36 Strategeme

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Die Sechsunddreißig Strategeme (Chinesisch: 三十六計; Pinyin: sanshiliu ji) sind eine Sammlung von Strategemen, die dem chinesischen General Tan Daoji († 436) zugeschrieben werden.

Die 36 Strategeme sind in China Allgemeingut. Sie sind Schullesestoff und werden als Cartoons gedruckt.

Inhaltsverzeichnis

Strategeme in China[Bearbeiten]

Chinesische Autoren haben seit über 2000 Jahren unterschiedliche Überlistungstechniken benannt und systematisiert. Strategeme spielen bereits in Sunzis Werk Sunzi Bingfa (Sūnzi bīngfǎ) über die Kriegskunst (etwa 500 v. Chr.) eine wichtige Rolle. Sein Kernsatz lautet: "Alle Kriegshandlung beruht auf Täuschung". Besonders bekannt sind in China die Sechsunddreißig Strategeme, die auf General Tan Daoji († 436) zurückgehen sollen. Schriftlich wurden sie durch das Traktat Sanshiliu Ji. Miben Bingfa (Die 36 Strategeme - Geheimbuch der Kriegskunst, entstanden um 1500) überliefert. Der Verfasser ist namentlich nicht bekannt, wurde jedoch vermutlich von Zhao Benxue, einem Militärhistoriker aus der Ming-Zeit (1368–1644), oder einem seiner Schüler beeinflusst.

Die 36 Strategeme sind in eine Vielzahl von Geschichten über militärische, diplomatische und private Themen eingeflossen. Hierzu gehören u. a. die Geschichten um Zhuge Liang, Cao Cao und Liu Bei.

Zu Überlistungstechniken außerhalb Chinas vgl. den unten stehenden Abschnitt Strategeme in anderen Kulturkreisen.

Die 36 Strategeme[Bearbeiten]

Den Kaiser täuschen und das Meer überqueren[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
mán täuschen
tiān Himmel = Kaiser
guò überqueren
hǎi Meer

Der Kaiser soll gegen seinen Willen dazu gebracht werden, das Meer zu überqueren, indem man ihn in ein Haus am Meer einlädt, das in Wirklichkeit ein Schiff ist. Angespielt wird hier auf ein Ereignis um den Tang-Kaiser Tang Gaozong, der im 7. Jahrhundert n. Chr. das Reich Koguryo angreifen wollte. Das „Vollendete Tatsachen“ -Strategem (Zieltarnung und Kursverschleierung)

Wei belagern, um Zhao zu retten[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
wéi belagern
Wèi Wei
jiù retten
Zhào Zhao

Angriff auf ein wichtiges bzw. empfindliches Ziel des Gegners, um von dem eigenen abzulenken. Das Strategem beruht auf einem realen Kriegszug des Reiches Qi auf Rat des Militärstrategen Sun Bin in der Zeit der Streitenden Reiche.

Wei befand sich zwischen den Staaten Qin und Qi. Zhao grenzte an Qin, Wei und Yan. Zhao wurde 354 v. Chr. von Wei angegriffen und rief Qi um Hilfe. Dieses sandte keine Entsatztruppen nach Zhao, sondern griff die ungeschützte Hauptstadt von Wei an. Die Armee von Wei musste daraufhin den Angriff abbrechen.

Mit dem Messer eines Anderen töten[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
jiè leihen
dāo Messer
shā töten
rén Mensch

Strategem für den Einsatz von Verbündeten, die einen Stellvertreterkrieg führen, oder für einen Gleichgesinnten, den man dazu motiviert, eine schwierige Aufgabe zu erledigen (vgl. auch „Kastanien aus dem Feuer holen“).

Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
in
Ruhe
dài erwarten
láo Erschöpfung

Im Jahr 342 v. Chr. trat Sun Bin vor der Übermacht des Feindes einen Scheinrückzug an. Dabei hinterließ er anfangs 100.000, dann 50.000 und am Ende nur noch 30.000 Feuerstellen. Die Verfolger glaubten nun, viele Soldaten seien desertiert und machten sich mit einer leicht ausgerüsteten Truppe auf die Verfolgungsjagd. Sun Bin aber wartete in einem Hinterhalt und konnte die feindliche Truppe vernichten.[1]

Ein Feuer für einen Raub ausnutzen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
chèn etwas ausnutzen
huǒ Feuer
schlagen
jié rauben

Das bedeutet, Chaos erzeugen und für den Angriff ausnutzen, indem man aus den Schwierigkeiten eines anderen Nutzen zieht und das Chaos in den Reihen des Feindes nutzt, um ihn zu besiegen.

Im Osten lärmen, im Westen angreifen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
shēng Geräusch
dōng Osten
angreifen
西 西 Westen

Durch einen Scheinangriff wird der Feind dazu gebracht, dort seine Truppen zu verstärken und an der Stelle die Ressourcen abzuziehen, wo dann tatsächlich der Angriff stattfindet.

Etwas aus einem Nichts erzeugen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
(nichts) haben
zhōng in
shēng hervorbringen
yǒu (etwas) haben
  1. Pausenlose Fehlalarme, die zu nachlassender Aufmerksamkeit führen.
  2. Das Vorgaukeln eines Trugbildes für einen Vorteilsgewinn oder Gesinnungswandel nutzen.
  3. Diffamieren, Gerüchte streuen, „aus einer Mücke einen Elefanten machen“.

Heimlich nach Chencang marschieren[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
àn heimlich
überqueren
chén 1. Teil des Ortsnamens
cāng 2. Teil des Ortsnamens
  1. die Marschrichtung verschleiern,
  2. die ungewöhnliche Absicht, Kritik hinter normalem, unverfänglichen Tun verbergen.

Liu Bang, der Begründer der Han-Dynastie, ließ einen verbrannten Holzweg durch Berge mühsam instandsetzen, was seine Gegner in der Sicherheit wiegte, dass die Arbeiten noch eine Weile in Anspruch nähmen. Tatsächlich aber nahm Liu Bang einen anderen Weg und schlug den überraschten Feind.

Das Feuer am gegenüberliegenden Ufer beobachten[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
gegenüber
àn Ufer
guān anschauen
huǒ Feuer

Eigene Aktionen unterlassen, bis sich die Lage zum eigenen Vorteil entwickelt hat, dabei jede Aktion des Gegners unterbinden, die ihm einen Vorteil bringt.

Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
xiào lachen
in
cáng verbergen
dāo Messer

Den Feind durch Freundlichkeit in Sicherheit wiegen, um ihn im Moment der Schwäche anzugreifen.

Der Pflaumenbaum verdorrt anstelle des Pfirsichbaums[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
Pflaume
dài vertreten
táo Pfirsich
jiāng sich festfahren
  1. sich selbst opfern, um andere zu retten
  2. den anderen opfern, um sich selbst zu retten
  3. irgendjemanden opfern, um einen Dritten zu retten
  4. ein kleines Opfer bringen, um etwas Wertvolles zu gewinnen

Mit leichter Hand das Schaf wegführen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
shùn in gleicher Richtung
shǒu Hand
qiān etwas hinter sich herziehen
yáng Schaf, Ziege

Die Gelegenheit beim Schopf packen. Mit geringem Aufwand ein Maximum erreichen.

Auf das Gras schlagen, um die Schlange aufzuscheuchen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
schlagen
cǎo Gras
jīng erschrecken
shé Schlange

„Auf den Busch klopfen“-Strategem. Den Gegner aus der Reserve locken, die Stärke des Gegners prüfen. Auch: Die Aufmerksamkeit des Gegners auf sich ziehen. Das Erschrecken des Gegners durch etwas Unerwartetes, z. B. durch einen Scheinangriff, der ihn in die Irre führt. Ist der Gegner kurz erschrocken, so wird seine Gegenwehr unterwandert und seine Reaktionsfähigkeit gemindert.

Für die Rückkehr der Seele einen Leichnam ausleihen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
jiè ausleihen
shī Leichnam
huán zurückkommen
hún Seele

Etwas Gefürchtetes, Geliebtes, Traditionelles zwecks Einschüchterung bzw. Ermutigung wieder aufleben lassen.

Den Tiger vom Berg in die Ebene locken[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
調 diào wechseln
Tiger
verlassen
shān Berg
  1. den Tiger aus dem vertrauten Terrain weglocken, um ihn leichter zu erlegen
  2. den Tiger weglocken, um sich seines leichter zu verteidigenden Berges zu bemächtigen
  3. den Tiger schwächen, indem man seine wichtigsten Helfer entfernt
  4. die Kinder des Tigers fangen, wenn der weggelockt ist

Entspricht der deutschen Redewendung „aufs Glatteis führen“.

Will man etwas fangen, muss man es zunächst loslassen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
wollen
qín fangen
absichtlich
zòng freilassen

Unterwanderung der gegnerischen Truppen durch freigelassene Kriegsgefangene, die man zuvor freundlich behandelt hat.

Einen Backstein hinwerfen, um Jade zu erlangen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
pāo werfen
zhuān Ziegelstein
yǐn anlocken
Jade

Etwas Kleines opfern, den Gegner dadurch auf eine falsche Fährte führen, und sich dann im Rücken des Feindes des Großen zu bemächtigen.

Beispiel: Durch eine gezielte Maßnahme (zum Beispiel Streuung von Informationen, schwache Befestigung einer eigenen Festung) den Feind zu einem raschen Vorgehen verleiten und ihn dann aus einem Hinterhalt an seiner schwächsten Stelle angreifen.

Den Gegner durch Gefangennahme des Anführers unschädlich machen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
qín fangen
zéi

Gegner

qín fangen
wáng Herrscher

Der Schlange den Kopf abschlagen. Gelingt es, den feindlichen Kommandanten gefangen zu nehmen, so sinkt die Moral des Feindes und die Schlacht ist entschieden.

Das Brennholz heimlich unter dem Kessel wegnehmen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
Kochkessel
Boden
chōu abziehen
xīn Brennholz

Das Wasser abgraben; dem Gegner seine Ressourcen oder dem Krieg den Grund entziehen, um den Konflikt frühzeitig zu beenden oder gar zu vermeiden.

Das Wasser trüben, um die Fische zu ergreifen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
hún trüb
shuǐ Wasser
aufspüren
Fisch

Im Trüben fischen; Desorientierung nutzen, um Anhänger zu gewinnen. Dem Gegner die Übersicht nehmen, um ihn im blinden Zustand leichter zu überwältigen.

Die Zikade wirft ihre goldglänzende Haut ab[Bearbeiten]

Zikaden-Larve
Zeichen Pinyin Bedeutung
jīn Gold
chán Zikade
tuō ausziehen
Hülle

Falsche, zu strategischen Zwecken ersonnene Äußerlichkeiten hinter sich lassen. Wie die Haut der Zikade bleibt die Fassade intakt, doch das eigentliche Geschehen spielt sich nun anderenorts ab. Angeblich hat die unterirdisch lebende Larve der Zikade eine goldglänzende Hülle. Für das oberirdisch lebende erwachsene Tier ist diese Hülle zu gefährlich, sie streift sie ab und tarnt sich.

Die Türe schließen, um den Dieb zu fangen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
guān schließen
mén Tür
zhuō fangen
zéi Dieb

Den Feind lässt man ins Leere laufen, um ihn dann einkesseln zu können. Dem Gegner jeden möglichen Fluchtweg abschneiden.

Sich mit dem fernen Feind verbünden, um Nachbarn anzugreifen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
yuǎn fern
jiāo befreunden
jīn nah
gōng angreifen

Ein General, der sich von mehreren Feinden bedroht fühlt, kann sich mit einem fernen Feind verbünden, um den nahen Feind einzukreisen. Dieses Strategem ist auch in anderen Kulturkreisen wohlbekannt. Es drückt sich etwa in dem arabischen Sprichwort aus: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Einen Weg für einen Angriff gegen Guo ausleihen.[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
jiǎ ausleihen
dào Weg
angreifen
Guó Staat Guo

Im Jahr 658 v. Chr. erbat der Staat Jin vom Staat Yu das Recht zum Durchmarsch, um den Staat Guo anzugreifen. Nach zwei Feldzügen gegen Guo nahm der Staat Jin auch noch den Staat Yu ein, in dem sich seine Soldaten ohnehin schon befanden.

Die Balken stehlen und gegen morsche Stützen austauschen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
tōu heimlich
liáng Tragbalken
huàn tauschen
zhù Pfeiler

Ohne Veränderung der Fassade eines Hauses die Tragbalken stehlen und die Stützpfosten austauschen. Anderen die Spitzenkräfte abwerben; eine Mogelpackung präsentieren.

Die Akazie schelten, dabei aber auf den Maulbeerbaum zeigen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
zhǐ zeigen
sāng Maulbeerbaum
schimpfen
huái Akazie

Den Sack schlagen und den Esel meinen. Die Akazie war der Lieblingsbaum der Kaiser. Der Maulbeerbaum war wichtig für die Seidengewinnung des einfachen Volks. Kritik gegenüber Vorgesetzten wurde indirekt vorgebracht, indem man sich zum gleichen Sachverhalt über andere Personen beschwerte.

Verrücktheit mimen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
jiǎ vortäuschen
chī Wahnsinn
nicht
diān verrückt (werden)

Der Feldherr lässt sich von seinem Feind als unfähig betrachten, damit dieser vielleicht Zeit verstreichen lässt, die er nutzt, um seine Ausgangslage zu verbessern.

Auf das Dach locken, um dann die Leiter wegzuziehen[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
shàng auf
Dach
chōu wegziehen
Leiter

Dem Gegner ein leichtes Ziel bieten und ihn damit in eine Gegend zu locken, aus der es nur wenige Fluchtmöglichkeiten gibt. Diese Fluchtmöglichkeiten müssen dann abgeschnitten werden, damit sich die Falle schließt.

Dürre Bäume mit künstlichen Blüten schmücken[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
shù Baum
shàng auf
kāi öffnen
huā Blüte

Ein verdorrter Baum erscheint durch künstliche Blüten gesund und stark. Täuschung des Gegners hinsichtlich der eigenen Truppenstärke und Bewaffnung, z. B. durch Attrappen. Die eigene Armee größer und stärker aussehen lassen.

Die Rolle des Gastes in die des Gastgebers umkehren[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
fǎn gegen
Gast
wéi machen
zhǔ Gastgeber

Die Position des Gegners usurpieren. Nach der erfolgreichen Abwehr eines Angriffs den Gegenangriff einläuten und den Gegner zum Verteidigen zwingen in einem Terrain, das ihm fremd ist, aber auch „vom Jäger zum Gejagten werden“. Im Kern geht es darum, die – reaktive – Rolle des „Gastes“ in die – aktive – Rolle des Gastgebers umzukehren, um Handlungsfähigkeit zu erlangen, eine schwache Position in eine starke umzuwandeln, um den Gegner in eine für ihn defensive bzw. reaktive Rolle zu zwingen.

Die List der schönen Frau[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
měi schön
rén Mensch
List

Dieses Strategem steht für Informationsgewinnung oder Korrumpierung. Meist bedeutet es, eine Frau einzusetzen, um eine wichtige Persönlichkeit zu beeinflussen. Dazu sagte der Sänger Sima Xiangru:

„Ein Blick – und ganze Städte fallen, ein zweiter Blick – und Reiche stürzen ein.“

Der bekannteste Fall ist der Fall der Diaochan, einer der vier schönen Frauen des alten Chinas. In Luo Guanzhongs Roman Die Geschichte der Drei Reiche beteiligt sich Diaochan an einer Verschwörung des Beamten Wang Yun, um den Krieger Lü Bu dazu zu bringen, seinen Herrn und Adoptivvater Dong Zhuo zu ermorden.

Durch die Aussicht auf Heirat einen Konflikt beilegen und eine Koalition bilden aufgrund gemeinsamer Interessen.

In der Welt der Spionage wird das Verfahren „Romeo-Variante“ genannt. Eine intime Beziehung soll helfen, die Zielperson „abzuschöpfen“. Es kommt darauf an, Informationen zu gewinnen, die der oder die Betreffende im Schutze der Vertrautheit einer Beziehung äußert.

Die List der offenen Stadttore[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
kōng leer
chéng Stadt
List

Einen Hinterhalt vortäuschen, der die eigene Schwäche verschleiert. Zhuge Liang war mit 5.000 Soldaten nach Xicheng gezogen, als der feindliche General Sima Yi mit einem Heer von 150.000 Mann gegen die Stadt vorrückte. Zhuge Liang ließ die vier Stadttore öffnen und setzte sich mit einer Zither auf die Stadtmauer. Sima Yi verzichtete auf einen Angriff, da er eine Falle befürchtete. Er schätzte Zhuge Liang als so vorsichtig ein, dass er ein derart offenkundiges Risiko niemals auf sich genommen hätte. Nach dem Abzug des Feindes sagte Zhuge Liang: „Hätten wir die Stadt aufgegeben und die Flucht ergriffen, dann wären wir bestimmt nicht weit gekommen.“

Die List des Zwietrachtsäens[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
fǎn gegen
jiān zwischen
List

In Sunzis Kunst des Krieges (孫子兵法 Sūnzǐ bīngfǎ) wird die besondere Bedeutung von Doppelagenten betont (1. Alt.). Vgl. Kapitel ‚Das Schwert in der Scheide‘: Höchste militärische Führungskunst ist Sunzi zufolge das Angreifen/Durchkreuzen der gegnerischen Strategie, danach folgt als zweitbeste Option das Spalten der Allianzen des Gegners, drittbeste Alternative wäre der (direkte) Angriff des Gegners und die schlechteste militärische Lösung wäre das Belagern der Hochburgen des Gegners. Das Strategem des „Zwietrachtsäens“ stellt auf die Lösung Sunzis ab, die Allianzen des Gegners zu spalten. (2. Alt)

Zwei befeindete Parteien gegeneinander ausspielen, um dann selbst einen Nutzen daraus zu ziehen.

Streiten sich zwei, so freut sich der Dritte.

Die List der Selbstverstümmelung[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
bitter
ròu Fleisch
List

Sich selbst verletzen, um Mitgefühl zu erregen und eigene Schwäche vorzutäuschen.

Die Ketten-Strategie[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
lián verbinden
huán Kettenglied
List

Zwei oder mehrere Strategeme verknüpfen.

Weglaufen ist die beste Methode[Bearbeiten]

Zeichen Pinyin Bedeutung
zǒu weggehen
wéi machen
shàng auf
Methode

Rechtzeitiges Weglaufen ist bei sich abzeichnender Aussichtslosigkeit das Beste. Wenn die anderen 35 Listen versagen, ist die 36. List, die Flucht, die beste Strategie. Dieses Strategem wird meist mit 三十六計,走為上策 wiedergegeben.

Sich ergeben ist eine vollständige Niederlage, ein Vergleich ist eine halbe Niederlage. Flucht bietet die Chance, später doch noch zu gewinnen. Der Rückzug war dann nur ein taktischer Zug.

Strategeme in anderen Kulturkreisen[Bearbeiten]

In der Antike kursierten wohl eine Reihe von Schriften mit Strategemsammlungen. Davon sind jedoch alle bis auf zwei verloren gegangen. Die ältere der beiden verfasste der römische Staatsmann und Feldherr Sextus Iulius Frontinus (* um 40, † 103) als Ratgeber für Offiziere. Die zweite stellte der griechische Rhetor (Redner) und Anwalt Polyänus (* um 100) zusammen.

Kunstgriffe aus europäischen Fürstenspiegeln lassen sich als Strategeme lesen, wie etwa die Ratschläge aus Machiavellis Der Fürst. Ebenso lassen sich die von Arthur Schopenhauer aufgeführten Kunstgriffe seiner Eristischen Dialektik als Strategeme auffassen. Das von Schopenhauer kongenial übersetzte Handorakel und Kunst der Weltklugheit des Baltasar Gracián enthält viele der Strategeme in seiner prägnanten und kurzen Art. Harro von Senger, der die 36 Strategeme umfangreich kommentiert ins Deutsche übersetzt hat, weist auf Reineke Fuchs (s. a. Reynke de vos) von Johann Wolfgang von Goethe als Beispiel für europäische Strategeme hin.

Im arabischen Raum finden sich ein halbes Dutzend Abhandlungen, die sich mit Listen im (derzeit angewendeten) islamischen Recht beschäftigen. Zudem existiert ein allgemeineres Werk namens Raqa’iq al-hilal fi daqa’iq al-hiyal aus dem 15. Jahrhundert. Ein weiteres stammt von dem Sizilianer Ibn Zafer aus dem 12. Jahrhundert.

Ihm steht das indische Lehrbuch Arthashastra von Kautilya (4. Jahrhundert v. Chr.) gegenüber.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mit dieser Taktik gewann zum Beispiel im Jahr 1066 William the Conqueror die Schlacht bei Hastings

Literatur[Bearbeiten]

  • Marco Althaus: Strategien für Kampagnen. Klassische Lektionen und modernes Targeting. In: Marco Althaus (Hrsg.): Kampagne! Neue Strategien für Wahlkampf, PR und Lobbying. Münster, 2001, S. 11–44 (Medienpraxis; 1).
  • Sextus Iulius Frontinus: Kriegslisten. Lateinisch und Deutsch von Gerhard Bendz. 2. Auflage. Berlin 1978.
  • Yuan Gao: Lock den Tiger aus den Bergen. 36 Weisheiten aus dem alten China für Manager von heute. Droemer Knaur, München 1995.
  • Robert Greene: Power – Die 48 Gesetze der Macht. dtv, ISBN 3-423-36248-0.
  • Julia Kotzschmar und Josef K. Pöllath: Strategeme. Etwas aus einem Nichts erzeugen. Marixverlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-235-0.
  • Gianluca Magi: 36 Strategeme für Erfolg und Wohlstand: Die altbewährte chinesische Kunst der Strategie. Kailash, München 2009.
  • Adam Matuschczyk: Kreative Strategeme: kreatives und systemisches Denken bei der Austragung sozialer Konflikte. Kardinal, Hannover 2009.
  • Polyaenus: Strategems of war. Herausgegeben und übersetzt von Peter Krentz und Everett L. Wheeler. 2 Bände. Chicago 1994.
  • Harro von Senger: Strategeme, Die berühmten 36 Strategeme der Chinesen – lange als Geheimwissen gehütet, erstmals im Westen vorgestellt. Scherz, ISBN 3-502-15660-3.
  • Harro von Senger: Strategeme. Lebens- und Überlebenslisten aus drei Jahrtausenden. 10. Auflage. Scherz, Bern, München, Wien 2000.
  • Harro von Senger: 36 Strategeme für Manager. Piper, München 2006, ISBN 3-492-24649-4.
  • Haichen Sun: The Wiles Of War: 36 Military Strategies from Ancient China. Foreign Languages Press, Peking 1993.
  • Stefan H. Verstappen: The Thirty-Six Strategies of Ancient China. China Books & Periodicals, San Francisco 1999

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]