Arktur

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Dieser Artikel beschreibt den Stern im Sternbild Bärenhüter, das gleichnamige Serverprodukt wird unter Arktur-Schulserver behandelt.
Der Stern Arktur, aufgenommen mit einem Amateurteleskop
Stern
Arktur (α Bootis)
StarArrowUR.svg
Bootes constellation map.png
Arktur im Sternbild Bootes
Beobachtungsdaten
ÄquinoktiumJ2000.0, Epoche: J2000.0
Sternbild Bärenhüter
Rektaszension 14h 15m 39,67s [1]
Deklination +19° 10′ 56,7″ [1]
Scheinbare Helligkeit -0,05 mag [1]
Typisierung
Spektralklasse K2 IIIp [1]
B−V-Farbindex +1,23 [2]
U−B-Farbindex +1,27 [2]
R−I-Index +0,65 [2]
Veränderlicher Sterntyp wird vermutet
Astrometrie
Radialgeschwindigkeit (-5,2 ± 0,1) km/s [3]
Parallaxe (88,83 ± 0,54) mas [4]
Entfernung [4] (36,72 ± 0,22) Lj
(11,257 ± 0,068) pc
Visuelle Absolute Helligkeit Mvis -0,3 mag [5]
Eigenbewegung [4]
Rek.-Anteil: (-1093,39 ± 0,44) mas/a
Dekl.-Anteil: (-2000,06 ± 0,39) mas/a
Physikalische Eigenschaften
Masse < 1,5 M
Radius (25,7 ± 0,3) R [6]
Leuchtkraft

(210 ± 10) L [7]

Oberflächentemperatur 4290 K
Metallizität [Fe/H] 20–50 % der Sonne
Rotationsdauer 48 Tage
Alter > 4,6 Mrd. a
Andere Bezeichnungen
und Katalogeinträge
Bayer-Bezeichnung α Bootis
Flamsteed-Bezeichnung 16 Bootis
Bonner Durchmusterung BD +19° 2777
Bright-Star-Katalog HR 5340 [1]
Henry-Draper-Katalog HD 124897 [2]
Hipparcos-Katalog HIP 69673 [3]
SAO-Katalog SAO 100944 [4]
Tycho-Katalog TYC 1472-1436-1[5]
Weitere Bezeichnungen Gliese 541
Aladin previewer

Arcturus oder Arktur (griechisch Arktúros Ἀρκτοῦρος, α Bootis, engl. manchmal α Boötis) ist der Hauptstern im Bärenhüter (Bootes), einem auffälligen Sternbild am Frühlingshimmel. Der Rote Riese mit 200-facher Sonnenleuchtkraft und 22-fachem Sonnendurchmesser ist das uns nächstgelegene Gestirn dieses Typs. Arktur ist der hellste Stern des Nordhimmels und der dritthellste am gesamten Sternhimmel. Er ist von allen Kontinenten aus zu sehen (mit Ausnahme der inneren Antarktis) und war wahrscheinlich der erste Stern, der mit einem Teleskop am Taghimmel beobachtet wurde (1635 durch Jean-Baptiste Morin).[8] Man findet ihn leicht in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagens. Wenn man den gebogenen Sternenzug in die gleiche Richtung weiter verlängert, gelangt man zur Spica.

Nach Messungen durch den Astrometriesatelliten Hipparcos ist Arktur 36,7 Lichtjahre (11,3 Parsec) von der Erde entfernt, also astronomisch gesehen relativ nahe. Hipparcos' Beobachtungen deuten auch darauf hin, dass Arktur ein Doppelstern sein könnte. Alle bisherigen Versuche, einen Begleiter nachzuweisen, sind jedoch gescheitert oder haben ein negatives Resultat geliefert. Die Auflösung eines möglichen Begleiters liegt momentan an der Grenze des technisch Möglichen; es ist gegenwärtig keine abschließende Aussage über seine Existenz möglich.[8]

Arktur bildet zusammen mit Spica und Regulus das Frühlingsdreieck. Ein kleineres, beinahe gleichseitiges Dreieck bildet er mit zwei nur wenig schwächeren Sternen in der Umgebung seiner Sichtlinie: Seginus (γ Bootis) und Gemma (α CrB), siehe Sternkarte rechts.

Physikalische Parameter[Bearbeiten]

Aufgrund seines Alters ist Arktur arm an Metallen. Seine Metallizität ist fünf Mal kleiner als die der Sonne, womit Arktur wahrscheinlich ein Stern der Population II ist.

Arktur ist etwas heller als man von einem stabilen, Wasserstoff verbrennenden Stern erwarten würde. Es hat bereits die Verschmelzung von Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff begonnen. Bei solchen Sternen wird nicht erwartet, dass sie magnetische Aktivitäten wie die Sonne haben, aber sehr schwache Röntgenstrahlung und eine schwer beobachtbare „verborgene“ Korona deuten an, dass Arktur tatsächlich magnetisch aktiv ist.

Leuchtkraft und Spektrum[Bearbeiten]

Arktur ist ein K1.5 IIIpe Roter Riese mit orange-roter Farbe. Die Buchstaben „pe“ stehen für peculiar emission (engl. auffällige Abstrahlung), was bedeutet, dass das abgegebene Lichtspektrum vergleichsweise viele Emissionslinien enthält. Das ist nicht ungewöhnlich für Rote Riesen, bei Arktur jedoch besonders stark ausgeprägt.

Arktur ist mindestens 110-mal heller als die Sonne. Da der Stern im Infrarotbereich viel mehr Strahlung als im sichtbaren Spektrum abgibt, beträgt die gesamte Abstrahlung etwa das 210-fache der Sonne.[9] Die im Verhältnis zur Sonne geringere Abstrahlleistung im sichtbaren Bereich ist auf die kühlere Oberfläche zurückzuführen.

Mit dem Satelliten Hipparcos wurden Arkturs leichte Helligkeitsschwankungen entdeckt. Die Unterschiede sind mit 0,04 mag und einer Periode von 8,3 Tagen sehr klein. Es wird angenommen, dass die Oberfläche des Sterns leicht schwingt, was ein übliches Kennzeichen roter Riesen ist. Beim Fall Arktur war das jedoch eine interessante Entdeckung. Es war bekannt, dass ein Riesenstern desto veränderlicher ist, je röter er ist. Bei Extremfällen wie Mira treten starke Schwingungen über Hunderte von Tagen auf. Arktur ist nicht sehr rot und steht daher mit seiner kurzen Periode und dem kleinen Bereich der Schwankungen im Grenzbereich zwischen Veränderlichkeit und Stabilität.[10]

Masse und Größe[Bearbeiten]

Vergleich zwischen der Größe Arkturs und der Sonne.

Es ist schwierig, Arkturs Masse genau zu bestimmen, aber sie dürfte mit der Sonnenmasse vergleichbar sein und beträgt maximal das 1,5-fache davon. Der Stern ist nahe und groß genug, um seinen scheinbaren Durchmesser von 0,0210 leicht messen zu können. Daraus ergibt sich ein etwa 25-facher Sonnendurchmesser.

Alle erdähnlichen Planeten, die Arktur in seiner jungen, stabilen Phase umrundet hätten, wären jetzt komplett verbrannt und in den Stern gefallen. Momentan müsste ein Planet etwa 11 AE Abstand zu ihm haben, um erdähnlichen Temperaturen zu ermöglichen. Dies wäre geringfügig mehr als der Abstand des Saturn von der Sonne.

Bewegung[Bearbeiten]

Die hohe Eigenbewegung von Arktur ist bemerkenswert. Sie ist höher als die aller anderen Sterne erster Magnitude der Sternennachbarschaft (ausgenommen Alpha Centauri) und wurde das erste Mal 1718 von Edmond Halley (1656–1742) festgestellt. Arktur bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 122 km/s relativ zum Sonnensystem. Gemeinsam scheint er sich in einer Gruppe von 52 anderen Sternen, die auch die „Arkturgruppe“ genannt wird, zu bewegen.

Arktur ist jetzt fast auf seinem sonnennächsten Punkt, den er in ca. 4000 Jahren erreichen wird. In dieser Zeit wird er seinen Abstand nur noch um etwa 0,1 % verringern. Er ist erst seit ca. einer halben Mio. Jahren mit freiem Auge sichtbar und wird in etwa der gleichen Zeit für das freie Auge wieder unsichtbar, wenn er seine Reise in seiner eigenen Umlaufbahn um die Milchstraße fortsetzt.[10]

Alter und Entstehung[Bearbeiten]

Arktur wird als relativ alter Stern in der Scheibenebene der Milchstraße angesehen. Sein Alter (seit Beginn des Wasserstoffbrennens) wird auf 5 bis 8 Mrd. Jahre geschätzt. Er ist damit etwa doppelt so alt wie das Sonnensystem und das älteste Objekt, das man mit freiem Auge sehen kann.

Neueren Erkenntnissen nach ist Arktur nicht in der Milchstraße entstanden, sondern wahrscheinlich in einer Zwerggalaxie, die sich die Milchstraße vor ca. 5 bis 8 Mrd. Jahren einverleibt hat, ähnlich wie gegenwärtig die Sagittarius-Zwerggalaxie und die Große Magellansche Wolke.[11]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Arktur leitet sich von dem griechischen arktouros (αρκτούρος), "Bärenhüter", her und verweist auf die Lage als hellster Stern in dem Zeichen des Bootes, des Bärenhüters, der am Nachthimmel den kleinen und den großen Bären (Άρκτος, arktós, Arktus minor und maior) vor sich herzutreiben scheint.

Der arabische Name des Sternes lautet ‏حارس السماء‎ / ḥāris as-samāʾ / ‚Wächter des Himmels‘. Er wurde in vergangener Zeit vielfach in lateinische Schrift übertragen, wodurch nun außer Gebrauch gekommene Varianten wie Aramec oder Azimech entstanden.

In der chinesischen Astronomie benannte man den Stern dà jiǎo (chinesische Schrift: 大角), "großes Horn", was daher rührt, dass er hellster Stern der chinesischen Sternenkonstellation "Horn" (角宿, Pinyin: jiǎo xiù) ist. Die chinesische Bezeichnung 大角 wurde auch in die traditionelle japanische Sternenkunde, dort taikaku (Katakana: タイカク) gelesen, übernommen, doch heutigentags ist die englische Bezeichnung arcturus (Katakana: アルクトゥルス) gebräuchlicher.

Arktur in der Fiktion[Bearbeiten]

David Lindsay schildert in seinem bereits im Jahr 1920 erschienenen Roman „A Voyage to Arcturus“ eine mystische Alptraumfahrt zum Stern Arkturus.[12]

Der Stern Arktur tritt unter dem Namen Arcturus in der Science-Fiction-RPG-Shooter-Reihe Mass Effect in Erscheinung. In diesem System ist die wichtigste Allianz-Schiffswerft beheimatet.

Im dreiteiligen Spinnen-Zyklus von W. Michael Gear befindet sich in einem Netzwerk von Raumstationen in der Umlaufbahn um den Stern "Arcturus" die oberste Leitungsbehörde der über Zigtausende Sternensysteme verstreuten Menschheit.

Im Science-Fiction-Film Aliens – Die Rückkehr von 1986 ist vom Arcturus Fixstern die Rede, auf denen die United States Colonial Marines zuvor Fronturlaub hatten.

Die US-amerikanische Poetin Emily Dickinson verfasste um 1859 ein Gedicht über Arcturus.

Die Macher der klingonischen Oper juHrop [13] behaupten auf ihrer Internetseite[14], dass Andre Bormanis in Zusammenarbeit mit Mikael Okuda die Position des Heimatplaneten der Klingonen - Qo’noS (gesprochen: Kronos) - aus dem Star-Trek-Universum als um Arktur kreisend identifiziert haben.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arktur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Hipparcos-Katalog (ESA 1997)
  2. a b c Bright Star Catalogue
  3. Pulkovo radial velocities for 35493 HIP stars
  4. a b c Hipparcos, the New Reduction (van Leeuwen, 2007)
  5. Aus scheinbarer Helligkeit und Entfernung errechnet.
  6. Angular diameters of stars from the Mark III optical interferometer., MOZURKEWICH D.; ARMSTRONG J.T.; HINDSLEY R.B.; QUIRRENBACH A.; HUMMEL C.A.; HUTTER D.J.; JOHNSTON K.J.; HAJIAN A.R.; ELIAS II N.M.; BUSCHER D.F.; SIMON R.S., Astron. J., 126, 2502-2520 (2003)
  7. Basierend auf Werten von Temperatur und Radius, in Kombination mit dem Stefan-Boltzmann-Gesetz.
  8. a b Solstation
  9. http://www.astro.uiuc.edu/~kaler/sow/arcturus.html
  10. Die Schatten galaktischer Welten, Rodrigo Ibata und Brad Gibson, Spektrum der Wissenschaft 9/07 S52 ff
  11. Die Reise zum Arcturus. Heyne, München 1975 und 1986, ISBN 3-453-30352-0
  12. juHrop – Ursendung. Klingonische Oper von Frieder Butzmann. Deutschlandradio, 9. Januar 2009, abgerufen am 25. September 2011.
  13. Official position Qo’noS. Abgerufen am 9. Januar 2012.