Bigotterie

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Bigotterie (französisch bigoterie) oder Scheinheiligkeit ist die Bezeichnung für ein unreflektiertes, übertrieben frömmelndes, dabei anderen Auffassungen gegenüber intolerantes[1] und scheinbar ganz der Religion oder einer religiösen Autorität (Person oder Instanz) gewidmetes Wesen oder Verhalten. Der Duden bezeichnet Bigotterie als „kleinliche, engherzige Frömmigkeit und übertriebene[n] Glaubenseifer“.[2]

Bei der Bigotterie geht es weniger um die Religiosität als solche, sondern vielmehr um die ängstliche und übertriebene Gewissenhaftigkeit in ihrer Ausübung.[3] Das dazugehörige Adjektiv ist „bigott“.

Bigott wurde im 18. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden französischem bigot entlehnt, dessen Herkunft jedoch umstritten ist. Das Wort wird zum ersten Mal 1165 in dem Roman de Rou von Wace als Schimpfwort gegen den Normannen urkundlich erwähnt. Es wird auch mit der Schreibweise bigod, bigoth geschrieben. Hauptvermutung ist, dass es vom altenglischen bī god („bei Gott“) [4] oder be gode,[5] einer alten englischen Schwurformel abgeleitet wurde. Bigotterie, im 17. Jahrhundert abgeleitet vom französischen bigoterie, steht für abgöttische Frömmigkeit und Scheinheiligkeit.

Meyers Großes Konversations-Lexikon definierte 1905 bigott als:

„andächtelnd, frömmelnd, eifrig in der peinlich genauen Ausübung religiöser Gebräuche, aber ohne ernsteres religiöses Leben und streng sittliche Haltung.“

Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 855.[6]

Als Scheinheiligkeit wird auch Heuchelei (auch „Pharisäertum“) oder Doppelmoral bezeichnet, wenn Menschen zum Beispiel vordergründig eine hohe Moral vorgeben, tatsächlich aber im Widerspruch dazu niedrige moralische Standards praktizieren, oder wenn sie Lippenbekenntnisse ablegen, tatsächlich aber anderer Meinung sind. Der Duden bezeichnet scheinheilig als „Aufrichtigkeit, Nichtwissen od. Freundlichkeit vortäuschend; heuchlerisch“.[7]

Adelungs Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart bezeichnet scheinheilig 1798 als:

„den äußern Schein der Heiligkeit, d.i. der Gottesfurcht, annehmend und habend, ohne er wirklich zu seyn. Ein Scheinheiliger, ein Heuchler, den man im gemeinen Leben auch einen Kopfhänger, in Niedersachsen einen Bibelträger, Kirchenklepper, Heiligenfresser, Heiligenbeißer u.s.f. nennet. Ein scheinheiliges Betragen.“

Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1403.[8]

Weblinks [Bearbeiten]

Wiktionary Wiktionary: bigott – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Bigotterie – Zitate

Literatur [Bearbeiten]

 Wikisource: Brief an eine Gläubige – von Ernst Keil, In: Die Gartenlaube. (1866), Heft 42, S. 655–657
  • Thomas Druyen: Krieg der Scheinheiligkeit. Plädoyer für einen gesunden Menschenverstand; Maxlin Verlag, 2012, 978-3981414141. [9]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Bigott. In: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 536. (hier online auf zeno.org)
  2. Bigotterie. In: Duden online. abgerufen am 27. März 2010
  3. Bigott. In: Brockhaus Conversations-Lexikon. Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 119. (hier online auf zeno.org)
  4. Duden, Das Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, Duden Band 7, Duden Verlag. S. 81b.
  5. Etymologie von "bigot" (französisch)
  6. Bigott. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 2. Leipzig 1905, S. 855. (hier online auf zeno.org)
  7. Scheinheilig. In: Duden online. abgerufen am 27. März 2010
  8. Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band 3. Leipzig 1798, S. 1403. (hier online auf zeno.org)
  9. Blick ins Buch