Berufsbildende Schule

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Die Bezeichnung berufsbildende Schule steht als Sammelbegriff für die Berufsschulen und die Berufsfachschulen, die heute nur noch einen – wenn auch großen – Teil der berufsbildenden Schulen darstellen. In einigen Staaten hat sich der Name jedoch auch für diese erweiterte Schulform erhalten.

In Nordrhein-Westfalen werden die berufsbildenden Schulen seit einigen Jahren zu Berufskollegs weiterentwickelt, an denen gleichzeitig zur beruflichen Qualifizierung auch die fachgebundene oder allgemeine (Fach)-Hochschulreife Abitur (Fachabitur) mit beruflichen Fächern abgelegt werden kann. Dagegen sind Berufskollegs in anderen Bundesländern lediglich besondere Schularten einer berufsbildenden Schule. Nicht zu den berufsbildenden Schulen gehören Berufsakademien, Fachschulen bzw. Fachakademien, Hochschulen sowie Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien.

Bei staatlichen Schulen bezeichnet der Singular berufsbildende Schule meistens die Organisationseinheit. In einer „berufsbildenden Schule“ können dann mehrere berufsbildende Schulen zusammengefasst sein (Berufsschule, Berufsoberschule, Berufsfachschule, Berufsaufbauschule, Fachoberschule, Berufliches Gymnasium …).

Im Österreichischen Schulsystem werden die berufsbildenden Schulen in die Berufsbildenden mittleren Schulen (BMS, 3-jährig mit Berufsabschluss) und Berufsbildenden höheren Schulen (BHS, 5-jährig mit Berufsabschluss und Matura) eingeteilt.

Ersatzschulen und Ergänzungsschulen[Bearbeiten]

Auch private, staatliche Schulen, die berufliche Abschlüsse vermitteln, zählen zu den berufsbildenden Schulen. Bei den Privatschulen unterscheidet man in Ersatzschulen und Ergänzungsschulen. Ersatzschulen bieten Bildungsgänge oder Abschlüsse an, die an staatlichen Schulen angeboten werden. Sie „ersetzen“ eine staatliche Schule. Schüler erfüllen mit dem Besuch einer Ersatzschule die gesetzliche Schulpflicht. Erworbene Abschlüsse sind denen einer staatlichen Schule gleichwertig. Ersatzschulen stehen unter der Rechtsaufsicht des Staates und müssen die jeweils geltenden staatlichen Lehrpläne einhalten. Jede Ersatzschule muss vom Staat genehmigt werden. Ersatzschulen erhalten pro Schüler einen Finanzausgleich vom Staat. Man unterscheidet weiterhin in „anerkannte“ und „genehmigte“ Ersatzschulen. Anerkannte Ersatzschulen können staatliche Abschlüsse selbst vergeben. Genehmigte Ersatzschulen dürfen diese Abschlüsse nicht selbst vergeben. Ergänzungsschulen bieten Bildungsgänge oder Abschlüsse an, die an staatlichen Schulen weder angeboten noch vorgesehen sind. Sie „ergänzen“ das staatliche Schulsystem. Mit dem Besuch einer Ergänzungsschule kann unter bestimmten Voraussetzungen die gesetzliche Schulpflicht erfüllt und ein staatlicher Abschluss erworben werden. Die Schulen erhalten keinen Finanzausgleich vom Staat. Sie müssen sich nicht an Lehrpläne halten; meistens gibt es für ihre Bildungsgänge keine. Die Errichtung einer Ergänzungsschule ist nicht genehmigungspflichtig, sie muss dem Staat aber angezeigt werden.

Schulformen an berufsbildenden Schulen[Bearbeiten]

Je nach Bundesland werden die einzelnen Schulformen der beruflichen Schulen unterschiedlich benannt. Es gibt Ausbildungsgänge für Jugendliche ohne Schulabschluss mit berufsvorbereitendem Charakter (Berufsvorbereitungsjahr). Besitzt der Jugendliche einen Hauptschulabschluss, kann er das Berufsgrundbildungsjahr (in einigen Bundesländer Berufsfachschule oder Handelsschule genannt) besuchen, das, je nach Bundesland, auf eine reguläre Ausbildung angerechnet werden kann und zur Mittleren Reife führt.

Besitzt der Jugendliche die Mittlere Reife, kann er die Berufsfachschule besuchen, die zu einem staatlichen beziehungsweise staatlich anerkannten, schulischen Abschluss führt. Andere Bezeichnungen hierfür sind höhere Berufsfachschule, Berufskolleg oder Höhere Handelsschule. Durch Zusatzunterricht kann eine Prüfung zum Erwerb der Hochschulreife abgelegt werden.

Weiterhin gibt es die (zusätzliche) Ausbildung im Dualen System; Betrieb und Berufsschule beziehungsweise Vollzeitschulen zum Erwerb allgemeiner Bildungsabschlüsse sind die Fachoberschule (alternative Bezeichnung: Berufsoberschule und Berufliche Oberschule Bayern), Berufskolleg oder Berufsfachschule, die, je nach Länge, zur Fachhochschulreife oder zum Abitur führt, oder das berufliche Gymnasium. Das berufliche Gymnasium ist meist als Aufbaugymnasium oder Kolleg ausgelegt.

Daneben übernehmen viele berufsbildende Schulen die Präsenzaufgaben des Telekollegs.

Abschlüsse[Bearbeiten]

Berufsbildende Schulen vermitteln eine Vielzahl sowohl beruflicher Abschlüsse als auch allgemeinbildender Schulabschlüsse. Sie reichen von einer beruflich vorbereitenden Qualifikation über den Gesellen beziehungsweise Facharbeiter bis zum staatlich geprüften oder staatlich anerkannten Berufsfachschulabschluss sowie vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur.

Die Mehrzahl der Ausbildungsgänge besteht im Bereich der Berufsschule, es werden aber auch Berufsabschlüsse vermittelt, die nur an Schulen erworben werden können, wie zum Beispiel an der Berufsfachschule.

Im Bereich der dualen Ausbildung wird die Abschluss-, Gesellen- oder Facharbeiterprüfung durch die Schule und Prüfungen vor einer öffentlich-rechtlichen Kommission der Kammern abgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Busch: Die Entwicklung der berufsbildenden Schulen in Deutschland - Ein historischer Abriss. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2003, ISBN 3-937135-12-X
  • Jörg-Peter Pahl: Berufsbildende Schule - Bestandsaufnahme und Perspektiven W.Bertelsmann Verlag, Bielefeld, 2010, ISBN 978-3-7639-3579-6

Weblinks[Bearbeiten]