Alexander III. (Russland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kaiser Alexander III. von Russland
Kaiser Alexander III. von Russland

Alexander III. (russisch Александр III; gebürtig Alexander Alexandrowitsch Romanow, russisch Александр Александрович Романов; * 26. Februarjul./ 10. März 1845greg. in Sankt Petersburg; † 20. Oktoberjul./ 1. November 1894greg. in Liwadija auf der Krim) entstammte dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp und war von 1881 bis 1894 Kaiser [1] von Russland.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

Großfürst Alexander wurde 1845 als zweiter Sohn des Zarewitsch (Thronfolger) Alexander Nikolajewitsch Romanow und dessen Gemahlin Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt in Sankt Petersburg geboren.

Charakterlich hatte der junge Alexander wenig Ähnlichkeit mit seinem warmherzigen, liberalen Vater, sondern legte ein einfaches, grobes und abruptes Wesen an den Tag, zuweilen sogar schroff. Auch durch seinen robusten Körperbau und seine immense physische Stärke unterschied er sich von der Mehrzahl seiner Familienangehörigen.

1855 bestieg sein Vater als Alexander II. den russischen Kaiserthron. Sein älterer Bruder Nikolaus wurde neuer Zarewitsch, und folglich genossen dessen Erziehung und Ausbildung bei Hofe höchste Priorität. Alexander wurden relativ geringe Aussichten auf den Thron zugeschrieben, und er erhielt eine oberflächliche, unzureichende Ausbildung eines Großfürsten, die von militärischem Drill geprägt war.

Als Zarewitsch (1865 bis 1881)[Bearbeiten]

Nach dem plötzlichen Tod seines Bruders 1865 wurde Alexander neuer Thronfolger. Doch trotz seines Titels hatte er wenig Einfluss auf das öffentliche Leben und die Politik, sondern er lebte vielmehr zurückgezogen im Anitschkow-Palais. Im Bewusstsein seines Mangels an Vorbereitung wandte sich die Familie an Konstantin Pobedonoszew, Professor an der Universität Moskau, der den Zarewitsch in Rechtswissenschaften und Staatskunde unterwies. Pobedonoszew, der für seinen extremen Konservativismus bekannt war, sollte zeitlebens großen Einfluss auf Alexander ausüben.

Als Offizier nahm der Zarewitsch am Russisch-Osmanischen Krieg 1877/78 in Bulgarien teil. Beim anschließenden Berliner Kongress unterstützte der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck die Forderungen Russlands nicht, sondern trat als „ehrlicher Makler“ auf. Alexander zeigte sich enttäuscht vom Verhalten des Deutschen Reiches, und für ihn lag die Zukunft Russlands nicht an der Seite der Deutschen. Damit stand er mehr und mehr im Widerspruch zu seinem Vater, der seine Außenpolitik auf ein Bündnis mit Preußen (später dem Deutschen Reich) stützte, während Alexander sich mehr zu Frankreich hingezogen fühlte.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

Kaiserin Maria Fjodorowna und Kaiser Alexander III. in Dänemark, 1892

Auf dem Sterbebett seines Bruders Nikolai versprach Alexander diesem, dessen Verlobte Prinzessin Dagmar von Dänemark zu heiraten. Am 9. November 1866[2] wurde die Hochzeit in der Kapelle des Winterpalastes gefeiert, und seine Ehefrau nahm nach ihrer Konversion zur russisch-orthodoxen Kirche den Namen Maria Fjodorowna an. Die Verbindung wurde als glücklich beschrieben; keiner der beiden soll außereheliche Liebschaften gehabt haben.

5 Roubles à l'effigie du Tsar d'Alexandre III, 1888

Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

  • Nikolaus (18. Mai 1868 – 17. Juli 1918), als Nikolaus II. Kaiser von Russland
  • Alexander (7. Juni 1869 – 2. Mai 1870)
  • Georgi (9. Mai 1871 – 10. Juli 1899)
  • Xenia (6. April 1875 – 20. April 1960)
  • Michail (4. Dezember 1878 – 13. Juni 1918)
  • Olga (13. Juni 1882 – 24. November 1960)

Mit seiner dänischen Gemahlin führte Alexander ein sehr häuslich und familiär geprägtes Leben. Ausgedehnte Sommerurlaube im Langinkoski Herrenhaus in der Nähe von Kotka an der finnischen Küste waren fester Bestandteil des Familienlebens. Hier wurden die Kinder in eine skandinavische Lebensart der relativen Bescheidenheit eingetaucht.

Als regierender Kaiser (1881 bis 1894)[Bearbeiten]

Nachdem am 13. März 1881 Alexanders Vater, Zar Alexander II., in Sankt Petersburg einem Bombenattentat der Untergrundorganisation Narodnaja Wolja (Volkswille) zum Opfer gefallen war, folgte er ihm auf dem Thron als Alexander III.. Die Krönungsfeierlichkeiten fanden zwei Jahre später, am 27. Mai 1883, in der Moskauer Mariä-Entschlafens-Kathedrale statt.

Innenpolitik[Bearbeiten]

Die Ermordung Kaiser Alexanders II. verfolgte seine Nachfolger wie ein Gespenst, weshalb Alexander III. aus Sicherheitsgründen mit seiner Familie das gut bewachte, festungsartige Schloss von Gattschina bezog. In Folge des Attentats kam es in ganz Russland zu zahlreichen antisemitischen Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung. Als Reaktion erließ der neue Kaiser 1882 die sogenannten „Maigesetze“, in denen die freie Berufsausübung und Freizügigkeit der jüdischen Minderheit stark eingeschränkt wurden.

Alexander III. (re., sitzend) mit seiner Familie im Jahr 1893

Für Alexander lag die Stärke Russlands in sich selbst. Er war der Ansicht, sein Reich wäre von anarchistischen Störern und revolutionären Agitatoren durchsetzt gewesen, die bekämpft werden müssten. Als Instrument der Bekämpfung gründete Kaiser Alexander 1881 die Geheimpolizei Ochrana, die politische Gegner in die sibirischen Arbeitslager sperrte. Als weiteres Problem sah Alexander eine „Überfremdung“ der Gesellschaft, besonders in Hinblick auf den deutschen Einfluss. Russland sollte ein homogenes Staatsgebilde sein, in dem die ethnischen Unterschiede in religiöser und sprachlicher Vielfalt überwunden werden müssten. Um dieses Ziel zu verwirklichen, startete Alexander eine radikale Politik der Russifizierung, die besonders in Polen und im Baltikum gegen harte Widerstände in der Bevölkerung durchgesetzt werden musste. Denn die Stützen seiner autokratischen Herrschaft sah Alexander in der slawischen Nation, der orthodoxen Kirche und einer einheitlichen Verwaltung. In seiner Herrschaftsauffassung war für parlamentarische Institutionen und den westeuropäischen Liberalismus kein Platz. Er hob beinahe alle Liberalisierungsvorschläge seines Vaters auf, obwohl er die Leibeigenschaft nicht wieder einführen konnte, zentralisierte die Verwaltung und schwächte die Semstwo-Vertretungen auf dem Lande. Allmählich zog er sich so die Feindschaft aller Klassen in Russland zu. Erneut flackerte überall der Terror auf. In seiner Politik wurde er von Konstantin Pobedonoszew unterstützt, der als persönlicher Berater des Zaren fungierte und zur grauen Eminenz am Hof aufstieg.

Die wohl größte Leistung in seiner 13-jährigen Herrschaft war die Grundsteinlegung für die Transsibirische Eisenbahn, die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Damit wurde der europäische Teil Russlands mit den sibirischen Ostgebieten verbunden und war das zentrale Herrschaftsinstrument des Kaisers in diesen entlegenen Gebieten.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Außenpolitisch folgte Alexander III. der traditionellen Politik der schrittweisen Erweiterung der zaristischen Herrschaft in Zentral- und Ostasien. Dabei wollte er jedoch Konflikte mit anderen Großmächten vermeiden, denn er war nachdrücklich ein Mann des Friedens. Alexander stand zwar nicht auf dem Standpunkt „Frieden um jeden Preis“, vielmehr folgte er dem Grundsatz, das beste Mittel, einen Krieg zu vermeiden, sei eine gute militärische Vorbereitung.

Obwohl gegenüber dem Deutschen Reich zurückhaltend eingestellt, verschlechterte sich das traditionell gute Verhältnis der beiden Staaten erst gegen Ende von Alexanders Herrschaft. Gleichzeitig suchte Alexander III. eine Annäherung an Frankreich, zum einen wegen seiner persönlichen Neigungen, aber vor allem suchte Alexander Investoren für die teure Transsibirische Eisenbahn und um die aufkeimende Industrialisierung zu finanzieren. Da Frankreich von Bismarck 20 Jahre lang isoliert worden war, war es für diese Annäherung zu gewinnen. Der offene Bruch vollzog sich 1890, als der deutsche Kaiser Wilhelm II. den Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht verlängerte. Nun war der Weg zu einem russisch-französischen Bündnis frei. Ein Jahr später unterzeichneten beide Regierungen eine Übereinkunft, im Falle einer Bedrohung für den Frieden sich zu konsultieren – der Vorläufer des Zweiverbandes von 1894.

In seine Herrschaft fiel auch der Versuch des Kosaken Nikolai Aschinow, 1889 in Sagallo in Französisch-Somaliland eine russische Präsenz zu errichten. Alexander distanzierte sich jedoch bald von diesem Vorhaben, um die Beziehungen zu Frankreich nicht zu belasten.

Lebensende[Bearbeiten]

Auf der Rückkehr von einer Reise in den Kaukasus war der Zar mit seiner Familie am 29. Oktober 1888 bei Borki zusammen mit seiner Entourage von einem Eisenbahnunfall betroffen. Der Hofzug entgleiste und stürzte einen Abhang hinunter. Die Ursache konnte nicht geklärt werden. Als das Dach des Speisewagens auf die Fahrgäste zu stürzen drohte, hob Alexander das Dach mit seinen Schultern an, bis sich alle in Sicherheit gebracht hatten. Die kaiserliche Familie kam mit dem Schrecken davon. Diese übermenschliche Anstrengung hinterließ nach Meinung der Ärzte bleibende Schäden an seinen Organen.

Sechs Jahre später erkrankte der Kaiser vermutlich durch die Spätfolgen des Unglücks an einem schweren Nierenleiden (Nephritis) und verstarb am 1. November 1894 im Liwadija-Palast auf der Krim, wo er sich zu einem Erholungsurlaub befunden hatte.

Seine sterblichen Überreste wurden in der Peter-und-Paul-Festung von Sankt Petersburg beigesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sylvain Bensidoun: Alexander III : 1881–1894. – Paris : Sedes, 1990
  • E.M. Almedingen, Die Romanows – Geschichte einer Dynastie, Russland 1613–1917, Ullstein, Frankfurt/M., 1992, ISBN 3-548-34952-8.
  • Gudrun Ziegler: Das Gold der Zaren, Heyne, München 2000, ISBN 3-453-17988-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexander III. von Russland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im zeitgenössischen Sprachgebrauch als auch im Ausland blieb es bis 1917 üblich, weiter vom Zaren zu sprechen und hat sich im Bewusstsein der Nachwelt erhalten. Was man damit traf, war nicht der geltende Würdeanspruch des Kaiserreichs, sondern die Fortlebung der spezifisch russischen Wirklichkeit, in Form des Moskauer Zarenreiches, das als Grundlage des neuen Imperiums diente. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer nicht quellengerechten Begriffssprache in der Literatur und zu einem überkommenen Begriffsapparat in der deutschen Literatur. in: Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren, 1547-1917, S.8; Hans-Joachim Torke: Die staatsbedingte Gesellschaft im Moskauer Reich, Leiden, 1974, S. 2; Reinhard Wittram: Das russische Imperium und sein Gestaltwandel, in: Historische Zeitschrift Bd. 187, H. 3 (Jun., 1959), S. 568-593, S.569.
  2. Zum besseren Verständnis und zur Vereinheitlichung werden im Folgenden lediglich die Daten des Gregorianischen Kalenders angeführt.
Vorgänger Amt Nachfolger
Alexander II. Kaiser von Russland
1881–1894
Nikolaus II.