Ahmad Milad Karimi

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Ahmad Milad Karimi

Ahmad Milad Karimi (* 10. Februar 1979 in Kabul) ist ein afghanisch-deutscher Religionsphilosoph, Islamwissenschaftler, Übersetzer des Koran, Dichter, Verleger und Mitherausgeber der Kalliope. Zeitschrift für Literatur und Kunst.

Leben[Bearbeiten]

Geboren als Sohn afghanischer Eltern, ist Ahmad Milad Karimi deutscher Staatsbürger. Mit 13 Jahren flüchtete er mit seiner Familie auf Grund des Bürgerkrieges aus Afghanistan. Nach einer langen Odyssee fand er in Darmstadt seine neue Heimat. Dort besuchte er die Haupt-, Berufsfach- und Realschule, um dann schließlich an der Bertolt-Brecht-Schule das Abitur zu machen. Karimi studierte Philosophie und Islamwissenschaft in Darmstadt, Freiburg und Neu-Delhi. Ab 2001 war er zunächst Grund-, dann Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Karimi promovierte mit einer Arbeit über Hegel und Heidegger an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Karimi war Mitbegründer zweier Verlage, des Salam Kinder- und Jugendbuch Verlag (gegründet 2009), dem er von 2009-2012 auch als Verlagsleiter diente und des Kalam Verlag für islamische Theologie und Religionspädagogik (gegründet 2010), bei dem er von 2010-2012 Verlagsleiter war. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Zurzeit ist er Vertretungsprofessor für Kalam, islamische Philosophie und Mystik an der WWU Münster am Zentrum für Islamische Theologie.[1] Seine Autobiographie ist unter dem Titel "Osama bin Laden schläft bei den Fischen. Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat" erschienen.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Systematisch: Islamische Religionsphilosophie, Kalām/Neo-Kalām (dialektische Theologie), islamische Mystik, Ästhetik, Hermeneutik, Metaphysik und Metaphysikkritik. Historisch: Antike Philosophie, Islamische Philosophie des Mittelalters, der Neuzeit und des 20. Jahrhunderts, Muʿtazila, Aschʿarīya und Māturīdīya, der Deutsche Idealismus und die Idealismus-Kritik, Philosophien des 20. Jahrhunderts.

Koran[Bearbeiten]

Der Koran

Im Oktober 2009 legte Ahmad Milad Karimi eine vollständige Neuübersetzung des Koran vor, die im Herder-Verlag in Freiburg erschienen ist. Karimi sucht in seiner Übersetzung konsequent die größtmögliche Nähe zum Original und betont dabei die poetische Qualität des Koran. Für ihn stehen, wie er dies im Nachwort seiner Übersetzung bemerkt, „neben der philologischen Genauigkeit auch und vor allem die ästhetische Atmosphäre des Korangesangs“ im Mittelpunkt. Es geht Karimi um die Vermittlung jener „ästhetisch-poetischen Erfahrung“, die „die Religiosität der Muslime grundlegend bestimmt.“ Entsprechend ist seine Übersetzung eine, die erklärtermaßen für die Rezitation bestimmt (und entsprechend mit Atemzeichen versehen) ist. Indem Karimi in seiner Übersetzung ausdrücklich vermeidet, sperrige oder dunkle Passagen, die auch das arabische Original für viele Hörer kennzeichnen, zu glätten oder verständlicher machen zu wollen, möchte er dem Leser die Idee des Koran als ein offenes, ästhetisches und poetisches Kunstwerk vermitteln, die die Rezeption des Koran gerade auch im theologischen Sinne auszeichnet.

Der evangelische Theologe Reinhard Kirste schreibt in seiner Rezension: "Nun hat sich ein Islamwissenschaftler, Philosoph und Dichter, der ursprünglich aus Afghanistan kommende Ahmad Milad Karimi, daran gemacht, diesen geoffenbarten Schatz in seiner poetischen Kraft erneut ans Tageslicht zu bringen. Er hat dazu als Begleiter katholischer Theologe und Religionswissenschaftler, Bernhard Uhde, gefunden, der diese Neuübersetzung aus dem Arabischen wissenschaftlich begleitet hat und dazu eine orientierende Einführung gibt. Was also zwischen dem Dichter und Wissenschaftler theologisch und poetisch geschah kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn der Rezensent nicht den Text Original überprüfen kann, allerdings die Verlagswerbung hinterfragen muss, wo von einer wortgetreuen Übersetzung die Rede ist. Und ob sie wirklich am arabischen Original wirklich so nahe ist wie nie, muss auch deshalb dahingestellt bleiben, weil es einige dunkle Stellen im Koran gibt, mit denen Übersetzer und Kommentatoren teilweise recht unterschiedlich umgegangen sind. Wer darüber hinaus die Problematik von Übersetzungen gerade aus dem semitischen Sprachraum betrifft, weiß, dass jede Übersetzung nur eine Annäherung an den zur Verfügung stehenden Offenbarungstext sein kann. Aber diese Übersetzung hat bereits durch die Arbeit von Übersetzer und Herausgeber dialogische Qualität. Karimi macht darüber hinaus deutlich, dass sich die Sprachgewalt und Sprachschönheit des arabischen Originals im Deutschen nachvollziehen lässt." [2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Osama bin Laden schläft bei den Fischen. Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando damit viel zu tun hat. Herder, Freiburg 2013. ISBN 978-3-451-30470-5
  • Identität - Differenz - Widerspruch. Hegel und Heidegger. Rombach, Freiburg 2012. ISBN 978-3793096979
  • Der Koran. Vollständig und neu übersetzt von Ahmad Milad Karimi. Hg. von Bernhard Uhde. Herder, Freiburg 2009. ISBN 978-3-451-30292-3
  • Gegenwart der Einheit. Zum Begriff der Religion. Festschrift zu Ehren von Bernhard Uhde. Rombach 2008. ISBN 978-3-7930-9550-7
  • Gedichtband: Verlegenheit. Pragun 2006. ISBN 81-89645-41-2
  • Gedichtband mit Zeichnungen: Hörsturz. Pragun 2006. ISBN 81-89645-40-4
  • Stimmen. Anthologie. Literareon 2003. ISBN 3-8316-1077-0

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Interview: Das Buch kann mehr leisten als andere. In: Islamische Zeitung vom 1. Mai 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Radio-Gespräch, URL: http://www.domradio.de/menschen/65819/milad-karimi.html
  2. Reinhard Kirste: 2009: Rezension, URL: http://www.rpi-virtuell.net/workspace/users/535/Rezensionen/Rz-Koran-Karimi.pdf.