Bruno-Plache-Stadion

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Bruno-Plache-Stadion
Bruno-Plache-Stadion mit Tribüne
Bruno-Plache-Stadion mit Tribüne
Daten
Ort DeutschlandDeutschland Leipzig, Deutschland
Koordinaten 51° 18′ 10,5″ N, 12° 25′ 9,3″ O51.30290277777812.419241666667Koordinaten: 51° 18′ 10,5″ N, 12° 25′ 9,3″ O
Eröffnung 1922
Oberfläche Naturrasen
Kapazität 7.000
Verein(e)

1. FC Lokomotive Leipzig

Das Bruno-Plache-Stadion ist der Austragungsort der Heimspiele des 1. FC Lokomotive Leipzig. Es befindet sich im Leipziger Stadtteil Probstheida in Sichtweite des Völkerschlachtdenkmals und fasst offiziell 15.600 Besucher, darf jedoch nur mit maximal 7.000 Gästen bespielt werden.[1] Von den Fans wird es im Allgemeinen nur „Bruno“ genannt.

Das Stadion erhielt seine heutige Bezeichnung im Jahre 1949. Namensgeber war der Arbeitersportfunktionär Bruno Plache. Zuvor hieß das Stadion Probstheidaer Stadion, wurde in Medien nach dem bespielenden Verein VfB Leipzig aber meist VfB-Stadion genannt.

Zu seiner Eröffnung im Jahre 1922 war die Spielstätte mit einem geplanten Fassungsvermögen von 40.000 Besuchern das größte vereinseigene Stadion Deutschlands. Die 1932 errichtete, heute noch in Betrieb befindliche Holztribüne ist weitestgehend im Originalzustand erhalten. Sie ist damit ein bedeutendes architektonisches Beispiel für eine große Tribüne in deutschen Fußballstadien jener Zeit.

Geschichte[Bearbeiten]

1920 bis 1945[Bearbeiten]

Wie andere namhafte Vereine strebte der VfB Leipzig den Bau eines eigenen Stadions an. Dazu erwarb man Ende 1920 80.000 Quadratmeter Gutsbesitz in Probstheida. Der Verein ließ daraufhin in zwei Jahren ein Stadion für 40.000 Zuschauer errichten – in Deutschland bis dahin ohne Beispiel. Das Stadion verfügte bereits über eine kleine Tribüne mit 800 Plätzen und eine 400-Meter-Laufbahn. Der Zuschauerdamm war als Graswall ausgelegt, ähnlich der heutigen Festwiese am Zentralstadion.

Das VfB-Stadion wurde mit einer Festwoche vom 5. bis 13. August 1922 eingeweiht. Zur Premiere kamen 50.000 Zuschauer, dabei besiegte der SC Victoria Hamburg den Gastgeber VfB mit 3:2. Innerhalb der Festwoche ließ der DFB das zweite Endspiel der nie entschiedenen Deutschen Meisterschaft zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem Hamburger SV austragen, bei dem ca. 50.000 bis 60.000 Zuschauer zugegen waren.[2]

1932 wurde die überdachte Holztribüne ausgebaut, die einen Großteil der Westgerade einnimmt. Sie ist heute die wahrscheinlich größte im Originalzustand erhaltene und in Funktion befindliche Holztribüne in einem deutschen Fußballstadion aus jener Zeit. Zusätzlich wurden die Dämme verbreitert – Voraussetzung für das Länderspiel gegen die Schweiz am 6. März 1932 vor 50.000 begeisterten Zuschauern. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1935 zerstörte ein Unwetter Teile der Tribüne und das Südtor.

Nach dem Luftangriff vom 6. April 1945 auf Leipzig wurden gesammelte Leichen ohne Sargumhüllung auf den VfB-Sportplatz gelegt, da die Kapazität für die Lagerung auf dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Südfriedhof erschöpft war. „Hier lagen sie viele Tage bei Regen und Sonnenschein. Ein fürchterlicher Leichengeruch verpestete die Gegend.“[3]

Das Probstheidaer Stadion blieb bis zur Auflösung des VfB im Jahre 1945 dessen Eigentum.

1945 bis heute[Bearbeiten]

Bruno-Plache-Stadion 1952

Ab Mai 1946 diente das Stadion Veranstaltungen des Breitensports. Erster Höhepunkt nach dem Krieg waren die Endspiele um die Ostzonenmeisterschaft im Fußball und Feldhandball am 4. Juli 1948, die als Doppelveranstaltung ausgetragen wurden.[4]

Bis zum III. Parlament der FDJ zu Pfingsten 1949 wurden weitere Kriegsschäden beseitigt und das nun nach Bruno Plache benannte Stadion modernisiert. Dabei wurde unter anderem der Rasendamm durch die noch heute vorhandenen erdhinterfüllten Betonkanten-Stehtraversen ersetzt. 70.000 Zuschauer waren dann bei der FDJ-Sportschau im total überfüllten Stadion dabei – der absolute Besucherrekord.

Ein weiterer Höhepunkt konnte 1952 verzeichnet werden. Das seit Wochen ausverkaufte Stadion (55.000 Besucher) war am 7. Mai Etappenziel der erstmals durch die DDR führenden Friedensfahrt der Radsportler. Auch Chemie Leipzig wich in diesen Jahren bei wichtigen Spielen nach Probstheida aus.[5] Nach Einheit Ost wurden 1954 die Fußballer des SC Rotation Leipzig im Bruno-Plache-Stadion heimisch.

Die ganz großen Fußballspiele erlebten die Zuschauer im Bruno-Plache-Stadion aber selten, da der 1. FC Lokomotive Leipzig seine Top-Begegnungen im Zentralstadion austrug. Als beste im Plache-Stadion ausgetragene Partien gelten:

Anfang 1992 sperrte der DFB das Bruno-Plache-Stadion für Spiele der 2. Bundesliga. Die Spielstätte entsprach nicht den Sicherheitsanforderungen für die zweithöchste bundesdeutsche Fußball-Spielklasse. Deshalb fanden die Spiele des 1991 wieder gegründeten VfB Leipzig im Zentralstadion statt. Ab der Saison 1995/96 wurden die Sicherheitsmängel beseitigt, was mit einer starken Reduzierung der Zuschauerkapazität verbunden war, und 1997 eine Flutlichtanlage eingebaut. Der VfB spielte seither bis zu seiner Auflösung 2004 wieder in Probstheida. Es gab Pläne, das Stadion in ein reines Fußballstadion umzubauen, die schwachen Finanzen des VfB ließen dieses Vorhaben allerdings nicht zu.

Das gefüllte Bruno-Plache-Stadion

Seit 2004 trägt der neu gegründete 1. FC Lokomotive Leipzig seine Spiele im Stadion aus. Die Heimspiele in der 3. Kreisklasse 2004/05 besuchten durchschnittlich 3.000 Zuschauer, was für diese Spielklasse einmalig in der Geschichte des deutschen Fußball ist. In einem Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC war das Stadion am 23. Mai 2005 seit langem wieder fast ausverkauft (13.098 Zuschauer).

Seit der ersten Insolvenz des VfB 1999 ist das Stadion im Besitz der Stadt Leipzig.

Mittlerweile ist das Stadion baufällig, die Kapazität ist wegen Sicherheitsauflagen auf 7.000 Zuschauer beschränkt.

Daten[Bearbeiten]

  • Klassisches Stadionoval mit Laufbahn
  • Flutlichtanlage mit 700 Lux Lichtstärke
  • Zuschauerkapazität: 7.000
    • 5.850 Stehplätze
    • 1.150 Sitzplätze (überdacht) [6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Plache-Stadion nun wieder für 7.000 Zuschauer zugelassen
  2. http://insideleipzig.de/vergnugen/bruno-plache-stadion.html
  3. Arno Kapp: Leipziger Tagebuch 1943-1945
  4. Neue Zeit, 4. Jahrgang, Nr. 152 vom 3.Juli 1948, S. 3.
  5. bruno-plache-stadion.de
  6. http://www.lok-leipzig.com/de/info/verein/plache_stadion/

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bruno-Plache-Stadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien