27. Klavierkonzert (Mozart)

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Das 27. Klavierkonzert in B-Dur, KV 595, ist das letzte Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Einer abweichenden Zählung zufolge, in der nur die reinen und vollständig von Mozart stammenden Klavierkonzerte berücksichtigt werden, handelt es sich um das 21. Klavierkonzert des Komponisten.

Entstehung[Bearbeiten]

Das letzte Klavierkonzert Mozarts entstand zu Beginn des Jahres 1791, dem letzten Lebensjahr Mozarts. Die Lebenssituation des Komponisten verschlechterte sich zunehmend und Misserfolge prägten diese Jahre. Es war die Zeit steigender Armut und gehäufter persönlicher Rückschläge. Geschrieben wurde das letzte Klavierkonzert parallel mit der Zauberflöte, Mozarts vorletzter und bedeutendster Oper.

Zur Musik[Bearbeiten]

1. Satz: Allegro moderato[Bearbeiten]

Der Hauptsatz beginnt mit einem lyrischen Thema, was für die Kopfsätze in Mozarts Klavierkonzerten äußerst ungewöhnlich ist. Ein schwermütiger Charakter hängt über dem B-Dur-Thema, das vom Orchester vorgestellt wird. Hierbei entfaltet sich der ergreifende Gesang zu wiegender Begleitung der tiefen Streicher und wird kurz von Unisonoeinwürfen unterbrochen. Ungewöhnlich schnell schließt sich nach 16 Takten bereits das zweite Thema an. Ein charakterlich ähnliches drittes Thema folgt, was Mozart bereits in einigen vorherigen Konzerten so konzipiert hatte. Ein langer Nachsatz mit einer ausführlichen und lyrischen Binnen-Coda beendet die Orchesterexposition. Das Soloklavier setzt anschließend, ohne eigenen Eingang mit dem verzierten Gesang des ersten Themas ein. Eine Überleitung zum zweiten Thema wendet sich nach Moll und bringt neues thematisches Material. Die Durchführung dieses Satz ist höchst bemerkenswert. Kein Konzertsatz Mozarts bringt so viele und teilweise ungewöhnliche Modulationen auf engstem Raum mit sich. Die in F-Dur einsetzende Durchführung ist nach neun Takten bereits bei h-Moll angekommen und streift anschließend C-Dur, c-Moll, Es-Dur, es-Moll, Ces-Dur, As-Dur, f-Moll, g-Moll. Mit Sequenzierungen und enharmonischen Verwechslungen wird schließlich B-Dur erreicht. Die Verarbeitung des thematischen Materials ist hier äußerst geistreich und tiefgehend. Er wirkt sowohl verklärt, als auch zart-schwermütig, was ein Charakteristikum des ganzen Konzertes ist. Es folgt eine relativ regelgerechte Reprise. Im Nachsatz erfolgt ein markanter Einsatz des Fagotts, gefolgt von einer harmonischen Wendung, die bereits auf Chopin weist. Die ausführliche Solokadenz verarbeitet das Hauptthema virtuos. In der Coda kommt ungewöhnlicherweise das Solokalvier mit zu Wort. Mit einer ergreifenden Wendung endet der ungewöhnliche Satz im mezzopiano.

2. Satz: Larghetto[Bearbeiten]

Das Larghetto stellt einen der inwendigsten und ergreifendsten Mittelsätze Mozarts dar. Der liedhafte gehaltene Satz greift bereits auf die Klangwelt der Zauberflöte vor. Das Soloklavier stellt eine sehnsuchtsvolle Melodie vor, die sofort vom Orchester aufgenommen wird. Im ständigen Wechselspiel zwischen Klavier und Orchester entwickelt sich dieser erhabene Gesang. Eine plötzliche dramatische Wendung nach Moll führt zu einem erschütternden Höhepunkt von tiefgehender emotionaler Dimension. Hieraus entwickelt das Klavier in einem zweiten Teil des Satzes eine neue einfache Liedmelodie. Wie im ersten Satz folgt ein stark modulierender Teil, der zum dritten Teil des Satzes überleitet. Dieser stellt im Wesentlichen eine Wiederholung des ersten Teils dar. Jedoch erfahren einige Motive deutliche Erweiterungen. Am markantesten wird der dramatische Höhepunkt aufgegriffen und erweitert. Hier übernimmt nun auch das Klavier das klagende Motiv des Orchesters. Die Coda schließt sich direkt an und beendet den ergreifenden Satz mit einigen einfachen Schlusswendungen, die gemeinsam von Soloklavier und Orchester vorgetragen werden.

3. Satz: Rondo, Allegro moderato[Bearbeiten]

Das Refrainthema des abschließenden Rondos verwendete Mozart kurz darauf für das Frühlingslied Sehnsucht nach dem Frühlinge (Komm, lieber Mai, und mache). Die tänzerische 6/8-Takt-Melodie ist trotz ihres im Grunde heiteren Charakters von einer großen Sehnsucht gekennzeichnet. Sie stellt im Wesentlichen schon das thematische Material dar, mit dem Mozart hier sehr sparsam umgeht. Auch in diesem Rondo besteht der Refrain aus zwei Themen. Das zweite, das dem Charakter des ersten ähnelt, wird kurz darauf ebenfalls vom Klavier vorgestellt. Die Überleitung zum ersten Couplet enthält ein Scheinthema, das jedoch eigentlich zum Hauptthema gehört. Das erste Couplet wendet die tänzerische Melodie kurzzeitig nach Moll und endet mit einem virtuosen Eingang des Soloklaviers. Wieder verquickt Mozart hier Rondoform mit Sonatensatzform. Anstelle eines zweiten Couplets folgt eine Durchführung, die schnell von einem weiteren, äußerst virtuosen Eingang unterbrochen wird. Es folgt die Wiederholung des Refrains, von der aus eine neue Überleitung zur Wiederholung des Couplets führt. Eine Besonderheit des Satzes ist die ungewöhnliche Stellung der Solokadenz, nach der noch fast ein Viertel des gesamten Finales folgt. Sie ist äußerst virtuos und großräumig angelegt. Es schließt sich die letzte Wiederholung des Refrains und eine ungewöhnlich lange Coda an. Ein kräftiger Unisonolauf des Orchesters beendet das Konzert mit einigen optimistischen Akkorden.

Stellenwert[Bearbeiten]

Das 27. Klavierkonzert stellt in mancher Hinsicht das reifeste Werk Mozarts in dieser Gattung dar. Von der Besetzung her zählt es zu den kammermusikalisch orchestrierten Klavierkonzerten, ähnlich wie beispielsweise das Konzert KV 449. Formal weist das Konzert eher auf frühe Werke vor dem 13. Klavierkonzert hin. Die Vielfalt der Themen ist eingegrenzt und der Solopart weit weniger virtuos und ausgeschmückt, als in einigen zurückliegenden Werken. Auch hält sich Mozart nun mit strukturellen Neuerungen zurück. Dennoch enthält auch das letzte Werk Mozarts in diesem Genre noch Eigentümlichkeiten und Neuerungen, die beweisen, dass Mozart bis zum Schluss auf der Suche nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten war. So meldet sich das Klavier unüblicherweise auch nach der Solokadenz im ersten Satz noch ausführlich zu Wort. Die Durchführung des Hauptsatzes ist von einer nie dagewesenen Dichte an Modulationen und einer höchst geistreichen Verarbeitung des Themas gekennzeichnet. Im dritten Satz verbindet Mozart auf nie dagewesene Weise lyrische Kantabilität mit der Rondoform und sparsamen thematischen Mitteln. Auch liegt in diesem Werk eine ähnliche künstlerische Gesamtkonzeption vor, wie beispielsweise im d-Moll-Konzert KV 466. So enthält bereits der Kopfsatz das Material des zweiten Themas des Mittelsatzes. Dies ist ein Konzept, das in die Zukunft weist und bereits von Beethoven weiter perfektioniert wird. Die besondere Reife und Ausnahmestellung des Werkes ist jedoch von inhaltlicher Natur. Ein sanft-schwermütiger Zug liegt über dem gesamten Werk, trotzdem dieses meist in Dur notiert ist. Auf dieses Klavierkonzert trifft die Bezeichnung „Lächeln unter Tränen“ von Christoph Rueger, für einige tiefgehende Stellen in Mozarts Musik, die auf eine innere Dimension der Musik anspielt. Eine schwebende Metrik im kompletten Werk trägt zu diesem Eindruck bei. Ebenso die vorwiegend lyrischen Themen, bereits das Hauptthema des ersten Satzes ist ungewöhnlicherweise von lyrischer Natur. Der erhabende Gesang des Larghettos steigert sich zum ergreifenden Gesang von Liebe und Sehnsucht in verklärter Innigkeit. Ein Thema, das das Finalrondo ebenfalls aufnimmt, da es die Sehnsucht nach dem Frühling besingt. Das Hauptthema stellt die Melodie des kurz darauf komponierten Liedes Sehnsucht nach dem Frühlinge KV 596 dar. Das ganze Werk weist ob dieser Sehnsuchts-Thematik stark in die zukünftige Epoche der Romantik.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hansjürgen Schaefer: Konzertbuch Orchestermusik G-O. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978.
  • Harenberg Konzertführer. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1998, ISBN 3-611-00535-5.
  • Marius Flothuis: Mozarts Klavierkonzerte. C.H.Beck Wissen, München 1998

Weblinks[Bearbeiten]