Benelli 750 Sei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Benelli
Benelli 750.JPG
750 Sei
Hersteller: Benelli
Produktionszeitraum 1974 bis 1977
Klasse Motorrad
Bauart Naked Bike
Motordaten
6-Zylinder-Viertakt-Reihenmotor
Hubraum (cm³) 747
Leistung (kW/PS) 46/63 bei 8500 min−1
Höchstgeschwin-
digkeit
 (km/h)
180 km/h[1]
Getriebe 5 Gänge
Antrieb Kette
Bremsen Scheiben/Trommel
Radstand (mm) 1420 mm
Sitzhöhe (cm) 800 mm
Leergewicht (kg) 220 kg, vollgetankt 241 kg
Vorgängermodell keines
Nachfolgemodell Benelli 900 Sei

Die Benelli 750 Sei war das erste serienmäßig hergestellte Sechszylinder-Motorrad. „Sei“ ist das italienische Zahlwort für sechs. Die Präsentation fand im Oktober 1972 statt, die Produktion begann 1974, der Vertrieb nach Deutschland startete 1975.

Der Unternehmer Alejandro de Tomaso hatte Benelli 1971 gekauft und die Entwicklung der Sei maßgeblich vorangetrieben. Mit Konstrukteuren aus der ehemaligen Benelli-Rennabteilung (allen voran Pierpalo Prampolini) wurde die „Sei“ entwickelt. Das 1973 erhältliche Modell Benelli 500 Quattro mit Vierzylindermotor, eine Kopie des Motors der Honda CB 500 Four, wurde durch Hinzufügen von zwei Zylindern erweitert.[2] Es wurden 3.200 Exemplare gebaut[3], davon wurden etwa 300[4] in Deutschland verkauft. Gepflegte Exemplare werden heute (2013) über dem damaligen Preis von 10.000 DM gehandelt.

Technische Angaben[Bearbeiten]

Der in den Doppelschleifen-Rohrrahmen quer eingebaute 620 mm breite Motor hatte eine obenliegende Nockenwelle mit Kettenantrieb. Mit dieser Bauweise war der Motor schmaler als ein BMW-Boxermotor. Das Gemisch wurde von drei 26 mm-Dell'Orto-Vergasern aufbereitet, die je zwei benachbarte Zylinder über gegabelte Saugrohre versorgten. Die Leistung betrug 63 PS bei 8.500 min−1, das maximale Drehmoment von 55,9 Nm wurde bei 4.000 min−1 erreicht. Ursprünglich waren 29 mm-Vergaserdurchlässe vorgesehen, die 75 PS Leistung[5] ermöglicht hätten, doch ließen sich damit die deutschen Abgasvorschriften nicht einhalten. Mit dem Modelljahr 1977 wurden 24 mm-Vergaser verwendet, die nun eine Leistung von 58 PS bei 8.500 min−1 boten.[6] In anderen Ländern wurde die Sei - wie auch viele andere Motorradmodelle - mit geringfügig anderen technischen Daten angeboten.

Das Motorrad hatte eine 6-in-6-Auspuffanlage; links und rechts wurden jeweils drei Auspuffrohre geführt. Die Telegabel stammte von Marzocchi, die vordere Brembo-Doppelscheibenbremse hatte einen Scheibendurchmesser von 280 mm, der später auf 300 mm vergrößert wurde, die Grimeca-Trommelbremse hinten hatte 200 mm Trommeldurchmesser.

Der Benzintank fasste 22 Liter, der Verbrauch (nach CUNA) betrug 7,9 Liter auf 100 km. Honda und Kawasaki entwickelten in der Folge ebenfalls Sechszylinder-Motorräder, die Honda CBX und die Kawasaki Z 1300. Auch diese Motorräder konnten nur wenige Käufer finden, da Sechszylinder-Motorräder als zu schwer, unhandlich und zu teuer in Anschaffung und Unterhalt empfunden wurden.

Benelli 900 Sei[Bearbeiten]

Das Nachfolgemodell mit auf 906 cm³ vergrößertem Hubraum und einer Leistung von 80 PS bei 8.300 min−1[7] wurde von 1978 bis 1989 gebaut. Die Fahrleistungen waren mit diesem stärkeren Motor höher: 193 km/h Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung von 0-100 km/h in 4,6 Sekunden.[8] Die Konstruktion der Bremsanlage war der Moto Guzzi Le Mans ähnlich und zeichnete sich durch eine Integralbremse aus.[9] Bei dieser Konstruktion wird beim Betätigen der Fußbremse gleichzeitig auch eine Scheibe des Vorderrades mitgebremst. In der zweiten und dritten Serie wurde das Motorrad mit einer Cockpit-Verkleidung ausgerüstet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Motorrad-Oldtimer-Katalog Heel-Verlag Königswinter Ausgabe 7 . 1999, ISBN 3-89365-594-8. Seite 55
  • Italo-Klassiker - Italienische Motorräder der 60er und 70er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02828-9. (Schrader-Motor-Chronik). Seiten 52-65

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Benelli Sei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Schwab: Motorräder 1970-1987. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Auflage 1987, ISBN 3-613-01172-7, S. 41 (Modell mit 24 mm Vergaser)
  2. MOTORRAD Test 1985, S. 18
  3. Von der 900 Sei etwa 2.000 Modelle, siehe [1]
  4. Ernst Leverkus: Die faszinieren Motorräder der 70er Jahre. Motorbuch Verlag Stuttgart, 3. Auflage 1991, ISBN 3-613-01040-2, S. 151
  5. Die 75 PS-Version wurde überwiegend in die USA ausgeliefert. Siehe MOTORRAD Katalog 1977, S. 96.
  6. Ernst Leverkus: Die faszinieren Motorräder der 70er Jahre. Motorbuch Verlag Stuttgart, 3. Auflage 1991, ISBN 3-613-01040-2, S. 150
  7. In der Literatur wird auch 80 PS bei 8.500 min−1 angegeben.
  8. Ulrich Schwab: Motorräder 1970-1987. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Auflage 1987, ISBN 3-613-01172-7, S. 60
  9. Siehe auch Integral-ABS aus