Benelli (Motorradhersteller)

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Benelli
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Rechtsform S.p.A.
Gründung 1911
Sitz Pesaro, Italien
Produkte MotorräderVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.benelli.com

Die Benelli Q.J. srl ist ein italienischer Hersteller von Motorrädern mit Sitz in Pesaro (Region Marken).

Die Firma Benelli wurde 1911 in Pesaro bei Rimini als Garage Benelli von sechs Brüdern gegründet. Seit 1. Oktober 2005 gehört das Unternehmen dem chinesischen Zweirad- und Motorenhersteller Qianjiang, dessen Produkte in Europa unter dem Namen Keeway bekannt sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Benelli 750 Sei
Erstes in Serie produziertes Motorrad mit Sechszylindermotor

Die Serienfertigung von Motorrädern begann 1921. In der Motorrad-Weltmeisterschaft gewannen jeweils Dario Ambrosini 1950 und Kel Carruthers 1969 in der 250-cm³-Klasse den Titel. 1971 übernahm dann der argentinische Unternehmer Alejandro de Tomaso das Unternehmen. 1974 wurde mit der Benelli 750 Sei die erste in Serie produzierte Maschine mit Sechszylindermotor präsentiert. Der Motor weist in Details Ähnlichkeit mit dem Motor der Honda CB 500 Four auf.

Infolge mangelnder Nachfrage wurde Mitte der 1980er-Jahre die Produktion von Motorrädern eingestellt und erst 1992 unter der Leitung von Andrea Merloni wieder aufgenommen, der die Reste des Unternehmens und den Markennamen aufkaufte. Merlonis Familie gehört ein großer Konzern für Küchen- und Badezimmeraustattungen in Italien. Er begann erfolgreich mit der Produktion von Motorrollern. 2002 stellte Benelli den Supersportler Tornado Tre 900 vor, der von einem Dreizylinder-Reihenmotor angetrieben wurde. Zwei Jahre später folgte das Naked Bike TNT (Tornado Naked Tre) mit einem auf 1.130 cm³ Hubraum vergrößerten Tornado-Motor.

Am 1. Oktober 2005 wurde das Unternehmen an den chinesischen Zweirad- und Motorenhersteller Qianjiang verkauft. Der Name „Benelli“ wird jedoch beibehalten werden. Ab 2006 sollen die Motoren nicht mehr bei Moto Morini im Auftrag gefertigt werden, sondern bei Benelli in Pesaro selbst.

Aktuelle Motorradmodelle (Stand März 2009)[Bearbeiten]

Alle aktuellen Benelli-Modelle werden von leistungsstarken Dreizylinder-Reihenmotoren mit DOHC-Steuerung, vier Ventilen pro Zylinder und Benzineinspritzung angetrieben. Die Grundlagen dieses Treibsatzes sollen aus der Laverda-Entwicklungsabteilung kommen. Es gibt zwei Hubraumvarianten: 898 cm³ und 1.130 cm³. Die Bohrung ist bei beiden 88 mm groß, statt 49,2 mm hat die 1130er-Variante allerdings 62 mm Hub. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsganggetriebe und eine O-Ring-Kette an das Hinterrad. Das Fahrwerk ist generell mit einem Rohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl und einer Upside-Down-Gabel ausgestattet, die Hinterradführung übernimmt bei der Tornado eine Aluminium-Zweiarmschwinge, während bei der TNT und der TreK eine aufwendig geschweißte Fachwerkschwinge aus Stahlrohr zum Einsatz kommt. Erwähnenswert ist die Einbaulage der Wasserkühler; bei den Tornado-Modellen sitzt dieser nämlich ungewöhnlicherweise unter dem Heckrahmen, bei der TNT beidseitig neben dem Zylinderkopf und bei der TreK klassisch vor dem Motor. Zum Modelljahr 2007/08 bekamen die Motoren einen Katalysator und erfüllen die Abgasnorm Euro-3. Durch die komplette Überarbeitung des Zylinderkopfes und der Einspritzanlage konnte das Drehmoment in den unteren Drehzahlbereichen erhöht und der Verbrauch gesenkt werden.

Der Generalimporteur für Deutschland ist nicht mehr März, sondern die Karcher Unternehmensgruppe.

Supersportler/Superbikes[Bearbeiten]

  • Tornado Tre 900 (100 kW/136 PS, 100 Nm, voll einstellbares Fahrwerk)
  • Tornado Tre 900 LE (Limited Edition, 100 kW/136 PS, 100 Nm, voll einstellbares Öhlins-Fahrwerk)
  • Tornado Tre RS (105 kW/143 PS, 100 Nm, voll einstellbares Fahrwerk)
  • Tornado Tre 1130 (120 kW/163 PS, 124 Nm, voll einstellbares Fahrwerk)

Naked Bikes[Bearbeiten]

  • TNT 899S (88 kW/120 PS, 88 Nm, voll einstellbare 43-mm-Federgabel)
  • TNT Café Racer 899 (88 kW/120 PS, 88 Nm, voll einstellbare 43-mm-Federgabel)
  • TNT 1130 (95 kW/130 PS, 118 Nm, Federbein verstellbar)
  • TNT Sport (95 kW/130 PS, 118 Nm, voll einstellbares Fahrwerk)
  • TNT Café Racer (95 kW/130 PS, 110 Nm, voll einstellbares Fahrwerk)
  • TNT Titanium (95 kW/130 PS, 118 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, Schmiedefelgen, Titan-Schalldämpfer, div. Carbonteile)
  • TNT GP Racer (95 kW/130 PS, 110 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, div. Carbonteile) -Einzelstück-
  • TNT Carbonium (95 kW/130 PS, 118 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, Schmiedefelgen, Trockenkupplung, div. Carbonteile) -Einzelstück-
  • TNT R160 (114 kW/155 PS, 120 Nm, voll einstellbares Fahrwerk,hydraulische Trocken-Antihopping-Kupplung, Carbon Schalldämpfer)

Sporttourer[Bearbeiten]

  • TreK 899 (80 kW/108 PS, 88 Nm)
  • TreK 1130 (92 kW/125 PS, 115 Nm, Federbein einstellbar)
  • TreK 1130 Amazonas (92 kW/125 PS, 115 Nm, Federbein einstellbar)

Geländesport-Motorräder[Bearbeiten]

  • BX 499 Cross (41 kW/56 PS, 45 Nm, Fahrwerk einstellbar)
  • BX 499 Enduro

Motorroller[Bearbeiten]

Bis zum Verkauf an den chinesischen Hersteller wurden in Italien einige Motorrollermodelle produziert. Alle dort entwickelten und produzierten 50-cm³-Modelle wurden mit einem Zweitaktmotor betrieben. Teilweise leben Benelli-Modelle unter dem Markennamen Adiva weiter. Das Modell Adiva wurde unter dieser Marke verkauft, die 491 sollte als Namura 50 im Jahr 2008 mit leicht geänderter Ausstattung wieder erhältlich sein, kam jedoch nicht auf den Markt. Manch andere Modelle wurden auch nach Übernahme durch den chinesischen Hersteller noch als „Benelli“ angeboten, jedoch in China produziert und mit anderer Technik ausgestattet.

Das Modell 491 ist ein sportlich konzipierter Motorroller. Erhältlich war er mit einem luft- oder wassergekühlten Motor mit 49 cm³. Ungefähr ab Baujahr 2003 wurden Morini-Motoren eingebaut, davor die beliebteren, weil leistungsstärkeren und haltbareren Minarelli-Motoren mit einem Zündsystem von Ducati. Alle Modelle haben eine leistungsfähige Scheibenbremsanlage der Marke Grimeca an der Vorderachse. Die 491 ST ist mit einem luftgekühlten Motor und Trommelbremsen hinten ausgestattet. Die 491 SP (Sport) hat einen wassergekühlten Motor und die Bremsanlage der ST. Das Modell 491 RR (Racing) hat den Motor der SP und eine Scheibenbremse hinten, die der Vorderradbremse mit ebenfalls 190 mm Durchmesser gleicht. Je nach Modell ist die 491 mit einem Sportfahrwerk von Paioli oder einem Standardfahrwerk ausgestattet. Je nach Baujahr und Version unterscheidet sich die weitere Ausstattung nur geringfügig, z. B. bei der Sitzbank, dem Tachoinstrument, der Felgenfarbe und dem Hup- und Starterknopf. Zusätzlich gab es die 491 Replica und die 491 Army als Sondermodell, die sich von den Standardmodellen durch ein auf das Thema abgestimmtes Design unterscheiden.

Das Modell K2 unterscheidet sich vor allem durch eine andere Front- und Heckverkleidung einschließlich anderer Leuchten von der 491. Die K2 war als K2 50 mit 49- und als K2 100 mit 101,1-cm³-Einzylinder-Zweitaktmotor lieferbar.

Die Pepe ist ein 49-cm³-Großradroller.

Die Naked ist ein 50er-Motorroller und ähnelt vom Design her am ehesten der Piaggio TPH und NRG.

Die Velvet gibt es als Velvet 125 (Touring) mit 124-cm³- und als Velvet 250 mit einem 249-cm³-Einzylinder-Viertaktmotor, sowie als Velvet Dusk 400 mit einem 381-cm³-Motor.[1]

Die Adiva ist ein Motorroller mit klappbarem Dach, erhältlich war sie als Adiva 125 und Adiva 150.[2]

Nach dem Verkauf an den chinesischen Konzern kam die 49x als Nachfolger der 491 auf den Markt. Die Velvet und Pepe sind auch nach der Übernahme noch erhältlich. Hinzu kam die Caffè Nero, die die Velvet 250 ersetzen soll.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Motorradrennsport[Bearbeiten]

Motorrad-Weltmeisterschaft[Bearbeiten]

Insgesamt konnte Benelli zwei Fahrer- und zwei Konstrukteursweltmeistertitel in der Motorrad-Weltmeisterschaft einfahren.

ItalienItalien Dario Ambrosini (1)

  • Weltmeister in der 250-cm³-Klasse: 1950

AustralienAustralien Kel Carruthers (1)

  • Weltmeister in der 250-cm³-Klasse: 1969

Motorrad-Europameisterschaft[Bearbeiten]

In der Motorrad-Europameisterschaft gelangen dem Hersteller zwei Fahrertitel.

ItalienItalien Carlo Baschieri (1)

  • Europameister in der 175-cm³-Klasse: 1932

BelgienBelgien Yvan Goor (1)

  • Europameister in der 175-cm³-Klasse: 1934

Automobile[Bearbeiten]

1949 beschloss Giuseppe Benelli die Entwicklung eines Autos.[3] Beteiligt waren neben Benelli die Waffenfabrik Beretta und Graf Luigi Castelbarco, der das Projekt finanzierte.[3] Das Modell erhielt daher den Namen B.B.C.[3] Es handelte sich um eine kleine Limousine mit vier Sitzen.[3] Für den Antrieb sorgte ein V2-Viertaktmotor mit 21 PS Leistung. [3] Zum Hubraum gibt es unterschiedliche Angaben: 500 cm³[4], 600 cm³[3] oder 750 cm³[5]. Obwohl der Motor luftgekühlt war, befand sich an der Front des Fahrzeugs ein Kühlergrillimitat.[3] Das Fahrzeug verfügte über Frontantrieb.[3] Das Leergewicht war mit 630 kg angegeben, und die Höchstgeschwindigkeit mit 100 km/h.[4] Lediglich zwei[4] oder drei[3][5] Prototypen entstanden. Ein Exemplar existiert noch.[5]

Literatur[Bearbeiten]

für die Automobilproduktion
  • Harald Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Volume 1: A–F. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1. (englisch)
  • Walter Zeichner: Kleinwagen International. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01959-6 (formal falsche ISBN).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Benelli-Motorräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Firmengeschichte:

Motorräder:

Motorroller:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Velvet Dusk 400
  2. Benelli Adiva 125 und 150
  3. a b c d e f g h i Linz, Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie.
  4. a b c Zeichner: Kleinwagen International.
  5. a b c Georgano: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile.