Bismutit

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Bismutit
Bismutit (Wismutcarbonat) - Schneeberg, Erzgebirge.jpg
Bismutit vom Schneeberg (Erzgebirge),
ausgestellt im Mineralogischen Museum der Universität Bonn
Andere Namen
  • Wismutspat
Chemische Formel

Bi2[O2|CO3]

Mineralklasse Carbonate
5.BE.25 (8. Auflage: V/C.09) nach Strunz
16a.03.05.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-pyramidal \ mm2 [1]
Farbe Weiß, Grau, Gelb, Grün, Blau, Braun, Schwarz
Strichfarbe Grau-Weiß
Mohshärte 2 bis 4
Dichte (g/cm3) 6,7 bis 7,4 [2]
Glanz Glasglanz, Perlmuttglanz, matt
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Spaltbarkeit deutlich bis gut nach {001}
Habitus
Kristalloptik
Brechungsindex α = 2,120 bis 2,150 [2] ; β = 2,120 bis 2.300 [2] ; γ = 2,28 [1]
Doppelbrechung δ = 0,130 bis 0,160 [1]

Bismutit, nicht zu verwechseln mit dem Bismutsulfid Bismuthinit, veraltet auch als Wismutspat[3] bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Carbonate (und Nitrate). Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Bi2[O2|CO3] [4] und entwickelt überwiegend kugelige, radialstrahlige oder massige bis pulvrige Mineral-Aggregate von meist weißer, grauer oder gelber Farbe. Es wurden aber auch schon grün, blau, braun und schwarz gefärbte Bismutite gefunden.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Bismutit in der „Grube Arme Hilfe“ bei Ullersreuth (Hirschberg (Saale), Thüringen). Als Erstbeschreibung des Minerals gilt die Publikation August Breithaupts von 1841 [5], wobei dieser jedoch erwähnte, dass schon vorher mehrmals kohlensaures Wismutoxid gefunden wurde, wobei dieses jedoch im Gemenge vorlag und nicht genau charakterisiert werden konnte:

"Schon mehrmals hat man angegeben, daß in der Natur ein kohlensaures Wismutoxyd vorkomme, aber in keiner Mineralogie ist eine Charakteristik zu finden. Zuletzt noch gab Hr. Gregor an, daß zu St. Agnes in Cornwall kohlensaures Wismut vorgekommen sey. Seine Untersuchung beweist jedoch, daß er einen gemengten Körper zerlegt hat. [...] Auf der Eisensteingrube Arme Hülfe zu Ullersreuth bei Hirschberg im Reussischen Voigtlande findet sich unter anderem in einem hornigen dichten Brauneisenerz: gediegen Wismut, Wismutglanz und Hypochlorid, der erstere in eingesprengten oder kleinen Parthieen, der zweite in eingewachsenen nadelförmigen Krystallen und ebenfalls derb. Diese zwei metallischen, von Kupferkies begleitet werdenden, Mineralien sind zuweilen an ihren Rändern und an der Oberfläche, gewöhnlicher aber durch und durch in eine blassgraue oder grüne Substanz umgewandelt, die, wie ich gefunden habe, mehr oder weniger rein aus kohlensaurem Wismutoxyd besteht, und die deshalb, da sie doch jedenfalls ein eigenthümliches Naturproduct ist, den Namen: Bismutit führen möge."

Breithaupt benannte das Mineral in Anlehnung an den hohen Bismut-Gehalt von über 80 %.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der alten (8. Auflage) und neuen Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) gehört Bismutit zur Abteilung der „wasserfreien Carbonate mit fremden Anionen“. Die neue Strunz'sche Mineralsystematik unterteilt hier allerdings noch feiner nach der Art der beteiligten Kationen. Der Bismutit findet sich daher entsprechend in der Unterabteilung „Mit Blei (Pb) oder Bismut (Bi)“.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet das Mineral in die Abteilung der „Carbonate mit (zusätzlich beteiligten) Hydroxylgruppen oder Halogenen und der allgemeinen Formel (A,B)2(XO)3Zq“.


Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Bismutit bildet sich als Sekundärmineral durch Verwitterung (meist Oxidation) aus anderen Bismut-Mineralen oder gediegen Bismut. Er tritt daher entsprechend in Paragenese mit gediegen Bismut, Bismuthinit, Bismutoferrit, Chalkopyrit und Goethit auf.

Neben seiner Typlokalität Ullersreuth in Thüringen wurde Bismutit bisher (Stand: 2009) unter anderem an folgenden Fundorten entdeckt: Assosa in Äthiopien; Córdoba in Argentinien; Kadscharan in Armenien; mehrere Regionen in Australien; Departamento La Paz, Departamento Oruro und Departamento Potosí in Bolivien; die südöstliche und die zentrale Region in Brasilien; Atacamaregion in Chile; mehrere Regionen der Volksrepublik China; Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Fichtelgebirge, Spessart), Hessen (Odenwald), Nordrhein-Westfalen (Sauerland, Siegerland), Sachsen-Anhalt (Harz), Sachsen (Erzgebirge) und Thüringen (Vogtland) in Deutschland ; mehrere Regionen in Frankreich; Attika in Griechenland; Bhilwara in Indien; einige Regionen in Italien; Honshū und die Nansei-Inseln in Japan; in den Nordwest-Territorien, Ontario und Québec in Kanada; Ampangabé in Madagaskar; einige Regionen in Mexiko; Zambezia in Mosambik; Kivu in der Demokratischen Republik Kongo; Erongo und Kunene in Namibia; mehrere Regionen in Norwegen; einige Regionen in Österreich; Niederschlesien in Polen; einige Regionen in Russland; Böhmen in Tschechien; Börzsöny (Pilsengebirge) in Ungarn; sowie vielen Regionen in den USA. [6]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Ersten Strukturmessungen zufolge schien Bismutit in tetragonaler Symmetrie zu kristallisieren. Allerdings ließ sich mit dieser Annahme die Struktur nicht vollständig lösen. Eine neue Strukturanalyse im Jahre 2002 ergab schließlich, dass Bismutit im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Imm2 mit den Gitterparametern a = 3,865 Å, b = 3,862 Å und c = 13,675 Å [7] sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle [1], kristallisiert, wobei die Elementarzelle jedoch eine ausgeprägte pseudotetragonale Anordnung zeigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Webmineral - Bismutit (englisch)
  2. a b c MinDat - Bisutite (englisch)
  3.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 188, 344.
  4.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  5. Ueber das natürliche kohlensaure Wismutoxyd in Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie 53, S. 627-630 (PDF; 508 kB)
  6. MinDat - Localities for Bismutite
  7. American Mineralogist Crystal Structure Database - Bismutite (englisch, 2002)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bismutite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien