Bruchwasserläufer

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Bruchwasserläufer
Bruchwasserläufer (Tringa glareola)

Bruchwasserläufer (Tringa glareola)

Systematik
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Tringa
Art: Bruchwasserläufer
Wissenschaftlicher Name
Tringa glareola
Linnaeus, 1758
Wood Sandpiper (Non-breeding) near Hodal I IMG 9633.jpg
Tringa glareola 2 (Marek Szczepanek).jpg
Tringa glareola P4279182.jpg

Der Bruchwasserläufer (Tringa glareola) ist ein eurasischer Vogel aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae). Er ist ein Brutvogel der gemäßigten und borealen bis subarktischen Tundrenzone. In Mitteleuropa ist er ein sehr seltener, nur lokal vorkommender Brut- und Sommervogel. Er ist häufiger und regelmäßiger während der Zugzeiten als Durchzügler und Rastvogel zu beobachten.

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Der 19 - 21 Zentimeter lange und 50 - 90 Gramm schwere Bruchwasserläufer hat eine Flügelspannweite von 36 bis 40 Zentimeter. Der Bruchwasserläufer ist damit knapp starengroß. Er weist große Ähnlichkeit zum Waldwasserläufer auf, jedoch sind seine Beine etwas länger. Auch der helle Augenüberstreif ist auffallender als beim Waldwasserläufer.

Die Körperoberseite ist graubraun, aber heller als beim Waldwasserläufer. Der Kontrast zur weißen Körperunterseite ist daher weniger auffällig. Die Flügelunterseite ist hellgrau, der weiße Schwanz weist fünf bis acht feine, in der Mitte etwas verschwommene Querbänder auf. Im Prachtkleid haben Bruchwasserläufer auf der Körperoberseite dichte weiße Flecken. Kopf und Hals sind fein gestreift.

Im Flug ruft er giff -giff -giff. Der Alarmruf ist ein wiederholtes gip-gip-gip.

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen vor allem mit dem Waldwasserläufer. Das Verbreitungsgebiet überlappt sich vor allem im südlichen, das heißt nichtarktischen Teil mit dem Brutareal des Bruchwasserläufers. Der Waldwasserläufer ist außerdem deutlich dunkler.[1]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Brutareal des Bruchwasserläufer erstreckt sich von Schottland und Norwegen bis nach Ostsibirien, Kamtschatka und den Pribylow-Inseln. Der Bruchwasserläufer ist überwiegend ein Langstreckenzieher. Seine Winterquartiere finden sich in den Tropen bis Subtropen der Südhalbkugel. In der westlichen Paläarktis verläuft die Nordgrenze des Winterquartiers entlang der Südküste des Mittelmeers und dem Süden Vorderasiens. Sie ziehen als Breitfrontzieher über Mitteleuropa und Westeuropa in süd-südwestlicher Richtung. Wichtige Rastplätze auf diesem Zug finden sich am Nordrand des Mittelmeers beispielsweise in der Po-Ebene und in der Camargue, wo bis zu 50.000 Individuen beobachtet werden können.[2] Ziehende Vögel sind auch im Ebrodelta zu beobachten. Wetlands International identifiziert als bedeutende Rast-, Überwinterungsquartiere sowie Brutareale sechs europäische Gebiete. Davon liegen vier in Finnland, wobei nur die Feuchtgebiete der Provinz Oulu als Rastplatz während des Zuges eine Bedeutung hat. Bei den übrigen handelt es sich um Gebiete mit einer hohen Dichte an Brutvögeln. Zwei weitere bedeutende Rastplätze liegen in Griechenland und Schweden (Flussmündung des Ume älv).[3]

Der Bruchwasserläufer brütet bevorzugt in Hochmooren mit einem geringen Baumbestand sowie an offenem Wasser und in Sümpfen der Taiga und Tundren. Weiter im Osten seines Verbreitungsgebietes ist er auch in dichteren Baumbeständen in Gewässernähe zu beobachten. Auf dem Durchzug und im Winterquartier ist der Bruchwasserläufer sehr viel anpassungsfähiger, er bevorzugt jedoch Süßgewässer. Zu beobachten ist er unter anderem in nahrungsreichen Flachwasserzonen, auf Schlammflächen und überschwemmten Wiesen und an Altwasserarmen von Flüssen.[4]

Verhalten[Bearbeiten]

Bruchwasserläufer sind tagaktiv, allerdings ziehen sie häufig nachts. Dank seiner relativ langen Zehen kann er auch auf schwimmenden Algenrasen sowie Schwimmblättern von Wasserpflanzen laufen. Während der Brutzeit ist der Bruchwasserläufer territorial. Ein Singflug dient der Reviermarkierung und besteht aus flötenden Rufen. Der Bruchwasserläufer kann 9–11 Jahre alt werden.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Bruchwasserläufer errichten ihr Nest gewöhnlich am Boden gut in Vegetation versteckt. In Fennoskandinavien und in Russland nutzen Bruchwasserläufer ähnlich wie Waldwasserläufer auch Baumnester von Drosseln und anderen Singvögeln. Bodennester sind Mulden, die mit Material aus der Umgebung ausgekleidet werden. Der Legebeginn in Mitteleuropa ist frühestens Ende April, gewöhnlich aber Anfang Mai. In Fennoskandinavien brütende Bruchwasserläufer beginnen mit der Eiablage in der Regel nicht vor Mitte Mai. Die Hauptlegezeit ist hier Anfang Juni. Das Gelege umfasst vier Eier. Diese sind kreiselförmig und haben eine hellbräunliche bis grünliche Grundfarbe und dunkel- bis rotbraune Flecken. Die Brutdauer beträgt 22 bis 23 Tage, beide Elternvögel brüten. Die Jungvögel sind mit 28 bis 30 Tagen flugfähig.[5]

Bestand[Bearbeiten]

Aktueller Bestand und Bestandsentwicklung[Bearbeiten]

Der europäische Gesamtbestand wird auf 350.000 bis 1.200.000 Brutpaare geschätzt. Davon brüten zwischen 75.000 und 750.000 Brutpaare im europäischen Teil Russlands und zwischen 270.000 und 440.000 Brutpaare in Fennoskandinavien. In Mitteleuropa ist die Art nur noch in Polen als Brutvogel vertreten. Dort brüten zwischen drei bis fünf Brutpaare.[6] Durch Moorzerstörung ist diese Art in Mitteleuropa bis auf die wenigen Brutpaare in Polen verschwunden und auch in Skandinavien ist der Bestand zurückgegangen. Sie ist in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie (RL 79/409/EWG) gelistet, so dass zu ihrem Schutz Vogelschutzgebiete auszuweisen sind.

Bruchwasserläufer waren noch bis in 19. Jahrhundert regelmäßige Brutvögel in den Tiefebenen in Nord-Mitteleuropa. Das mitteleuropäische Brutareal reichte von den Niederlanden bis nach Polen. Durch Lebensraumverluste ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem deutlichen Rückgang der Populationszahlen und Gebietsaufgaben. So war der Bruchwasserläufer als Brutvogel bereits im 19. Jahrhundert aus Mecklenburg-Vorpommern verschwunden. Ab den 1960er Jahren brauchen auch die letzten Restpopulationen in Mitteleuropa zusammen. So gingen die Brutbestände in Schleswig-Holstein von 47 Brutpaaren im Jahre 1968 auf fünf Brutpaare im Jahre 1979 zurück.[7] Ursache des Bestandsrückgangs in Mitteleuropa ist eine Zerstörung der Hochmoore durch Entwässerung, industrieller Torfabbau und die Aufforstung von Mooren. Ähnlich wie beim Goldregenpfeifer wird davon ausgegangen, dass auch klimatische Ursachen für den großräumigen Arealverlust verantwortlich sind.[8]

Bestandsprognosen[Bearbeiten]

Der Bruchwasserläufer gilt wie viele andere Schnepfenvögel auch als eine der Arten, die vom Klimawandel besonders betroffen sein wird. Ein Forschungsteam, das im Auftrag der britischen Umweltbehörde und der Royal Society for the Protection of Birds die zukünftige Verbreitungsentwicklung von europäischen Brutvögeln auf Basis von Klimamodellen untersuchte, geht davon aus, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts das Verbreitungsgebiet des Bruchwasserläufers erheblich schrumpfen und nach Norden verschieben wird. Südlich des 63. Breitengrades wird der Bruchwasserläufer nach diesen Prognosen nur noch in Norwegen und im Ural brüten. Die wenigen aktuellen mitteleuropäischen Brutareale werden dementsprechend erlöschen. Neue potentielle Verbreitungsgebiete entstehen auf Novaya Zemlya und auf Svalbard, können jedoch die Arealverluste im Süden nicht ausgleichen.[9]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2.
  • Peter Colston, Philip Burton: Limicolen – Alle europäischen Watvogel-Arten, Bestimmungsmerkmale, Flugbilder, Biologie, Verbreitung. BlV Verlagsgesellschaft, München 1989, ISBN 3-405-13647-4.
  • Simon Delany, Derek Scott, Tim Dodman, David Stroud (Hrsg.): An Atlas of Wader Populations in Afrika and Western Eurasia. Wetlands International, Wageningen 2009, ISBN 978-90-5882-047-1.
  • Richard Sale: A Complete Guide to Arctic Wildlife, Verlag Christopher Helm, London 2006, ISBN 0-7136-7039-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bruchwasserläufer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bruchwasserläufer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Sale, S. 217.
  2. Bauer et al., S. 512.
  3. Delany et al., S. 342.
  4. Bauer et al., S: 513
  5. Bauer et al., S. 514.
  6. Bauer et al., S. 512.
  7. Bauer et al., S. 512 und S. 513.
  8. Bauer et al., S. 513.
  9. Brian Huntley, Rhys E. Green, Yvonne C. Collingham, Stephen G. Willis: A Climatic Atlas of European Breeding Birds, Durham University, The RSPB and Lynx Editions, Barcelona 2007, ISBN 978-84-96553-14-9, S. yy