Ansiedlungsrayon

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Ansiedlungsrayon mit rot eingezeichneter Grenzlinie

Als Ansiedlungsrayon (russ. Tscherta osedlosti / Черта оседлости; engl. Pale of Settlement) wird das Gebiet im Westen des Russischen Kaiserreiches bezeichnet, auf das zwischen Ende des 18. und Anfang des 20. Jahrhunderts das Wohn- und Arbeitsrecht der jüdischen Bevölkerung im europäischen Teil des Russischen Reiches beschränkt war. Das Gebiet war zuvor größtenteils Bestandteil Polen-Litauens gewesen und mit den Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts unter russische Herrschaft gelangt.

Der Ansiedlungsrayon, der sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckte, umfasste mehr als eine Million Quadratkilometer und zählte Ende des 19. Jahrhunderts beinahe fünf Millionen Juden, die knapp zwölf Prozent der Bevölkerung ausmachten.

Geschichte[Bearbeiten]

1791 wurde durch einen Erlass der Zarin Katharina II. festgelegt, dass Juden nur innerhalb bestimmter Gebiete leben und arbeiten durften. 1835 änderte Nikolaus I. diesen Erlass und erließ für weitere spezielle Bezirke Genehmigungen, die die Ansiedlung für Juden regelten. Alexander II. lockerte einige dieser Bestimmungen ein wenig, besonders wohlhabendere Juden konnten sich danach von den Niederlassungs- und Arbeitsbestimmungen freikaufen. Doch durch die sogenannten Maigesetze seines Nachfolgers Alexander III., die vom Mai 1882 bis zur Februarrevolution 1917 gültig waren, wurde die Bewegungsfreiheit der russischen Juden wieder eingeschränkt.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts lebten mehr als fünf Millionen Juden, rund 90 Prozent der russischen Juden, im Ansiedlungsrayon. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (1941) gelangte das Gebiet des ehemaligen Ansiedlungsrayons unter deutsche Besatzung – die jüdische Bevölkerung wurde durch Deutsche und teilweise lokale Helfer beinahe vollständig ausgerottet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heiko Haumann: Geschichte der Ostjuden, München: Deutscher Taschenbuch-Verlag, 1990 (seither mehrere aktualisierte und erweiterte Neuausgaben)
  • Yvonne Kleinmann: Jüdische Zuwanderer aus dem Ansiedlungsrayon in Odessa sowie in Städten Zentralrußlands und Polens im 19. Jahrhundert. In: Klaus Jürgen Bade (Hg.): Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, 3. Aufl. 2010. ISBN 978-3-506-75632-9. S. 725-731
  • Nathaniel Deutsch: The Jewish dark continent. Life and death in the Russian pale of settlement. Harvard University Press, Cambridge 2011. ISBN 978-0-674-04728-0

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]