoten wie Lamas oder Kakadus. Bereits im Juli begrüßte der Tierpark den einhunderttausendsten Gast und nach zwei Jahren den einmillionsten Besucher. Der Tierpark wurde in städtische Trägerschaft übernommen. Der Verein, nun in „Freunde des Tierparks“ und heute „Zoofreunde Dortmund“ umbenannt, blieb stets bedeutend für den flächenmäßig größten zoologischen Garten in Nordrhein-Westfalen.

Seit den 1980er Jahren rückte der Artenschutzgedanke mehr in den Blickpunkt. Die Tiere bekamen im Laufe der Zeit größere und artgerechtere Gehege, Gruppen wurden verkleinert und es entstanden „Wohngemeinschaften“ verschiedener Tierarten. Für intelligente Tiere wie Affen oder Seelöwen wurden Animationsprogramme entworfen. Damit wurde auch den Interessen der Besucher Rechnung getragen. Anstelle betonbewehrter Kleingehege präsentiert der Zoo heute seine Tiere überwiegend in weitläufigen Freigehegen oder in lebensraumtypischen Häusern. Zur Jahrtausendwende benannte sich der Tierpark in das international besser verständliche „Zoo Dortmund“ um.

Im Jahr 2000 belegte der Zoo Dortmund im stern-Zootest von 39 getesteten Zoos den 5. Platz. Im Zootest aus dem Jahre 2008 erreichte der Dortmunder Zoo, zusammen mit dem Zoo Duisburg, den 13. Platz von 50 deutschen Zoos mit einem Notendurchschnitt von 2,06. Es wurde nach Schulnoten bewertet. Im Vergleich mit den übrigen acht Zoos in Nordrhein-Westfalen wurden die Zoos in Dortmund und Duisburg auf Rang 5 eingestuft.[3]

Im Jahr 2002 entstand die Dokumentationsreihe Ein Doc für alle Felle im Zoo Dortmund, sie wurde durch ihren Erfolg zum Vorreiter von TV-Zooserien wie Elefant, Tiger & Co., Panda, Gorilla & Co. etc.

Auf einer Fläche von 28 Hektar lebten 2005 1840 Tiere in 265 verschiedenen Arten. Inzwischen wurden einige Arten abgegeben und die Zahl der Tiere verringert, um artgerechtere Haltungsbedingungen sicherstellen zu können. Ende 2011 ist ein vergrößertes Gehege für die vom Aussterben bedrohten Amur-Leoparden eröffnet worden.

Die Dortmunder Zoodirektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1953–1959: Gartenbaudirektor Konrad Glocker
  • 1959–1974: Walter Simanowski
  • 1974–2000: Wolf Bartmann
  • 2000–2001: Ilona Schappert (kommissarische Leitung)
  • 2001–heute: Frank Brandstätter

Artenschutz und Zuchterfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zoo Dortmund züchtet erfolgreich Tierarten, die von der IUCN als gefährdet eingestuft werden, wie beispielsweise Große Ameisenbären und Riesenotter. Für diese beiden Arten gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Das Zuchtbuch für den Großen Ameisenbären führt der Zoo Dortmund,[4] bis zum Jahr 2015 auch das für den Riesenotter, das seither der Zoo Schwerin koordiniert. Das Internationale Zuchtbuch (ISB) für den Riesenotter verblieb beim Zoo Dortmund.[5]

Weitere international anerkannte Zuchterfolge gibt es bei den Angola-Giraffen, Tapiren, Jahrvögeln und vielen anderen südamerikanischen Arten. Allerdings sollen nach mehreren Todesfällen bei den Giraffen und aus Inzuchtgründen die restlichen fünf Angola-Giraffen an andere Zoos abgegeben und durch eine andere Giraffenart ersetzt werden.[6]

  • Der Zoo Dortmund züchtet als einziger europäischer Zoo neben dem Tierpark Hagenbeck in Hamburg und dem Zoo Leipzig erfolgreich die stark bedrohten südamerikanischen Riesenotter und beherbergt das älteste lebende Exemplar dieser Art in einem Zoo.
  • Der Zoo Dortmund hat in den letzten Jahren als einziger Zoo in Europa erfolgreich Oncillas nachgezogen.
  • Am 9. Oktober 2014 wurde das 63. Ameisenbärenbaby im Zoo geboren. Damit ist der Zoo Dortmund weltweit führend in der Nachzucht dieser bedrohten Tierart.
  • Im Juni 2013 wurde das 32. Tamanduababy im Zoo Dortmund geboren. Damit ist der Zoo Dortmund auch bei diesen Nebengelenktieren weltweit führend.
  • Am 21. April 2014 wurde Breitmaulnashornbaby Abebi geboren.
  • Im Februar 2015 wurden zwei Jaguarbabys geboren. Der Zoo Dortmund beteiligt sich am Europäischen Zuchtbuch (ESB) für Jaguare, das vom Zoo in Chester - Großbritanniens größtem Zoo - geführt wird.[7]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Mai 2015 tötete der dreijährige Löwenkater Lolek seine Mutter Moreni. Nach Morenis monatelanger Isolation auf der Krankenstation sollten die beiden Tiere wieder zusammengeführt werden. Lolek griff seine Mutter jedoch sofort an, als sie das Gehege betrat, akzeptierte auch ihre Unterwerfungshaltung nicht und tötete sie mit einem Kehlbiss. Die anwesenden Tierpfleger konnten die beiden Tiere nicht trennen. Lolek ist jetzt der einzige Löwe im Zoo Dortmund.[8]

In der Nacht auf den 10. August 2015 brachen Unbekannte in das Amazonashaus ein und stahlen drei Zwergseidenaffen. Außerdem nahmen die Täter zwei Zwergagutis mit. Zwei der gestohlenen Tiere sind das Zuchtpaar der kleinen Affenart. Mit ihrem Verlust ist die Zucht in Dortmund beendet. Die Tatsache, dass die Elterntiere gezielt mitgenommen wurden, deutet auf eine sorgfältig geplante Tat hin.[9]

Die 21-jährige Seelöwin „Holly“ wurde am 5. November 2015 tot aufgefunden. Die Zoo-Tierärztin obduzierte das Tier am 9. November. Bei dieser Untersuchung stellte sie eine Gewalteinwirkung auf den Schädel fest. Außerdem fehlten Holly drei Zähne. Die Tierärztin stellte abschließend fest, dass ein stressbedingter Tod durch mögliche Misshandlungen nicht auszuschließen ist.[10]

Am 1. Dezember 2015 wurde ein Humboldtpinguin außerhalb seines Geheges am 200 m entfernten Flamingoteich mit Verletzungen tot aufgefunden. Zwei weitere Pinguine werden vermisst.[11]

Parkteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dortmunder Zoo ist zum Teil geographisch geordnet. So gibt es die inoffiziellen Parkteile: Afrika, Asien, Australien und Südamerika. Hinzu kommen viele Gehege, die nicht geographisch geordnet sind, wie im Anfangsbereich zwischen Eingang und den Seelöwen.

  • Asien und Australien bestehen aus verschiedenen Gehegen, in denen sich z. B. Hirschziegen- sowie Nilgau-Antilopen befinden. Jedoch liegt das „Zentrum“ Südost-Asiens im Bereich des Anfangs des Zoos. Dort befindet sich das Regenwaldhaus „Rumah hutan“ [siehe unter Besonderheiten]. Rote Riesenkängurus, Emus und Wellensittiche repräsentieren Australien.
  • Auf einem relativ großen Areal mitten im Zoo befindet sich der Spielplatz.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es gibt im Dortmunder Zoo einige in Europa einmalige Zusammenstellungen von Tiergehegen: Im Regenwaldhaus „Rumah hutan“ leben Sumatra-Orang-Utans und Schabrackentapire zusammen. Im Tamanduahaus sind Große Ameisenbären, Tamanduas, Zweizehenfaultiere, Braunhaar- oder Borstengürteltiere, Sechsbindengürteltiere und Neunbindengürteltiere untergebracht.
  • Der Zoo Dortmund hält und züchtet einige Kleinkatzenarten, die nur sehr selten gezeigt werden, wie z. B. Jaguarundi, Oncilla, Ozelot, Serval oder die Amurkatze.
  • Es gibt eine begehbare Schleiereulen- und Steinkauz-Voliere.
  • Mit so genannten „Tierpfleger-Sprechstunden“ werden Zoo-Besuchern besondere Einblicke in den Arbeitsalltag gegeben. Über den Tag verteilt berichten Pfleger an verschiedenen Treffpunkten über die Lebensweisen der Tiere.
  • Im Dortmunder Zoo lebte auch der einzige in einem Zoo lebende Albino-Seebär Rubio. Er starb am 13. April 2013, möglicherweise durch den Verzehr zweier Erdkröten vergiftet.
  • Derzeit kann in sieben verschiedenen Tierhäusern im Zoo geheiratet werden.

Der Zoo als Bildungsstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Zoo Dortmund bietet speziell für Schulklassen (auch in Zusammenarbeit mit dem schulbiologischen Zentrum der Stadt Dortmund) Themenführungen an.
  • Führungen zu gewünschten Themen jeglicher Art und Kindergeburtstags-Führungen können ganzjährig gebucht werden.
  • Jeweils in den Oster-, Sommer- und Herbstferien werden für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren pädagogisch gestaltete Kinderferienprogramme angeboten.
  • Es gibt einen Zooführer für Blinde und Sehbehinderte.
  • Im September 2014 erschien zum ersten Mal ein Kinder-Zooführer. 45 Kinder zwischen neun und zwölf Jahren haben den Kinder-Zooführer während des Sommerferienprogramms 2013 unter der Betreuung der Zoolotsen Marcel Stawinoga und Marlon Stawinoga erarbeitet. Die Auflage beträgt 1000 Exemplare.[12]

Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt die Waldschenke (Restaurant mit Bedienung), den Waldkiosk, die Mandelbude, viele mobile Eis- und Getränkestände und den Kiosk am Eingang.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgende Statistik bezieht sich auf den 1. Januar 2015.[1]

Tiere im Zoo:

Die durchschnittliche Besucherzahl pro Jahr während der Jahre 2011 bis 2014 betrug etwa 440.000.[1][13]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zoo Dortmund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Zoo Dortmund. In: Webseite VdZ. 4. April 2015, abgerufen am 21. Mai 2015.
  2. EEPs and ESBs. In: Webseite EAZA. 2015, abgerufen am 21. Mai 2015.
  3. Der große Zoo-Test. In: Webseite Stern. 25. Juni 2008, abgerufen am 21. Mai 2015.
  4. Complete List of EEPs and ESBs auf der Website der EAZA, abgerufen am 19. Mai 2016.
  5. Riesenotter. Informationen zu den Zuchtbüchern auf der Homepage des Verbands der Zoologischen Gärten, abgerufen am 19. Mai 2016.
  6. Zoo Dortmund löst Giraffen-Herde auf und trauert um Löwen. In: Webseite WAZ. 2. Januar 2014, abgerufen am 21. Mai 2015.
  7. Nachwuchs bei den Jaguaren im Zoo. In: Webseite Dortmund.de Nachrichten. 23. März 2015, abgerufen am 21. Mai 2015.
  8. Dreijähriger Löwe tötet im Zoo Dortmund seine Löwen-Mutter. In: Webseite Zoogast Tierische News. 21. Mai 2015, abgerufen am 21. Mai 2015.
  9. Diebstahl im Dortmunder Zoo. In: WDR aktuell. 13. August 2015, abgerufen am 15. August 2015.
  10. Tod von Seelöwin "Holly" in Dortmund gibt weiter Rätsel auf. In: WDR Studio Dortmund. 24. November 2015, abgerufen am 30. November 2015.
  11. Toter Pinguin im Dortmunder Zoo außerhalb seines Geheges. In: WDR NRW kompakt Kurzmeldungen. 1. Dezember 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015.
  12. Bei Faultier und Nasenbär zu Besuch. Der neue Kinder-Zooführer ist erschienen / Entstanden im Sommerferienprogramm. Ruhr Nachrichten vom 4. September 2014.
  13. Tierisch viel Arbeit im Zoo Dortmund. In: Webseite WAZ. 8. Mai 2012, abgerufen am 21. Mai 2015.