Bauschheim

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49.9597222222228.376666666666791Koordinaten: 49° 57′ 35″ N, 8° 22′ 36″ O

Bauschheim
Stadtteil von Rüsselsheim
Wappen von Bauschheim
Höhe: 91 m ü. NN
Fläche: 7,1 km²
Einwohner: 5880 (31. Dez. 2012)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1970
Postleitzahl: 65428
Vorwahl: 06142
Luftbild 2013; Blickrichtung Süden

Luftbild 2013; Blickrichtung Süden

Restaurierte Fachwerkhäuser in der Brunnenstraße

Bauschheim ist ein Stadtteil von Rüsselsheim südwestlich des Stadtzentrums.

Geschichte[Bearbeiten]

Bauschheim wurde urkundlich erstmals als Biuuinesheim im Lorscher Reichsurbar dem sogenannten Lorscher Codex um (834–850) erwähnt, ist aber älter und als Siedlung während der fränkischen Landnahme entstanden. Im Hochmittelalter schweigen die Quellen über die Geschichte des Ortes und erst seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind genauere schriftliche Nachrichten über die Grundbesitzverhältnisse und Hoheitsrechte in Bauschheim überliefert. In den historischen Unterlagen findet Bauschheim in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Buensheim im Jahr 1258, Buesheim 1392, Buwesheim 1428, Bißheym 1497, Biffesheym 1515, Bischeim 1527, Bawßheim 1540 und Bauschheim ab 1680. [2]

1269 verkaufte Johannes de Meti die Hälfte des Dorfes an den Mainzer Richter Humbert zu Widder, der seinen Besitz einige Jahre später den Mainzer Nonnen von St. Klara zum Geschenk machte. Das Klarakloster war bis zur Säkularisation seiner Güter im Jahr 1781, neben dem geistlichen Institut in Mainz, dem Deutschordenhaus und der Pfarrkirche Sankt Quentin einer der bedeutendsten Gutsherren des Ortes. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelang es den Grafen von Katzenelnbogen, wichtige Hoheitsrechte und ausgedehnten Grundbesitz in ihre Verfügung zu bringen; diese gingen 1479 an die Landgrafen von Hessen über, welche 1571 u. a. den Zehnt erhoben und die Gerichtsbarkeit ausübten und damit als eigentliche Herren des Ortes angesehen werden können. 1771 ging der Zehnthof dann in den Besitz der Grafen von Isenburg über.

Verwaltungsmäßig gehört Buschheim bis 1820 zum Amt Rüsselsheim, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 werden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Bauschheim dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt. 1832 wurden die Einheiten ein weiteres mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangt Bauschheim in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Bauschheim zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig ist. Dort verbleibt der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. [2]

Bauschheim war im Mittelalter kein eigener Pfarrort, sondern der Mutterkirche in Ginsheim zugeordnet. Für kurze Zeit (um 1530) wird die Bauschheimer Kirche auch als Filiale von Trebur erwähnt. In der Reformation traten die Bewohner des Dorfes zum protestantischen Glauben über. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bauschheimer Kirche 1669 wieder aufgebaut und, nach ihrem Abbruch, im Jahr 1712 als walmbedachter Saalbau an der Brunnenstraße neu errichtet. Die heute noch das Ortsbild prägenden Hofreiten belegen die bäuerliche Tradition der Gemeinde.

Der allmähliche Niedergang der Landwirtschaft führte zu einer grundlegenden Veränderung der Erwerbsstruktur, da viele Bewohner nun ihren Lebensunterhalt in der nahe gelegenen Industrie verdienten. Als Konsequenz der Orientierung nach Rüsselsheim erfolgte 1970 die Eingemeindung Bauschheims mit zu diesem Zeitpunkt rund 2.900 Einwohner.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[2]

  • 1629: 42 Hausgesessene
  • 1829: 404 Einwohner
  • 1939: 993 Einwohner
  • 1961: 1.914 Einwohner
  • 1970: 2.822 Einwohner

Heute ist die Einwohnerzahl Bauschheims auf rund 5.900 angewachsen,
davon leben rund 2.300 im Neubaugebiet „Am Weinfaß“.

Bauschheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
454
1840
  
445
1846
  
490
1852
  
512
1858
  
504
1864
  
536
1871
  
543
1875
  
539
1885
  
606
1895
  
616
1905
  
716
1910
  
777
1925
  
771
1939
  
993
1946
  
1.341
1950
  
1.463
1956
  
1.636
1961
  
1.914
1967
  
2.491
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die evangelische Kirche und der zur Osterzeit geschmückte Dorfbrunnen

Neben etlichen Lokalen wird das Bürgerhaus als zentraler Veranstaltungsort rege frequentiert. Vereine decken fast alle Interessengebiete ab – von Musik bis zum Motorsport, vom Karneval der „Bauschheimer Narrenzunft“ bis zur Kerb. Außerdem gibt es im Stadtteil Bauschheim eine Bücherei.

Sehenswert ist ebenfalls der Bauschheimer Dorfbrunnen vor der im Jahre 1712 als Saalkirche erbauten evangelischen Kirche. Das Original des Brunnens steht im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Der Bauschheimer Kalkhügel ist mit 96,4 Metern die höchste natürliche Erhebung im Kreis Groß-Gerau. Entstanden ist der Hügel vor etwa 15 Millionen Jahren. Der Kalkhügel besteht aus Muschelkalkablagerungen die nach oben gepresst wurden.[3]

Vereine[Bearbeiten]

Der größte ortsansässige Verein ist die SKG Bauschheim. Neben ausgeprägten sportlichen Angeboten wie Handball, Fußball, Tischtennis, Radsport, Wandern und weiteren Sportarten hat der Verein auch einen Musikzug, sowie mehrere Chöre. Der Verein entstand 1946 durch die – durch die Alliierten initialisierte – Zusammenführung des damaligen Turnvereins und anderer kleiner Vereine.[4]

Sport[Bearbeiten]

Eine Besonderheit unter den Sportstätten ist die Niedrigenergie-Sporthalle; ein preisgekrönter Bau mit Solarnutzung und Wasserrückgewinnung.

In unmittelbarer Nähe der Sporthalle befinden sich ein Kletterturm sowie ein Freigelände für Bogenschützen. Umsäumt sind die Sportanlagen vom Bauschheimer Wäldchen. Auf 15 Hektar lädt ein Trimm-Dich-Pfad mit 18 Stationen neben Spaziergängern auch Jogger und Walker in den Wald ein. Den Wald durchquert auch der Bauschheimer Rundweg, der auf sechs Kilometern Länge durch und um Bauschheim führt. Für Radfahrer gibt es die ausgeschilderten Wege zur Regionalparkroute, die über die Mainspitze bis nach Mainz und bis nach Aschaffenburg führt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bauschheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rüsselsheim: Statistischer Bericht 2013; Abschnitt 9
  2. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBauschheim, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 25. November 2012.
  3. D. Volk: Höchste natürliche Erhebung im Kreis. In: Main-Spitze. Vom 8. Juli 2011
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOlaf Werner: SKG Chronik. S. 1, abgerufen am 27. Juni 2009 (HTML).