Abydos (Ägypten)

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Abydos in Hieroglyphen
Ab b Dw
O49

Abdju
3bḏw

Abydos (von altägyptisch Abedju; arabisch ‏أبيدوس‎, Abīdūs), ist eine antike Stadt in der Nähe von Sohag am westlichen Nilufer 160 Kilometer nördlich von Luxor, etwa 15 Kilometer südwestlich der heutigen Stadt Baljana.

In antiker Zeit wurde der Ort dem 8. oberägyptischen Ta-wer-Gau zugerechnet und war eine der bedeutendsten Nekropolen des Landes.

Der Name Abydos kommt vom Altgriechischen Ἄβυδος, den griechische Geographen von Abydos in Kleinasien übernommen haben, wohl aufgrund des dem altägyptischen Namen ähnlichen Klangs. Beide Städte haben ansonsten nichts miteinander zu tun. Das altägyptische Abedju heißt vermutlich soviel wie „der Hügel des Reliquars“.

Vor- und Frühdynastische Zeit[Bearbeiten]

Abydos (Ägypten) (Ägypten)
Abydos
Abydos
Abydos in Ägypten

Die ältesten Siedlungsspuren aus Abydos stammen aus der späten vordynastischen Zeit und wurden im Bereich des späteren Tempels Sethos I. und der eigentlichen Stadt gefunden. Ob Abydos damals schon befestigt war, lässt sich nicht feststellen.

Grab des Peribsen (2. Dynastie) in Umm el-Qaab

Auf dem frühen Friedhof Umm el-Qaab, etwa 3 Kilometer vom Wüstenrand und 2 Kilometer von der Stadt entfernt, hat man die Gräber der meisten Herrscher der frühdynastischen Periode Ägyptens lokalisieren können, die sich auf dem sogenannten B-Friedhof befinden. Auf dem daneben liegenden U-Friedhof entdeckte man weitere Gräber, die den Königen der vordynastischen Zeit zugeordnet werden konnten. Die bedeutendsten Archäologen, die an diesem Königsfriedhof gearbeitet haben, waren Émile Amélineau, Flinders Petrie, Edouard Naville, Eric Peet und seit 1997 das DAI in Kairo unter Werner Kaiser und Günter Dreyer. Im Jahre 2000 wurden hier die ältesten Schiffsfunde aus der Zeit um 3000 v. Chr. gemacht. 14 ca. 20 – 30 m lange Schiffsrümpfe waren im Sand vergraben und werden von einem Team des University of Pennsylvania Museum, der Yale University und des Institute of Fine Arts der New York University geborgen und konserviert. Die Schiffe werden der 2. Dynastie zugerechnet.[1]

Ein Kilometer nördlich von Umm el-Qaab liegt der Ruinenhügel Kom el-Sultan. Dort befinden sich verschiedene Grabstätten, eine Handwerkersiedlung und der Tempel des Osiris-Chontamenti.[2][3] Die Entstehung der Anlage geht bis in die prädynastische Zeit zurück.

In antiker Zeit wurden auf Friedhöfen häufig Hunde und Schakale angetroffen; sie wurden als gottähnliche Wächter der Nekropole betrachtet. In Abydos war dies der hunde- oder schakalähnliche Gott Chontamenti (Erster der Westlichen = Verstorbenen), der dort zunächst als lokale Gottheit verehrt wurde.

Bis zum Ende der 1. Dynastie wurden in Abydos gleichzeitig mit den Pharaonen auch Bedienstete und Anhänger zum Dienst der Herrscher im Jenseits bestattet, anfangs bis um die 300 Leichname, gegen Ende dieser Praxis zunehmend weniger. Offensichtlich wurden (so etwa der Ägyptologe David O'Connor) die Begleiter zu diesem Zweck getötet.

Die Tempel für den Totenkult der verstorbenen Könige befanden sich näher am Fruchtland und waren in der Frühzeit aus heute zerfallenem Flechtwerk gebaut. Erkennbar sind sie nur noch durch die sie umgebenden Gräberreihen für Hofangehörige.

Ab der 2. Dynastie begann man mit dem Ziegelbau, davon stehen noch zwei: die Schunet el-Zebib („Rosinenscheune“) und eine weitere, in der sich das koptische Kloster Amba Mousa befindet.

Statuette des Cheops (4. Dynastie); gefunden in Abydos

Spätestens seit König Djoser aus der 3. Dynastie wurde Abydos als königliche Nekropole aufgegeben und die Herrscher in Unterägypten bestattet (Sakkara, Giseh, Abusir, Dahschur), man scheint jedoch in Abydos ein Scheinbegräbnis durchgeführt zu haben. Doch noch in der 6. Dynastie ließen sich viele hohe Beamte in Abydos bestatten.

Altes bis Mittleres Reich[Bearbeiten]

König Pepi I. errichtete eine Grabkapelle in Abydos, die sich im Laufe der Jahre zu einem Osiristempel entwickelte, und dessen Reste noch vorhanden sind. In der Ersten Zwischenzeit war Abydos Teil des thebanischen Herrschaftsgebietes, wurde aber heftig umkämpft. Der Vater des Königs Merikare soll die alten Königsgräber zerstört haben. In dieser Zeit kultureller Neuorientierung übernahm Abydos den Status von Memphis als königliche Residenznekropole. Diese tiefgreifende Änderung stellte einen Bezug auf alte Traditionen von Abydos als königliche Nekropole der Frühzeit dar.[4]

Mit dem Wechsel nach Abydos als erneutem Totenzentrum und der Aufwertung zum „heiligen Kultort des Osiris“ erfolgte ein „theologischer Anachronismus“, der die am Ende des Alten Reiches entstandene Osiris-Verehrung in eine Zeit verlegt, in der die Gottheit Osiris noch nicht existierte.[4] Die Riten eines Scheinbegräbnisses wurden so zum Mysterium des Osiris, der „in Abydos begraben wurde“, um dann in seiner Statue wieder aufzuerstehen. In dieser Zeit verband sich Osiris mit dem alten Nekropolengott Chontamenti.

Seit dem Mittleren Reich war es der Wunsch vieler Ägypter, entweder in Abydos begraben zu werden oder wenigstens mit einer Stele dort anwesend zu sein. Dies führte dazu, dass viele Beamte in Abydos eine Kapelle mit Stelen, Statuen und Opfertisch, oder auch nur eine Stele errichten ließen. Der Großteil der Stelen des Mittleren Reiches stammt aus Abydos. In Abydos wurden anscheinend auch Osiris-Mysterien aufgeführt. Sie werden auf verschiedenen Stelen genannt. Daneben gibt es aber auch umfangreiche Friedhöfe dieser Zeit bei Abydos.

Ab der 11. Dynastie wurde ein alter Tempel im Zentrum der Stadt wiederaufgebaut. Sesostris III. baute für sich ein riesiges Osiris-Grab im Südosten von Abydos. Der Taltempel befand sich am Wüstenrand, ein ca. 700 m langer Aufweg führte zum Grabbezirk, der eine T-förmige Ziegelplattform bildete von 156 m Breite und 160 m Länge. Im Nordteil führten zwei Schächte ins 24 m tiefe Grab. Der 180 m lange Grabkorridor war mit Granit- und Quarzitplatten verschlossen. Die eigentliche Sargkammer war versteckt angeordnet. Die aufwändige Anlage lässt einige Ägyptologen vermuten, dass Sesostris III. nicht in seiner Pyramide, sondern hier bestattet wurde.

Neben dem Taltempel befand sich auch eine Stadt (Wahsut), die von Sesostris III. gegründet wurde, jedoch im Neuen Reich wieder aufgegeben wurde. Sie diente dem Tempelkult, hatte aber wohl auch überregionale Bedeutung.

König Chendjer (13. Dynastie) ließ eine lebensgroße Osiris-Statue in dem Grab des Djer errichten, das nun als Grab des Osiris betrachtet wurde.

Neues Reich und Spätzeit[Bearbeiten]

Nach der Reichseinigung baute Ahmose für sich, seine Großmutter Tetischeri und auch für Königin Ahmose-Nefertari südlich der von Sesostris III. errichteten Tempelanlage Scheingräber mit Pyramiden. Noch unter Amenophis III. wurde das Grab des Djer als Osirisgrab angesehen.

In der 19. Dynastie waren es vor allem Sethos I. und Ramses II., die in Abydos riesige Tempelanlagen errichteten (Totentempel des Sethos I., Tempel des Ramses II.).

Der Tempel des Sethos I. ist noch sehr gut erhalten: Zwei weite Höfe führen zum Tempelhaus mit seiner Pfeilerfassade, der sich zwei weitere Säulensäle anschließen. Auf diese folgt, leicht erhöht, eine Reihe von sieben Sanktuaren, die den Ortsgottheiten (Osiris, Isis und Horus), den Reichsgottheiten (Amun-Re, Re-Harachte und Ptah) sowie Sethos gewidmet sind. Dem Osiris-Heiligtum schließen sich Räumlichkeiten an, in denen Mysterienfeiern abgehalten wurden. In einem südlichen Anbau des Tempels befindet sich die bedeutende Königsliste von Abydos. Hinter diesem Tempel befindet sich ein Scheingrab des Königs in der Form des Osirisgrabes (Osireion), d.h. einer unterirdischen Insel, die von einem Wassergraben umgeben ist.

Abydos behielt in der Spätzeit seine Bedeutung. Aus der Dritten Zwischenzeit gibt es bedeutende Grabanlagen hoher Beamter und in der 25. Dynastie (ca. 660 v. Chr.) wurden hier einige Mitglieder des kuschitischen Königshauses begraben.

Römische und Arabische Zeit[Bearbeiten]

In der Spätantike war in Abydos eine Garnison stationiert. Über die Ausdehnung der Stadt ist nur wenig bekannt, römische und koptische Häuserreste in und um den großen Tempel des Sethos I. stellen die einzigen Hinweise dar. Im Bereich des Klosters Amba Mousa befindet sich seit dem Mittelalter ein Dorf namens Deir Sitt Damyana. Weitere Reste koptischer Besiedlung bilden eine über einem Tempel des Neuen Reiches errichtete Kirche und kleinere Wohngebäude in antiken Gräbern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

  • Margaret A. Murray: The Osireion at Abydos (= Egyptian Research Account. 1903, 9, ZDB-ID 423805-9). British School of Egyptian Archeology, London Quaritch, London 1904, online.
  • Alan H. Gardiner (Hrsg.): The Temple of King Sethos I at Abydos. The Egypt Exploration Society u. a., London u. a.
    • Band 1: The Chapels of Osiris, Isis and Horus. 1933;
    • Band 2: The Chapels of Amen-Rē', Rē'-Ḥarakhti, Ptaḥ, and King Sethos. 1935;
    • Band 3: The Osiris Complex. 1938;
    • Band 4: The Second Hypostyle Hale. 1958.
  • Artikel in Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0415185890 :
    • David O’Connor: Abydos, Early Dynastic funerary enclosures, S. 93–5.
    • Janet Richards: Abydos, Middle Kingdom cemetry, S. 95–7.
    • Matthew D. Adams: Abydos, North, S. 97–100.
    • David O’Connor: Abydos, North, ka chapels and kenotaphs, S. 100–3.
    • Steven Blake Shubert: Abydos, Osiris temple of Seti I, S. 103–4.
    • David A. Anderson: Abydos, Predynastic Sites, S. 104–6.
    • Josef Wegner, Stephen P. Harvey: Abydos, South, S. 106–9.
    • Günter Dreyer: Abydos, Umm el-Qa’ab, S. 109–14.
  • Abydos. In: Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 2–4.
  • David O'Connor: Abydos: Egypt's First Pharaohs and the cult of Osiris. Thames and Hudson, New York City 2011, ISBN 978-0-500-28900-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abydos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Pierce: After 5,000 year voyage, world's oldest built boats deliver: Archeologists' first look confirms existence of earliest royal boats at Abydos. (Schiffsfund von Abydos) Auf; abc.se Version vom Mai 2004; zuletzt abgerufen am 18.April 2014.
  2. Dieter Arnold: The Encyclopaedia of Ancient Egyptian Architecture. Translated by Sabine H. Gardiner and Helen Strudwick. Edited by Nigel Strudwick and Helen Strudwick. Tauris, London u. a. 2003, ISBN 1-86064-465-1, S. 95ff.
  3. Delia Pemberton: Ancient Egypt (= Architectural Guides for Travelers.). Viking, London 1992, ISBN 0-670-83605-2, S. 64ff.
  4. a b Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten. Beck, Münch 2001, ISBN 978-3-406-46570-3, S. 312.

26.18486111111131.918877777778Koordinaten: 26° 11′ N, 31° 55′ O