Verlag Herder

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Verlag Herder GmbH
Logo Verlag Herder rot-weiß.jpg
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1801
Sitz Freiburg im Breisgau, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter rund 200 (2013)
Branche Verlag
Website www.herder.de

Der Verlag Herder (umgangssprachlich auch Herder-Verlag) in Freiburg im Breisgau - mit Teilen auch in München wie z. B. die Sparte Kinderbücher seit 2012, die Sparte Sachbuch soll folgten - ist ein deutschsprachiger, früher auch lateinischsprachiger[2] Buch- und Zeitschriftenverlag mit traditionell katholischer Ausrichtung. Er widmet sich schwerpunktmäßig den Themen christliche Theologie, Kirche und Religion, Spiritualität in anderen Religionen, Erziehung und Vorschulpädagogik, Politik und Gesellschaft sowie Lebensgestaltung und Psychologie. Der Verlag gehört mit seiner über 200-jährigen Tradition zu den ältesten Deutschlands. Er ist eine GmbH der Verlagsgruppe Herder, die sich seit sechs Generationen in Familien- und Stiftungsbesitz befindet.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Herdersche Verlagsbuchhandlung wurde der Verlag 1801 in Meersburg von Bartholomä Herder gegründet, bald nach Konstanz, 1810 nach Freiburg verlegt. Nachfolger war sein Sohn Benjamin Herder (1818–1888), der die katholische Ausrichtung des Verlagsprogramms begründete und durch die Widrigkeiten des Kulturkampfs bewahrte. Dessen Sohn Hermann Herder sen. (1864–1937) baute das Unternehmen erfolgreich aus und verlegte die Verlagsgruppe an ihren heutigen Standort. Anschließend leiteten Theophil Herder-Dorneich (1898–1987) und Hermann Herder den Verlag. Nach schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den 1990er-Jahren steht seit 1999 Manuel Herder (* 1966) in sechster Generation an der Spitze des Unternehmens. Unter seiner Führung entstanden die digitalen und Audioprodukte des Verlages, sowie ein Onlineshop als Ergänzung zum traditionellen Buchhandelsgeschäft.

Verlagsgebäude[Bearbeiten]

Südflügel des Herderbaus

Das in Freiburg allgemein Herderbau genannte Verlagsgebäude dominiert den Freiburger Stadtteil Neuburg. Es wurde in den Jahren 1910 bis 1912 nach dem Entwurf des Architekten Max Meckel im neobarocken Stil erbaut und nimmt ein ganzes Straßenkarree ein. Am 27. November 1944 wird der Bau durch den Bombenangriff im Rahmen der britischen Operation Tigerfish zerstört. Unter den Opfern sind 11 Herder-Angestellte zu beklagen. Nachdem die Druckerei, in der in den 1950er Jahren auch eine Teilauflage der Badischen Zeitung gedruckt wurde, und die Auslieferung Anfang der 1990er Jahre ausgelagert wurden, verkaufte der Verlag einen großen Teil des Verlagsgebäudes an das Land Baden-Württemberg. Die Räumlichkeiten stehen der Universität Freiburg zur Verfügung und werden seit 2000 nach und nach saniert. Dort sind hauptsächlich Institute der Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften untergebracht. Im ehemaligen Papierlager wurde die Ausstellungshalle der Archäologischen Sammlungen der Universität eingerichtet. Der Verlag selbst nutzt nur noch den Südflügel des Gebäudekomplexes.

Autoren und Verlagsprogramm[Bearbeiten]

Im Verlag erscheinen hauptsächlich Sach-, Fach-, Kirchen-, Geschenk- und Kinderbücher, sowie Biografien – in jüngerer Zeit auch als Hörbuch und seit 2008 als E-Books. Neben der Taschenbuchreihe Spektrum und der broschierten Reihe Premiere, die sich hauptsächlich mit Sachbuchthemen rund um Gesellschaft und Religion beschäftigen, gehört auch das Kinderbuchimprint KeRLE zu Herder. Unter Kirchenbüchern ist die so genannte Herder-Bibel bekannt, die zur besseren Orientierung einen Evangelienschlüssel enthält. Besonders erfolgreich im Bereich Religion sind derzeit Bücher von und über Papst Benedikt XVI., Pater Anselm Grün und des Dalai Lama. Zu den bekanntesten Autoren des Jahres 2008 gehören unter anderem der Mathematiker Albrecht Beutelspacher, die SPD-Politiker Henning Scherf und Franz Müntefering, sowie die Journalisten Mark Spörrle und Lutz Schumacher mit senk ju vor träwelling.

Das Schäferspiel war eines der kooperativen Kinderspiele des Verlags

Neben seinem Buchprogramm produziert der Verlag Herder auch Zeitschriften. Die Herder Korrespondenz, der Christ in der Gegenwart und die Stimmen der Zeit widmen sich dem Dialog zwischen Kirche, Kultur und moderner Gesellschaft. Weitere christlich oder kirchlich orientierte Formate sind der Anzeiger für die Seelsorge, einfach leben – ein Brief von Anselm Grün, Ideenwerkstatt Gottesdienst, Gottesdienst und praxis gottesdienst, diakonia und Forum Weltkirche. Die vierteljährlich erscheinenden Zeitschriften Römische Quartalschrift und Theologie und Philosophie wenden sich dem theologisch forschenden Fachpublikum zu. Im Bereich Pädagogik werden die Zeitschriften kindergarten heute, Mobile, Entdeckungskiste, Kleinstkinder und Philipp herausgegeben.

Hinzuweisen ist auch auf die lexikalische Vergangenheit des Verlages. So erschien schon 1854 Herders Conversations-Lexikon, eines der bedeutenden deutschen Lexika des 19. Jahrhunderts, das im 20. Jahrhundert als „Der Große Herder“ weitergeführt wurde. Ebenfalls sehr bedeutend ist im Bereich der Theologie das Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), bis in die 90er Jahre war das mehrbändige Herders Staatslexikon in katholischen Kreisen ein wichtiges Nachschlagewerk für Themen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Verlag erschien die Reihe Ars Antiqua – Große Epochen der Weltkunst von Kunst-Bildbänden und Der Große Ploetz.

Ab 1963 sind bei Herder auch Spiele verlegt worden, von denen einige in die Auswahlliste zum Spiel des Jahres aufgenommen wurden. Seit 1996 Jahre sind Spiele nicht mehr Teil des Verlagsprogramms.[3]

Herder wird ab 2009 von einem ersten kommerziellen Lizenzbüro für deutsche Verlage in Peking vertreten.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Verlag Herder – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manuel Herder - Guttenbergs Verleger FAZ Online vom 18. Dezember 2011
  2. vgl. z.B. PHILOSOPHIA MORALIS IN USUM SCHOLARUM, AUCTORE JOANNE B. SCHUSTER S.J.. SUMPTIBUS HERDER FRIBURGI BRISGOVIAE MCML
  3. Europäische Spielesammler Gilde
  4. Süddeutsche Zeitung, vom 24. Oktober 2009, Seite 14

48.00287.85331Koordinaten: 48° 0′ 10″ N, 7° 51′ 12″ O