Martinique

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Martinique
Frankreich
Flagge Martiniques
Wappen von Martinique
Wappen Martiniques
Basisdaten
Amtssprache Französisch
Hauptort Fort-de-France
Fläche 1.128 km²
Einwohnerzahl 392.291 (1. Januar 2011) [1]
Bevölkerungsdichte 347,8 Einwohner / km²
Arrondissements 4
Kantone 45
Gemeinden 34
Präfekt Laurent Prévost[2]
Präsident des Regionalrates Serge Letchimy[3]
Präsident des Generalrates Josette Manin[4]
Währung Euro (EUR)
Zeitzone UTC−4
Internet-TLD .mq
Vorwahl +596
Karten
Martinique in der Karibik
Martinique-Karte.png
Martinique von der ISS aus fotografiert

Martinique [maʀtiˈnik] (Martinique-Kreolisch Matinik oder Matnik) ist eine Insel in der Karibik und gehört zu den kleinen Antillen – genauer gesagt zu den Inseln über dem Winde. Sie ist ein Überseedépartement und eine Region Frankreichs.

In der Sprache der Ureinwohner wurde die Insel Madinina (Blumeninsel) genannt, diese Bezeichnung wird auch heute noch oft von den Einheimischen verwendet.

Martinique ist ein vollintegrierter Teil des französischen Staates und damit auch Teil der Europäischen Union.

Geographie[Bearbeiten]

Tropischer Regenwald nahe der Stadt Fond St. Denis

Martinique liegt zwischen dem karibischen Meer und dem Atlantischen Ozean 25 km südlich von Dominica und 37 km nördlich von St. Lucia. Sie liegt ungefähr 6.850 km von Paris und 3.150 km von New York entfernt sowie 440 km vor der Küste Venezuelas.

Die Insel hat eine Länge von 73 km und eine Breite von 39 km. Die Küstenlinie ist rund 350 km lang. Die Insel ist bergig. Im Norden der Insel liegt der Vulkan Montagne Pelée, der eine Höhe von 1.397 m hat.

9,4 % der Landfläche der Insel ist verstädtert. Landwirtschaft wird auf 11,3 % der Fläche betrieben.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima ist tropisch und die Regenzeit dauert von Juni bis Oktober. Der Norden ist feucht mit einer üppigen Vegetation. Im Süden ist das Klima trockener, dort befinden sich auch die meisten touristischen Ziele. Die mittleren Lufttemperaturen liegen im Januar und Februar zwischen min. 21 °C und max. 27 °C, im August und September zwischen min. 24 °C und max. 30 °C. Die Monate Juni bis November zeichnen sich durch hohe Luftfeuchtigkeit aus. Der Februar hat im Mittel 12 Regentage, der Juli 22.

Die Wassertemperatur kann im Juli bis Oktober 28 °C überschreiten und liegt auch im Februar nicht unter 26 °C.

Zwischen Juni und November können Wirbelstürme auftreten.

Klimadiagramm von Fort-de-France 1941–1970
Klimadiagramm von Le Lamentin 1961–1990

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung ist zu ca. 80 % afrikanischer Herkunft. 15% der Bewohner sind indischer oder afro-indischer Herkunft (in Martinique „coolies“ genannt), überwiegend im Osten der Insel. Etwa 5% der Einwohner Martiniques sind europäischer Abstammung. Zu dieser Gruppe gehören die auf Martinique geborenen Weißen, die von der kolonialen Oberschicht abstammen und Béké genannt werden. Sie lassen sich auf etwa 30 Familien zurückführen. Alle auf Martinique geborenen Menschen, sowohl Weiße als auch Schwarze, werden Kreolen genannt. Daneben leben europäische Zuwanderer aus der Metropole (Frankreich) und nach Martinique entsandte französische Staatsbeamte auf der Insel. Aufgrund des im regionalen Vergleich sehr hohen Lebensstandards zieht Martinique – wie die anderen französischen Départements Guadeloupe und Französisch-Guayana – auch Zuwanderer aus der Region an, vor allem aus Haiti.

85 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 10,5 % protestantisch (hauptsächlich Adventisten). Je 0,5 % bekennen sich zum Islam und zum Hinduismus.

Die offizielle Sprache ist Französisch. Die Muttersprache der Mehrheit der Bevölkerung ist das Martinique-Kreolische, eine französische Kreolsprache.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von 1760
Ehemaliges Rathaus von Fort-de-France

Erste Besiedlungen können bis 4000 v. Chr. nachgewiesen werden. Etwa um 100 v. Chr. besiedelten die Arawak vom Orinokogebiet in Venezuela ausgehend die Insel. Im 10. Jahrhundert folgten die Kariben. Als erster Europäer entdeckte Christoph Kolumbus Martinique am 15. Juni 1502 auf seiner vierten Reise für Europa. Er ging bei der heutigen Gemeinde Carbet an Land. Die Insel wurde 1635 von Frankreich durch Pierre Belain d'Esnambuc im Namen der von Richelieu gegründeten Compagnie des îles d'Amérique kolonialisiert und blieb seitdem bis auf drei kurze Perioden fremder Besatzung in französischem Besitz. Im Jahre 1648 ging die Compagnie des îles d'Amérique in Konkurs, daraufhin wurde die Insel an Jaques Dyel du Parquet, Neffe von Pierre Belain d’Esnambuc verkauft. Er gründete Fort-de-France und ließ zum ersten Mal Zuckerrohr anpflanzen, was zu einem ersten wirtschaftlichen Aufschwung führte. Um 1660 war fast die gesamte einheimische Bevölkerung ausgerottet.

Durch die Gründung der Französischen Ostindienkompanie durch Jean-Baptiste Colbert im Jahr 1664 wurde Martinique Besitz der französischen Krone. Während des Zweiten Englisch-Niederländischen Krieges war Frankreich mit den Niederlanden verbündet – eine englische Flotte griff wiederholt französische Siedlungen auf Martinique an und besiegte am 6. Juli bei Saint-Pierre ein französisches Geschwader.[5] Im Dritten Englisch-Niederländischen Krieg, in dem Frankreich nun mit England gegen die Niederlande kämpfte, wurde Martinique am 16. Juli 1674 durch die Flotte des holländischen Admirals Michiel de Ruyter angegriffen.

1685 wurde der sogenannte Code Noir verabschiedet, der die Sklaverei in den französischen Kolonien bestätigte. Im Jahr 1694 traf der Dominikaner Père Labat ein. Er war Missionar, Ethnologe und Schriftsteller; er führte die Windmühlen ein und verbesserte die Rumdestillation.

Dank der Patronage von Madame de Pompadour wurde der Ökonom und Physiokrat Pierre-Paul Le Mercier de La Rivière zum Intendanten oder Gouverneur von Martinique[6] bestimmt, während der Amtszeit von 1759 bis 1764 hatte er dort große wirtschaftliche Erfolge.[7] Während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Briten wurde er verwundet und gelangte in Gefangenschaft. Von 1762 bis 1763 war Martinique durch die Briten besetzt. Am 23. Juni 1763 wurde Joséphine, geb. de Tascher de la Pagerie, die spätere Gattin Napoleons, in Trois-Îlets bei Fort-de-France auf Martinique geboren. Ihre Eltern betrieben dort eine Zuckerrohrplantage, die noch heute als Museum zu besichtigen ist. Auf dem Zentralplatz von Fort-de-France steht eine kleine Statue von Joséphine, allerdings seit 1991 ohne Kopf, da sie bei der Bevölkerung wegen der erneuten Einführung der Sklaverei auf Martinique unbeliebt ist.

Kokospalme auf Martinique

Im Jahr 1783 gab es ca. 60.000 Sklaven. Von 1787 bis 1802 entflammte ein Bürgerkrieg wegen Konflikten zwischen Plantagenbesitzern und Händlern, es gab einen Sklavenaufstand. 1794 stimmte die französische Konvention im Geiste der französischen Revolution für die Abschaffung der Sklaverei. Dieser Beschluss hielt aber nicht lange, denn Napoleon führte 1802 die Sklaverei wieder ein. Am 22. Mai 1848 wurde die Sklaverei endgültig aufgehoben. Victor Schoelcher spielte hierbei eine wichtige Rolle. Wegen Knappheit an Arbeitskräften auf den Plantagen wurden ab dieser Zeit Inder und Chinesen dort beschäftigt.

Der Martinique-Hurrikan von 1891 verwüstete im August jenes Jahres die Insel, und rund 700 Personen verloren ihr Leben, doch ein Jahrzehnt später traf die Insel eine noch schwerere Naturkatastrophe: Am 8. Mai 1902 brach der Vulkan Mt. Pelée aus. Ein pyroklastischer Strom hatte mehr als 30.000 Tote zur Folge. In Saint-Pierre überlebten lediglich ein Schuhmacher und ein Gefängnisinsasse. Die Stadt war damals, wegen der guten Reede, die wirtschaftlich bedeutendste von Martinique. Im Jahr 1946 wurde Martinique zu einem der französischen Überseedépartements (Départements d’Outre-Mer/DOM), die politisch als Teil des Mutterlandes gelten. Martinique erhielt vier Abgeordnete und zwei Senatoren. 1972 wurde Martinique eine Région, ein Parallelstatus zum DOM. 1983 wurde durch die Dezentralisation der Regionalrat eingeführt. 1958 gab es Autonomiebewegungen. Im Jahr 1999 wurde die Banane aus Martinique Anlass eines „Handelskriegs“ zwischen den USA und Europa. 2003 wurde der Doppelstatus als Region und Department (DOM) bestätigt.

Wie auf Guadeloupe kam es 2009 auch auf Martinique zu einem Generalstreik. Er begann am 5. Februar und ging im März zu Ende. Auslöser waren die hohen Lebenshaltungskosten. Gegner der Streikenden waren die „békés“, die Nachfahren der früheren weißen Sklavenhalter, die die Inseln ökonomisch noch immer weitgehend dominieren. Die Streikenden konnten höhere Löhne durchsetzen.[8] Die Zusagen wurden allerdings zum Teil nicht eingehalten.[9]

Bei einer vom französischen Staat initiierten Volksabstimmung über mehr Autonomie des Départements vom 10. Januar 2010 stimmten 79 % der Abstimmenden dagegen.[10]

Politik[Bearbeiten]

Martinique ist eine französische Überseeregion und ein französisches Überseedépartement.

Region und Département sind als Gebietskörperschaften für dasselbe Territorium zuständig, haben jedoch getrennte Institutionen – den Regionalrat (conseil régional) bzw. den Generalrat (conseil général) des Départements mit 45 Abgeordneten –, die ihre jeweiligen Kompetenzen unabhängig voneinander wahrnehmen.

Als Vertreter der Zentralregierung fungiert der Präfekt. Martinique entsendet vier Vertreter in die französische Nationalversammlung und zwei in den Senat.

Als vollintegrierter Teil des französischen Staates ist Martinique auch Teil der Europäischen Union. Der Euro ist wie im französischen Kernland das gesetzliche Zahlungsmittel.

Siehe auch: Liste der Präsidenten des Regionalrates von Martinique seit 1983

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Lage der Arrondissements
Arrondissement Einwohner
(2011)
Fläche
(km²)
Bev.Dichte Kantone Gemeinden
Fort-de-France 163.654 171 957 16 4
Le Marin 121.136 409 296,2 13 12
Saint-Pierre 23.483 210 111,8 5 8
La Trinité 84.018 338 248,6 11 10

Infrastruktur[Bearbeiten]

Auf der Insel gibt es den Aéroport International Martinique Aimé Césaire in Lamentin (IATA-Flughafencode: FDF). Die Flugdauer von Paris-Orly nach Martinique beträgt hin ca. 8 Stunden 30 Minuten und zurück ca. 8 Stunden. Weitere Direktflugverbindungen gibt es von bzw. nach San Juan (Puerto Rico, American Eagle), Santo Domingo (Dominikanische Republik), St. Lucia, Guadeloupe, Cayenne (Franz. Guyana) und saisonal nach Montreal (Canada), Isla Magarita (Venezuela), Panama, Havanna (Kuba) und Marseille.

Das Straßennetz ist hervorragend und zum Teil vierspurig ausgebaut. Einige Nebenstraßen sind sehr kurvig mit teilweise starken Steigungen, so dass die erreichbaren Durchschnittsgeschwindigkeiten relativ niedrig sind, zumal regelmäßig auch Stauungen auftreten.

Auf Martinique gibt es keine Eisenbahn.

Regelmäßige Fähren verbinden Martinique mit St. Lucia, Dominica und Guadeloupe.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Für das Jahr 2005 weist EUROSTAT 397.500 Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 7,336 Mrd. € für Martinique aus. Dies entspricht 18.455 € pro Einwohner.[11]

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Martinique betrug 1995 4,48 Mrd. € und damit 11.990 € pro Einwohner (Frankreich 19.360 €). Damit hat Martinique das höchste BIP aller fünf französischer Überseedepartements und aller karibischer Staaten. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Martinique einen Index von 73,4 (EU-25:100) (2003).[12]

7,6 % der Beschäftigten sind im primären Bereich, 17,5 % im sekundären und 74,9 % im tertiären Bereich beschäftigt.

Bananen tragen zu 40 % der Exporterlöse bei und sind damit das wichtigste Exportgut. 80 % der in der Landwirtschaft Beschäftigten sind im Anbau von Bananen tätig. Rohrzucker, Rum, Ananas sind weitere wichtige landwirtschaftliche Produkte.

Der sekundäre Bereich wird hauptsächlich durch zwei Unternehmen abgedeckt, den französischen Stromkonzern Electricité de France und die Société Anonyme de la Raffinerie des Antilles.

Der tertiäre Bereich besteht hauptsächlich aus Handel und Tourismusindustrie. Der Tourismus trägt zu 7 % des BIP bei. Circa 80,1 % der Touristen kommen aus Frankreich, 5,0 % aus Europa (ohne Frankreich), 10,4 % aus der Karibik, 3,1 % aus den USA und der Rest (1,4 %) aus dem Rest der Welt.

Söhne und Töchter von Martinique[Bearbeiten]

Wendie Renard bei der Fußballweltmeisterschaft der Frauen im Juli 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martinique – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Martinique – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Französisches Statistikinstitut (www.insee.fr)
  2. http://www.martinique.pref.gouv.fr/Prefecture/La-Prefecture abgerufen am 30. März 2013
  3. http://www.region-martinique.mq/category/institution-regionale/l-assemblee-regionale/le-president-du-conseil-regional/ abgerufen am 30. März 2013
  4. http://www.cg972.fr/site/html/page_document.php?id=868 abgerufen am 30. März 2013
  5. D. Marley: Wars of the Americas, S. 167, (books.google.de Online)
  6. Gustave Schelle: Le docteur Quesnay. Chirurgien, Médecin de Mme de Pompadour et de Louis XV, Physiocrate. (DjVu) Félix Alcan, éditeur. Paris 1907, S. 345 (Blatt 357)
  7. Florence Gauthier: Le Mercier de la Rivière et les colonies d’Amérique. In: Revue Française d’Histoire des Idées Politiques, 2/2004 (N°20), S. 37–59.
  8. Bernard Schmid: Aufruhr in den französischen „Überseegebieten“. 12. März 2009, abgerufen am 15. September 2009.
  9. Bernhard Schmid: Arm, aber autonom. In: jungle world, 16. Juli 2009, abgerufen am 15. September 2009.
  10. Guayana und Martinique gegen Unabhängigkeit. 20minuten.ch, 11. Januar 2010, abgerufen am 12. Januar 2014.
  11. EUROSTAT
  12. epp.eurostat.cec.eu.nt (PDF)

14.640724985-61.011199951111Koordinaten: 14° 38′ N, 61° 1′ W