9. Klavierkonzert (Mozart)

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Das 9. Klavierkonzert in Es-Dur, KV 271, „Jenamy“ ist ein Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach anderer Zählung handelt es sich um das 4. Klavierkonzert des Komponisten.

Entstehung[Bearbeiten]

Das 9. Klavierkonzert ist das letzte und bedeutendste der in Salzburg entstandenen reinen Klavierkonzerte Mozarts. Die nächsten Werke dieser Gattung sollten bereits in Wien entstehen. Die Komposition entstand im Jahr 1777 für die begabte Pianistin Louise Victoire Jenamy. Das Konzert wurde bis 2004 aufgrund einer willkürlichen Erfindung der Mozart-Biographen Théodor Wyzewa und Georges de Saint-Foix fälschlich als „Jeunehomme-Konzert“ bezeichnet, da man annahm, die Pianistin hätte diesen Namen getragen. Die pianistischen Fähigkeiten der Widmungsträgerin dürften außergewöhnlich groß gewesen sein, da das Werk ein neues Maß an Virtuosität und technischer Raffinesse fordert. Strukturell dürfte das Werk seinen einzigen Vorläufer in Carl Philipp Emanuel Bach haben. Einige Neuheiten, wie beispielsweise der Einsatz des Soloinstruments vor dem Eingangsritornell, lassen sich vorher nur bei Bach nachweisen.

Zur Musik[Bearbeiten]

1. Satz: Allegro[Bearbeiten]

Der Satzbeginn sieht den ungewöhnlichen Einsatz des Soloklaviers inmitten der Orchesterexposition. Das markante Eingangsmotiv des Satzes besteht aus einem Es-Dur-Akkord und dem nachfolgenden aufsteigenden Es-Dur Dreiklang mit dreifacher Wiederholung der dritten Stufe. Das Klavier stimmt hier bereits im zweiten ein, das Thema wird also von beiden gemeinsam vorgestellt, bevor das Orchester es fertig ausformuliert. Das Soloklavier meldet sich erst nach der Vorstellung des Themas mit einem „Eingang“ wieder zu Wort, wie Mozart das Präludieren des Klaviers vor dem eigentlichen Themeneinsatz nennt. Die Durchführung ist kurz gehalten und verarbeitet in der Hauptsache das Dreiklangmotiv. In der folgenden Reprise ist die Aufgabenverteilung im Hauptthema vertauscht. So übernimmt nun das Klavier das Dreiklangmotiv und das Orchester antwortet. Die Solokadenz ist äußerst virtuos gestaltet und arbeitet motivisch. Hierin weist sie bereits auf die Kadenzen Beethovens. Mozart komponierte mehrere Kadenzen für das Konzert. Ein kurzes Schlussritornell, an welchem sich das Soloklavier ungewöhnlicherweise beteiligt, beendet den Satz.

2. Satz: Andantino[Bearbeiten]

Das Andantino ist der erste Konzertsatz Mozarts, der in Moll steht. Er weist eine große Gefühlstiefe und Erhabenheit aus. Der Satz beginnt mit einem seufzenden Motiv in den Streichern. Es entwickelt sich ein Dialog zwischen den ersten und zweiten Violinen. Das Klavier intoniert seinen ernsten Gesang über der sanften Grundlage der Streicher. Die Wiederholung des Hauptthemas endet dann überraschend in Dur und bringt einen lichten und hoffnungsvollen Moment. Hieraus entwickelt sich das zuversichtlichere, aber ebenso lyrisch-schwärmerische zweite Thema. Die Durchführung verarbeitet hauptsächlich das Eingangsritornell, welches den Beginn des Hauptthemas darstellt. Es tauchen einige düstere und, in dieser Intensität bei Mozart ungekannte, dramatische Motive auf. Eine ausgedehnte Solokadenz, die motivisch direkt in die Komposition eingebunden ist, folgt. Einige Mollakkorde beenden daraufhin den bedeutenden Satz.

3. Satz: Rondeau[Bearbeiten]

Das scheinbar endlose Rondofinale des Konzertes umfasst 467 Takte. Es gibt dem Pianisten, wie in noch keinem der bisherigen Konzerte, die Möglichkeit zur virtuosen Entfaltung. Der Satz beginnt direkt mit dem Rondothema, welches vom Pianisten vorgetragen wird. Das Thema wirkt im Verlauf das Satzes wie ein Perpetuum mobile. Nach dem Vortrag des Themas nimmt das Orchester den Gedanken auf und erweitert ihn. Diese Erweiterung wiederum nimmt das Soloklavier auf und formuliert den ausgelassenen Gedanken gemeinsam mit dem Orchester vollständig aus. Das B-Thema des Rondos stellt eine große Solokadenz des Klaviers dar, welche ein für Mozart bis dato ungekanntes Maß an Virtuosität fordert. Es folgt die verkürzte Wiederkehr des Rondothemas. Der Mittelteil besteht aus einem Menuett, in der bei Mozart selten verwendeten Tonart As-Dur. Die gefühlvoll vom Klavier vorgetragene Melodie wird von Pizzicati der Streicher begleitet. Nach einem langsamen Übergangsteil kehrt das Rondothema zurück. Jedoch findet der Hörer sich sofort in medias res wieder, da nun das Orchester sofort einsetzt und eine verkürzte Fassung des Themas intoniert wird. In diesem Duktus der unendlichen Beweglichkeit des musikalischen Geschehens endet der bemerkenswerte Satz mit zwei Akkorden von Klavier und Orchester.

Wirkung[Bearbeiten]

Über die Uraufführung des Werkes ist heute nichts mehr bekannt. Die Musikforschung nimmt heute an, dass das Werk für Victoire Jenamy geschrieben und möglicherweise auch von ihr gespielt wurde. Ihr Vater Jean-Georges Noverre war in Salzburg mit Mozart befreundet. Weiterhin wird angenommen, dass das Konzert zu Mozarts Lebzeiten noch häufiger von ihm aufgeführt und gespielt wurde, was zu jener Zeit nicht für alle Werke galt, da es sich häufig um kurzfristiger angelegte Gebrauchskompositionen handelte. Das 9. Klavierkonzert Mozarts gehört heute nach wie vor zu seinen beliebtesten, bekanntesten und meist gespielten. Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein nannte das Werk beispielsweise, in Anlehnung an Beethoven, "Mozarts Eroica". Der Pianist und Mozart-Interpret Alfred Brendel spricht gar von "einem der größten Weltwunder" in Bezug auf dieses Klavierkonzert.

Stellenwert[Bearbeiten]

Das 9. Klavierkonzert stellt eine neue Qualität in der Reihe der Mozartschen Klavierkonzerte dar. Es ist eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber den vorherigen Werken der Gattung festzustellen. Einerseits treten verschiedenen strukturelle Ungewöhnlichkeiten auf, welche sonst nicht in den frühen Klavierkonzerten Mozarts zu beobachten sind. So wird der Einsatz des Soloinstruments beispielsweise in das Eingangsritornell hineingeschoben. Dies wird Mozart unter anderem im 15. Klavierkonzert KV 450 wieder aufnehmen. Auch ist es ungewöhnlich, dass der Solist nach der Kadenz noch einmal ins musikalische Geschehen eingreift. Dies geschieht so nur noch im 27. Klavierkonzert.

Die besondere Gefühlstiefe des zweiten Satzes zeigt eine in dieser Intensität noch nicht dagewesene Qualität Mozartscher Mittelsätze. Er weist auf ergreifende langsame Sätze der Klavierkonzerte Mozarts, wie sie beispielsweise im 14. Klavierkonzert KV 449 und im 15. Klavierkonzert KV 450 vorkommen. Das Konzert wird vor allem auf Grund dieses zweiten Satzes gerne als Beispiel der sogenannten Sturm und Drang - Phase Mozarts angeführt. Eine weitere vorausdeutende und bahnbrechende Neuerung in diesem Konzert ist die deutliche thematische Beziehung der Sätze untereinander. So besteht eine deutliche Verwandtschaft zwischen dem zweiten Thema des Hauptsatzes und den jeweiligen Hauptthemen der anderen Sätze. Gerade in diesem Sinne ist das 9. Klavierkonzert ein wegweisendes und vorausdeutendes Konzert von großer Bedeutung. Seine melodische Schönheit und Frische macht es zudem zu einem der beliebtesten Klavierkonzerte Mozarts.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Lorenz: „Mademoiselle Jeunehomme.“ Zur Lösung eines Mozart-Rätsels. In: Mozart Experiment Aufklärung. Essays für die Mozart Ausstellung 2006. Hatje Cantz Verlag, Da Ponte-Institut, Ostfildern 2006, S. 423–429, ISBN 3-7757-1689-0.
  • Hansjürgen Schaefer: Konzertbuch Orchestermusik G-O. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-370-00036-9.
  • Harenberg Konzertführer. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1998, ISBN 3-611-00535-5.
  • Marius Flothuis: Mozarts Klavierkonzerte. C.H.Beck Wissen, München 1998, ISBN 3-406-41874-0.

Weblinks[Bearbeiten]