Ähriges Christophskraut

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Ähriges Christophskraut
Ähriges Christophskraut (Actaea spicata)

Ähriges Christophskraut (Actaea spicata)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Actaeeae
Gattung: Christophskräuter (Actaea)
Art: Ähriges Christophskraut
Wissenschaftlicher Name
Actaea spicata
L.

Das Ährige Christophskraut (Actaea spicata L.) oder einfach nur Christophskraut ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Es ist die einzige mitteleuropäische Art der Gattung Christophskräuter.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ähriges Christophskraut (Actaea spicata), Illustration
Ähriges Christophskraut, Beeren

Das Ährige Christophskraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 60 (70)  cm erreicht. Die gesamte Pflanze ist schwach verzweigt. Die 30 cm langen, gestielten Blätter sind doppelt dreizählig gefiedert. Der Rand ihrer eiförmigen oder ei-lanzettlichen Abschnitte ist unregelmäßig und grob gezähnt. Zerrieben besitzen sie einen unangenehm scharfen Geruch.

Die vierteiligen Blüten sind klein, weiß und erscheinen in dichten end- oder seitenständigen Trauben. Die Einzelblüte besitzt eine einfache Blütenhülle aus vier weißen Perigonblättern und vier Nektarblättern. Die Nektarblätter sind kronblattartig gestaltet und schmal geformt. Die Perigonblätter fallen relativ früh ab. Die 15 bis 20 Staubblätter sind länger als die Perigonblätter. Der oberständige Fruchtknoten ist einblättrig und enthält mehrere Samenanlagen. Die Früchte sind schwarze Beeren, die etwa 1 cm Länge erreichen.

Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Die Fruchtreife erstreckt sich von Juli bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16 (ausnahmsweise auch 18, 26, oder 30).[1]

Ökologie[Bearbeiten]

Das Ährige Christophskraut ist hinsichtlich seiner Lebensform ein Hemikryptophyt oder Geophyt. Es besitzt ein knotiges Rhizom.[2]

Die Blüten sind blütenbiologisch vorweibliche Scheibenblumen. Die kronblattartigen Nektarblätter besitzen keine Nektarien. Bestäubern steht jedoch ein reichliches Pollenangebot zur Verfügung. Typische Bestäuber sind insbesondere Käfer.[2]

Die Beeren (Balgbeeren) werden gerne von Vögeln aufgesucht und verspeist. Die Samen passieren unbeschadet den Vogeldarm und werden so endochor ausgebreitet. Die Samen sind Kältekeimer.[2]

Vegetative Vermehrung, eine Selbstausbreitung im weiten Sinne, erfolgt über das Rhizom.[2]

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Beeren und Samen gelten von alters her als giftig, doch konnte eine Giftwirkung bisher nicht bestätigt werden. Vom Verzehr wird trotzdem abgeraten.[2]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Ährige Christophskraut kommt fast im gesamten Europa bis nach Westsibirien vor. Im Süden ist es ausschließlich im Bergland zu finden, im restlichen Gebiet hauptsächlich dort. In Deutschland kommt es zerstreut vor, in den südlichen Gebirgen und den Alpen ist es dagegen verbreitet.

Das Ährige Christophskraut wächst auf feuchtem und kalkhaltigem Untergrund in schattigen Berg- und Schluchtwäldern, bevorzugt in Laub- und Tannenwäldern auf nährstoff- und basenreichen, humosen, lockeren, steinigen oder reinen Lehmböden. Sie ist eine lokale Kennart des Fraxino-Aceretum (Tilio-Acerion), kommt aber auch im Hordelymo-Fagetum vor, gelegentlich auch in Gebüschen (Berberidion) oder Hochstaudenfluren (Adenostylion). Sie besiedelt Höhenlagen bis 1900 m Meereshöhe.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Art wird selten als Zierstaude kultiviert.[2]

Sie nahm früher als Heilpflanze im Volksglauben eine bedeutende Rolle ein. Heutzutage findet sie lediglich in der Homöopathie bei Rheumaschmerzen der Hand- und Fingergelenke Anwendung.[2]

Volksnamen[Bearbeiten]

Als Bezeichnung sind oder waren, zum Teil auch nur regional, auch folgende Namen gebräuchlich: Berufkraut (Schweiz, Elsass), Beschreikraut (Henneberg), Christophelskraut (Schweiz, Schwaben, Preußen), Sankt Christophelskraut, Sankt Christophskraut (Württemberg, mittelhochdeutsch), Christophswurz, Feuerkraut (Ostpreußen), Fleckachrut (St. Gallen, Rheintal), Heidnisch Wundkraut (Schlesien, Göttingen), Hexenkraut (Aargau, Zürich, Glarus, Augsburg), Schwarzkraut, Schwarzreinswurz, Schwarzwurz (Schlesien), Wolfswurzen (Schweiz), Wolveswurz (althochdeutsch) und Wuhlefswurzel (Siebenbürgen). Speziell für die Früchte gibt es die Bezeichnung Mutterbeeren (Eifel).[3]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bertram Münker: Wildblumen Mitteleuropas (Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10563-8.
  •  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Actaea spicata, Chromosomenzahl bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  2. a b c d e f g  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1, S. 51.
  3. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, Seite 10

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ähriges Christophskraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien