Breitblättriger Thymian

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Breitblättriger Thymian
Breitblättriger Thymian (Thymus pulegioides)

Breitblättriger Thymian (Thymus pulegioides)

Systematik
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Gattung: Thymiane (Thymus)
Art: Breitblättriger Thymian
Wissenschaftlicher Name
Thymus pulegioides
L.

Der Breitblättrige Thymian (Thymus pulegioides), auch Gemeiner Thymian, Gewöhnlicher Thymian, Quendel-Thymian, Arznei-Thymian oder Feld-Thymian genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Thymiane (Thymus) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Breitblättrige Thymian ist ein ausdauernder Halbstrauch, der Wuchshöhen zwischen 5 und 25 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist nur am Grund schwach verholzt und scharf vierkantig mit rechteckigem Querschnitt. Er ist an zwei Seiten eingesenkt und erscheint daher gefurcht. Nur die vier Kanten sind behaart. Das Sprosssystem ist sympodial verzweigt mit kurz kriechender Sprossachse. Die Laubblätter sind dünn und meist gleich groß, behaart oder unbehaart. Die Blattnerven treten unterseits meist nicht deutlich hervor. Blätter duften aromatisch und färben sich oft dunkelrot.

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Der Blütenstand ist verlängert oder kopfig. Die Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die oberen Kelchzähne sind schmal dreieckig und behaart oder kahl. Die fünf purpurfarbenen bis roten Kronblätter sind verwachsen.

Es werden Klausenfrüchte gebildet.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Breitblättrige Thymian ist ein Chamaephyt, Halbstrauch, d. h. nur seine untersten Stängelteile sind verholzt. Er zeigt folgende Trockenheitsanpassungen: Er hat kleine immergrüne Lederblätter mit eingesenkten Drüsen die ätherische Öle als Transpirationshemmer tragen; außerdem ist er ein Tiefwurzler, dessen Wurzel bis zu 1 Meter Tiefe erreichen kann. An sonnigen Orten bildet die Pflanze im Winter rote Schutzpigmente; im Sommer ist sie grün.[1]

Hin und wieder findet man Pflanzenpopulationen die statt des typischen, durch Thymol bedingten Thymiangeruchs nach Zitrone duften. Diese Rasse enthält das dem Thymol chemisch verwandte Citronellol. Es gibt mindestens ein Dutzend unterschiedlich duftender Typen, die sich auch genetisch unterscheiden.[1]

Blütenökologisch handelt es sich vormännliche „Eigentliche Lippenblumen“ mit herausragenden Staubbeuteln und Narben. Neben Zwitterblüten gibt es auch rein weibliche Blüten und auch rein weibliche Pflanzen. Der würzig schmeckende Nektar wird reichlich produziert und ist von Haaren der Kronröhre verdeckt und damit geschützt. Die stark duftenden Blüten werden von vielerlei Insekten besucht; es findet keine Selbstbestäubung statt.[1]

Die Klausenfrüchte besitzen ein Elaiosom, das der Ameisenverbreitung dient. Der Fruchtkelch ist durch einen Haarkranz verschlossen. Die Fruchtreife erstreckt sich von August bis November.[1]

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Breitblättrige Thymian ist fast in ganz Europa verbreitet, der Schwerpunkt liegt aber im temperaten subozeanischen Bereich. In Südeuropa ist die Verbreitung auf Gebirge beschränkt, in Nordengland, Irland, Finnland und im nördlichen Russland ist diese Art synanthrop. Die Ostgrenze der Verbreitung liegt etwa bei 38° ö. L.

Der Breitblättrige Thymian gedeiht in Trockenrasen, Böschungen, in Kiesgruben oder an Felsen; ist stellenweise auch auf Ameisenhaufen zu finden. Er bevorzugt frische bis trockene, nährstoffarme, basenreiche, meist kalkarme, humose oder rohe Sand-, Stein- oder Lehmböden. Er ist ein bis in 1 Meter Tiefe wurzelnder Kriechpionier, licht- und wärmeliebend.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Thymus pulegioides erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 2, S. 592.[2][3]

Der Breitblättrige Thymian umfasst fünf Unterarten und einen fertilen Bastard, die sich vorwiegend in den Blattmerkmalen und in ihren Standortansprüchen unterscheiden:[3]

  • Thymus pulegioides subsp. chamaedrys (Fr.) Gusul.
  • Thymus pulegioides subsp. effusus (Host) Ronniger
  • Thymus pulegioides subsp. montanus (Benth.) Ronniger
  • Thymus pulegioides subsp. pannonicus (All.) Kerguélen
  • Thymus pulegioides subsp. pulegioides
  • Thymus pulegioides nothosubsp. pilisiensis (Borbás) ined. (T. pulegioides subsp. chamaedrys × T. pulegioides subsp. pannonicus)

Verwendung[Bearbeiten]

Verwendung als Heilpflanze[Bearbeiten]

Als Heildroge dienen die Blühenden getrockneten Zweige.[4]

Wirkstoffe sind: 0,2-0,6 % ätherisches Öl unterschiedlicher Zusammensetzung, je nach Herkunft der Droge, meist mit einem hohen Gehalt an Carvacol, daneben mit Thymol, Linalool, Cineol, Caryophyllen und weiteren Monoterpenen und Sesquiterpenen, Hydroxyzimtsäurederivate wie Rosmarinsäure, Triterpene und Flavonoide.[4]

Anwendungen: dem Breitblättrigen Thymian werden krampflösende und antimikrobielle Wirkungen zugesprochen; allerdings mit geringerer Wirksamkeit als beim Echten Thymian (Thymus vulgaris), da hier der Gehalt an ätherischen Ölen wesentlich geringer ist und deren Zusammensetzung abweicht. [4]

Vor allem in der Volksmedizin nutz man die Droge bei Katarrhen der Atemwege, innerlich und äußerlich als Badezusatz. Der Einsatz bei Magen-Darm-Störungen und Appetitlosigkeit erfolgt häufiger als beim Echten Thymian. Neben den ätherischen Ölen dürften hierbei die Gerbstoffe und der bittere Geschmack an de Wirkung beteiligt sein.[4]

Verwendung in der Küche[Bearbeiten]

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In der Küche unterstützt der Breitblättrige Thymian die Verdauung fetter Speisen, passt gut zu Geflügel, Schalentieren, Wild, Lamm, Fisch, Gemüse, Kräuteressig, Kräuteröl, Suppen, Saucen, Kartoffeln und Ragouts.

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3342-3, S. 210–213.
  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  2. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 592, Digitalisat
  3. a b R. Govaerts, A. Paton, Y. Harvey, T. Navarro, M. del Rosario García Peña: World Checklist of Lamiaceae. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew 2011. Taxon in Suchmaske eingeben, letzter Zugriff am 4. November 2013
  4. a b c d Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Sonderausgabe. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breitblättriger Thymian (Thymus pulegioides) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien