Adalbert Stifter

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Adalbert Stifter

Adalbert Stifter, Pseudonym Ostade, (* 23. Oktober 1805 in Oberplan, Böhmen, als Albert Stifter; † 28. Jänner 1868 in Linz) war ein österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge. Er zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeiers.

Leben[Bearbeiten]

Stifters Geburtshaus in Oberplan

Adalbert Stifter trug anfänglich den Namen Albert und wurde am 23. Oktober 1805 als ältester Sohn des zunächst als Leinweber und später als Garnhändler tätigen Johann Stifter und dessen Frau Magdalena in Oberplan an der Moldau (Böhmerwald) (heute Horní Planá/Tschechien) geboren. Der Vater starb, als er 1817 unter einen umstürzenden Flachswagen geriet. Bis der Großvater mütterlicherseits, Franz Friepes, Adalbert 1818 gegen einigen Widerstand auf die Lateinschule schickte, arbeitete der bei der Mutter aufwachsende Stifter vor allem in der Landwirtschaft des väterlichen Großvaters Augustin Stifter, um die kargen Lebensverhältnisse der Familie zu bessern. 1820 heiratete die Mutter den Bäckermeister Ferdinand Mayer. 1825 erkrankte Stifter an den als „echte Blattern“ bezeichneten Pocken.

Arbeit des Lateinschülers Adalbert Stifter (Stift Kremsmünster um 1823–25)
Der „Mathematische Turm“ im Stift Kremsmünster

Von 1818 bis 1826 besuchte Stifter das Stiftsgymnasium Kremsmünster der Benediktiner in Kremsmünster. Nach dem sechsjährigen Bildungsweg in den „Grammatikalklassen“ und anschließenden „Humanitätsklassen“ bereitete er sich in den zweijährigen „philosophischen Klassen“ auf das Universitätsstudium vor. Rückblickend auf diese Zeit, die er später als die schönste Zeit seines Lebens beschrieb, äußerte sich der 59-jährige Stifter:

„[…] Dort hatte ich über eine außerordentlich schöne Landschaft hin täglich den Blick auf die blauen Alpen und ihre Prachtgestalten, dort lernte ich zeichnen, genoß die Aufmerksamkeit trefflicher Lehrer, lernte alte und neue Dichter kennen und hörte zum ersten Male den Satz: das Schöne sei nichts anderes als das Göttliche im Kleide des Reizes dargestellt, das Göttliche aber sei in dem Herrn des Himmels ohne Schranken, im Menschen beschränkt; aber es sei sein eigentlichstes Wesen, und strebe überall und unbedingt nach beglückender Entfaltung, als Gutes, Wahres, Schönes, in Religion, Wissenschaft, Kunst, Lebenswandel. Dieser Spruch, so ungefähr oder anders ausgedrückt, traf den Kern meines Wesens mit Gewalt […].“[1]

Die traditionsreiche Bildungswelt des Stifts vermittelte den Schülern die christlichen Glaubenswahrheiten, orientiert an den Ideen der Aufklärungsphilosophie von Leibniz, Wolff und Kant. Diese Schul- und Wissenschaftstradition des Stifts verkörperte sich im barocken Gesamtkunstwerk des Wissenschaftsturms mit seinen auf sieben Ebenen nach der Hierarchie des physiko-theologischen Weltbildes geordneten Sammlungen: Naturalia, Scientifica, Mechanica, Artificialia, bekrönt von Sternwarte und Kapelle:

„[Es] fand sich in der Verbindung von Religion, Philosophie, Kunst und Naturwissenschaft jene harmonische Weltschau eindrucksvoll gestaltet, die Stifter in seinem Werk immer wieder beschwört und so zwanghaft wie vergeblich wiederherzustellen versucht.“[2]

1826 nahm er ein Studium der Rechte in Wien auf und erzielte bei den ersten Prüfungen gute Ergebnisse. Sein Studium finanzierte er durch Privatunterricht als Hauslehrer, nachdem er bereits während seiner Schulzeit in Kremsmünster Nachhilfestunden gegeben hatte. In die Zeit seines Studiums fallen auch erste dichterische Versuche (1827), die von Goethe, Herder und Jean Paul beeinflusst sind. Gleichzeitig verliebte er sich unglücklich in Fanny Greipl und verfiel in zunehmende Selbstzweifel, die er mit Alkohol zu verdrängen versuchte. Die unglückliche Beziehung zu Fanny belastete auch seine Leistungen an der Universität, sodass er 1830 sein Studium ohne Abschluss abbrechen musste.[3]

Amalia Mohaupt
Adalbert Stifter auf einem Stahlstich

Um 1829/30 entstand Stifters erste Prosaarbeit Julius, eine unvollendete Erzählung, in der noch immer das Vorbild Jean Pauls spürbar ist. 1832 und 1833 bemühte sich Stifter erfolglos um amtliche Lehrstellen. Im Februar 1833 brach Fanny die sporadische Beziehung ab. Kurz darauf lernte Stifter die Putzmacherin Amalia Mohaupt (1811–1883) kennen: „Der ersten Rose schneller Tod weckt seiner Thränen Lauf, und dort, wo seine Thräne fiel, blüh’n neue Rosen auf“ (Stifter). Nachdem er sich mit ihr verlobt hatte, schrieb er am 20. August 1835 einen letzten Reuebrief an Fanny, in dem er erklärt, nur aus Eifersucht so gehandelt zu haben („so suchte ich, wie es in derlei Fällen immer zu gehen pflegt, in neuer Verbindung das Glück, das die alte erste versagte“). Um 1834/35 dürfte auch Der Condor entstanden sein, der aber erst 1840 zur Veröffentlichung gelangte.

1836 heiratete Fanny den Finanzbeamten Fleischanderl, am 15. November 1837 heiratete Stifter Amalia und versuchte offenbar auf diese Weise, die innere Ordnung seines Lebens wiederherzustellen. Die materiellen Sorgen aber wurden desto augenfälliger und verließen den Dichter auch in der Ehe mit der fast verschwendungssüchtigen Amalia nicht mehr, wie Pfändungen 1837 und 1841 belegen. Um 1836/37 entstanden die Feldblumen, die 1841 veröffentlicht wurden.

Noch vor der Eheschließung hatte sich Stifter 1837 um eine Anstellung an der Forstlehranstalt Mariabrunn beworben. 1839 entstanden die ersten wichtigeren Gemälde Blick auf Wiener Vorstadthäuser sowie Blick in die Beatrixgasse und Ruine Wittinghausen. Im selben Jahr verstarb auch Fanny. 1840 erschien Der Condor in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode und wurde wohlwollend aufgenommen. Im Jahr 1841 folgte die Erzählung Feldblumen im Almanach Iris nach.

Nach 1841 nahm Stifter wieder die Tätigkeit als Hauslehrer auf und unterrichtete u. a. von 1843 bis 1846 Richard von Metternich, den Sohn des österreichischen Staatskanzlers. Der Pester Verleger Gustav Heckenast, der schon den Condor herausgegeben hatte, begann nun, Stifter zu fördern: Er wurde Herausgeber des Sammelbandes Wien und die Wiener und veröffentlichte 1842 die Erzählung Der Hochwald in der Iris.

Arbeitszimmer von Adalbert Stifter im Stifterhaus in Linz mit Porträts des Dichters und von Amalia Mohaupt

Es folgten zunächst einige publizistische Arbeiten, bis dann mit Abdias 1842 der literarische Durchbruch gelang, der Stifter auch materiell zunehmende Unabhängigkeit brachte. Es folgten bis 1844 Brigitta und Das alte Siegel, dann Der Hagestolz und Der Waldsteig. 1843 arbeitete er seine ersten Erzählungen um, und schon 1844 konnte der nunmehr vorwiegend schriftstellerisch tätige Stifter seine gesammelten Erzählungen in den ersten Bänden der Studien vorlegen. Während diese ersten Bände schnell Anerkennung fanden, hatte Stifter mit den 1850 erschienenen letzten zwei Bänden der Studien keinen Erfolg mehr. Auch der Dichter Friedrich Hebbel kritisierte die Werke des Neulings nun scharf.

Kefermarkter Flügelaltar

Die Unruhen des Revolutionsjahres 1848 veranlassten Stifter, der als ein Anhänger der revolutionären Bewegung und als der „fortgeschrittenste Liberale“ galt und auch als Wahlmann für die Nationalversammlung fungierte, Wien zu verlassen und nach Linz überzusiedeln. Hier veröffentlichte er 1849 die Erzählung Die Landschule, die die Arbeit der Landschullehrer positiv hervorhob. 1850 wurde er selbst, nun wieder zunehmend von finanziellen Sorgen geplagt, zunächst provisorisch und 1853 endgültig zum Schulrat ernannt. Im selben Jahr wurde er auch als Landeskonservator für Oberösterreich der k.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale ernannt. So machte er sich um die Erhaltung und Restaurierung des Kefermarkter Flügelaltars oder um das Stadtbild von Steyr verdient.[4] Während der 1850er-Jahre war er maßgeblich am Aufbau des Oberösterreichischen Kunstvereins und der Gründung der Oberösterreichischen Landesgalerie beteiligt.[5]

Die Ehe mit Amalia hat Stifter selbst als glücklich beschrieben. Amalia hat Stifter ein Leben lang gepflegt, umsorgt und behütet. Doch scheint die Kinderlosigkeit das Paar belastet zu haben. Die Stifters nahmen Juliane, eine Nichte Amalias, als Ziehtochter auf. Diese riss aber mehrmals von zu Hause aus; nachdem sie auch im Winter 1859 mehrere Tage verschwunden war, fand man ihre Leiche in der Donau. Ob der Tod durch einen Unfall verursacht wurde oder sich das Mädchen umgebracht hat, blieb ungeklärt. Dieser Schicksalsschlag hat die Stifters schwer getroffen.

Gedenktafel in Triest, wo sich Stifter im Juni 1857 aufhielt

Stifters Gesundheitszustand verschlechterte sich Ende der 1850er Jahre zunehmend. Mehrmals begab er sich zu Kuraufenthalten für ein „Nervenleiden“, diese verbrachte er vorwiegend in Kirchschlag bei Linz, wo er die gesunde Luft genoss und sich in das „Badhaus“ für seine Kurbehandlungen zurückziehen konnte. Die Arbeit an seinem historischen Roman Witiko verzögerte sich – zum Leidwesen seines Verlegers Gustav Heckenast – über mehrere Jahre hinweg. Schließlich konnte er sein Amt nicht mehr ausfüllen. Durch die Intervention eines Gönners wurde er mit dem Titel eines Hofrates pensioniert.

Von den zunehmenden Beschwerden einer Leberzirrhose geplagt, öffnete sich Stifter am 26. Jänner 1868 auf dem Krankenbett mit einem Rasiermesser die Halsschlagader. Er starb zwei Tage darauf. Sein Suizid blieb in der Todesurkunde unerwähnt. Auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz fand Adalbert Stifter seine letzte Ruhestätte.

Einordnung des Werkes[Bearbeiten]

Merkmale der Stifter-Prosa[Bearbeiten]

Adalbert-Stifter-Gedenktafel in Friedberg (Frymburk)
Totenmaske von Adalbert Stifter, abgenommen von Josef Rint

Adalbert Stifter gilt als Meister der biedermeierhaften Naturdarstellungen. Diese für seine Zeit neuartigen Landschaftsbeschreibungen haben dem naturverbundenen Schriftsteller den zweifelhaften Ruf eines Heimatschriftstellers eingebracht. Bis heute wird ihm nachgesagt, er habe die ländliche Lebenswelt als Idylle idealisiert.[6]

Unbestritten ist, dass die meisten seiner Erzählungen im Mühlviertel, einer ländlichen, um die Flüsse Donau und Moldau gelegenen Raum spielen, d. h. in einer Gegend, die bis heute von Dörfern und großen Waldgebieten geprägt ist und im abgelegenen Grenzgebiet von Bayern, Böhmen, Mähren und Österreich liegt.

Stifter schrieb als Erzähler einen klaren und scharf beobachtenden Stil. In seiner genauen Sprache beschrieb er meist, dass eigentlich nichts passiert. Seine episch breiten Naturdarstellungen führten zu einer Entschleunigung der Handlung seiner Erzählungen.

Resonanz[Bearbeiten]

Sein literarisches Werk stieß gleichermaßen auf Lob und Kritik. Manche seiner Kritiker warfen Stifter vor, seine Figuren seien eigentlich gar keine, sein Werk erschöpfe sich im Darstellen von Natur und Landschaft. Sie empfanden auch seine unausgesprochen das Werk durchwirkende Sittlichkeit als restaurativ. Kritisiert wird außerdem sein weitschweifiger und langatmiger Stil. „Was wird hier nicht alles betrachtet und geschildert“, beschwerte sich schon Hebbel über den Nachsommer, „es fehlt nur noch die Betrachtung der Wörter, womit man schildert, und die Schilderung der Hand, womit man diese Betrachtung niederschreibt ...“[7] Von ähnlichen Kritiken, die den Mangel an „Leidenschaft und Tatkraft“ beklagten und das „Dargestellte altväterisch und beschränkt“ nannten, berichtet auch Hugo von Hofmannsthal in einem Nachwort zu dem Roman.

Zu Stifters Bewunderern zählt dagegen Friedrich Nietzsche, der den Nachsommer (sowie Kellers Leute von Seldwyla, den ersten Teil der Jung-Stillingschen Lebensgeschichte und Lichtenbergs Aphorismen) neben Goethe (vor allem dessen Gespräche mit Eckermann) zum „Schatz der deutschen Prosa“ zählt.[8]

Karl Kraus hielt die meisten Schreiber seiner Zeit für völlig bedeutungslos und forderte sie auf, sofern sie noch „ein Quentchen Menschenwürde und Ehrgefühl“ besäßen, sollten sie „vor das Grab Adalbert Stifters ziehen, das stumme Andenken dieses Heiligen für ihr lautes Dasein um Verzeihung bitten und hierauf einen solidarischen leiblichen Selbstmord auf dem angezündeten Stoß ihrer schmutzigen Papiere und Federstiele unternehmen.“[9]

Kritik und Lob machen sich vor allem an zwei Aspekten fest: der Sittlichkeit und der Natur in Stifters Werk. Stifter selbst „gibt nicht das Bild des Idyllikers der Biedermeierzeit“ (Weiss 1924, 108), steht dem Zweifeln und Leiden und Suchen im Abdias näher, lotet Grenzen aus, vermeidet Pathos, vor allem jenes der Revolution. Die Seelenlandschaft des Menschen wird von ihm in der Parallelwelt der Natur gespiegelt. „So verschwindet zu unserer tiefsten Befreiung und Befriedigung die Grenze zwischen dem Menschen in der Landschaft und der Landschaft im Menschen.“ (Weiss 1924, 110). Und dennoch ist Leidenschaft nicht getilgt, sondern im Ursprünglichen sublimiert. Thomas Mann behauptet zwar, „dass hinter der stillen, innigen Genauigkeit gerade seiner Naturbetrachtung eine Neigung zum Exzessiven, Elementar-Katastrophalen, Pathologischen wirksam ist“ (Die Entstehung des Doktor Faustus, 1949). Eine eifernde Leidenschaft, dem „Blitz, welcher Häuser spaltet“[10] (3/8) gleich, lehnt Stifter jedoch entschieden ab. Joseph von Eichendorff kann deshalb mit Recht von ihm sagen, er habe „nicht eine Spur von moderner Zerrissenheit, von selbstgefälliger Frivolität, von moralisch experimentierender Selbstquälerei“.[11]

W. G. Sebald moniert eine mangelnde Reflexion: „Eine Reinterpretation Stifters wird zunächst von den ebenso irritierenden wie unumgänglichen Sinnkonstruktionen erschwert, die dieser Autor seinen ins Hermetische tendierenden Texten mit naiver Insistenz aufgesetzt hat. Auffällig dabei ist allerdings, daß die positiven Konstruktionen Stifters, also etwa seine vielzitierte christliche Demut, sein weltfrommer Pantheismus, die Behauptung der sanften Gesetzmäßigkeit des natürlichen Lebens sowie der rigide Moralismus der von ihm erzählten Geschichten, nirgends in seinem Werk entwickelt oder reflektiert werden.“[12]

Werke im Überblick[Bearbeiten]

Das StifterHaus in Linz, ein ehemaliges Wohnhaus Adalbert Stifters, beherbergt heute das Adalbert-Stifter-Institut (eine Forschungsstätte für Literatur- und Sprachwissenschaft) sowie das Oberösterreichische Literaturhaus

Dichtungen[Bearbeiten]

Frontispiz des zweiten Bandes der Bunten Steine mit einer Illustration Ludwig Richters (Erstausgabe)
Der Nachsommer, Erstdruck: Original-Verlagseinband, Titelvignette mit dem Freiherrn von Risach
  • Der Nachsommer (1857) (Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3 – Digitalisat und elektronischer Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Die Mappe meines Urgroßvaters (in drei Fassungen erschienen: 1841/1842; 1847 und 1972)
  • Nachkommenschaften (1864)
  • Witiko (3 Bände – 1865–1867)
  • Der Kuß von Sentze (1866)
  • Erzählungen (1869)

Essays und andere Schriften[Bearbeiten]

Gemälde[Bearbeiten]

  • Ruine Wittinghausen (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), um 1833–35
  • Der Königssee mit dem Watzmann (Wien, Österreichische Galerie), 1837, Öl auf Leinwand, 36 x 45 cm
  • Blick über Wiener Vorstadthäuser – Beatrixgasse (Wien, Österreichische Galerie), 1839, Öl auf Holz
  • Blick in die Beatrixgasse (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), 1839
  • Mondlandschaft mit bewölktem Himmel (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), um 1850

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Stifters Werke, Auswahl in 6 Bänden, Bong, Berlin 1900, mit Einführungen, Lebensbild (70 S. Bd. 1), Erklärungen (110 S. Bd. 6): online bei archive.org
  • Sämtliche Erzählungen nach den Erstdrucken. Zwei Bände. Herausgegeben von Wolfgang Matz (2005).
  • Werke und Briefe. Historisch-kritische Gesamtausgabe. Im Auftrag der Kommission für Neuere deutsche Literatur der Bayerischen Akademie der Wissenschaften hrsg. von Alfred Doppler, Wolfgang Frühwald und seit 2001 Hartmut Laufhütte, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1978 ff. Dazu: Entstehung, Editionsrichtlinien und editorische Problemstellungen in: Sichtungen 3 (2000)
  • Liste weiterer Editionen
Hörbücher

Würdigung[Bearbeiten]

Vereine, Museen, Projekte[Bearbeiten]

Stifter-Denkmal in Oberplan von Karl Wilfert
Büstengruppe in der Walhalla mit der Büste Stifters (untere Reihe, ganz links) neben der Büste Eichendorffs
Briefmarke (1955) zum 150. Geburtstag

Stifters Leben und Wirken im Grenzbereich zwischen deutsch- und tschechischsprachiger Kultur ließ Adalbert Stifter zum Namenspatron einiger verbindender Projekte werden.

Seit 1947 engagiert sich der Adalbert-Stifter-Verein in München, das Erbe der deutschsprachigen Kunst und Kultur in Böhmen zu erhalten. Seit 2001 ist hier auch das offizielle deutsch-tschechische Kulturinstitut angesiedelt, das den kulturellen Austausch zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien fördert und unterstützt.

In Linz gibt es ein StifterHaus, das ehemalige Wohnhaus des Dichters, welches das Oberösterreichische Literaturmuseum und seit 1956 das Adalbert Stifter Institut des Landes Oberösterreich beherbergt. Es ist Veranstaltungsort für diverse Literaturausstellungen. Im Mai 2005 wurde das Literaturmuseum im StifterHaus zum Museum des Monats ernannt. Daneben heißt auch der Große Kulturpreis des Landes Oberösterreich Adalbert-Stifter-Preis.

Stifters Heimatort Oberplan hat 2003 ein Adalbert-Stifter-Zentrum eröffnet. In diesem Begegnungs- und Studienzentrum soll die kulturelle Bindung zwischen Österreich, Tschechien und Deutschland vertieft werden.

Im Rosenbergergut in Lackenhäuser, Gemeinde Neureichenau, wo Stifter seit 1855 im sogenannten Ladenstöckl häufig gastierte, befinden sich zwei Gedenkräume.

Denkmäler[Bearbeiten]

1903 wurden in Oberplan im Hinblick auf das Gedenkjahr 1905 bei dem Wiener Bildhauer Johann (Hans) Rathausky Vorarbeiten für ein Denkmal in Auftrag gegeben (siehe Promenade Linz).[13] „Dem Wiener Unterrichtsministerium hat jedoch der Denkmalentwurf nicht sonderlich gefallen. So erhielt der akademische Bildhauer Karl Wilfert der Jüngere aus Eger einen neuen Auftrag, und das von ihm geschaffene Denkmal wurde am 26. August 1906 unter Anteilnahme von rund 6000 Festgästen, darunter über 100 Vereinen, feierlich enthüllt.“[14]

Auf Antrag der sudetendeutschen Ackermann-Gemeinde wurde eine Büste des Dichters am 26. September 1954 durch bayerischen Ministerialbeschluss in die Walhalla aufgenommen. Sie stammt von Otto Herbert Hajek und erfuhr neben Anerkennung heftige Kritik und Polemik. In Erwartung schlichter und biederer Züge verstörte die glatte Form durch „streng minimalistisch gehaltene, Emotionen und Altersspuren eliminierende“ Formgebung.[15] Ein Beitrag im Jahrbuch 1996 des Adalbert Stifter Institutes Linz betont, Hajek sei den Normierungen der Walhalla-Büsten gefolgt: „Er stilisierte Stifter in die monumentale Glätte bis zur geometrischen Unkenntlichkeit“.[16] Stifter selbst hatte sich mit der Walhalla nicht anfreunden können. Aus einem Brief an seinen Verleger Gustav Heckenast vom 7. Juli 1865: „Wir fuhren am Donnerstag nach Regensburg. Die Walhalla mochte ich dieses Mal gar nicht besehen; ihr Besuch hat mir vor Jahren Tränen gekostet, jetzt hätte ich Ingrimm gefühlt. Dieses Vergöttern der Toten die man im Leben gekreuzigt hat und noch immer kreuzigt, ist zu empörend und ekelhaft.“

Das Adalbert-Stifter-Denkmal am Plöckenstein befindet sich bei einem Aussichtspunkt über dem Plöckensteinsee.

Sonstiges[Bearbeiten]

Mehrere Schulen wurden nach Stifter benannt, so z. B. in Bozen (Südtirol), Grundschulen in Erlangen, Forchheim, Fürth, Heusenstamm und Würzburg, Realschulen in Heidenheim, München und Schwäbisch Gmünd sowie Gymnasien in Castrop-Rauxel, Linz und Passau.

Die wohl älteste deutsche Adalbert-Stifter-Straße befindet sich im Münchner Stadtteil Bogenhausen, im Herzogpark. Thomas Mann erzählt in seinem Werk Herr und Hund, wie er mit seinem Hund Bauschan spazieren geht: „Da ist eine Gellert-, eine Opitz-, eine Fleming-, eine Bürger-Straße, und sogar eine Adalbert-Stifter-Straße ist da, auf der ich mich mit besonders sympathischer Andacht in meinen Nagelschuhen ergehe.“[17]

Die Straßenbenennungen galten für die Adalbert-Stifter-Gesellschaft Wien als gleich bedeutsam wie Denkmalsenthüllungen oder Erinnerungstafeln an einstigen Stifter-Wohnstätten, waren jedoch bis 1945 zunächst eher selten. Der erste Adalbert-Stifter-Almanach (1937) erwähnt lediglich eine Straßenbenennung in Linz (1869) sowie eine weitere in Wien (1899). Erst mit der Neuansiedlung der Vertriebenen in Österreich und vor allem in Bayern wuchs die Zahl in „mehrfach belegten Kombinationen mit Sudeten- und Joseph von Eichendorff-Straßen“. Dabei sei es weniger um eine literarische Würdigung gegangen: „Die Patrone der verlorenen Heimat sollten das Einleben in den Neubaugebieten der Zufluchtsorte erleichtern.“[18] Ähnliches gilt für Wohnanlagen und deren Platzgestaltung. Zum Beispiel gibt es in Gersthofen die Adalbert-Stifter-Siedlung mit dem Stifter-Platz, auf dem ein Denkmal zu Ehren Adalbert Stifters errichtet ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ausgewählte Literatur[Bearbeiten]

Periodika und Sammelbände
  • Internationale Dokumentationen der Stifter-Forschung im Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich Linz
    • von 1952 bis 1993: Vierteljahresschrift des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich (= VASILO)
    • seit 1994: Jahrbuch des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich
  • Oberösterreichische Heimatblätter 1947–2000 als PDF, 36 Funde zu A. Stifter
  • Hartmut Laufhütte und Karl Mösenender (Hrsg.): Adalbert Stifter. Dichter und Maler, Denkmalpfleger und Schulmann. Neue Zugänge zu seinem Werk. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1996. ISBN 3-484-10719-7; Inhalt: Rec. 1–29 der MLA Bibliography
  • Walter Hettche, Johannes John und Sibylle von Steinsdorff (Hrsg.): Stifter-Studien. Ein Festgeschenk für Wolfgang Frühwald zum 65. Geburtstag. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2000. ISBN 3-484-10828-2; Inhalt; Auszug daraus: Ulrike Landfester: Der Autor als Stifter oder Die Mappe meines Urgroßvaters, Digitalisat
  • Jattie Enklaar & Hans Ester (Hrsg.): Geborgenheit und Gefährdung in der epischen und malerischen Welt Adalbert Stifters. („Deutsche Chronik“ 55) Königshausen & Neumann, Würzburg 2006 ISBN 3-8260-3286-1; 19 Essays, online lesen bei google-books

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Adalbert Stifter – Quellen und Volltexte
 Commons: Adalbert Stifter – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brief an G. C. F. Richter vom 21.Juni 1866 online bei archive.org
  2. Edda Ziegler: Im Zirkelodem der Sterne. ‚Über die Sonnenfinsternis am 8. July 1847 in Wien‘. In: Walter Hettche, Johannes John und Sibylle von Steinsdorff (Hrsg.): Stifter-Studien. Ein Festgeschenk für Wolfgang Frühwald zum 65. Geburtstag. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2000, S. 4–19, hier S. 10–11.
  3. Moriz Enzinger: Adalbert Stifters Studienjahre (1818–1830). Innsbruck 1950.
  4. Jungmair, Otto: Adalbert Stifter als Denkmalpfleger, Linz 1973 (Schriftenreihe des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes Oberösterreich; 28)
  5. Webpräsenz des OÖ. Kunstvereins
  6. Adalbert Stifter-Biografie auf dem Biografien-Portal www.die-biografien.de, Adalbert Stifter gilt als Meister der biedermeierhaften Naturdarstellungen (aufgerufen am 20. Juni 2013)
  7. Zitiert in Enklaar, Ester: Geborgenheit und Gefährdung ... S. 60 online bei googlebooks
  8. Nietzsche, Der Schatz der deutschen Prosa
  9. Die Fackel, April 1916 S. 56–58
  10. ... den Blitz, welcher Häuser spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feuerspeienden Berg, das Erdbeben, welches Länder verschüttet ... Zitiert aus der Vorrede der Bunten Steine (Erstausgabe von 1853 bei Google Books, S. 3
  11. Eichendorff: Ueber die ethische und religiöse Bedeutung der neueren romantischen Poesie ... S. 290 f. online bei google-books
  12. zit. in Enklaar, Ester: Geborgenheit und Gefährdung... S. 7 online bei googlebooks
  13. Das Stifter-Denkmal in Oberplan.. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, 2. Mai 1903, S. 9 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  14. Jubiläumsfeier am Gutwasserberg. 100 Jahre Adalbert-Stifter-Denkmal in Oberplan. www.adalbertstifter.at
  15. Peter Becher: Adalbert Stifter. Sehnsucht nach Harmonie, S. 234
  16. Rolf Selbmann: Späte bunte Steine. Die Denkmäler für Adalbert Stifter. In: Jahrbuch des Adalbert Stifter Institutes des Landes Oberösterreich, Band 3, 1996, S. 110–128, hier S. 112
  17. zitiert nach Ulrich Dittmann (Hrsg.): Stifter-Kontexte. Zum Gebrauchswert eines Klassikers. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Adalbert Stifter Verein, München 2005, ISBN 3-9808097-6-5, Kapitel Stifter-Straßen, S. 31.
  18. Ulrich Dittmann: Stifterkontexte, S. 32 f.