Starkenburg (Provinz)

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Das Wappen des Großherzogtums Hessen, Provinz Starkenburg
Die drei Provinzen des Volksstaates Hessen, 1930

Die Provinz Starkenburg war eine von drei Provinzen des Großherzogtums und späteren Volksstaates Hessen. Sie umfasste die südlich des Mains und östlich des Rheins gelegenen Landesteile und bestand seit 1803 als Fürstentum, 1816 bis 1937 als Provinz. Provinzhauptstadt war Darmstadt, wichtigste Industriestadt war Offenbach.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Fürstentum Starkenburg wurden nach den Gebietsveränderungen des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 die alten und neuen landgräflich hessisch-darmstädtischen Gebiete östlich des Rheins und südlich des Mains zusammengefasst. Namensgebend war das neu erworbene ehemalige kurmainzische, ursprünglich nach der gleichnamigen Burg benannte Oberamt Starkenburg im Süden des Fürstentums. Diese Veränderungen wurden 1815 vom Wiener Kongress bestätigt, 1816 wurde das Fürstentum im Zuge einer Verwaltungsreform in Provinz umbenannt.[1] Die beiden anderen Provinzen Hessens waren Oberhessen (Hauptstadt: Gießen) und Rheinhessen (Hauptstadt: Mainz).

Bis 1821 waren Ämter die Verwaltungseinheiten, die danach in Landratsbezirke zusammengeführt wurden. 1832 wurden die Einheiten ein weiteres mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen, wobei einige Landratsbezirke selbstständig blieben.

Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde und man wieder zu einer Kreiseinteilung zurückkehrte. 1871 wurde Hessen Teil des Deutschen Reichs.

Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Die damals geschaffene Gliederung des Großherzogtum in sieben die Provinz Starkenburg bildende Kreise (Bensheim, Darmstadt, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Heppenheim, Offenbach), sechs oberhessische (Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Lauterbach, Schotten) und fünf rheinhessische Kreise (Alzey, Bingen, Mainz, Worms, Oppenheim) hatte mehr als sechs Jahrzehnte Bestand. Mit der Eingemeindung von Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim 1930 nach Mainz wurde das Gebiet dieser bis dahin starkenburgischen Gemeinden im Mainspitzdreieck rheinhessisch. Nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage im nunmehrigen Volksstaat Hessen (ab 1918) und der 1937 durchgeführten Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen brachte das Jahr 1938 eine Überprüfung der Kreisgrenzen. Durch Aufhebung der Kreise Bensheim, Schotten sowie Oppenheim verminderte sich im November gleichen Jahres die Gesamtzahl der Kreise auf insgesamt 15. Einige Monate später wurden jedoch die Städte Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms als Stadtkreise verselbständigt. Diese so geschaffene Kreiseinteilung des Volksstaates hatte zunächst bis zum Kriegsende 1945 Bestand.[2]

Am 14. April wurde Ludwig Bergsträsser von der amerikanischen Militärregierung nochmals mit der Bildung einer deutschen „Regierung für die Provinz Starkenburg“ beauftragt, ab 8. Mai amtierte Bergsträsser als deren Präsident. Ab Juni verwaltete Bergsträsser gleichzeitig die Provinz Oberhessen und damit den gesamten in der amerikanischen Besatzungszone liegenden Teil des vormaligen Volksstaates Hessen. Am 8. August wurde seine Regierung „deutsche Regierung des Landes Hessen“, womit die Provinzen auch formal ihre letzte Bedeutung verloren. Am 19. September 1945 ging das Land Hessen als Regierungsbezirk im neuen Land Groß-Hessen auf. Mit der Umbenennung Groß-Hessens in Hessen wurde der Regierungsbezirk Hessen in Regierungsbezirk Darmstadt umbenannt und hatte in diesen Grenzen bis 1968 Bestand.

Gliederung[Bearbeiten]

Ämter bis 1821/22[Bearbeiten]

Bis 1821/22 war die Provinz in Ämter eingeteilt. Während in den Domaniallanden der großherzoglichen Regierung alle Souveränitätsrechte zustanden, galten in den Souveränitätslanden standesherrliche Vorrechte fort[3]:

Domaniallande:

Amt Alzenau Amt Babenhausen(1) Amt Bensheim(2) Oberamt Darmstadt Amt Dieburg(2)
Amt Dornberg Amt Fürth(2) Amt Gernsheim(2) Amt Heppenheim(2)
Amt Hirschhorn(2) Amt Kelsterbach Amt Kürnbach
Amt Lampertheim(3) Amt Lichtenberg Amt Lindenfels(3) Amt Lorsch(2) Amt Neckar-Steinach (3)
Amt Pfungstadt Amt Reinheim Amt Rüsselsheim Amt Schaafheim Amt Seeheim
Amt Seligenstadt(2) Amt Steinheim(2) Amt Umstadt Otzberg(3)
Amt Wimpfen(3) Amt Zwingenberg mit Jägersburg

Souveränitätslande:

Hinzu kamen noch einzelne Orte unter Standesherrschaft.

Bemerk.: (1) 1810 zum Großh. Hessen.    (2) bis 1803 zu Kurmainz    (3) bis 1803 zu Kurpfalz

Landratsbezirke[Bearbeiten]

Hauptartikel: Landratsbezirk

1821/22 wurden die Ämter aufgehoben und Landratsbezirke gebildet.

Landratsbezirk Bensheim in Bensheim Landratsbezirk Breuberg in Breuberg
Landratsbezirk Darmstadt in Darmstadt Landratsbezirk Dieburg in Dieburg
Landratsbezirk Dornberg in Dornberg Landratsbezirk Erbach in Erbach
Landratsbezirk Heppenheim in Heppenheim Landratsbezirk Hirschhorn in Hirschhorn
Landratsbezirk Langen in Langen Landratsbezirk Lindenfels in Lindenfels
Landratsbezirk Offenbach in Offenbach am Main   Landratsbezirk Reinheim in Reinheim
Landratsbezirk Seligenstadt in Seligenstadt Landratsbezirk Wimpfen in Wimpfen

Kreise[Bearbeiten]

Die Provinz wurde zum 20. August 1832 zum Zwecke der örtlichen Verwaltung in Kreise eingeteilt, die standesherrlichen Landratsbezirke blieben davon aber unberührt.:

  • Bensheim (am 1. November 1938 mit dem Kreis Heppenheim zum Landkreis Bergstraße zusammengelegt)
  • Heppenheim (am 1. November 1938 mit dem Kreis Bensheim zum Landkreis Bergstraße zusammengelegt)
  • Erbach
  • Darmstadt (am 1. November 1938 in den Stadt- und den Landkreis Darmstadt aufgeteilt)
  • Dieburg
  • Groß-Gerau
  • Lindenfels (gegründet 1852, aufgelöst 1874, Gemeinden auf die Kreise Erbach, Bensheim und Heppenheim verteilt)
  • Neustadt (gegründet 1852, aufgelöst 1874, wurde in den Kreis Erbach integriert)
  • Offenbach (am 1. November 1938 in den Stadt- und den Landkreis Offenbach aufgeteilt)
  • Wimpfen (gegründet 1852, eingegliedert in den Kreis Heppenheim am 1. Juli 1874).

Die verbleibenden (standesrechtlichen) Landkreisbezirke wurden nach der Märzrevolution 1848 aufgelöst und die verbleibenden standesherrlichen Vorrechte mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April, verabschiedet am 9. August 1848, abgeschafft.[4]

Die Regierungsbezirke wurden aber bereits 1852, nach der Restitution, aufgelöst und wieder eine Kreisaufteilung hergestellt.

Starkenburg ab 1945[Bearbeiten]

Bei der Gründung Groß-Hessens 1945 wurden die Exklaven Steinbach (zum Obertaunuskreis im Regierungsbezirk Wiesbaden) und Bad Wimpfen (an das Land Württemberg-Baden) von Starkenburg abgetrennt, der Kreis Groß-Gerau erhielt dafür die bisher rheinhessischen rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile Bischofsheim, Ginsheim und Gustavsburg. 1974 wurden Steinheim und Klein-Auheim aus dem Kreis Offenbach in die Stadt Hanau eingemeindet.

Das Gebiet der Provinz entspricht, bis auf die genannten Änderungen, den heutigen Landkreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Kreis Groß-Gerau, Odenwald und Offenbach sowie den kreisfreien Städten Darmstadt und Offenbach.

Auf annähernd dem gleichen Gebiet (es fehlen Stadt und Kreis Offenbach) arbeitete bis 2007 der Zweckverband Region Starkenburg. In Gießen trägt das Corps Starkenburgia den Namen der ehemaligen hessischen Provinz.

Provinzialdirektoren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Ruppel: Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaates Hessen, 1976, Seite 7 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen, Bände 1–5. Band 3, Seite 32 (Digitale Ansicht)
  2. HADIS Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informationssystem
  3. Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen, Bände 1–5. Band 3, Seite 33 (Digitale Ansicht)
  4. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241