Ölmühle

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ölmühle (Begriffsklärung) aufgeführt.

Eine Ölmühle ist die Produktionseinrichtung zur Herstellung von Pflanzenöl aus Ölsaaten und -früchten. Bei den Rohstoffen wird unterschieden zwischen Ölpflanzen, bei denen das Fruchtfleisch genutzt wird (z. B. Olivenbaum, Ölpalme) und Ölfrüchten, bei denen die Samen genutzt werden (Soja, Sonnenblumen, Raps). Ölmühlen verarbeiten die Rohstoffe zu Ölen und Fetten sowie Ölschroten (Presskuchen). Verwendet werden die Pflanzenöle als Lebens- und Futtermittel wie auch im technischen Bereich (Oleochemie, Biokraftstoffe).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Zentrale und dezentrale Ölmühlen

Pflanzenöle werden durch das Auspressen von Pflanzenteilen gewonnen. Produziert wird das Pflanzenöl in zentralen oder dezentralen Ölmühlen. Eine Abgrenzung zwischen den Produktionseinrichtungen erfolgt nach Angaben des Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. auf der Basis folgender Merkmale:[1]

Blick in die geöffnete Seiherstab-Schneckenpresse einer dezentralen Ölmühle.
Quetschen von Walnüssen im Kollergang

Merkmale der zentralen Ölmühle sind:

Merkmale der dezentralen Ölmühle sind:

  • Verarbeitungskapazität: 0,5 bis 25 t Ölsaat pro Tag
  • Kaltpressung (Produktion von nativem Öl)
  • geringere Ölausbeute, dabei hoher Restfettgehalt im Presskuchen
  • eher landwirtschaftliche Zuordnung

[Bearbeiten] Verfahren

Der Produktionsprozess bei der zentralen und dezentralen Ölgewinnungen unterscheidet sich wesentlich. Zentrales Element bei beiden ist jedoch die Pressung (Schnecken- oder Seiherstab-Schneckenpresse). Weitere Verfahren zur Erzeugung von Pflanzenöl sind:

Extraktion

Bei diesem Verfahren werden Schleimstoffe extrahiert und das Pflanzenöl mit Lösungsmitteln (Hexan) aus den Pflanzenzellen herausgelöst. Das „Miscella“ genannte Gemisch aus Hexan, Wasser und Öl wird in der Destillation in die drei Bestandteile getrennt. Das Öl wird so aufbereitet, dass es als Pflanzenöl weiterverarbeitet werden kann. Das zurück gewonnene Hexan wird für weitere Extraktionsvorgänge verwendet.

Zentrifugation

Besonders bei der Herstellung von Olivenöl wird ein Zentrifugationsverfahren eingesetzt. Der unter Umständen mit Wasser versetzte und erwärmte Brei wird hier bei etwa 20 000 Umdrehungen pro Minute zentrifugiert.

[Bearbeiten] Rohstoffe

Als Rohstoffe werden die Samen (Raps, Sonnenblumen, Nüsse) oder auch das Fruchtfleisch (Ölpalme, Olive) der Pflanzen verwendet. Weltweit gibt es viele Tausend Ölpflanzen, die als Rohstofflieferanten genutzt werden können. In Europa sind vor allem folgende Ölfrüchte von Bedeutung:

  • diverse Nüsse
  • Färberdistel
  • Rapssaaten
  • Sojasaaten (importiert)
  • Oliven
  • Sonnenblumenkerne
  • Traubenkerne

[Bearbeiten] Wirtschaftliche Bedeutung

In Deutschland gibt es etwa 20 zentrale Ölmühlen, meist an großen Wasserstraßen gelegen und eingebunden in nationale oder internationale Konzerne. Daneben bestehen etwa 600 kleinere dezentrale Ölmühlen, die meist im landwirtschaftlichen Umfeld in regionalen Kreisläufen tätig sind. Angebot und Nachfrage (Preisgestaltung) werden in der Regel an der Warenterminbörse in Chicago gehandelt.

Die zentralen Ölmühlen verarbeiten neben heimischen Produkten auch Saaten aus der gesamten Welt. Für die dezentralen Ölmühlen ist neben der Vermarktung des Pflanzenöls insbesondere auch die Vermarktung des Koppelprodukts Presskuchen von wirtschaftlicher Bedeutung. Merkmal bei dezentralen Ölmühlen sind hier die kurzen Transportwege für die Saaten und die fertigen Produkte. Durch die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Ölmühlen ist eine durchgängige Versorgung der Gesellschaft mit Pflanzenöl gewährleistet.

Der überwiegende Teil der Produktion in zentralen als auch dezentralen Anlagen dient aktuell der Kraftstoffproduktion. Daneben werden auch Speiseöle und Futteröle sowie Schmierstoffe und Trennmittel produziert. Bei Erzeugnissen aus zentralen Ölmühlen handelt es sich in der Regel um vollraffinierte Pflanzenöle, während in dezentralen Anlagen durch schonende Ölsaatenverarbeitung sogenannte kaltgepresste Pflanzenöle hergestellt werden, die keine Raffinationsschritte durchlaufen.[2]

[Bearbeiten] Ökologische Auswirkungen

Mit der Verwendung von Pflanzenöl als Biokraftstoff werden auch ökologische Aspekte verbunden. Theoretisch gilt, dass bei der Verwendung von Pflanzenöl nur so viele klimaschädliche CO2-Emissionen freigesetzt werden, wie beim Aufwachsen der Pflanze gebunden wurde. In der Praxis ist zu berücksichtigen, dass durch Anbau, Verarbeitung und Transport der Ölprodukte mit konventionellen Methoden wieder ein Teil der Emissionen aus dem CO2-Kreislauf herausgenommen werden.

[Bearbeiten] Geschichte

Als Lebensmittel hat Pflanzenöl eine sehr lange Geschichte. Die Verfahren, Pflanzenöl aus den Saaten und Früchten auszupressen, sind in diesem Kontext entstanden. Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland 4.000 Ölmühlen. Mit Beginn der Industrialisierung im vorletzten Jahrhundert begann auch eine Zentralisierung in diesem Bereich. Seit Beginn der 1990er Jahre des letzten Jahrhunderts hat es Wiederbelebung der Dezentralisierung der Ölmühlen gegeben.

Mindestens zehn der großen Ölmühlen sind Tochterunternehmen internationaler Großunternehmen wie etwa Bunge Limited, Cargill oder Archer Daniels Midland.[3] Mehr als die Hälfte der dezentralen Ölmühlen befinden sich in Süddeutschland, insbesondere in Bayern.[4]

[Bearbeiten] Historische Ölmühlen

Ölmühle Halverde

Die Ölmühle Berschweiler ist eine historische Ölmühle, die jedoch nicht mehr in Betrieb ist. Die ursprüngliche Technik ist vollständig erhalten. Diverse Ölmühlen finden sich in Freilichtmuseen, so beispielsweise im Vogtsbauernhof (Schwarzwald), die Ölmühle Wern in Fürth im Ostertal oder als Außenstelle im Freilichtmuseum Roscheider Hof (Obermosel). Die Herzsche Ölmühle in Wittenberge an der Elbe, 1823 gegründet und 1856 um den Speicher erweitert, bildet heute die Kulisse der Elblandfestspiele Wittenberge, einem jährlichen Open-Air-Festival der Operette und Filmmusik. Seit dem Sommer 2007 agiert das Festival auf einer neuen festen Bühne, der Elblandbühne, die in die Architektur des Speichers von 1856 eingefügt ist. Seit 1923 ist die denkmalgeschützte Ölmühle der Essig- & Senffabrik Ph. Leman GmbH ununterbrochen in Betrieb. Früher wurden hier neben Senfsaaten und Raps vor allem Bucheckern gepresst.

[Bearbeiten] Belege

  1. Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V.: Dezentrale Ölsaatenverarbeitung – Arbeitspapier 267. Landwirtschaftsverlag GmbH, Münster-Hiltrup 1999; S. 1–130
  2. B. A. Widmann: Hintergründe und Zielsetzungen der dezentralen Ölsaatenverarbeitung, in: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (Hrsg.), Dezentrale Ölsaatenverarbeitung, Darmstadt, 2005, S. 13–21
  3. Mitgliedsfirmen des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V. (OVID)
  4. Dezentrale Ölmühlen in Deutschland, Webseite des Technologie- und Förderzentrums e. V., Bayern

[Bearbeiten] Weblinks und weiterführende Informationen

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