Linalool

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Strukturformel
Strukturformeln der beiden Enantiomeren von Linalool
(S)-(+)-Linalool (links) und (R)-(−)-Linalool (rechts)
Allgemeines
Name Linalool
Andere Namen
  • 3,7-Dimethyl-1,6-octadien-3-ol
  • (RS)-3,7-Dimethyl-1,6-octadien-3-ol
  • rac-3,7-Dimethyl-1,6-octadien-3-ol
  • (±)-3,7-Dimethyl-1,6-octadien-3-ol
  • (RS)-(±)-Linalool
  • Linalylalkohol
  • Licareol [(R)-(−)-Linalool]
  • Coriandrol [(S)-(+)-Linalool]
Summenformel C10H18O
CAS-Nummer
  • 78-70-6 (Racemat)
  • 126-91-06 [(R)-(−)-Linalool]
  • 126-90-9 [(S)-(+)-Linalool]
Kurzbeschreibung

farblose nach Maiglöckchen riechende Flüssigkeit[1][2]

Eigenschaften
Molare Masse 154,25 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,87 g·cm−3 (20 °C)[1]

Siedepunkt

198−200 °C [(S)-(+)-Linalool] [3]

Dampfdruck

10 Pa (20 °C)[1]

Löslichkeit

schlecht in Wasser (1,45 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​305+351+338 [4]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][1]
Reizend
Reizend
(Xi)
R- und S-Sätze R: 38
S: 37
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Linalool ist ein einwertiger, tertiärer Alkohol aus der Gruppe der acyclischen Monoterpene. Linalool ist eine farblose Flüssigkeit mit frischem, blumigem Geruch. Die Substanz besitzt ein chirales Kohlenstoffatom und tritt somit in Form zweier Enantiomere auf, dem Licareol [(R)-(−)-Linalool] und dem Coriandrol [(S)-(+)-Linalool]. Es ist isomer zu Nerol/Geraniol wie auch zu Pinanol, Borneol, Myrcenol und Dihydrocarveol.

Vorkommen[Bearbeiten]

Linalool ist Bestandteil vieler ätherischer Öle. Es kommt im Koriander, Hopfen, Muskat, Ingwer, Bohnenkraut, Zimt, Basilikum, Majoran, Thymian, Oregano, schwarzen Pfeffer, Safran und anderen Gewürzpflanzen vor.

Hopfen

Auch als Ester (Linalylacetat) und als Linalooloxid findet es sich in vielen ätherischen Ölen. Linalool gehört auch zu den Aromen im Wein. Mit einem Geruchsschwellenwert von 0,025 Milligramm pro Liter ist es eine wichtige Komponente des Muskateller-Bouquets.[6]

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Nach Schätzungen wurden im Jahr 2000 weltweit etwa 12000 Tonnen Linalool industriell hergestellt. Die natürliche Produktion übertrifft die industrielle aber um ein Vielfaches.

Zur Synthese wird Methylheptenon ethinyliert. Das entstehende Dehydrolinalool wird durch eine partielle Hydrierung zum Linalool reduziert. Diese Synthese gelang erstmals Leopold Ruzicka und Virgilio Fornasir 1919.[7]

Synthese von Linalool aus Methylheptenon

Eine zweite mögliche Syntheseroute geht vom α-Pinen aus. Dieses wird zum cis-Pinan hydriert und an der Luft zu cis- bzw. trans-Pinanhydroperoxid oxidiert. Das Hydroperoxid wird reduktiv zum Gemisch aus cis- oder trans-Pinanol aufgearbeitet, das destillativ getrennt werden kann. Bei Temperaturen von über 500 °C wird cis-Pinanol dann zum Coriandrol und trans-Pinanol zum Licareol isomerisiert.

Synthese von Linalool aus Pinen

Eigenschaften[Bearbeiten]

Linalool ist eine klare, farblose Flüssigkeit. Coriandrol riecht seifig-korianderartig, Licareol holzig-lavendelartig. Der Geruch des Racemats wird als angenehmer, leicht erfrischender, blumig-holziger/herber Geruch beschrieben. Linalool ist brennbar, der Flammpunkt der Flüssigkeit liegt bei 75 °C, die Zündtemperatur bei 235 °C. Der Brechungsindex der Flüssigkeit liegt bei 20 °C zwischen 1,46 und 1,4675.

Reaktionen[Bearbeiten]

Linalool kann mit Wasserstoff an Katalysatoren zu Tetrahydrolinalool hydriert werden:

Hydrierung von Linalool zu Tetrahydrolinalool

Im sauren Milieu isomerisiert Linalool zum Geraniol. Analog erfolgt die Isomerisierung zum Nerol bzw. Terpineol.

Isomerisierung von Linalool zu Geraniol

Linalool reagiert wie alle Alkohole mit Säuren zu Carbonsäureestern. So kann Linalool z. B. mit Essigsäure zu Linalylacetat verestert werden.

Veresterung von Linalool zu Linalylacetat

Verwendung[Bearbeiten]

Als ein Bestandteil von ätherischen Ölen wie auch als Reinstoff findet Linalool als Geruchs- und Geschmackstoff Verwendung.[8]

Es ist Zwischenprodukt bei der Synthese von Vitamin E.

Gefahrenhinweise[Bearbeiten]

Linalool wirkt reizend auf Haut und Augen, es ruft Rötungen und Schmerzen hervor. Linalool kann oral oder inhalativ aufgenommen werden. Es ist schwach wassergefährdend (WGK 1). Die LD50 für Ratten bei oraler Aufnahme liegt bei 2790 mg/kg, bei dermaler Resorption bei 5610 mg/kg. Linalool hat sich in vielen Tests als nicht erbgutverändernd erwiesen. Es kann aber nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass es erbgutverändernd ist. Auch eine karzinogene Wirkung konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Chronische Aufnahme führt zur Schädigung der Leber.

Linalool gehört zu den Prohaptenen, d. h. Substanzen, deren Oxidationsprodukte an der Luft (Linalooloxid) bzw. Reaktionsprodukte auf der Haut allergieauslösend sind. Bei einer europaweiten Studie erwiesen sich 1,3 Prozent der Patienten als sensibel auf oxidiertes Linalool.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Eintrag zu CAS-Nr. 78-70-6 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 05.01.2008. (JavaScript erforderlich)
  2. Michael Menzel, in: Roempp Online - Version 3.5, 2009, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  3. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 952, ISBN 978-0-911910-00-1.
  4. a b Datenblatt Linalool bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 7. April 2011 (PDF).
  5. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6. Wie kommt eigentlich die schwarze Johannisbeere in die Scheurebe? (PDF; 2,1 MB), von Dr. Rainer Amann, Staatl. Weinbauinstitut Freiburg, in Der Badische Winzer, Ausgabe Oktober 2002.
  7. Ruzicka, L.; Fornasir, V. "Über die Totalsynthese des Linalool"; Helv. Chim. Acta 1919, 2, 182.
  8. Juliane Daphi-Weber, Heike Raddatz, Rainer Müller: Untersuchung von Riechstoffen – Kontrollierte Düfte, S. 94−95, in Band V der Reihe HighChem hautnah – Aktuelles aus der Lebensmittelchemie (Herausgegeben von der Gesellschaft Deutscher Chemiker) 2010, ISBN 978-3-936028-64-5.
  9. M. Matura et al.: Selected oxidized fragrance terpenes are common contact allergens. Contact Dermatitis. 52/6/2005. S. 320-8, PMID 15932583.

Weblinks[Bearbeiten]