Andrea Dworkin

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Andrea Dworkin, 1988

Andrea Dworkin (* 26. September 1946 in Camden, New Jersey; † 9. April 2005 in Washington, D.C.) war eine US-amerikanische Radikalfeministin[1], Soziologin und Schriftstellerin. In Deutschland fiel sie vor allem durch ihr Buch PorNOgraphy-Men possessing women (1979) und ihre Zusammenarbeit mit Alice Schwarzer auf.

Leben[Bearbeiten]

Dworkins Vater war Lehrer und Sozialist, und sie schreibt ihm zu, sie zu ihrer Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit inspiriert zu haben. Obwohl sie angemerkt hat, dass ihr jüdischer Haushalt in vielfacher Weise vom Andenken an den Holocaust dominiert war, hatte sie im Allgemeinen eine glückliche und normale Kindheit bis zum Alter von 9 Jahren, als sie in einem Kino sexuell missbraucht wurde.

Seit 1965 kämpfte sie als Aktivistin und Autorin für eine Veränderung der Gesellschaft. Am bekanntesten wurde sie durch ihren Kampf gegen die Pornografie.

1965 wurde sie als Studentin des Bennington Colleges während einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg vor der US-Mission bei der UNO verhaftet und in das New York Women's House of Detention Gefängnis geschickt, wo sie einer körperlichen Durchsuchung durch Gefängnisärzte ausgesetzt war, die so rücksichtslos ausgeführt wurde, dass sie danach tagelang an Blutungen litt. Ihr Zeugnisbericht über diese Erfahrung erhielt internationale Aufmerksamkeit und führte zur Schließung des Gefängnisses.

Nach ihrem Hochschulabschluss zog sie nach Amsterdam und vermählte sich mit einem niederländischen Anarchisten, der sie im Laufe ihrer fünfjährigen Ehe misshandelte. Während dieser Zeit arbeitete sie als Prostituierte und lebte in einem Zustand der Armut, phasenweise auch in Obdachlosigkeit.

In den 1980er-Jahren entwickelte sie gemeinsam mit der Juristin Catharine MacKinnon ein Anti-Pornografie-Gesetz, das Pornografie generell als frauenfeindlich definiert. Ihre Radikalität und ihre als unwissenschaftlich betrachtete Vorgehensweise wurde auch von anderen Feministinnen kritisiert.

Im Alter von 27 Jahren lernte sie John Stoltenberg kennen, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. 1998 heirateten sie, obwohl sich beide als homosexuell identifizierten.

Am Vormittag des 9. April 2005 verstarb Andrea Dworkin zu Hause in Washington im Alter von 58 Jahren. Die Ursache ihres Todes ist nicht festgestellt worden. Stark übergewichtig, litt sie schon seit Jahren an Osteoarthritis, was sie selbst allerdings als Folge einer Vergewaltigung interpretiert haben wollte.[2]

Ideen und Kontroverse[Bearbeiten]

Im Laufe ihres Lebens schrieb Dworkin zahlreiche Bücher, Artikel und Reden, in denen sie sich sehr kritisch über Pornografie und Prostitution äußerte; viele dieser Texte behandeln das Thema Sexualität sehr ausführlich. Folgendes Zitat aus dem Buch Woman Hating dient als Beispiel für ihre Ansichten zum Thema Inzest: „Die Eltern-Kind-Beziehung ist hauptsächlich erotischer Natur, da alle menschliche Beziehungen hauptsächlich erotischer Natur sind. [...] Die Zerstörung des Inzest-Tabus ist wesentlich für die Entwicklung einer kooperativen menschlichen Gemeinschaft, die auf dem freien Fluss eines natürlichen androgynen Erotizismus basiert.“

Bekannt geworden und kritisiert, ist Andrea Dworkin für ihre provokanten Ausführungen zum „unwandelbaren und parasitären Selbst des Mannes“. Dazu schreibt sie: „Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck[3].

Dworkin verband sexuelle Themen mit größeren gesellschaftlichen Strukturen. So schrieb sie über die klassenkämpferischen Aspekte des Feminismus in Büchern wie Right-Wing Women. Sie beklagte die Tendenz von wohlhabenden liberalen Feministinnen, Absprachen mit dem Establishment zu treffen, welche die eigene Position zwar voranbrachte, aber weniger betuchte Frauen außen vor ließen.

Dworkin war oft persönlichen Angriffen ausgesetzt, z.B. wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes oder ihrer lesbischen Identität. Sie glaubte, dass Pornografie ihre Wurzel in einem männlichen Hass auf Frauen habe, dass sie eine signifikante Ursache von Vergewaltigung und anderer sexuellen Gewalt sei, und dass Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren, das Recht auf Selbstverteidigung bis hin zu tödlicher Gewalt hätten. Trotz ihres vermeintlichen Männerhasses hatte sie zahlreiche enge männliche Freunde, darunter der Schriftsteller Michael Moorcock und ihr Ehemann Stoltenberg. Ihre Kritik an Geschlechtsrollen und ihr Glauben, dass diese eliminiert werden müssten, um die volle Gleichheit in der Gesellschaft zu erlangen, werden auch zitiert, um sie gegenüber dem Vorwurf zu verteidigen, dass sie Männerhasserin sei.

Einfluss auf das Rechtssystem[Bearbeiten]

Zusammen mit der feministischen Rechtsanwältin Catharine MacKinnon schrieb Dworkin einen Gesetzentwurf, in dem Pornografie als Verletzung der Bürgerrechte der Frau definiert wurde, und der es Frauen ermöglichen würde, Produzenten und Vertreibende von Pornografie zivilrechtlich auf Schadensersatz zu verklagen. 1983 wurde der Gesetzentwurf in Indianapolis verabschiedet, jedoch später im Prozess American Booksellers Association, Inc. v. Hudnut durch das Berufungsgericht für den 7. Bezirk der Bundesrechtssachen für verfassungswidrig befunden. Dieses Urteil ist ein wichtiger Präzedenzfall für den Ausgleich zwischen Pornografie und Zensur.

Werke[Bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten]

Romane, Gedichte und Erzählungen[Bearbeiten]

Digitalisierte Reden und Interviews (englisch)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. salon.com Julia Gracen: “Andrea Dworkin in agony” in : SALON - Violence Against Women. 20. September 2000
  2. Andrea Dworkin in agony von Julia Gracen
  3. Andrea Dworkin: „ Pornographie – Männer beherrschen Frauen“ mit einem Vorwort von Alice Schwarzer. EMMA- Frauenverlags- GmbH. Köln 1.Aufl. 1987. ISBN 3-922670-15-6. S. 24