Schwäbischer Dialekt

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Schwäbisch

Gesprochen in

Deutschland, Österreich (Außerfern in Tirol)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von -
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

gem

ISO 639-3:

swg

Schwäbisch ist ein im Raum Schwaben, das heißt heute im mittleren und südöstlichen Bereich von Baden-Württemberg und in südwestlichen Teilen Bayerns gesprochener Dialekt. Linguistisch gehört er zu den alemannischen Dialekten und damit zu der oberdeutschen Dialektgruppe. Innerhalb des alemannischen Gesamtbereichs hebt sich das Schwäbische durch seine deutlich dunklere „Klangfarbe“ hervor. Standarddeutsch „Wir haben Nein gesagt!“ klingt allgemein-alemannisch „Nai hemmer gsait!“, schwäbisch dagegen „Noe hemmor gsaed“.

Innerhalb des schwäbischen Dialektbereichs gibt es, bedingt durch seine geographische Größe, gewisse Unterschiede, die im Sinne eines Dialektkontinuums ineinander übergehen, z. B. „raod“ und „rod“ (standarddeutsch „rot“). Es treten daneben auch einzelne markante Unterschiede auf, z. B. bezüglich des Partizips Perfekt „gewesen“: Es lautet überwiegend „gwäa“, in einem breiten Übergangsbereich zum niederalemannischen „gsi“ dagegen lautet es „gsae“ bzw. „gsai“.

Inhaltsverzeichnis

Sprachgeschichte [Bearbeiten]

Das Schwäbische wird meist als eine sprachliche Weiterentwicklung aus einer vermuteten ehemals gemeinalemannischen Sprache dargestellt[1]. Es hat sich dieser Auffassung nach im Laufe vieler Jahrhunderte aus ihr herausgebildet. In sprachwissenschaftlicher Hinsicht wird deshalb heutzutage das Schwäbische allgemein als einer der vier bzw. fünf Unterdialekte des Alemannischen eingeordnet. Dagegen spricht, dass die Nasalierung, die schon in den ersten Jahrhunderten n. Chr. für das alte Schwäbisch charakteristisch gewesen sein muss, bis heute in den anderen alemannischen Dialekten nirgends greifbar ist. Auch scheinen die alamanni, wie sie von den Römern genannt wurden, ein eher später (im dritten Jhdt.) nachgerückter Stamm gewesen zu sein. Der römische Historiker Tacitus (*58 n. Chr.) schreibt in seiner Germania, die Bari und Marsingi hätten eine den suevi ähnliche Sprache, woraus sich erschließen lässt, dass zumindest für Tacitus das Suevische sich erkennbar von anderen germanischen Stammessprachen unterschied.[2] Wie dem auch sei, es gilt davon unabhängig, dass „Schwäbisch schon gesprochen wurde, als es noch keine deutsche Allgemeinsprache gab“ [3]. Diese kam erst mehr als tausend Jahre später mit dem Lutherdeutsch auf.

Weitgehende Einigkeit besteht unter Sprachwissenschaftlern, dass zwischen Schwäbisch und Portugiesisch ein alter sprachgeschichtlicher Zusammenhang besteht. Beide Sprachen zeigen gemeinsam die zwei Phänomene der Nasalierung und der Palatalisierung („s“ zu „sch“). Dies hat einen historischen Grund: Durch den Zug eines Teils des Stammes der Schwaben auf die Iberische Halbinsel, verbunden mit der Gründung eines schwäbischen Königreiches im Nordwesten der Halbinsel (nach 407 bis 585 n. Chr.), sind die beiden Phänomene in die dortige romanische Volkssprache und damit in das entstehende Portugiesisch eingegangen.[4]

Das traditionelle Verbreitungsgebiet westoberdeutscher (=alemannischer) Dialektmerkmale im 19. und 20. Jahrhundert. Die schwäbischen Mundarten bilden eine der großen alemannischen Untergruppen.

Die Eingliederung der im Südwesten des heutigen deutschen Sprachgebiets verbliebenen Schwaben im Jahr 502 in das Fränkische Reich (und bis zum 8. Jhdt. aller weiteren ehemals westgermanischen Stämme) verhinderte, dass es zur Weiterentwicklung von völlig selbständigen Sprachen innerhalb dieses Reiches kam.[5] Immerhin gab es im 10. und 11. Jhdt. über einen Zeitraum von etwa 150 Jahren das relativ selbständige Herzogtum Schwaben, dessen historische Grenzen sich bis heute fast ganz mit dem schwäbisch-alemannischen Sprachraum decken.

Phonetische Merkmale [Bearbeiten]

Der Lautbestand des Schwäbischen, insbesondere an Vokalen, ist sehr viel reicher als der des heutigen Standarddeutschen. Er umfasst erheblich mehr Monophthonge und Diphthonge, dazuhin eine erhebliche Anzahl an Nasallauten und Schwa-Lauten, die weit über das vergleichsweise geringe Inventar der deutschen Hochsprache hinausgehen. Darin liegt zugleich das Grundproblem jeder Art von Schreibung des Schwäbischen. „Die 26 Buchstaben unseres lateinischen Alphabets reichen vorn und hinten nicht aus, den Reichtum des schwäbischen Vokalismus wiederzugeben“[6]. Um der Eigenart des Schwäbischen gerecht zu werden, scheint es zuerst notwendig zu sein, es wie eine eigene Sprache empirisch zu erfassen. Erst danach kann es angemessen mit dem heutigen Deutsch verglichen werden.

Grundvokale [Bearbeiten]

Vom empirischen Bestand her besitzt die schwäbische Sprache insgesamt sieben Grundvokale: a, e [e], ä [ɛ], i, o, u, å [ɔ:] (ähnlich wie im englischen water, warm usw.). Sie sind alle mit den Vokalen a, e, und o zu Diphthongen kombinierbar. Diese Siebenzahl der Grundvokale gleicht in erstaunlicher Weise der des Altgriechischen, obwohl dorthin kein sprachlicher Zusammenhang besteht, wohingegen die deutsche Sprachwissenschaft auf der Grundlage einer dem Lateinischen entstammenden Fünfzahl arbeitet.

Umlaute [Bearbeiten]

Die deutsche Sprache kennt drei Umlaute: a/ä, o/ö, u/ü. Diese drei Umlaute kommen im Schwäbischen so gut wie nicht vor, sondern werden (teilweise unterschiedlich[7]) durch Grundvokale ersetzt. Der Vokal ä wird im Schwäbischen sehr genau vom Vokal e unterschieden und wird im Regelfall als eigenständiger Grundvokal gebraucht. Nur in wenigen Ausnahmefällen dient er als Umlaut zu a. Die beiden Vokale ö und ü bildeten sich in der Entwicklung des Deutschen als Umlaute zu o und u heraus. Das Schwäbische dagegen ist beim altdeutschen Umlautsystem geblieben, in dem in der Regel der Umlaut zu o das e ist, und zu u das i (siehe dazu das so genannte Vokaldreieck).

Beispiele: Schwäbisch (sg/pl) Ofa/Efa und Fuaß/Fiaß, deutsch Ofen/Öfen und Fuß/Füße.

Diphthonge [Bearbeiten]

Die Anzahl der Diphthonge ist erheblich höher als im Standarddeutschen. Im Lauf der Entwicklung des Schwäbischen wurden, ähnlich wie in der Entwicklung des Deutschen, sowohl altdeutsche Monophthonge diphthongiert, als auch bereits bestehende Diphthonge weiterentwickelt, letztere aber fast immer in anderer Richtung als im Deutschen. Die Entwicklungsprozesse der Diphthonge und ihre Ergebnisse sind im Schwäbischen derartig kompliziert, sodass hier für Einzelheiten auf die Fachliteratur verwiesen werden muss[8]. Hier können der Übersichtlichkeit halber nur einige wenige Details aufgeführt werden.

a) Allgemein bekannt ist, dass Altdeutsches langes i (heute noch im Alemannischen unverändert erhalten) ebenso wie im Deutschen zu ei wurde.

Beispiel: Altdeutsch Zīt und Wīb wurden deutsch wie schwäbisch zu Zeit und Weib.

b) Bereits bestehende altdeutsche Diphthonge wurden unterschiedlich verändert.

Beispiel: Altdeutsch Gloube und koufen werden schwäbisch zu Glaoba und kaofa, deutsch zu Glaube und kaufen.

c) Einige althochdeutsche Diphthonge, die bei der Entwicklung des Deutschen monophthongiert wurden, wurden bei der Entwicklung des Schwäbischen beibehalten.

Beispiele: Schwäbisch schiaf und miad, deutsch schief und müde.

d) Völlig ungewöhnlich für hochdeutsche Ohren klingt der schwäbische Diphthong ui. Er entstand durch Metathese von iu zu ui.

Beispiele: Der weibliche bestimmte Artikel Einzahl lautete im Altdeutschen diu. Daraus entstand durch Weglassen des u die standardeutsche Form die, im schwäbischen dagegen durch Metathese die Form dui. In gleicher Weise entstand aus altdeutsch siu und gniu deutsch sie und Knie, schwäbisch dagegen sui und Gnui.

e) Selbstverständlich können so gut wie alle Diphthonge im Schwäbischen auch nasaliert werden (was für Nichtschwaben die Aussprache des Schwäbischen noch komplizierter macht).

Beispiel: Schwabisch ãẽkaofa für deutsch einkaufen, da hier das n durch Nasalierung im Diphthong aufgegangen ist.

Vokalentsprechungen [Bearbeiten]

Standarddeutsch Schwäbisch Beispiel
(Deutsch = Schwäbisch)
kurzes a a machen = macha
langes a å (West) / au (Ost) schlafen = schlåfa/schlaufa
kurzes e ä (e vor n,m) Mensch = Men(d)sch
langes e ä, äa (e vor n,m) Leben = Läaba
kurzes ä ä (e vor n,m) ändern = endara
langes ä ä,äa (e vor n,m) Käse = Käs
kurzes o o Kopf = Kopf
langes o au (West) / oa (Ost) hoch = hao(ch) / hoa
kurzes ö e können, Köpfe = kenna, Kepf
langes ö e schön = schee
kurzes i i (e vor n,m) in = en/ee
langes i (ie) ia (ea vor n,m) nie = nia
kurzes u u (o vor n,m) und = ond
langes u ua (oa vor n,m) gut = guat
kurzes ü i (e vor n,m / u vor ch,ck) über = iber, Brücke = Bruck
langes ü ia (ea vor n,m) müde = miad
ei oa/oi (MHD ei ) Stein = Stoa (West) / Stoi (Mitte,Ost)
ei (MHD ī ) mein = mei
au au (MHD au ) Rauch = Rauch
ou (MHD u ) Haus = Hous
eu ei (MHD ü ) deutsch = deitsch
ui/ei (MHD iu ) neu = nui, nei(b)

Nasallaute [Bearbeiten]

Ein Hauptcharakteristikum des Schwäbischen ist sein nasaler Klang. So gut wie jeder Vokal kann im Schwäbischen durch die Nase gesprochen werden. Nasaliert werden grundsätzlich alle Vokale vor den Mitlauten m, n und ng.[9] Entsprechend internationalem Gebrauch werden nasalierte Vokale mit einer Tilde geschrieben: ã, ẽ, õ usw. Besonders häufig kommen solche Nasallaute im Portugiesischen vor. Auch haben schwäbische Schüler bis heute weniger Probleme Französisch zu lernen, da ihnen alle Nasallaute völlig vertraut sind.

Schwa-Laute [Bearbeiten]

Die Germanistik erkennt meist nur einen Schwa-Laut an, den so genannten mittleren Zentralvokal, geschrieben als e, wie er z. Bsp. als Infinitivendung -en (lesen, schreiben, rechnen) usw. vorkommt. Das Schwäbische dagegen gebraucht zwei sehr genau unterschiedene Schwa-Laute, die für hochdeutsche Ohren zunächst identisch klingen und erst nach einer Eingewöhnungsphase unterscheidbar werden: Es gibt zum einen häufig den nach a tendierenden Schwa-Laut. Dieser kommt als Infinitivendung -a (läasa, schreiba, rächna) usw. vor; weiterhin als Pluralendung in Worten wie Farba, Dabeda, Labba (deutsch Farben, Tapeten, Lappen) usw. Oftmals tritt der Laut auch innerhalb von Wörtern, meist anstelle von e oder a, aber auch anstelle von ei in dem Suffix "-heit", auf. Des Weiteren stellt er den zweiten Teil der Diphtonge ua, ia, ea, äa, oa. Dieser nach a tendierende Schwa-Laut wird klar unterschieden von jenem anderen, der nach e tendiert. Wichtig ist diese Unterscheidung für die Erkennung von Singular und Plural der Diminutivformen anhand ihrer Endungen. Mädle und S[ch]bäzzle ist Einzahl, Mädla und S[ch]bäzzla (typisch schwäbische Nudelart!) ist Mehrzahl. Die standarddeutsche Diminutivendung -chen lässt dagegen keine solche Unterscheidung zu.

Konsonanten [Bearbeiten]

a) k- , p- und t-Laute: Diese drei Fortis-Laute werden im Allgemeinen im Schwäbischen als weiche Lenis-Laute ausgesprochen: b, d und g. Eine ähnliche Abschwächung ist als so genannte Binnendeutsche Konsonantenschwächung in vielen Gegenden Deutschlands verbreitet.

Beispiele: Schdual statt Stuhl

Im Süden des schwäbischen Sprachraums ist die Abschwächung nicht so weit fortgeschritten und betrifft in der Regel nur den Anlaut.

Beispiele: Dag statt deutsch Tag aber Decke statt wie im Norden Degge

Am Silbenende werden Fortis- als auch Lenis-Laute immer hart als Fortislaute ausgesprochen. Dieses Phänomen betrifft fast den gesamten deutschen Sprachraum und wird Auslautverhärtung genannt.

Beispiele: Boscht und Fahrrat für deutsch Post und Fahrrad.


b) s-Laute: Das Schwäbische kennt nur das stimmlose s; ein stimmhaftes s wie im Deutschen (z. Bsp. in Rose) gibt es nicht. Der Buchstabe ß als besondere Kennzeichnung eines stimmlosen s ist deshalb streng genommen im Schwäbischen überflüssig.

c) sch-Laut: Dieser Laut kommt im Schwäbischen deutlich häufiger als im Deutschen vor, so gut wie immer vor d/t und b/p, auch im Inneren eines Wortes. So werden z. Bsp. Raspel und Angst im Schwäbischen als Raschbl und Angschd ausgesprochen. Er wird im Schwäbischen tendenziell eher im hinteren, im Deutschen tendenziell eher im vorderen Zungenbereich gebildet. Ganz am östlichen Rand des Schwäbischen wird der sch-Laut darüber hinaus sogar vor g/k verwendet, z. Bsp. Bruschtmuschkel für Brustmuskel (was selbst anderen eingefleischten Schwaben seltsam anmutet).

Als Verbalendung der 2. Person Singular (im modernen Schwäbisch -sch, im klassischen Schwäbisch -scht) ist dieser Laut eines der klassischen Kennzeichen aller Schwäbisch-Sprecher/innen: Du musch(t), du schreibsch(t) usw.

Grammatikalische Merkmale [Bearbeiten]

Das Schwäbische verfügt über eine deutlich erkennbare eigene Grammatik. Nach außen hin markiert diese einen klaren Unterschied zum Standarddeutschen. Nach innen hinein erweist sie sich als einheitliche Grundlage des ganzen schwäbischen Sprachgebiets. Im Übrigen teilt das Schwäbische viele Elemente seiner Grammatik (nicht der Phonetik!) auch mit den anderen Dialekten des gesamten oberdeutschen Sprachgebiets. Nachfolgend sind nur einige Grundregeln dargestellt. Auf Ausnahmen und regionale Abweichung wird der Übersichtlichkeit halber verzichtet.

Deklination [Bearbeiten]

Das Schwäbische kennt nur drei Fälle: Nominativ, Dativ und Akkusativ. Der Genitiv kommt nur noch in wenigen feststehenden Formulierungen vor und ist nicht mehr lebendig[10]. An seiner Stelle gibt es im Schwäbischen (ähnlich wie im Englischen) zwei voneinander klar unterschiedene Konstruktionen: Es gibt (1.) die Dativ-Umschreibung bei Personen und Tieren: Maem Vaddr sae Hemed (Meinem Vater sein Hemd = Das Hemd meines Vaters). Häufiger ist (2.) der vo-Genitiv (englisch of-Genitiv) bei Dingen: D Rädor vo maem Audo (Die Räder von meinem Auto = Die Räder meines Autos).
Nominativ und Akkusativ lauten bei Substantiven fast immer gleich. Klare Unterschiede[11] zwischen Nominativ und Akkusativ finden sich dagegen bei den Personalpronomen, z. Bsp. (Nom./Akk.) i/mi, du/di, mir/ons (dt. ich/mich, du/dich, wir/uns) und bei Adjektiven, sowie bei den männlichen Singularformen von Demonstrativpronomen z. Bsp. där/denn, sällor/sälla (dt. dieser/diesen, jener/jenen). Die Unterschiede in der Aussprache der Personalpronomen in den einzelnen Regionen des Schwäbischen Sprachgebiets, z. Bsp. ons/aos/aes, uich/eich (dt. uns, euch) sind phonetische, nicht aber grammatikalische Varianten.

Substantive: Plural und Diminutiv [Bearbeiten]

Die Bildung von Pluralformen geschieht auf vier verschieden Weisen, wobei im Wortstamm, etwas häufiger als im Deutschen, ein Umlaut hinzu kommt (Daag/Dääg (Tag), Waaga/Wääga (Wagen)).

a) Plural ohne Endung: Diesen Plural haben alle Worte, deren Plural deutsch mit -e und mit -s gebildet wird. Sofern diese Worte im Plural keinen Umlaut besitzen, sind damit Singular/Plural identisch. Diese Pluralbildung kommt besonders häufig bei männlichen Substantiven vor.
Beispiele (deutsch „-e“): Disch/Disch (Tisch), Fuaß/Fiaß (Fuß), Ebfl/Ebfl (Apfel), Bomm/Beem (Baum).
Beispiele (deutsch „-s“): Audo/Audo (Auto), Radio/Radio, Uhu/Uhu.

b) Plural mit der Endung -a (Schwa-Laut!): Hier finden sich diejenigen Worte, die deutsch den Plural mit -en bilden.
Diese Pluralbildung kommt besonders häufig bei weiblichen Substantiven vor.
Beispiele: Frau/Fraua, Sach (Sache)/Sacha, Dasch (Tasche)/Dascha.

c) Plural mit der Endung -ena: Diese Pluralbildung hat im Deutschen keine direkte Entsprechung. Sie ist mit einigen Worten weiblichen Geschlechts fest verbunden. Ihr Gebrauch dehnt sich gelegentlich auch auf weitere weibliche Wörter aus[12]. Möglicherweise wird dies durch Einfluss des weiblichen Plurals in Worten wie Beire/Beirena (Bäuerin), Sgredäre/Segredärena (Sekretärin) usw. begünstig.
Beispiele für feste Verwendung: Kuche/Kuchena (Küche), Schual/Schualena (Schule). Hierher gehören auch die zweisilbigen weiblichen Worte, die im Singular (er ist im Schwäbischen zu allermeist endungslos!) die feste Endung "-e" aufweisen. Beispiele: Schdregge/Schdreggena (Strecke), Bråede/Bråedena (Breite), Leenge/Leengena (Länge), Fleche/Flechena (Fläche) u. a. m.
Beispiele für schwankende Verwendung[13]: Schduub (Wohnzimmer)/Schduuba und Schduubena, Dräbb (Treppe)/Dräbba und Dräbbena.

d) Plural mit der Endung er/or: Diese Pluralbildung entspricht der deutschen auf -er. Sie klingt im Schwäbischen nach -or. Diese Pluralbildung kommt besonders häufig bei sächlichen Substantiven vor. Sie umfasst im Schwäbischen einige Worte mehr wie im Deutschen.
Beispiele: Holz/Helzor, Bridd/Briddor (Brett), Dach/Dechor.
Beispiele für weiteres Vorkommen: Bedd/Beddor (Bett), Hefd/Hefdor (Heft), Hemed/Hemedor (Hemd).

e) Diminutiv (schwäbisch nicht das, sondern der Diminutiv): Es wird durch Anhängung der Endungen -le (Singular) und -la (Plural) gebildet. Somit kann im Diminutiv zwischen Singular und Plural unterschieden werden; eine Möglichkeit, die das Deutsche -lein bzw. -chen nicht zulässt. Die Endung wird direkt an den Wortstamm angehängt. Wird der Plural mit einem Umlaut im Wortstamm gebildet, dann bleibt dieser auch im Diminutiv erhalten.
Beispiel (sg/pl/dim): Volg (Volk)/Velgor/Velgle.
Besitzt schon der Singular eine Endung, wird auch hier die Diminutivendung direkt an den Wortstamm angehängt; bei der Singularendung auf -l (deutsch -el) wird zusätzlich ein Schwa-Laut zwischen Stamm und Diminutivendung eingefügt.
Beispiele (sg/pl/dim): Kaschda (Schrank)/Käschda/Käschdle; Schlissl (Schlüssel)/Schlissl/Schlissele.

Substantive: Anderes Geschlecht [Bearbeiten]

Es gibt ca. 50 Substantive, die im Schwäbischen ein gegenüber dem Standarddeutschen anderes Geschlecht aufweisen[14] (meist männlich statt weiblich). Am bekanntesten ist die Differenz „dor Budder“ zu „die Butter“. Es gibt aber auch weitere sehr geläufige Abweichungen wie „dor Schogglad“, „des Cola“, „des Deller“. In der Regel hat das Schwäbische hier das ursprüngliche altdeutsche Geschlecht erhalten, wohingegen das Standarddeutsche es verändert hat[15].
Ziffern haben generell ein männliches statt weibliches Geschlecht: Dor Oeser, Zwåeor, Dreior (der Einser, Zweier, Dreier) usw. Ebenso Zahlen, wenn sie als Nummern gebraucht werden, z. Bsp. als Nummer einer Buslinie. Traditionell hatten auch Buchstaben ein männliches statt sächliches Geschlecht: Dor A, dor B, dor C usw., was aber durch den standarddeutschen Sprachdruck weitgehend verschwunden ist.

Verbalformen [Bearbeiten]

a) Infinitiv Präsens: Er endet auf den Schwa-Laut „a“.
Beispiele: schreiba, macha, fenda (finden), hälfa (helfen) usw. Das klassische Schwäbisch hat auch einige einsilbige Infinitive bewahrt, die es im Althochdeutschen gab[16], aber nicht mehr im Standarddeutschen gibt. Sie werden parallel zu den entsprechenden zweisilbigen Infinitiven gebraucht.
Beispiele: gao/ganga (gehen), schdao/schdanda (stehen), dra/draga (tragen), gäa/gäbba (geben), lao/lassa (lassen).
Gleiche Kurzformen finden sich auch im Plattdeutschen, z. Bsp. als gahn (gehen), stan (stehen).

b) Personalendungen: Sie lauten im Indikativ: Singular 1. Person - (endungslos), 2. Person -schd (klassisch) oder -sch (neuschwäbisch), 3. Person -d; der Plural für alle drei Personen einheitlich -ed, hier ganz ähnlich wie im Plattdeutschen.
Beispiele: I schreib/mach, du schreibsch(d)/masch(d), är/sui/s schreibd/machd, mir/ir/se schreibed/mached.
Im Konjunktiv treten, regional differenziert, andere Personalendungen auf.

c) Partizip Perfekt: Es endet bei schwach gebeugten Verben auf -d (regional auch -ed). Bei stark gebeugten Verben gilt die Endung -a (Schwa-laut).
Beispiele für schwache Beugung: gmach(e)d (gemacht), grächned (gerechnet).
Beispiele für starke Beugung: gläasa (gelesen), gschriba (geschrieben).
Auffällig ist, dass sich im Schwäbischen die Bildung des Partizips Perfekt mittels der Vorsilbe ge- (schwäbisch g-) nur teilweise durchgesetzt hat. Sie unterbleibt bei allen Verben, die mit den Lauten bzw. Buchstaben b/p, d/t (auch bei z = ts), g/k (auch qu = kw) beginnen. Dies gilt ähnlich auch für Alemannisch und Bairisch[17]. Das Englische kommt ganz ohne diese Vorsilbe aus, weitgehend auch das Plattdeutsche. Das Standarddeutsche hat mit der Einführung dieser Vorsilbe eine Sonderentwicklung genommen, die es von anderen germanischen Sprachen getrennt hat.
Beispiele (schwäb./engl./dt.): dao/done/getan, danzd/danced/getanzt, bråchd/brought/gebracht.

Zeitformen [Bearbeiten]

a) Zusammengesetztes Perfekt: Die zusammengesetzte Form der Vergangenheit ist im Schwäbischen die Regelform der Vergangenheit. Sie ersetzt auch vollständig die einfache Vergangenheit (Präteritum); letztere gibt es im Schwäbischen nicht. Die Frage, ob es dennoch vom Verbum sein auch das Präteritum war gebe, und dies nicht erst durch neudeutschen Einfluss bedingt sei, ist strittig.[18].
Beispiele (schwäb./dt.): I hao gläasa/ich las, habe gelesen, i hao gmachd/ich tat, habe getan, i be z´ Reidleng gwäa/ich war in Reutlingen, bin in R. gewesen.
Verben der Bewegung und der Ruhe bilden das Perfekt mit sein und nicht wie im Deutschen mit haben.
Beispiele: I be gschdanda/ich habe gestanden, i be gsässa/ich habe gesessen.

b) Plusquamperfekt (Vorvergangenheit): Es wird nach folgender Regel gebildet: Präsens von haben bzw. sein + Partizip Perfekt des Hauptverbs + Partizip Perfekt von haben bzw. sein.
Beispiele (schwäb./dt.): I hao des Audo edd gsäa gheed/ich hatte dieses Auto nicht gesehen, i be ao dort bliba gwäa/ich war auch dort geblieben.

c) Konjunktiv: Der Indikativ Imperfekt fehlt im Schwäbischen vollständig. Der Konjunktiv Imperfekt ist dagegen bei Hilfsverben und Modalverben vorhanden.
Sehr auffällig für Nichtschwaben ist, dass der Konjunktiv des Hilfsverbums werden ganz durch Formen von tun ersetzt wird. Das Verbum tun hat im Schwäbischen die Funktion eines Hilfsverbs; es ist kein Vollverb.
Beispiele für Formen des Konjunktivs Imperfekt (schwäb./dt.): i hedd/ich hätte, wär/wäre, däd/würde, sodd/sollte, keed/könnte, geeng/ginge, wiisd/wüsste u.a.m.
Beispielsätze: I keed des edd/ich könnte das nicht; i hedd des edd kenna/ich hätte das nicht gekonnt.

Weitere Merkmale [Bearbeiten]

  • Die (standardsprachlichen) Endungen „-eln“ und „-ern“ (in würfeln, meckern) werden zu „-lâ“ und „-râ“ (wirflâ, mäggrâ)
  • man wird im Schwäbischen „mâ“ oder „mr“ gesprochen
  • wir wird im Schwäbischen bei Betonung „mir“ gesprochen oder wenn unbetont „mr“, regional auch „miér“. Aus diesem Grund ist der Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ kein Schwäbisch. Schwäbisch wäre: „Mir kennat älles. Außer Hochdeitsch.“
  • Dieselbe Verschiebung von „w“ zu „m“ zeigt sich beim Relativpronomen „wo“, das schwäbisch als „må“ gesprochen wird.
  • Im Gegensatz zum Standarddeutschen keine Akzent- sondern eine Silbensprache. D.h. im Schwäbischen werden Silben nicht nach deren Bedeutung getrennt, sondern nach dem Aspekt eine möglichst „fließende“ Aussprache zu ermöglichen. Bei Wörtern wie „Über'all“ und „Ver'ein“ werden deshalb die Silben anders getrennt: „Ibe'rall“, „Ve'rei(n)“. Um einen besseren Sprachfluss zu ermöglichen, wird im Schwäbischen bei einsilbigen Wörtern oftmals ein Hiatustilgendes ‚n‘ eingefügt. Aus „wo ich“ wird „wo’n’i“ und aus „wie ich“ wird „wia’n’i“.
  • Abweichende Fälle bei bestimmten Verben, z. B. Dativ statt Akkusativ: „I leit dr aa“ (ich rufe dich an).
  • Verben, die im Standarddeutsch reflexiv sind, werden im Schwäbischen z. T. durch nicht-reflexive Umschreibungen ersetzt: sich hinsetzen, sich hinlegen, sich hinstellen wird zu „nâsitzâ“ (hinsitzen), „nâliegâ“ (hinliegen), „nâschdandâ“ (hinstehen), z. B. „D'kansch dahannâ nâsitzâ“ (Du kannst Dich hier hinsetzen). Schwaben, die 'Standardsprache' sprechen, verwenden diese Formen in der standarddeutschen Lautung oft weiter, was im norddeutschen Raum leicht befremdlich wirkt.
  • Die Verwendung einer Form mit -i- auch bei der ersten Person Singular in solchen Verben, die in der Standardsprache -i- in der 2./3. sg. haben („I iss Floësch“ anstatt „i ess Floësch“ bzw. Ich esse Fleisch), vgl. Standarddeutsch „du/er isst“.
  • „wo“ als stets unveränderliches Relativpronomen statt „der, die, das, welcher, welche, welches“. („Dui Frao, må (auch „der må“) i ân Kuss gäbâ hann, …“, auch „gea hao, …“ – ’Die Frau, der ich einen Kuss gegeben habe, …')
  • Die Uhrzeiten „vierdl (drei)“ und „dreivierdl (fenfe/feife)“ bedeuten in anderen Sprachregionen „viertel nach … (zwei)“ und „viertel vor … (fünf)“. Diese Sprechweise kommt (oder kam) aber auch in anderen Regionen vor, z. B. in Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
  • Einige Verben werden in der Mehrzahl auf -nd gebildet. Im kompletten Schwäbischen ist diese Form in den Pluralformen von „haben“ als „hond“ (regional auch händ oder hand) bekannt. In großen Teilen Oberschwabens und der Schwäbischen Alb aber auch bei: geben (gänd), wollen (wänd), gehen (gand,gond) stehen (stand/stond), lassen (länd/land/lond) sehen (sänd) und tun (dänd/dand/dond).
  • Zahlen:
Standarddeutsch Schwäbisch
Eins Ois/Oas
Zwei Zwee (männl.), zwo/zwoa/zwua (weibl.), zwoi/zwoa (sächl.)
Drei Drei(e)/Drui(e)
Vier Viar(e)
Fünf Faef(e) [gespr. wie engl. "five"]/Femf(e)
Sechs Seks(e)
Sieben Sieba(ne)
Acht Aacht(e)
Neun Nai(ne)
Zehn Zäa(ne)
Zwanzig Zwanzg(e)
  • Die Wortbeugung nach Geschlecht bei Verwendung des Wortes Zwei, der Dual: „Zwee Manne, zwoa/zwo Weiber, zwoi Kend“ (2 Männer, 2 Frauen, 2 Kinder). Weiterhin gilt: „Zwoi Leid“ (2 Leute, wenn unklar ist, ob sie sich einem bestimmten Geschlecht zuordnen lassen). „Dia Zwoi hend gheiret“ (die beiden haben geheiratet – wegen der Verschiedenheit der Geschlechter dominiert hier das Neutrum). Diese differenzierten Formen von „zwei“ werden von jüngeren Sprechern allerdings normalerweise nicht mehr verwendet.
  • Fakultative Betonung bei einigen Pronomen (ähnl. wie engl. „a“, wenn es „ei“ ausgesprochen wird): „a / oi Krangger – am / ama Krangga (haud mr ed en’ Angga) – an Krangga“ (Nom.- Dat. – Akk., ein Kranker – einem Kranken – einen Kranken). Dabei wird „oi“ als Zahl verstanden, „a“ als Pronomen. S. auch „ed / edda!“ (nicht / Nicht!, z. B. zu Kindern als Ausruf oder betont am Satzende)
  • Um eine Tätigkeit ausdrücken, zu der man sich unmittelbar begibt, wird das Partikalwort „ge“ verwendet(entstande aus dem Wort „gen“ was seinerseits wiederum aus „gegen“ entstanden ist). Zum Beispiel „i gang ge schaffa (ich gehe zur Arbeit)“ oder „mir goant ge metzga (wir gehen schlachten)“
  • Das Südwestschwäbische weist weitere Besonderheiten aus: Der Konjunktiv I für die Wiedergabe einer wörtlichen Rede wird im Vergleich zum gesprochenen Hochdeutsch sehr häufig verwendet (z. B. „Sie hot gsait sie komm am achte“ für „Sie hat gesagt sie komme um 8 Uhr). Im Gegensatz zum Hochdeutschen verfügt es auch über einen Hilfskonjunktiv I: „därâ“ (z. B. „Se hond gsait se därât am neine kommâ“ für „Sie haben gesagt sie würden um 9 Uhr kommen). Ebenso hat „haben“ mit „häbâ“ eine eigene Konjunktiv I-Form (z. B. „Se hond gsait se häbât koâ Zeit“ für „Sie haben gesagt sie hätten keine Zeit“). Somit lässt sich der Konjunktiv eindeutig vom Konjunktiv II abgrenzen (Se hettât koâ Zeit wenn... ; Se dätât am neine komme wenn...)
  • Beim Vergleichen wird statt des standardsprachlichen „als“ das „wie“ („Ich bin größer wie du“) oder gar die Kombination „als wie“ („Ich bin größer als wie du“) verwendet.
  • Bei der Bildung der Artikel und Demonstrativpronomen ergeben sich große Unterschiede zum Hochdeutschen.
Der bestimmte Artikel
Kasus männlich weiblich sächlich Plural
Nominativ/Akkusativ dr Maa di/de/d Frau es/s Kend di/de/d Mannâ
Dativ âm Maa dâ Frau âm Kend dâ Mannâ
Demonstrativpronomen I (entstanden aus den Artikeln)
Kasus männlich weiblich sächlich Plural
Nominativ/Akkusativ där Maa diâ/dui Frau dees Kend diâ/dui Mannâ
Dativ däm/dem Maa därâ Frau däm/dem Kend dännâ/denne Mannâ
Demonstrativpronomen II (entstanden aus „selbiger“)
Kasus männlich weiblich sächlich Plural
Nominativ/Akkusativ säller Maa sälle Frau säll Kend sälle Mannâ
Dativ sällem Maa sällârâ Frau sällem Kend sällâ/sällânâ Mannâ
Demonstrativpronomen III (entstanden aus „jener“)
Kasus männlich weiblich sächlich Plural
Nominativ/Akkusativ äner Maa äne Frau änes Kend äne Mannâ
Dativ änem Maa änârâ Frau änem Kend änâ Mannâ

Begriffsumdeutungen [Bearbeiten]

Im Schwäbischen haben eine Reihe von auch in der Standardsprache gebräuchlichen Wörtern abweichende Bedeutungen:

  • bei Körperteilen: mit „Fuaß“ wird das Bein bis zum Oberschenkel bezeichnet, das „Kreiz“ (Rücken) umfasst den ganzen Rücken; in äußerst seltenen Fällen werden Hand, Unterarm, Ellbogen und Oberarm bis zum Schultergelenk auch als „Hand“ zusammengefasst, und der „Bauch“ umfasst den ganzen Korpus. Ein Schwabe ist in der Lage, einen Krampf an der Stelle zu bekommen, „wo der Fuß in den Bauch mündet“. (Oder auch: „I han en Wadâkrampf em Fuaß.“)
  • bei Tieren: eine Stubenfliege (Musca domestica) heißt im Schwäbischen „Mugg“ (oder auch „Fluig“), eine Stechmücke (Culicidae) „Schnôg“ (Schnake); für die Mückenfamilie der (nichtstechenden) Tipulidae, die üblicherweise als Schnaken bezeichnet werden, gibt es den Begriff „Mugg“ (in Stuttgart oft auch „Großvater“ genannt, Weberknechte werden als „Habergoes“ bezeichnet.). Der Bedeutungswandel des Worts „Schnake“ ist mittlerweile umgangssprachlich über das Schwäbische hinaus verbreitet. Die Fliegenklatsche heißt auf Schwäbisch „Fluigabätschr“ oder auch „Muggabatschr“ (Mückenbatscher). Für etwas unvorstellbar Kleines oder auch allgemein für „ein bisschen“ wird „Muggaseggele“ verwendet. Wörtlich bedeutet „Muggaseggele“ Zeugungsglied einer Fliege.
  • bei Bewegungsverben:
    • „gângâ“ (gehen) wird nur benutzt, um den Ortswechsel zu beschreiben – gehen als Art der Bewegung heißt im Schwäbischen „laufâ“, laufen heißt „springâ“ (hüpfen heißt „hopfâ“ oder „hopsâ“), springen heißt „sprengâ“ aber auch „juggâ“ (jucken hingegen heißt „beißâ“); schnelles Laufen heißt „rennâ“ oder „sauâ“ (vgl. standardsprachlich „sausen“). Ruft der Schwabe seiner Frau zu „Alde, sau!“, so bezeichnet er sie nicht als weibliches Schwein, sondern weist sie an, schnell zu rennen. Der Begriff „Alde“ bzw. „Aldr“ ist zwar nicht besonders freundlich, unter länger verheirateten Paaren aber durchaus gebräuchlich. Darüber hinaus verwenden häufig Jugendliche die Begriffe „Alde“ bzw. „Aldr“, wenn sie untereinander über ihre Eltern sprechen; wie z. B.: „Mei Aldr hat des au gsaidt.“ (Mein Vater sagte das auch). Sprechen sie über ihre Eltern, meinen also Vater und Mutter, bezeichnen sie diese meist als „[ihre] Leit“ (Leute), z. B. „Sen deine Leit au dâ?“ (Sind deine Eltern auch da?)
    • „gângâ lâu!“ oder „Gâu lâu!“ (gehen lassen!/Imperativ) ist nicht im Sinne eines Ortswechsels zu verstehen, sondern kommt vom „Teig gehen lassen“, also „ruhen lassen“. D. h. Sagt ein Schwabe: „Oh verreck, wenn’s so isch, ôifach gâu lâu“ meint er: „So ein Mist, wenn das so ist, einfach in Ruhe lassen“
    • Hingegen: „I muâß jetzêtt ‚gâu gâu‘!“ Hier bedeutet das erste „gâu“ = „gleich“, das zweite = „gehen“. Also: „Ich muss jetzt ‚gleich gehen‘!“
  • „bald“ erhält die Bedeutung des standarddeutschen „früh“ und ist auch steigerbar: „I muss morgâ fei bald aufschdandâ ond mai Mâ no bäldr!“ (Ich muss morgen aber früh aufstehen und mein Mann noch früher!)
  • „G’schwend“ (geschwind) wird im schwäbischen nicht zur Definition einer Geschwindigkeit benutzt, sondern um einen Zeitabstand zu verdeutlichen: z. B. „Komsch du (oder ‚dâu‘) mol gschwênd?“ = „Kommst du mal kurz?“
  • halten heißt im Schwäbischen „hebâ“ (das gilt für „halten“ sowohl im Sinne von „festhalten“ als auch im Sinne von „haltbar sein, nicht verderben“)
  • heben heißt „lupfâ“ (ein Nagel in der Wand „hebd“ das Bild, während der Stuhl auf den Tisch „glupfd“ wird.).
  • Uffhebâ bedeutet sowohl das Aufbewahren einer Sache, als auch das Heben eines Gegenstandes von einer niedereren Ebene (Boden) auf eine höhere Ebene. Die Kombination des Begriffes in der Dialektischen Aufhebung konnte nur vom Schwaben Hegel so formuliert werden.
  • Sitzen heißt im Schwäbischen „hoggâ“ und kommt vom standardsprachlichen „hocken“ (im Sinne von „in die Hocke gehen“)
  • Die standardsprachliche Marmelade nennt der Schwabe „G'sälz“, während er „dr (=den) Buddr“ (die Butter, man beachte den im Schwäbischen vom Standarddeutschen verschiedenen Genus) drunterstreicht.
  • arbeiten heißt im Schwäbischen „schaffâ“ und schaffen „machâ“, während für machen oftmals doa/dua (tun) verwendet wird.
  • In einigen Regionen gibt es auch Entdifferenzierungen von Farbattributen: helles Orange, Ocker, und Hellbraun werden oft zu „gäal“ (Gelb) zusammengefasst, dunkles Orange, Rot, Rosa oder Violett dagegen heißen „roâd“ oder „rood“ (Rot), analog werden Grautöne schon bei mittlerer Helligkeitsintensität als „schwarz“ bezeichnet.
  • wir heißt im Schwäbischen „mir“: „Mir kennât älles, bloß koe Hochdeitsch“ (Wir können alles außer Hochdeutsch) – „Mir kennad au Hochdeitsch, mir wellad bloß ned“ (Honoratiorenschwäbisch: Wir können auch Hochdeutsch, wir wollen bloß nicht).
  • bei Haushaltsgegenständen: Mit „Debbich“ (Teppich) wird auch eine (Woll-)Decke bezeichnet, die zum Zudecken geeignet ist.
  • (Aussprache näher am ‚a‘) steht im Schwäbischen für hin (von „nach“); z. B. Gugg net lang, gang nâ! – Starr nicht in die Luft, geh hin!. Des Weiteren steht (Aussprache zwischen ‚a‘ und ‚o‘) für „dann“, „denn“, und in anderen Bedeutungen. Es ist damit ein im Schwäbischen besonders häufiges und charakteristisches Wort. So ergibt sich eine fein abgestufte Kette von ‚a‘ bis ‚o‘: na=hinab, =hin, =dann, =noch.
  • langâ wird als Verb gebraucht und bedeutet „etwas mit den Händen anfassen“; z. B. Schwätz net lang, lang nâ! – Rede nicht lange, packe zu!
  • Eine andere Bedeutung von langâ ist „schlagen“ i. S von „Eine schmieren“: „I lang dr glei Oina“
  • 'Schlagen' ist aber durchaus ebenso gebräuchlich, z. B. „Ich schlage dir auf den Kopf“: „I schla dr and Battrie nâ!“ (wörtlich: „Ich schlage Dir an die Batterie hin!“)
  • Schließlich kann langâ auch „ausreichen“ bedeuten: „'etzt langt’s abb'r!“ („Jetzt reicht’s aber!“)
  • schmeggâ kann neben „schmecken“ auch „riechen“ bedeuten.
  • Auch bezüglich des Geisteszustandes von einzelnen Personen gibt es Umdeutungen. So wird eine g’schuggde (geschuckte) Person auch als ned ganz bacha (halbgebacken) bezeichnet.
  • Der Mittag geht im Schwäbischen von 12 bis 17 oder 18 Uhr, da die Begriffe „Vormittag“ und „Nachmittag“ nicht existieren. Es gibt also nur den Morgen, den Mittag, den Abend und die Nacht.[19]
  • fai (fein) verstärkt eine Aussage oder betont einen Aspekt. Man könnte es in der Standardsprache manchmal durch „wirklich“ oder „aber“ ersetzen. So entspräche „Des gôht fai et, was Sia dô probierat!“ dem standarddeutschen Satz „Das geht aber nicht, was Sie da versuchen!“. Im Satz „Der isch fai z’schnell gfahrá.“ erfüllt fai dagegen eine betonende Rolle: Wäre bei einem Autounfall die Schuldfrage beispielsweise ungeklärt, würde dieser Satz die Aussage „Er ist zu schnell gefahren“ mit dem impliziten Hinweis verbinden, dass dies einen Einfluss auf die Schuldfrage hat. Eine weitere Steigerung ergibt sich dann durch die Kombination mit „wirklich“: „Der isch aber fai wirklich z’schnell gfahrá“.
  • ha noi wird wie ein Wort gesprochen und müsste im Standarddeutschen am ehesten einem „Ha, nein“ entsprechen. Die Übertragung mit „Ach, nein“ wäre ungenau, weil sie eine Art halberschrockenes Erstaunen nicht präzise wiedergeben kann.
  • Bezeichnet der Schwabe des Kerle, so meint er nicht einen grobschlächtigen „Kerl“, sondern in der Bedeutung von „Knabe“ einen „Jungen“: „Kerle, ...“ drückt also Besorgnis aus wie ein standarddeutsches „Mensch Junge“ oder „Junge, ...“. Dabei ist ein „Kerle“ in entsprechender Abgrenzung auch kein „Mâ“: „Bisch ja koi Kerle meh, bisch'a en Mâ.“ ist Abgrenzung.
  • Das Adjektiv frech ist im Schwäbischen stärker, bedeutet (noch immer) „unverschämt“. Die im Standarddeutschen immerhin mögliche Abschwächung zur Charakterisierung eines annähernd sympathischen Lausbuben ist nicht in vergleichbarer Weise vorhanden.

Dialektgruppen und Regionales [Bearbeiten]

Dialektgruppen:

  • Niederschwäbisch (Neckarschwäbisch, Unterschwäbisch) im oberen und mittleren Neckartal und den angrenzenden Gebieten (Schwäbische Alb, Ostschwarzwald): Gwä, Gwäâ
  • Oberschwäbisch in Baden-Württemberg südlich der schwäbischen Alb und im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben (südlicher Übergang zum nieder- und hochalemannischen Gsi über Gsai)
  • Ostschwäbisch in der Region Ostwürttemberg und im bayerischen Landkreis Donau-Ries (etwa zwischen Ulm, Donauwörth, Dinkelsbühl und Schwäbisch Gmünd; Niederschwäbisch mit Übergang zu Oberschwäbisch)
    • Rieser Schwäbisch – eine Dialektform, die deutliche Anklänge an das Neckarschwäbische zeigt, jedoch deutlich davon verschieden ist: so sagt der Rieser nicht „Do hanna“, sondern „do dranna“, wenn er „da dort“ meint.
  • Allgäuerisch (Tiroler Schwäbisch) in den Landkreisen Ober- und Ost-Allgäu, auch verwendet in angrenzenden Gebieten Tirols (Lechtal, Außerfern), Vorarlbergs und Oberbayerns (Lechrain); klar getrennt vom niederalemannischen Allgäuerisch des südlichen Landkreises Oberallgäu und des Landkreises Lindau durch die Wiib-Weib-Linie
  • Enztalschwäbisch, teilweise auch als Enztalfränkisch bezeichnet, spricht man im oberen Enztal südlich Pforzheim und im unteren Nagoldtal von Calw an abwärts. Es handelt sich um ein ursprünglich fränkisches Siedlungsgebiet, das stark schwäbisch überformt wurde. Der fränkische Ursprung zeigt sich noch beispielhaft in Formulierungen wie „I haa gsaa“ (schwäbisch „I hao gsaed“, deutsch „Ich habe gesagt“). Die alte historische Grenzlinie zwischen schwäbischer und fränkischer Mundart in diesem Bereich findet sich bei Karl Bohnenberger[20]
Einteilung von West nach Ost:
Standarddeutsch Westen Zentral Osten
Straße (althochdeutsches ā) Strôß Strôß Strauß
groß (langes o) graoß graoß groaß/groß
Schnee (langes e) Schnae Schnae Schnea
Stein (althochdeutsches ai) Stoa Stoe Stoe
Einteilung von Nord nach Süd:
Standarddeutsch Norden Süden
Flasche (e-Endung bei Substantiven) Flasch Flascha
gefragt (Endung im Perfekt ) gfrôgt gfrôgat
Vatter (t/p/k im Mittellaut ) Vaddr Vattr
neu (altchochdeutsch iu) nei nui
nicht ned(a)/ed(a) it(a)

Regionale Herkunft:
Schwäbischexperten können die Herkunft einer Person von der Schwäbischen Alb dank ihres Dialekts überraschend zuverlässig genau einem Ort (schwäbisch „Fleggâ“) zuordnen. Dabei spielt u. a. die Aussprache von „nicht“ als „nedd“, „nedda“, „edd“, „edda“, „nitt“, „idd“, „idda“, „itt“ oder „itta“ eine Rolle. Diese Feinheiten verschwinden in der Sprachkultur der jüngeren Generationen immer mehr. Die Unterschiede zeigen sich auch darin, dass selbst eingeborene Stuttgarter kaum einen Satz verstehen, wenn ein sogenannter Älbler richtig loslegt. Das Albschwäbisch ist gekennzeichnet durch einen melodiösen Singsang in der Sprache. Ein Merkmal des Albschwäbischen ist teilweise der Gebrauch des Konjunktivs anstelle des Indikativs: „mir häbe“ (neben hand); „siâ sêie“ (neben send) – hochdt.: wir haben; sie sind. In diesem Zusammenhang interessant ist auch die unterschiedliche Färbung des Schwäbischen je nach Religionszugehörigkeit des Sprechenden. In den altwürttembergisch = evangelischen (lutherischen) Orten ist die Aussprache einiger Wörter anders als in den katholischen Orten. Th. Troll führt das auf den Predigtstil der Pfarrer zurück. Beispiele:

  • kath.: Lehrer, Seele, Ehre – evang.: Lährer, Sähle, Ähre
  • kath.: Vaddr mit kurzem A (für Vater) – evang.: Vahder mit langem A

Übergang zum Bodenseealemannischen:
In Oberschwaben, insbesondere aber am badischen Ufer des Bodensees, wird der alemannische Einfluss stärker. So findet man in dieser Region häufig das Fehlen der neuhochdeutschen Diphthongierung (z. Bsp. „Ziit“ statt „Zeid“ = hochdt. Zeit) und viele Gemeinsamkeiten mit dem Südbadischen und Schweizerdeutschen. Dies gilt auch für die Dialekte des Allgäus, das großteils zu Bayern gehört. Der im Tiroler Außerfern um die Bezirksstadt Reutte gesprochene Dialekt entspricht weitgehend der Oberallgäuer Mundart und wird von den Einheimischen ebenso meist Schwäbisch genannt (Tiroler Schwaben).

Bezeichnungen der Bewegungsrichtung
Weitere Hinweise auf die Herkunft und den Grad der lokalen Verbundenheit einer Person kann für den Eingeweihten die Eigenart des Schwäbischen sein, an Bezeichnungen eines Bewegungsvorganges von einem Ort zum anderen, zumeist eine nähere Beschreibung der Art und Weise, wie dies geschieht, anzuhängen. Beispielsweise fährt man von Ravensburg an den Bodensee „nôndr“ oder „ná“ (hinunter), von Ulm nach Geislingen „niâbr“, seltener „ná“ (hinüber oder hinunter) und von Tübingen nach Münsingen „nauf“ (hinauf). Kleinere Entfernungen ohne große Höhenunterschiede werden hingegen mit „nôm“ oder „niâbr“ (das daher zweideutig ist) bezeichnet. Betrachtet man diese Routen auf der Landkarte haben diese Richtungs- bzw. Höhenangaben in der genannten Form, und vom jeweiligen Ausgangs zum Endpunkt der Bewegung gesehen auch Sinn. Eigentümlicherweise werden sie aber von Schwaben meist auch verwendet, wenn sie Standardsprache sprechen und sich eine Person in einer ganz anderen geographischen Konstellation (z. B. in Hamburg) befindet. Von dort aus liegt ganz Schwaben oben, d. h. höher (auch wenn die Hamburger meinen es liegt - auf der Landkarte - unten). Dennoch bleibt für einen Älbler das Neckartal und Oberschwaben „unten“, die Alb hingegen „oben“ und ein Oberschwabe fährt an den Bodensee „nôndr“. Kombiniert man daher dialektale Eigenheiten mit diesen Richtungsangaben, kann, sofern einem die ungefähre Geographie der Gegend bekannt ist, die Herkunft einer schwäbisch sprechenden Person meist auf wenige Kilometer (manchmal sogar auf wenige hundert Meter) genau festgelegt werden, da der Schwabe die Welt in aller Regel von seinem Heimatort aus gesehen in „Oben“ und „Unten“ einteilt.

Die Bewegungsrichtungen und Ortsbestimmungen im Schwäbischen:

Wenn sich etwas nah bei jemandem befindet bzw. sich wegbewegt Wenn etwas entfernt ist bzw. sich herbewegt
dô = da/hier det = dort
dô hanna = hier/ genau hier det danna/dranna = dort dran/ genau dort
nab/nah = hinab rab/rah= herab
nondr = hinunter rondr = herunter
honna = herunten/ hier unten donna = drunten/ dort unten
nuff/nauf = hinauf ruff/rauf = herauf
hob/hoba = heroben/ hier oben dob/doba/drob/droba = droben/ dort oben
herna/hiba = herüben/ hier drüben derna/diba/driba = drüben/ dort drüben
nomm/niibr = hinüber romm/riibr = herum/ herüber
nei = hinein rei = herein
henna = herinnen/ hier drinnen denna/drenna = drinnen/ dort drinnen
naus = hinaus raus = heraus
huss/ hussa = heraußen/ hier draußen duss/dussa = draußen/ dort draußen

Befindet sich zum Beispiel Person A im Inneren eines Hauses und Person B außerhalb, dann sagt A: „I bee henna, ond du bisch dussa“, während B in derselben Situation sagt: „I bee hussa, on du bisch drenna.“

Regionales Vokabular
In vielen Gemeinden gibt es Spitznamen für die Einwohner wie z. B. Spandale, Spältleskucker oder Loable, die mit der eigentlichen Ortsbezeichnung nichts gemein haben (s. Ortsnecknamen). Diese Namen finden auch oft in den Namen von Narrenzünften Verwendung.

Personen, die von nördlich des oberdeutschen Sprachraums herziehen, werden als „Zuagreisde“ (Zugereiste) oder „Neigschmeggde“ (Reingeschmeckte) bezeichnet, was als ein Makel gilt, der frühestens – wenn überhaupt – nach mehreren Jahrzehnten oder gar Generationen der Integration behoben werden kann. Personen aus einem anderen „Flegga“ (Dorf) werden als „Raigschmeggde“ (Hereingerochene) bezeichnet. Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch die Vielfalt scheinbarer Schimpfworte. So hat das Wort „Siach“, das in seiner sekundären Form in der Standardsprache so viel wie Strolch heißen würde, mehrere Bedeutungen, von denen auch einige positiv sind. Da dies stark von der Betonung abhängt, ist es vor allem für „Zuagreisde“ eher schwierig, sich einzuleben. Der sogenannte Schwäbische Gruß (das Götz-Zitat „Legg me am Arsch!“) kann, nach Thaddäus Troll, zahlreiche Bedeutungen haben und klingt in den Ohren Einheimischer oft weniger beleidigend als für „Zuagreisde“, beispielsweise ist es auch Ausdruck allergrößten Erstaunens.

Ähnliches gilt auch für das höchst umfangreiche schwäbisch-kulinarische Vokabular. Für „Zuagreisde“ haben zahlreiche schwäbische Speise-Bezeichnungen einen geradezu widersinnigen, ans Pornographische oder Ekelerregende grenzenden „Beigeschmack“. So sind „Nônnafürzlá“ „Bärádatzá“, „Knuikieáchles“, und „Muggabätsch’r“ (hdt. „Nonnenfürzlein“, „Bärentatzen“, „Knieküchlein“ und „Fliegenklatsche“) nichts anderes als bestimmte Süßspeisen. „Buabaschbitzlá“ bzw. „naggede Marieala“ (hdt. „präpubertäres männliches Geschlechtsteil“ und „Nackte Madonnen“) sind keinesfalls als Entlehnungen aus dem obszönen Sprachschatz der Schwaben (der ein Kapitel für sich darstellt) misszuverstehen, sondern regional unterschiedliche Bezeichnungen für die inzwischen auch über Schwaben hinaus bekannten „Schupfnudeln“ (mit Kartoffeln (schwäb. „Erdepfl“ „Ebiará“ oder „Grommbiará“) gestreckte Teignudeln). „Laubfresch“ (hdt. „Laubfrösche“) bezeichnen um Ulm herum eine bestimmte Art von in Mangoldbätter eingeschlagene Fleischroulade (wiewohl man hier nicht völlig ausschließen kann, dass es sich um „echte“ Froschschenkel handeln könnte) und wenn man „á g’schmelzdá Wasserleich’ em Grombierásalaad“ (hdt. „eine geröstete Wasserleiche im Kartoffelsalat“) vorgesetzt bekommt, ist das nichts anderes als eine, meist mit gerösteten Zwiebelringen servierte, angeröstete Maultasche auf Kartoffelsalat.

Vor allem in Oberschwaben, als stark landwirtschaftlich geprägte Region, existieren zahlreiche Wörter, die sich auf Dinge und Vorgänge des bäuerlichen Alltags beziehen. So ist feuchter Schmutz, der auf eine Oberfläche spritzt, antrocknet und festklebt „nachbichád“. Hingegen ist Schmutz, der sich am Körper von Tieren bildet, wenn sie in Schlamm oder Mist lagen „(nâ)-kladdrád“. Ein Kalb, das kurz vor der Geschlechtsreife steht, ist ein „Jommbá“ oder „Môggale“ (letzteres kann allerdings auch „Kiefernzapfen“ bedeuten). Eine geschlechtsreife Kuh, die noch kein Kalb geboren hat und deshalb noch keine Milch gibt, ist eine „Boschá“ (letzteres kann auch „Busch“ bedeuten). Ein Bulle, der zu jung ist, um zur Besamung eingesetzt zu werden, ein „Hähgalé“. Viele dieser Bezeichnungen beziehen sich auf besondere physikalische Eigenschaften, Bewegungsarten oder Verhaltensweisen, für die das Schwäbische überaus differenzierte Bezeichnungen bereithält. In Form von Verben der Bewegung werden diese Begriffe gelegentlich auch auf menschliche Handlungen übertragen. Etwas „häahglad“ oder gar „häahlengád“ zu tun, bedeutet es „heimlich“ oder zumindest „versteckt“ zu tun (vgl. das „Nachsteigen“ des Jungbullen hinter den Kühen, hinter dem Rücken des eigentlich hierfür „zuständigen“ Stiers). „jombá“ oder „gombá“ bedeutet als Verb so viel wie „hüpfen“ oder „springen“, ähnlich, wie dies junge Kälber tun. Als Substantiv gebraucht ist ein „Gombá“ eine Vertiefung innerhalb eines Flusses oder kleinen Sees (teilweise auch der ganze kleine See oder Teich, sofern er tief genug ist) in den man gefahrlos „naigômbá“ also „hineinspringen“ kann.

Kuriosa [Bearbeiten]

Werbung auf schwäbisch: „Halten Sie sich links, wenn Sie nach Stuttgart wollen.“
Hinweisschild auf Schwäbisch: „Den Kreuzweg dürfen wir nicht hinunter (reiten)“

Die in dieser Rubrik aufgeführten Redewendungen und Sprüche gehören in aller Regel zur Jux- und Spaßliteratur. Das heißt, sie gehören nicht zur tatsächlichen Alltagssprache, sondern sind künstlich zurechtgemacht und wollen erheitern oder verwirren. Als Stilmittel dienen bevorzugt Alliterationen, zungenbrecherische Wortkombinationen oder das Spielen mit den zahlreichen schwäbischen Vokalvariationen, die über den Vokalbestand des standardisierten Deutsch hinausgehen. Für deren Schreibung gibt es keine Regeln (wie schreibt man nasalierte und eingedunkelte Vokale und wie die Schwa-Laute?). Einige wenige Formulierungen kommen dagegen durchaus in der Alltagssprache vor und werden jeweils situationsangepasst variiert.

Formulierungen aus der Alltagssprache:

  • "Send d´ Henna henna?", alliterierend ("Sind die Hühner hinnen? (gemeint ist: im Stall?))
  • "Dor Abbarad ra tra", alliterierend ("Den Apparat herunter tragen")
  • "En a Gugg nae gugga", alliterierend ("In eine Tüte hinein schauen")
  • "Må ganga-mor nå no nã?", lautmalerisch ("Wo gehen wir dann noch hin?")
  • "Mål amål a Mãle nã!", lautmalerisch ("Male mal ein Männchen hin!")

Althergebrachte volkstümliche Formulierungen:

  • „Schället se edd an sällere Schäll, sälle Schäll schällt edd. Schället se an sällere Schäll, sälle Schäll schällt.“ ('Schäll' heißt 'Klingel', 'schällâ' 'klingeln' und ’sälle' heißt 'selbige'.)
  •  »'s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei.«[21] ("Es liegt ein Klötzlein Blei gleich bei Blaubeuren, gleich bei Blaubeuren liegt ein Klötzlein Blei")
  • „In Ulm, um Ulm und um Ulm herum". (Ein standardeutscher[22], kein schwäbischer Zungenbrecher).

Formulierungen aus der Spaßliteratur:

  • „Dr Babschd hôt s’Schbätzlesbschtegg zschbäd bschdelld.“ (Der Papst hat das Spätzle-Besteck zu spät bestellt.)
  • „s’Rad ra draga ond s’Kreiz õschlaga“ (das Rad heruntertragen, und das Kreuz anschlagen. das õ dabei nasal – etwa Richtung ö und ä – also Albschwäbisch aussprechen)
  • „I han âmôl oen kennd khedd, der hôdd oene kennd. Dui hôdd a Kend khedd, dees hôdd se abbr edd vo sällam khedd. Där hot nemlich nemme kennd khedd. Se hôdd abbr no an andârâ kennd khedd. Där hôdd no kennd khedd. Ond wenns se deen nedd khennd khedd hedd, nô hedd se koe Kend khedd.“ (Ich habe einmal einen gekannt [gehabt], der hat eine gekannt. Die hat ein Kind gehabt, das hat sie aber nicht von diesem gehabt. Der hat nämlich nicht mehr gekonnt [gehabt]. Sie hat aber noch einen anderen gekannt [gehabt]. Der hat noch gekonnt [gehabt]. Und wenn sie diesen nicht gekannt hätte, dann hätte sie kein Kind gehabt.)
  • „Hitza hotse, saidse, häbse und bei Nacht so Schwitza miasdse, saidse, därse.“ (Die Hitze hat sie, sagt sie, habe sie und bei Nacht so Schwitzen müsse sie, sagt sie, tue sie.)
  • „Isch der älle älle? Wer war do do? (Ist der alle alle [leer]? Wer war da hier? [Eine Werbung für Honig])
  • „Oi äu!“ (Ein Ei!)
  • „Hosch au a oâhgnähm grea âhgschdrichas Gardadierle?“ (Hast du auch ein unangenehm grün angestrichenes Gartentürchen?)
  • „Dahoggeddiemo(wo)emmerdahogged“ (Hier sitzen die, die immer hier sitzen) Besitzanspruch auf einen Stammtisch in der Kneipe, meist durchgehend geschrieben um zu verwirren.
  • „Schuggschdumi schuggidi“ (Schubst du mich, schubs ich dich)
  • „Moisch d'mõgsch Moschd? Mõgsch Moschd, mõgsch mi.“ (Meinst du, du magst (Apfel-)Most? Magst du Most, magst du mich.)

Eigenständiges Vokabular im Schwäbischen [Bearbeiten]

Aufkleber einer Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg

Eine Vielzahl an schwäbischen Wörtern/Vokabeln (vor allem von der älteren Generation gebraucht) haben in der Standardsprache keine Entsprechung. (Daher rühren die Wörterbücher „Schwäbisch – Deutsch“). Von den nachfolgenden zahlreichen Beispielen sind allerdings eine größere Anzahl nicht im gesamten schwäbischen Sprachraum, sondern nur regional verbreitet.

Substantive (Grammatikalisches Geschlecht: f=weiblich, m=männlich, n=sächlich)

  • Bäbb = Klebstoff; wird aber auch als Umschreibung für „Unsinn“ verwendet („Schwätz koin Bäbb!“) [23]
  • Bäbber (m) = Aufkleber, Sticker, Klebeetikett
  • Batsch (m) = (Hand-)Schlag
  • Bebbeleskehl = Rosenkohl
  • Behne = Dachboden (von Bühne)
  • Bettfläscha = Wärmeflasche
  • Blafo (m) = Zimmerdecke (von frz. le plafond)
  • Blätzla = Weihnachtsgebäck
  • Blôdr = Blase, insbesondere Schweinsblase, Schimpfwort
  • Bulldog = Traktor (der von der Produktbezeichnung Lanz Bulldog abgeleitete Gattungsname für Traktoren wird im Schwäbischen teilweise immer noch verwendet)
  • Butzawackerle = kleiner Knirps, schmeichelnd oder höhnisch
  • Butzastenkl = Purzelbaum
  • Breedla (n)= Keks/Weihnachtsgebäck
  • Breschdleng (m) = Erdbeere, Erdbeeren
  • Brockela/Brogala = Erbsen
  • Debbich (m) = Decke (zum Zudecken) (von Teppich); selbst für Tischdecke gebräuchlich
  • Dreibla = Johannisbeeren (von „Träuble“ → kleine Trauben)
  • Disch = Tisch
  • Droid = Getreide
  • Fuaß (Fiaß) = Bein(e), einschließlich der Füße
  • Gaudi = Spaß
  • Gluf = Stecknadel, Sicherheitsnadel (Glufâmichl = etwas trotteliger männlicher Mensch)
  • Glump/Glomp = Gerümpel, Schrott, Unbrauchbares, qualitativ Minderwertiges (von "Gelumpe")
  • Grädda/Gradda/Kradda m = Weidenkorb mit 1 Henkel (mit 2 Henkeln siehe Zonn)
  • Grend = Kopf
  • Grommbira/Grommbierên = Kartoffeln – eigentlich Grund-Birnen[24], auch Ebira/Äbbihra/Oibira/Bohdabiara (Erdbirnen) genannt (vgl. sächsisch „Abern“)
  • Gruuschd = Kram, Zeug
  • Gsälz (n) = Marmelade, dementsprechend ist ein „Breschdlengsgsälz“ eine Erdbeermarmelade (vgl. oben „Breschdleng“)
  • Guggê/Gugg/Guggl/Gschdaddl (Mehrzahl gugga (nördlich Var.)/ guckana (südliche Var.)) = eine Tüte aus Papier oder Kunststoff. Wortherkunft wie: Gugel
  • Guatsle/Gutzlê = Weihnachtsgebäck (regional auch Bonbon/Süßigkeit)
  • Häägamarg = Hagebuttenmus (als süßer Brotaufstrich)
  • Häggr = Schluckauf
  • heidenai! = der Brüller!
  • Heedscha, Heedsched, Heedschich = Handschuhe
  • Hengala = Himbeeren
  • Hoggedse oder Hoggade (f) = Straßenfest (v. „da hocken sie“)
  • Holga = Bilder (v. Heiligenbilder)
  • Hoob = Hackmesser, Hippe
  • Kanapee = Sofa (frz. canapé)
  • Kandel = Rinnstein
  • Kehrwisch, Kaerawisch = Kehrbesen
  • Kobbr = Rülpser
  • Kries(e)= Kirschen
  • Kuddr = Kehrricht
  • Kuddrschaufl = Schaufel zum Aufnehmen des Kehrichts
  • Maurochen = Morchel
  • Meggl = Kopf
  • Muggaseggele (n) = Kleinstes schwäbisches Längenmaß (Wörtlich „Fliegenpenis“)
  • Poader (m) = Kugel
  • Poadranuschter (m) = Kugelkette (lat.: paternoster; Rosenkranz)
  • Pfutzger = Furz
  • Quadde = Maikäferlarve
  • Schässlo = Sofa (frz. chaise longue)
  • Schranna = Biergarnitur
  • Schmarra = Unfug, Unsinn
  • Suddrae/Suddrä m = Keller (frz. sous-terrain)
  • Schietê(n) = großer Korb, meist Holztragekorb (von „schütten“ i. S. „ausleeren“)
  • Schoiß = Furz
  • Zeischdig/Daeschdich m = Dienstag
  • Wegga m/Weggle n = Brötchen
  • Weffzg f = Wespe
  • Zibeb f = Rosine (vom arabischen zabiba [25])
  • Zonn/Zoana/Zoina f = Weidenkorb mit 2 Henkeln (mit 1 Henkel siehe Grädda]

Verben

  • bäbbâ = kleben
  • batschâ = klatschen, applaudieren oder auch schlagen. I bätsch dir oine bedeutet auch „Ich schlage dich.“
  • bampa = auf's klo gehen / kacken (Ausdrück wird meist Kindern gegenüber verwendet)
  • beigâ(n) = stapeln (von der Beige, dem Stapel)
  • bledla = lustig sein
  • blecklâ = stürzen
  • blodzâ = hinfallen, stürzen (z. B. als Frage an ein Kind: „Bisch nâblodzd?“ = „Bist Du hingefallen?“)
  • bogglâ = fallen
  • bronzâ = pinkeln / urinieren
  • bruddlâ = etwa „halblaut vor sich hin schimpfen“ (vgl. Luxemburgisch: „braddelen“)
  • driâlâ = sabbern, trielen, übertragen auch: trödeln
  • firbâ = fegen
  • flack(â) = sich hinlegen, daliegen
  • fußlâ = zügig laufen (langsamer als „schbrengâ“)
  • gampâ = schwanken, schaukeln. Speziell auch das Hinundherbewegen der Beine. Kann auch im Sitzen erfolgen. Spezialfall: Von einem Fuß auf den anderen treten (meist bei voller Blase). Teilweise auch: springen, siehe Volkslied [26]
  • gigampfa = auf dem Stuhl wippen
  • hebâ = etwas halten, nicht heben! (vgl. lupfâ)
  • hoschdubâ = tratschen
  • hudlâ = sich beeilen (von „Huddel“, einem im Backhaus eingesetzten feuchten Lappen zum Auswischen des Holzofens zur Entfernung der glühenden Kohlereste vor dem Einsetzen der Brotlaibe; dieser durfte natürlich nicht verbrennen und wurde dementsprechend schnell bewegt)
  • hurglâ = kugeln
  • keiâ = werfen
  • kobba = rülpsen
  • loiba = verschwenden, (Essen) übrig lassen
  • losâ/losnâ/losânâ/lusâ = (hin-)hören/lauschen
  • luagâ = schauen (vgl. engl. look; ogle)
  • lupfâ = (hoch-)heben (vgl. engl. lift)
  • sauâ = rennen (Im Schwäbischen darf der Trainer einem Spieler jederzeit ein „Sau!“ zurufen. Dieser Zuruf ist keine Beleidigung, sondern eine Aufforderung zu höchster Anstrengung beim Sprinten)
  • soichâ = regnen, urinieren, tröpfeln (auch für auslaufende Gefäße verwendet)
  • schbrengâ = (von springen), bedeutet jedoch rennen
  • schlotzâ = lecken (z. B. ein Eis schlotzâ), trinken
  • schnäddrâ = rattern, klingen
  • schwätzâ = reden, sprechen, plaudern
  • wargla = drehen, wälzen; kugeln. Siehe auch hurgla

Adjektive und Adverbien

  • gotzig/gotzich = einzig
  • gär = steil (vgl. Schweizerdeutsch gärch)
  • hälengâ = heimlich
  • hee/heenich = kaputt (es ist (da)hin)
  • pääb/b'häb = sehr nah, sehr knapp (auch: krumm)
  • schäbbs = schief
  • gau = bald
  • gladd = lustig, komisch, merkwürdig (vgl. engl. „glad“=„froh“) - kann mit der Vorsilbe „sau“ gesteigert werden („De’sch [j]a saugladd!“ = „Das ist ja sehr lustig!“)
  • äbber/äpper/jäapper = jemand
  • äbbes/ /äppes/ jäappes = etwas
  • wisawi = gegenüber (aus dem Französischen: „vis à vis“)

Präpositionen

  • nah/nabe = hinab
  • rah= herab
  • nôndr/nab = hinunter (z. B. in „Des isch nôndrg'hagld.“ = „Das ist hinuntergefallen.“)
  • rôndr/rah = herunter
  • nomm/omme/nibr = hinüber
  • romm/ribr = herüber
  • uff, uffe, nuff = hinauf
  • ruff = herauf
  • naus = hinaus
  • raus = heraus
  • nei = hinein
  • rei = herein
  • hent(e)re = nach hinten
  • hentresche = rückwärts
  • fiare, ferre = nach vorne
  • fiarasche = vorwärts
  • dur = durch
  • dure = hindurch
  • äll häck = regelmäßig
  • äll(a)mol/äml = manchmal
  • (irgend) oima/amma/omma/wamma = (irgend)wem, (irgend)einem
  • ällaweil/äwe = immer
  • allat (Ällgauerisch/Vorarlbergerisch) = immer
  • ge = nach/ gegen/ gen (Schweizerdeutsch gi/go)
  • z = zu / zum
  • afanga = mittlerweile
  • derbies = als bald
  • z'mol(s) = auf einmal, plötzlich
  • diemol = neulich, letztens
  • sellmol = damals
  • omanand = umher, umeinander

Sonstiges

  • Källerätälle? = wie viel Uhr ist es? (v. frz. Quelle heure est-il?)

Mischformen [Bearbeiten]

Was früher als Honoratiorenschwäbisch bezeichnet wurde und eher als Manierismus galt, ist heute eine weitverbreitete Anverwandlung des Schwäbischen an standardsprachliches Deutsch. In vielen Situationen werden Mischformen verwendet, die Schriftdeutsch, umgangssprachliches Deutsch und Schwäbisch in verschiedenen Anteilen mischen. Typische Situationen sind solche, in denen reines Schwäbisch nicht verstanden wird, die Standardsprache aber nicht angemessen wäre oder in denen der Sprecher das Gefühl hat, nicht verstanden zu werden, auch wenn die Gegenseite sehr wohl Schwäbisch versteht, oder in Situationen, wo sie dem Gesagten besonderen Nachdruck verleihen will. Zum Beispiel werden sehr häufig im Gespräch mit schwäbischen Kindern Mischformen verwendet („So, jetzt muâsch du dô drückhhen.“ „Ich sag dir des noch einmal.“. „Sascha, „geh’ nicht dahintere“ statt „gang ed dahendre“).

Es gibt verschiedene Mischungsgrade, die die Sprecher sehr genau an ihre Umgebung anpassen müssen. Verwenden sie zu viel Schriftdeutschanteil im Gespräch mit anderen Schwaben, gelten sie als hochgestochen oder bedauernswert korrumpiert und verflacht; verwenden sie zu viel Schwäbisch in einer stärker schriftdeutschsprachigen Umgebung, gelten sie als weitgereiste „Auswärtige“ („Wo kommschen au du her?“), und von Menschen, die unter Mühen Standardsprache als Fremdsprache erlernt haben, werden sie schlichtweg nicht verstanden.

Das Mischen der Sprachen erfolgt nicht zufällig, sondern nach Regeln. Einige davon sind:

  • Verben und Hilfsverben werden schriftdeutsch; typisch ist die Kombination deutscher Wortstamm, schwäbische Endungen („Willsch du noch was thringâ?“ statt „Widd no ebbâs drenggâ?“, „dô haune“ wird „dô hab e“).
  • Betonte Wörter werden schriftdeutsch („Des nemmsch jetzt auch no“).
  • Partikel ohne silbischen Wert werden Vollsilben („sHaus“ wird „des Haus“ („des“ unbetont), „dSchdrôß“ wird „die Schdrôß“/„die Schdraß“/„Die Schdraße“).
  • die Satzbedeutung besonders tragende schwäbische Wörter werden in schriftdeutsche oder den schriftdeutschen ähnlichere gewechselt (Bsp. Negation: „ed“ wird „ned“, „koi“ wird „keine“, „des isch keine guade Idee“).
  • dem Schriftdeutschen allzu unähnliche Varianten werden durch Schriftdeutsch oder dem Schriftdeutschen ähnlichere Varienten ersetzt (Bsp.: „i“ wird „ich“).
  • Zusammenziehungen werden rückgängig gemacht („sdädmr“ „s tät mir“, „däffe?“ wird „Därf e?“/„Därf i“).
  • Das silbische r und l erhalten einen zusätzlichen Vokal („mr“ wird „mir“, „Segl“ wird „Segäl“).
  • Der Satzbau der Schriftsprache wird übernommen.
  • Verben im Infinitiv werden besonders an der Endung ausbetont (siehe bereits oben: „So, jetzt musch du dô drückhen.“). Ähnliches gilt für die Silbe ge in Perfekt-Konjugationen, die im Schwäbischen normalerweise fehlt. Speziell bei dieser Form der Verdeutlichung kommen jedoch z.T. komisch anmutende Kombinationen aus schwäbischen Verben und Satzkonstruktionen mit besonders betonten schriftdeutschen Silben zustande, etwa „Bisch Du nôgeblodzd?“, anstatt „Bisch nôblodzd?“ (zu einem Kind: „Bist Du hingefallen?“) oder „Wenn Sia dia Bôh noh erwischen wellen misset Sia jetzet ab'r fai sauen!“ („Wenn sie die Bahn noch erwischen wollen, müssen Sie jetzt aber ganz schnell laufen!“).

Man kann von einem schwäbischen Satz ausgehen und ihn graduell in die Standardsprache übergehen lassen oder umgekehrt, die Reihenfolge der Ersetzungen kehrt sich dabei jeweils um.

Beispiele:

  • â langor Raejâ (mask.!) - â lângâ Rôi (fem.!) – â lânge Rôie – â lânge Reihe – eine lange Reihe
  • â graoß Feârschdr – â großes Fenschdr – ein großes Fenster

Neuere Tendenzen [Bearbeiten]

  • In den letzten Jahrenzehnten ist eine starke Veränderung hin zum Standarddeutschen zu erkennen. Viele Aussprachemerkmale und Vokabeln sind lediglich noch bei älteren Sprechern in ländlichen Regionen anzutreffen oder schon ausgestorben. Besonders sehr kleinräumige Phänomene (z. B. „Keed“ für „Kind“) sind nicht mehr oft zu hören, während Aussprachemerkmale, die einen sehr großen Radius aufweisen, äußerst lebendig sind (z. B. „sch“ vor „t“ oder das Verkürzen der Vorsilbe „ge“ zu „g“)
  • Es sind in jüngerer Vergangenheit allerdings auch Tendenzen festzustellen, die nicht direkt auf den Einfluss des Standarddeutschen zurückzuführen sind. So kann man oftmals zwischen einer traditionellen und einer neuschwäbischen Form unterscheiden. Beispielsweise wird „I hau“ („Ich habe“) zu „I han“ (ursprünglich Allemanisch/Rheinfränkisch). Ebenso Neuschwäbisch ist das Weglassen des „t“ in der zweiten Person Singular („du bisch“ gegenüber dem traditionellen „du bischt“) und das Weglassen des Schwa-â in vielen Positionen (z. B. „du hetsch“ statt „du hettâscht“ für „du hättest“ oder „hentre“ statt „hentâre“ für „nach hinten“)
  • Des Weiteren ist zu beobachten, dass regionale Eigenheiten oftmals verschwinden und durch großräumigere Aussprachemerkmale ersetzt werden. So wird beispielsweise der westschwäbische oâ-Laut allmählich von dem großräumerigen west- und mittelschwäbischen „oi“ verdrängt.
  • In Bayrisch-Schwaben wird das Schwäbische allmählich vom Bairischen verdrängt. So sagt die jüngere Generation z. B. „ihr habts“ statt „ihr hand“

Schwäbische Mundartdichter und Dialektautoren [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Wörterbücher [Bearbeiten]

(Auswahl, chronologisch sortiert)

  • Johann Christoph von Schmid: Schwäbisches Wörterbuch, mit etymologischen und historischen Anmerkungen, Stuttgart 1831 (Digitalisat)
  • Dionys Kuen: Oberschwäbisches Wörterbuch oder Bauernsprache von mehr als zweitausend Wörtern und Wortformen, Buchau 1844 (Digitalisat eines Faksimiles von 1986)
  • Anton Birlinger: Wörterbüchlein zum Volksthümlichen aus Schwaben, Freiburg 1862 (Digitalisat)
  • Hermann Fischer, Wilhelm Pfleiderer: Schwäbisches Wörterbuch. 7 Bände, 1901–1936 – das bis heute maßgebliche Wörterbuch des Schwäbischen (Digitalisat: Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4, Bd. 5, Bd. 6.1, Bd. 6.2 – zur Zeit aus ungenannten Gründen nicht online verfügbar)
  • Schwäbisches Handwörterbuch, Auf der Grundlage des „Schwäbischen Wörterbuchs“ ... bearbeitet von Hermann Fischer und Hermann Taigel, H. Laupp´sche Buchhandlung Mohr Siebeck, 3. Aufl. 1999 (unverzichtbares wissenschaftliches Standardwerk)
  • Susanne Brudermüller: Langenscheidt-Lilliput Schwäbisch, Berlin/München 2000.
  • Hermann Wax: Etymologie des Schwäbischen. Geschichte von mehr als 8.000 schwäbischen Wörtern. 4. erw. Auflage, Tübingen 2011, ISBN 3-9809955-1-8

Sonstiges [Bearbeiten]

  • Karl Bohnenberger: Die Mundarten Württembergs, Eine heimatkundliche Sprachlehre. Silberburg-Verlag, Stuttgart 1928 (Viertes Buch der Reihe „Schwäbische Volkskunde“, hg. von August Lämmle)
  • Josef Karlmann Brechenmacher: Schwäbische Sprachkunde in ausgeführten Lehrbeispielen. Versuch einer bodenständigen Grundlegung des schaffenden Deutschunterrichts. Adolf Bonz & Comp., Stuttgart 1925; Nachdruck Saulgau, 1987
  • Ulrich Engel: Mundart und Umgangssprache in Württemberg. Beiträge zur Sprachsoziologie der Gegenwart. Dissertation, Universität Tübingen 1955
  • Eberhard Frey: Stuttgarter Schwäbisch. Laut- und Formenlehre eines Stuttgarter Idiolekts. Elwert, Marburg 1975, ISBN 3-7708-0543-7
  • Roland Groner: Gschriebå wiå gschwätzt: Schwäbisch mit all seinen Reizen – anschaulich und lebensnah; mit vielen konkreten Beispielen aus dem Alltag und einer umfangreichen Wortsammlung. SP-Verlag, Albstadt 2007, ISBN 3-9811017-4-X (Schwäbische Grammatik; Titel auf hochdeutsch: Geschrieben wie gesprochen.)
  • August Holder: Geschichte der schwäbischen Dialektdichtung. Max Kielmann, Heilbronn 1896 (Digitalisat)
  • Eduard Huber: Schwäbisch für Schwaben. Eine kleine Sprachlehre. Silberburg-Verlag, Tübingen 2008
  • Friedrich Maurer: Zur Sprachgeschichte des deutschen Südwestens. In: Friedrich Maurer (Hg.): Oberrheiner, Schwaben, Südalemannen. Räume und Kräfte im geschichtlichen Aufbau des deutschen Südwestens. Hünenburg-Verlag, Straßburg 1942 (Arbeiten vom Oberrhein 2), S. 167–336
  • Wolf-Henning Petershagen: Schwäbisch für Besserwisser. Theiss, Stuttgart, 2003, ISBN 3-8062-1773-4 (mit Folgebänden Schwäbisch für Durchblicker und Schwäbisch für Superschlaue)
  • Friedrich E. Vogt: Schwäbisch in Laut und Schrift. Steinkopf-Verlag, Stuttgart, 2. Aufl. 1979

Quellen [Bearbeiten]

  1. So bei Roland Groner, Gschriebå wiå gschwätzt, 2007, S. 14 bis 19.
  2. Tacitus, De origine et situ Germanorum liber Kap. 43, wiedergegeben nach Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben, 2009, S. 11
  3. Roland Groner, Gschriebå wiå gschwätzt, 2007, S. 13
  4. Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben, 2009, S. 23f
  5. ebendort S. 10
  6. Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben, 2008, S. 17
  7. Roland Groner Gschrieba wia gschwätzt, 2007, S. 39f
  8. Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben, 2009, S. 21-23; Friedrich Vogt, Schwäbisch und Laut und Schrift, 2. Aufl. 1979, S. 37ff. u. a. m.
  9. Polyglott Sprachführer Schwäbisch, 2004, S. 5
  10. Friedrich E. Vogt, Schwäbisch in Laut und Schrift, 2. Aufl. 1979, S. 92f.
  11. Vgl. Eduard Huber, Schwäbisch für Schwäben, 2008, S. 41-44.
  12. Vgl. Friedrich E. Vogt, Schwäbisch in Wort und Schrift, 2. Aufl. 1979, S. 94
  13. Vgl. Friedrich E. Vogt, Schwäbisch in Wort und Schrift, 2. Aufl. 1979, S. 94
  14. Friedrich Vogt, Schwäbisch in Laut und Schrift, 2. Aufl. 1979, S. 95f.
  15. Vergleiche hierzu im Einzelnen das Grimmsche Wörterbuch, wenn bei einem Wort eine Genusdifferenz zwischen Deutsch und Schwäbisch vorliegt
  16. Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben, 2008, S. 33.
  17. Vgl. den legendären bayrischen Satz des Münchener Oberbürgermeisters beim Fassanstich zu Beginn des Oktoberfests: „Ozapft is“ = deutsch „Es ist angezapft“.
  18. Vgl. Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben, 2009, S. 30; Roland Groner, Gschrieba wia gschwätzt, 2007, S. 113.
  19. Uni Augsburg zum Begriff mittags
  20. Bohnenberger, Karl, Die Mundarten Württembergs, Eine mundartliche Sprachlehre, Silberburg-Verlag Stuttgart, 1929, Seite 4f.
  21. Eduard Mörike, Die Historie von der schönen Lau, Kap. 3., 1858, dort als "ein altes Sprüchlein ..., von welchem kein Gelehrter in ganz Schwabenland Bescheid zu geben weiß, woher und wie oder wann erstmals es unter die Leute gekommen" bezeichnet.
  22. Lewalter, Johann, in: Deutsches Kinderlied und Kinderspiel, In Kassel aus Kindermund in Wort und Weise gesammelt von Johann Lewalter, Kassel 1911.
  23. Knöpfle, Babette: Schwätz koin Bäpp. Schwäbischer Dolmetscher. Silberburg Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-87407-101-4
  24. Wortschatzklassiker Uni Freiburg
  25. Etymologie des Schwäbischen von Hermann Wax (3. Auflage Seite 559)
  26. Aufm Wasa graset d Hasa. In: Volksliederarchiv, kostenlose Datenbank zum Volkslied. Abgerufen am 21. Mai 2010.

Weblinks [Bearbeiten]

Wikipedia Wikipedia auf Alemannisch (inklusive Schwäbisch)
 Wikisource: Schwäbische Wörterbücher – Quellen und Volltexte