Agnès Sorel

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Porträt Agnès Sorels von Jean Fouquet

Agnès Sorel (* um 1410 oder 1422 auf Schloss Fromenteau; † 9. oder 11. Februar 1450 in Anneville-sur-Seine) war die erste offizielle Mätresse eines französischen Königs, nämlich Karls VII.

Leben[Bearbeiten]

Agnès Sorel auf einem Gemälde von Jean Fouquet

Agnès Sorel war die Tochter von Jean Soreau, einem Soldaten aus niedrigem Adel, und Catherine de Maignelais. Sie war zunächst Hofdame von Isabella, Herzogin von Lothringen und Ehefrau des Königs René von Neapel. In zeitgenössischen Quellen wird Agnès Sorel als außergewöhnlich schöne und äußerst intelligente junge Frau beschrieben.

Im Rahmen eines Besuchs bei seinem Schwager traf der König von Frankreich die zwanzigjährige blonde Schönheit zum ersten Mal. Im Gefolge Isabellas von Lothringen, Herzogin von Anjou, kam sie während des Hundertjährigen Kriegs im Jahr 1431 als deren Ehrendame an den französischen Hof, wo sich in den folgenden Jahren eine Liebesbeziehung zwischen Karl und Agnès entwickelte. Der König ernannte seine Geliebte schließlich zur Ehrendame seiner Ehefrau Marie d’Anjou, schenkte ihr neben verschiedenen anderen Schlössern und Landsitzen (Issoudun, Bois-Trousseau, Roquecezière im Rouergue und Vernon-sur-Seine) 1448 das Schloss Beauté-sur-Marne nahe Paris und besetzte einflussreiche Posten am französischen Hof mit Mitgliedern der Familie Sorel. Sie bekam den Beinamen „Dame de Beauté“, der von der Bezeichnung des Schlosses Beauté-sur-Marne abgeleitet wurde. Als ihre private Residenz erhielt sie zudem das Schloss von Loches, wo Karl als Dauphin im Juni 1429 Jeanne d'Arc nach der erfolgreichen Belagerung von Orléans empfangen hatte und von der Krönung in Reims überzeugt worden war.

Seit dem Jahr 1444 war Agnès Sorel die offizielle Geliebte Karls VII. und damit die erste offizielle Mätresse am französischen Königshof. Sie schenkte Karl vier Töchter, von denen eine als Säugling verstarb. Agnès Sorel führte als einflussreiche Hofdame am französischen Königshof und Mätresse des Königs Karl VII. von Frankreich die Mode der unbedeckten Brust ein. 1445 zog sie sich nach Loches zurück und blieb dort fünf Jahre. Im Jahr 1450, als sie mit dem jüngsten Kind schwanger war, besuchte Karl VII. sie in einem Lager während eines Feldzugs gegen die Engländer in Jumièges, einer Stadt in der Normandie.

Kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes erkrankte Agnès Sorel schwer. Ihre Zeitgenossen bezeichneten diese Krankheit als „flux de ventre“ (Bauchfluss). Aufgrund ihres frühen Todes und ihrer zahlreichen Feinde kursierten dennoch Gerüchte, dass Agnès Sorel vergiftet worden sei. Agnès Sorel verstarb am 9. oder 11. Februar 1450 um sechs Uhr nachmittags im Alter von 28 Jahren (oder 40 Jahren) in der Burg Masnal-la-Belle in der französischen Gemeinde Anneville-sur-Seine. „Wie ekelhaft, übelriechend und anfällig wir doch sind“, sollen ihre letzten Worte auf dem Sterbebett gewesen sein. Der Körper wurde geöffnet und die Leiche nach der Entnahme des Herzens nach Loches überführt. Ihr Herz wurde in der Abtei von Jumièges bestattet, der sie viel Geld gespendet hatte. Ihr Leichnam wurde in der Stiftskirche Notre-Dame in Loches (Kirche Saint Ours) beigesetzt. Nach dem Tod von Agnès Sorel wurde Antoinette de Maignelais, eine Cousine ersten Grades von Agnès Sorel, neue Mätresse des Königs.

Agnès Sorel als Madonna (Gemälde von Jean Fouquet)

Karls Sohn, der spätere König Ludwig XI., verfolgte die Geliebte seines Vaters zeitlebens mit seinem Hass. So soll er die Mätresse seines Vaters einmal in aller Öffentlichkeit geohrfeigt haben. Nach ihrem plötzlichen Tod geriet Ludwig daher sofort in den Verdacht, Agnès Sorel ermordet oder die Anweisung zu ihrer Ermordung gegeben zu haben. Bewiesen werden konnte diese These jedoch nicht. Es ist bis heute ungeklärt, ob sie vergiftet wurde oder nur an einem ärztlichen Kunstfehler starb.

Spätere kriminalistische Untersuchungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 wurde das Grab Agnès Sorels in Loches geöffnet und kriminalistisch untersucht. Der Paläopathologe Philippe Charlier konnte zwar nachweisen, dass sie an einer Quecksilbervergiftung gestorben war. Die Mordhypothese konnte aber auch durch diese Untersuchung nicht eindeutig geklärt werden.

Charlier konnte nachweisen, dass Sorel nach drei Kindern erneut im siebten Monat schwanger war und an Wurmbefall litt. Da damals gegen Geburtsbeschwerden und Würmer die Quecksilberbehandlung üblich und die ungefährlichen Dosen bekannt waren, gehen die Ermittler davon aus, dass Sorel absichtlich eine tödliche Dosis Quecksilber verabreicht wurde. Offiziell starb Sorel an Bauchfluss auf einer Reise zum König in die Normandie und wurde in Loches beigesetzt.

Anhand des im Grab gefundenen Schädels konnten Experten der französischen Gendarmerie das Gesicht von Agnès Sorel rekonstruieren. Nach Abschluss der Untersuchungen wurden ihre Gebeine am 2. April 2005 in Anwesenheit von Vertretern des französischen Hochadels in der Stiftskirche von Loches erneut beigesetzt.

Nachkommen[Bearbeiten]

  • Marie Marguerite de Valois (* um 1434; † 1477), die am 28. Oktober 1458 mit Olivier de Coëtivy, Herr von Taillebourg (Haus Coëtivy), verheiratet wurde.
  • Charlotte (* um 1436; † 1477), die am 1462 mit Jacques de Brézé (Haus Brézé) verheiratet wurde, der sie in den Armen ihres Liebhabers mit dem Schwert ermordete.
  • Jeanne (* um 1439), die am 25. Dezember 1461 von Ludwig XI. mit Antoine de Bueil (Haus Bueil) verheiratet wurde.
  • Tochter (* 3. Februar 1450; † 3. Februar 1450) war eine Frühgeburt, die nach sechs Monaten Schwangerschaft geboren wurde und wenige Stunden nach der Geburt verstarb

Zu ihren Nachfahren zählen unter anderem der heutige Herzog von Orléans, Prinz Jacques von Frankreich sowie Prinz Charles Emmanuel von Bourbon-Parma.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eleanor Herman: Liebe im Schatten der Krone. Die Geschichte der königlichen Mätressen. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-15987-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Agnès Sorel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien