Altstädter Ring

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Altstädter Ring mit Blick auf das Altstädter Rathaus und die Teynkirche
Blick auf den Altstädter Ring
Jan-Hus-Denkmal
Altstädter Ring nachts

Der Altstädter Ring ( Staroměstské náměstí?/i, auch „Altstädter Markt“) ist der zentrale Marktplatz der Prager Altstadt. Er nimmt mehr als 9000 m² ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Das historische Rathaus, die Teynkirche, die Hussitenkirche St. Niklas in der Altstadt, das Palais Kinský, das Haus „Zur Steinernen Glocke“ und andere sehenswerte Gebäude umgeben den Platz. Inmitten des Altstädter Rings steht das Denkmal für Jan Hus. In den Kellern der Häuser, welche diesen Platz umgeben, sind romanische und gotische Grundmauern zu finden. Darauf stehen Renaissance-, Barock- und Rokokohäuser.

Am 21. Juni 1621 wurden am Altstädter Ring insgesamt 27 Teilnehmer des Ständeaufstandes von 1618 hingerichtet.

Altstädter Rathaus[Bearbeiten]

An der Südostecke des Altstädter Rings befindet sich das Altstädter Rathaus (Staroměstská radnice) mit der astronomischen Aposteluhr (Orloj). Das Uhrwerk wurde im Jahr 1410 von Uhrmacher Mikuláš z Kadaně nach den Plänen von Jan Šindel gebaut. Das Rathaus selbst wurde im gotischen Baustil mit Rund- und Spitzbogenfenstern ausgestattet.

Bemerkenswert ist der Erker mit 5/8-Schluss, der zu einer um 1360 begonnenen gotischen Erkerkapelle gehört. Sie wurde um 1381 der Jungfrau Maria geweiht. Während das Maßwerk der Bogenzwickel und der mit Krabben (Kriechblumen) bekrönte Wimperg (Ziergiebel) noch weitestgehend original sind, sind die Säulenfiguren unter den Baldachinen eine Zutat des 19. Jahrhunderts. Lediglich die Marienstatue an der linken Gebäudeecke ist die Kopie einer 1381 geschaffenen Sandsteinfigur (Original im Museum der Hauptstadt Prag).

Während des Prager Aufstandes im Mai 1945 wurde das Rathaus stark beschädigt, nach dem Krieg jedoch umfassend restauriert. Der neogotische Anbau musste abgebrochen werden. An seiner Stelle liegt heute ein kleiner Park mit einer Gedenkstätte für die Gefallenen des Aufstandes.

 Commons: Altstädter Rathaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Teynkirche[Bearbeiten]

Hauptartikel: Teynkirche

1365 begann der Bau der dreischiffigen, gotischen Teynkirche (Týnský chrám), auch „Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn“ (Kostel Panny Marie před Týnem) genannt. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden die Türme (Adam und Eva) fertiggestellt, die sich nicht gleichen und von denen einer 80 m hoch ist. 1390 wurde in Peter Parlers Hütte das Tympanon über dem Nordportal erschaffen, das die Leiden Christi darstellt. Im Inneren befinden sich eine gotische Kanzel, die am Altar des nördlichen Seitenschiffes zu sehende Kalvarienszene aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts und zwei Sedilia (lateinisch singular „sedile“ Stuhl oder Sessel) am Abschluss der Seitenschiffe mit Bildnisköpfen um 1400. Außerdem gibt es dort das älteste aus dem Jahr 1414 stammende Prager Taufbecken aus Zinn, ein spätgotischer Steinbaldachin aus dem Jahr 1493 von Matthias Rejsek und viele Holzschnitzereien. Die Gemälde von Karel Škréta aus den Jahren 1648-1660 sind am Hauptaltar und an den Seitenaltären zu finden. Rechts vom Hauptaltar steht das Grabmal des am Hofe des Kaisers Rudolf II. wirkenden dänischen Astronomen Tycho Brahe aus dem Jahr 1601.

Der vom Markt aus gesehen rechte Turm ist ein klein wenig dicker als der Linke. Der Rechte wird gemeinhin als Adam bezeichnet, der linke als Eva. In den Sommermonaten spendet Adam Eva Schatten, deshalb diente Eva im Mittelalter als Lager für leicht verderbliche Lebensmittel.

 Commons: Teynkirche – Sammlung von Bildern

Ungelt[Bearbeiten]

Neben der Teynkirche existierte ein selbstständiger, eingezäunter (otýněný oder kurz týn) Platz mit kaufmännischem Hof, der Teynhof. Er bestand als Handelsplatz schon seit dem 11. Jahrhundert und wurde 1135 erstmals urkundlich erwähnt. Fremde Kaufleute stapelten hier Waren, verkauften sie und fanden Quartier. Dazu gesellten sich bald darauf Werkstätten und ein Hospital mit romanischer Marienkirche, dem Vorläufer der Teynkirche. Das tschechische Wort týn hat denselben Sprachstamm wie das deutsche Wort Zaun oder das englisch Wort town.

Ab dem 14. Jahrhundert bestand hier eine Zollstelle, wonach der mit Gebäuden umgebene Hof mit zwei Toren auch „Ungelt“ genannt wurde. Nach Abschaffung der Zollpflicht 1558 schenkte Ferdinand I. den Hof an Jakob Granovský von Granov. Unter ihm wurde er um 1560, wie das Portal mit Wappen und Jahreszahl ausweisen, in ein zweiflügeliges Renaissancepalais toskanischer Prägung mit Arkadenumgang im ersten Stock umgewandelt.

Palais (Golz)-Kinský[Bearbeiten]

Palais Kinsky (rechts: Haus zur steinernen Glocke)

Das Rokoko-Palais wurde von Kilian Ignaz Dientzenhofer geplant und 1755–1765 von Anselmo Lurago errichtet. Es beherbergt heute die graphischen Sammlungen der Nationalgalerie. Im Februar 1948 verkündete der Präsident Klement Gottwald den Prager Einwohnern vom Balkon des Palastes aus die kommunistische Machtübernahme. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis.

Gegenwärtig ist das Palais Goltz-Kinský Gegenstand eines spektakulären Rechtsstreites zwischen dem früheren Eigentümer, (Fürst) Franz Ulrich Kinsky, und dem tschechischen Staat. Infolge von Formfehlern ist die Konfiszierung offenbar ungültig, was jedoch die tschechischen Behörden bisher nicht dazu veranlasst hat, das davon betroffene Vermögen zurückzustellen.

Haus zur steinernen Glocke[Bearbeiten]

Haus zur steinernen Glocke

Das „Haus zur steinernen Glocke“ (U kamenného zvonu; Nr. 16 / CN 605) steht rechts neben dem spätbarocken Palais Kinsky. Es wurde Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut und wahrscheinlich als Stadtpalast unter König Johann von Luxemburg umgebaut und aufgestockt. Die Zuweisung bleibt jedoch Spekulation, vor allem wegen der außergewöhnlichen Größe und Ausstattung nimmt man ein Mitglied der königlichen Familie als Bewohner an und denkt zumeist an die Mutter Karls IV., die Přemyslidenfürstin Eliška, die nach chronikalischer Überlieferung ein Haus in der Altstadt besessen hatte. Auch Karl IV. selbst sollte nach seinem Einzug in Böhmen während der notwendigen Renovationen seines künftigen Sitzes, der Prager Burg, in diesem Haus gewohnt haben. Zwischen frühgotischen Kreuzstockfenstern standen Statuen, von denen Konsolen und Baldachine noch erhalten sind. Ein Ritter und zwei thronende Gestalten konnten aus den Resten rekonstruiert werden. Das Hauszeichen und der Namensgeber waren eine steinerne Glocke.

Als das Haus im 17. Jahrhundert barockisiert wurde, benutzte man über 12.000 ursprüngliche Bauelemente und Reliefsteine weiter. Es diente sozusagen als sein eigener Steinbruch. Nach weiteren Umgestaltungen wurde das Haus in den 1970er/1980er Jahren in den gotischen Zustand zurückversetzt, soweit die verschiedenen Bauelemente dies zuließen. Im Keller des Hauses, das für Ausstellungen genutzt wird, befindet sich ein Lapidarium für die Fragmente und eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Hauses und der Rekonstruktion.

St. Nikolaus-Kirche[Bearbeiten]

Kilian Ignaz Dientzenhofers Nikolauskirche 1732-1735

Dieses Gotteshaus ist ein nach Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer in den Jahren 1732 bis 1735 als Ersatz für eine durch einen Brand zerstörte romanische Pfarrkirche errichteter Barockbau. Die Skulpturen stammen von Anton Braun, einem Neffen von Matthias Bernhard Braun. Die Kuppelfresken stammen von Cosmas Damian Asam.

Ab 1787 wurde die Kirche als Lagerhaus zweckentfremdet und später als Garnisonskirche und für Militärkonzerte verwendet. 1871 übernahm die russisch-orthodoxe Gemeinde das Gotteshaus. Seit 1920 dient sie der Tschechischen Hussitischen Kirche, die hier gegründet wurde[1].

 Commons: St. Nikolaus in der Altstadt – Sammlung von Bildern

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altstädter Ring – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Petr Němec: Harenberg CityGuide Prag. Harenberg Verlag, Dortmund 1992, ISBN 3-611-00262-3.

50.087314.42125Koordinaten: 50° 5′ 14″ N, 14° 25′ 17″ O