5. Klavierkonzert (Mozart)

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Das 5. Klavierkonzert in D-Dur, KV 175 ist ein Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach anderer Zählung ist es dessen erstes Klavierkonzert, da diesem allenfalls Studien mit den sogenannten Pasticciokonzerten KV 37–41 und den drei Klavierkonzerten KV 107 nach Sonaten von Johann Christian Bach vorausgingen.

Entstehung[Bearbeiten]

Mozart schrieb das Konzert im Dezember 1773, im Alter von 17 Jahren. Sein erstes eigenständiges Klavierkonzert entstand über sechs Jahre nach den ersten Gehversuchen mit den Pasticcio-Konzerten. Eine Zeit, in der Mozart sich die nötigen Fähigkeiten und Erfahrungen für ein eigenes Erstlingswerk eines so komplexen Werkes angeeignet hatte. Es zeigt bereits Mozarts eigene, unverwechselbare Züge, wenngleich einige Passagen noch an die Vorbilder Joseph Haydn, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Christian Bach erinnern. Mozart ersetze das ihm offenbar zu gewichtig erscheinende Finale später durch das Rondo KV 382 für die Aufführungen des Konzertes in Wien. Hiermit wollte er stärker auf den vorherrschenden Geschmack des Publikums eingehen und dieses nicht überfordern.

Zur Musik[Bearbeiten]

1. Satz: Allegro[Bearbeiten]

Der Aufbau des Satzes entspricht im Wesentlichen schon der üblichen Mozartschen Konzeption eines ersten Satzes im Solokonzert. Das Eingangsritornell des Orchesters, stellt beide Themen vor. Es ist in den Mozartschen Klavierkonzerten durchaus noch üblich und angemessen, angelehnt an barocke Solokonzerte, von Ritornellen zu sprechen. Das Hauptthema ist von vergnügten und eingängigen Charakter. Die Soloexposition nimmt die Phrasen des ersten Orchestertuttis auf und erweitert sie. Das Klavier verrückt das Geschehen in die Dominante, in diesem Fall nach A-Dur. Die Durchführung bevorzugt das erste Thema, welches vom Klavier figurativ umspielt wird. Kurz nach Beginn der Durchführung erklingt eine falsche Reprise, welche in den musikalischen Verlauf hereinbricht. Eine Solokadenz des Klaviers, welche bereits ein nicht unerhebliches Maß an technischen Fertigkeiten fordert, führt zum kurzen Schlussritornell.

2. Satz: Andante ma un poco adagio[Bearbeiten]

Die Satzbezeichnung lässt darauf schließen, dass Mozart den zu jener Zeit üblichen fließenden Charakter der Tempobezeichnung Andante hier nicht angewendet wissen wollte. Der Satz wendet eine verkürzte Form des Sonatenhauptsatzes an. Das Orchester stellt das nachdenkliche und leicht wehmütige Thema vor, welches das Soloklavier nach einigen Takten aufnimmt. Der Satz zeigt Verwandtschaft mit der Konzertarie KV 294, welche die Tempobezeichnung Andante sostenuto trägt. Dieser Mittelsatz des 5. Klavierkonzertes zeigt bereits Merkmale der inwendigen und empfindungstiefen Mittelsätze der Mozartschen Klavierkonzerte.

3. Satz: Allegro[Bearbeiten]

Das Finale weist am wenigsten in die Zukunft. Das kanonisch geführte Hauptthema erinnert mehr an ein Barockkonzert. Neu hingegen ist die Art und Weise der Klavierfigurationen, welche subtil und einfallsreich gestaltet sind. Das Hauptthema besteht im Wesentlichen aus einem abfallenden Akkord, welcher von den Streichern unisono gespielt wird und in den letzten beiden Tönen synkopisch verschoben ist. Hieraus entwickelt sich der musikalische Verlauf. Eine kurze und virtuose Kadenz führt zum optimistischen Ende des Konzertes.

Dieser Satz wurde später durch das Rondo KV 382 ersetzt, um das Wiener Publikum zu befriedigen. Dieses neun Jahre später entstandene Rondo zeigt allerdings erhebliche stilistische Unterschiede zum restlichen Konzert.

Wirkung[Bearbeiten]

Das Konzert erfreute sich bereits zu Lebzeiten Mozarts großer Beliebtheit. Die Aufführungen des Konzertes waren sehr gut besucht. So wurde das Konzert noch 1778, 1782 und 1783 in Wien aufgeführt, was nicht unbedingt üblich war, da viele kleine Kompositionen jener Zeit eher Gelegenheitsmusik waren, welche nur einige Male aufgeführt wurde. Mit den Mozartschen Werken sollte sich dies nachhaltig ändern.

Stellenwert[Bearbeiten]

Das erste eigenständige Klavierkonzert Mozarts ist ein in mancher Hinsicht für Mozart untypisches Konzert. Der Orchesterapparat ist für Mozarts Verhältnisse ungewöhnlich groß. Er umfasst auch Trompeten und Pauken, was für seine frühen Klavierkonzerte einen Einzelfall darstellt. Dass der Finalsatz im reinen Sonatenhauptsatz steht, ist ebenfalls eine Ausnahme für die Konzerte Mozarts. Im gleichzeitig entstandenen Violinkonzert KV 207 ist dies auch der Fall. Beide Sätze wurden später durch einfache Rondosätze ersetzt. Eine weitere Eigenheit des Werkes ist der geringe Tonumfang, den das Soloinstrument zu bewältigen hat (A bis d’’’). Mozart hatte selbst in frühesten Werken bereits größere Tonumfänge gefordert. Dies lässt sich entweder so erklären, dass das Werk für einen Interpreten gedacht war, dessen Instrument einen kleinen Tonumfang hatte, oder das Werk ist nicht in ursprünglicher, sondern bearbeiteter Form überliefert. Das Autograph ist seit 1860 unauffindbar verschwunden.

Das Klavierkonzert KV 175 ist ein Vorreiter der folgenden großartigen Klavierkonzerte Mozarts. Im groß angelegten Klavierkonzert KV 451 wird Mozart nochmals die Tonart D-Dur verwenden. Das Werk lässt bereits den Einfallsreichtum und die Genialität der späteren Konzerte Mozarts erahnen. Bereits dieses Frühwerk stellt einen großen Fortschritt gegenüber den vorausgegangen Werken der Gattung bei Johann Christian Bach und Georg Christoph Wagenseil dar. Das konzertante Prinzip von Solo und Tutti im dialogischen Wettstreit findet hier zu wahrer Entfaltung. Die Qualität der Mozartschen Werke darüber hinaus, wie sich schon in diesem frühen Konzert feststellen lässt, besteht in der Plastizität der Erfindung, der Schönheit der melodischen Einfälle und der Tiefe der Empfindung. Das 5. Klavierkonzert weist diesen Weg, den Mozart in den folgenden Meisterwerken der Gattung gehen wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hansjürgen Schaefer: Konzertbuch Orchestermusik G-O. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-370-00036-9.
  • Harenberg Konzertführer. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1998, ISBN 3-611-00535-5.
  • Marius Flothuis: Mozarts Klavierkonzerte. C.H.Beck Wissen, München 1998, ISBN 3-406-41874-0.

Weblinks[Bearbeiten]