Bagasse

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Zuckerrohr nach der Extraktion
Bagassehalden bei einer Zuckerrohrmühle in Proserpine, Queensland

Als Bagasse (auch: Ampas) bezeichnet man die faserigen Überreste der Zuckerfabrikation aus Zuckerrohr und Sorghumhirsen. Es handelt sich entsprechend um ein Neben- oder Koppelprodukt, das beim Auspressen des Zuckersaftes aus den Pflanzen entsteht.

Herstellung[Bearbeiten]

Das geerntete Zuckerrohr wird in Zuckerrohrmühlen verarbeitet, indem der zuckerhaltige Saft aus den Pflanzen herausgepresst wird (Pressextraktion). In einigen Fabriken sind jedoch auch Diffuseure im Einsatz, die den Zucker mittels des Diffusionsprozesses extrahieren. Während der gewonnene Saft in Absetzer geleitet wird, wird die als Nebenprodukt zurückbleibende Bagasse auf Halden gefahren. Dabei fallen bei 100 Tonnen Zucker aus Zuckerrohr etwa 34 Tonnen Bagasse als Nebenprodukt an. Weltweit wurden 1995 60–70 Millionen Tonnen Bagasse produziert.

Nutzung[Bearbeiten]

Bagasse besteht zu 40 bis 60 % aus Cellulose, zu 20 bis 30 % aus Hemicellulosen und zu etwa 20 % aus Lignin. Es kann energetisch als Festbrennstoff genutzt werden; dies erfolgt in der Regel direkt in der Zuckerproduktion zur Eigenversorgung mit Elektrizität und Wärme. Durch eine entsprechende Behandlung zur Entfernung des Lignin und eine nachfolgende Mischung mit Zuckerrohrmelasse und eiweißhaltigen Futtermitteln kann mit Bagasse auch Vieh gefüttert werden.

Stofflich wird Bagasse vor allem in der Zellstoffindustrie genutzt, und zwar zur Herstellung von Pappen (Verpackungsmaterial, Bagasseschalen) und Baumaterialien. Die enthaltenen Hemicellulosen, vor allem das aus dem C5-Zucker Xylose aufgebaute Polysaccharid Xylan kann chemisch-technisch und enzymatisch zur Gewinnung von Grundchemikalien, vor allem Furfural und Lävulinsäure, genutzt werden und ist entsprechend auch für eine Nutzung in der integrierten Bioraffinerie von Interesse.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stichwort Bagasse In: Hans Zoebelein (Hrsg.): Dictionary of Renewable Resources. 2. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim und New York 1996; Seite 20. ISBN 3-527-30114-3.