Benno Martin

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Benno Franz Theodor Martin (* 12. Februar 1893 in Kaiserslautern; † 2. Juli 1975 in München) war ein deutscher Jurist und im nationalsozialistischen Deutschen Reich Polizeipräsident in Nürnberg-Fürth, SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS und Polizei sowie Höherer SS- und Polizeiführer Main.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Benno Martin wurde als Sohn eines Oberregierungsrates geboren. Nach Ablegung des Abiturs in seiner Heimatstadt studierte er ab 1911 zunächst für ein Jahr Forstwirtschaft und nahm danach ein Studium der Rechtswissenschaft auf. Er nahm als Kriegsfreiwilliger beim 10. (bayerischen) Feldartillerie-Regiment durchgehend am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im Rang eines Leutnants. Er wurde 1914 mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet. 1918 erhielt er das Verwundetenabzeichen in Schwarz.

Nach Kriegsende nahm er sein Jurastudium wieder auf und war 1919 Angehöriger des Freikorps Epp, bevor er 1920 in die Bayerische Landespolizei eintrat. Martin war Mitglied des Corps Rheno-Palatia München.[1] Nach seinem Assessorexamen promovierte er 1923 an der Universität Erlangen zum Dr. jur. und trat in den höheren Verwaltungsdienst am Staatskommissariat Nürnberg ein. Ab Oktober 1923 war Martin bei der neu geschaffenen Polizeidirektion Nürnberg-Fürth tätig und leitete dort zum Regierungsrat befördert schließlich das Verwaltungs- und Theaterreferat.[2]

NS-Zeit[Bearbeiten]

Anfang Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitglieds-Nr. 2.714.474). Martin war bereits im März 1933 zum kommissarischen Polizeipräsidenten von Nürnberg-Fürth ernannt worden. Im September 1933 wurde er stellvertretender Polizeipräsident von Nürnberg-Fürth und Anfang Oktober 1934 dort regulärer Polizeipräsident. Nachdem er bereits in Nürnberg die Politische Polizei geleitet hatte übernahm er im November 1937 die Leitung der Staatspolizeistelle Nürnberg.[2] Sein Vertreter wurde Georg Kiessel, der die Stapostelle geschäftsführend leitete.[3]

Im April 1934 wurde Martin im Rang eines SS-Untersturmführers in die SS (Mitglieds-Nr. 187.117) aufgenommen, bei der er zügig befördert wurde. Als der SS-Oberabschnitt Main am 1. Mai 1941 organisatorisch vom Oberabschnitt Süd getrennt und verselbstständigt wurde, übernahm Martin dessen Leitung. Seine Beförderung zum Generalmajor der Polizei erfolgte am 30. Januar 1942. Am 17. Dezember 1942 wurde er schließlich zum Höheren SS- und Polizeiführer Main ernannt. Weitere Beförderungen geschahen am 20. April 1942 zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei und am 1. Juli 1944 zum General der Waffen-SS und Polizei sowie am 1. August 1944 zum SS-Obergruppenführer.[2] In dieser Funktion nahm er an der Gruppenführer-Tagung am 4. Oktober 1943 in Posen teil, bei der Heinrich Himmler die erste Posener Rede hielt.[4] Von Heinrich Himmler wurde er mit dem SS-Ehrendegen und dem SS-Totenkopfring ausgezeichnet.

Martin war in seiner Funktion als Polizeipräsident von Nürnberg-Fürth durch die Organisation und Durchführung der Deportation der fränkischen Juden in die Vernichtungslager für deren Schicksal mitverantwortlich; zu den Deportationen der Nürnberger Juden vgl. Willy Liebel.

Im Wehrkreis XIII wurde er Anfang Oktober 1944 auch Höherer Kommandeur der Kriegsgefangenen. Noch vor der Schlacht um Nürnberg setzte sich Martin am 15. April 1945 aus Nürnberg ab.[5]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Bei Kriegsende wurde Martin von den Alliierten in Haft genommen und verblieb bis August 1948 in alliierter Internierung. Danach wurde er von deutschen Behörden in Untersuchungshaft genommen. Gegen ihn wurde anschließend vor deutschen Gerichten mehrfach verhandelt. Am 14. November 1949 und am 1. Juli 1953 wurde Martin vom Landgericht Nürnberg-Fürth zweimal freigesprochen: Gegenstand des ersten Verfahrens war die Misshandlung zweier deutscher Häftlinge im Nürnberger Polizeigefängnis in den Jahren 1934 und 1936 sowie die fortgesetzte Misshandlung von russischen Häftlingen im Ausländergefängnis Langenzenn zwischen 1943 und 1944.[6] Ein Teil der russischen Gefangenen war gestorben. Das zweite Verfahren betraf die Mitwirkung Martins an vier von sieben Transporten von Juden aus Franken nach Riga, Lublin und Theresienstadt zwischen November 1941 und September 1942.[7] Anfang der 1960er Jahre lebte Martin in München.

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Handbuch der Gesetzeskunde für den Polizeiwachtmeister. Verlag "Offene Worte", 1926 (mehrere Auflagen)

Literatur[Bearbeiten]

  • Utho Grieser: Himmlers Mann in Nürnberg. Der Fall Benno Martin. Eine Studie zur Struktur des 3. Reiches in der „Stadt der Reichsparteitage“. (= Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte. Band 13) Stadtarchiv Nürnberg, Nürnberg 1974, ISBN 3-87432-025-1.
  • Ruth Bettina Birn: Die Höheren SS- und Polizeiführer. Himmlers Vertreter im Reich und den besetzten Gebieten. Düsseldorf 1986, ISBN 3-7700-0710-7.
  • Friedrich Wilhelm: „Die Polizei im NS-Staat“, Paderborn 1997, ISBN 3-506-77503-0.
  • Ernst Klee: „Benno Martin“ Eintrag in ders.: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Aktualisierte Ausgabe. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://verwaltungshandbuch.bayerische-landesbibliothek-online.de/martin-benno , Benno.
  2. a b c Utho Grieser: Himmlers Mann in Nurnberg:. Der Fall Benno Martin, Nürnberg 1974, S. 309 f.
  3. Utho Grieser: Himmlers Mann in Nurnberg:. Der Fall Benno Martin, Nürnberg 1974, S. 103.
  4. Romuald Karmakar: Das Himmler-Projekt, DVD 2000, Berlin, ISBN 3-89848-719-9.
  5. Joachim Lilla: Martin, Benno, in: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945.
  6. Justiz und NS-Verbrechen Zusammenfassung des Urteils vom 14. November 1949.
  7. Justiz und NS-Verbrechen Zusammenfassung des Urteils vom 1. Juli 1953.