Steigerwaldstadion

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Steigerwaldstadion
Steigerwaldstadion (Luftbild 2007)
Steigerwaldstadion (Luftbild 2007)
Frühere Namen

Mitteldeutsche Kampfbahn (ab 1931)
Georgij-Dimitroff-Stadion (1948–1991)

Daten
Ort DeutschlandDeutschland Erfurt, Deutschland
Koordinaten 50° 57′ 36,6″ N, 11° 2′ 14″ O50.96017311.037231Koordinaten: 50° 57′ 36,6″ N, 11° 2′ 14″ O
Eigentümer Stadt Erfurt
Betreiber Stadt Erfurt / FC Rot-Weiß Erfurt
Baubeginn 1927
Eröffnung 17. Mai 1931
Renovierungen 2014-2016
Oberfläche Naturrasen
Kosten 35 Mio.
Kapazität 17.500
Spielfläche 105 x 68
Verein(e)

FC Rot-Weiß Erfurt

Veranstaltungen

Das Steigerwaldstadion ist ein Fußball- und Leichtathletik-Stadion in der Löbervorstadt im Süden von Erfurt. Es fasst 17.500 Zuschauer[1] (6.000 Sitzplätze, davon 4.000 überdacht) und ist somit das zweitgrößte Stadion Thüringens nach der Skatbank-Arena in Altenburg, außerdem ist es das Heimatstadion des FC Rot-Weiß Erfurt. Seinen Namen hat das Stadion vom nahe gelegenen Steigerwald erhalten. Das Stadion soll bis 2016 für 35 Millionen Euro umfassend saniert und zu einer multifunktionalen Veranstaltungsstätte umgebaut werden.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten]

Die Planung eines Stadions an der Daberstädter Schanze geht bereits auf die Mitte der 20er Jahre zurück. 1927 legten der damalige Stadtbaurat Ludwig Boegl und der Leiter des Hochbauamts, der Architekt Johannes Klass hierzu konkrete Pläne vor. Anschließend wurde die Anlage von der Firma Kernchen & Co mit Hilfe von Erwerbslosenfürsorgeprogrammen errichtet, und zog sich aufgrund finanzieller Probleme bis 1931 hin. Die Kosten betrugen ca. 500.000 Reichsmark.

1931-1948: Mitteldeutsche Kampfbahn[Bearbeiten]

Charakteristischer Teil des Stadions wurde das an der Ostseite, zum Südpark hin, erbaute monumentales Eingangsgebäude. Es bestand aus einem Mittelbau mit drei rundbogigen Toren und zwei symmetrisch dazu angelegten Seitenflügeln zur Unterbringung der Kassen. Der Bau diente es dem Einzug der Sportler bei Marathonläufen und wurde daher "Marathontor" genannt. Über den Toren befand sich eine Dachterrasse. Die Anlage war in Naturstein erbaut, die Vordächer vor den Kassenschaltern waren als Kragplatten aus Stahlbeton errichtet.

Die gesamte Sportanlage wurde am 17. Mai 1931 unter der Bezeichnung Mitteldeutsche Kampfbahn durch Oberbürgermeister Bruno Mann eröffnet.[3] [4] Das Stadion war zunächst noch nicht als Heimstätte für einen Fußballverein vorgesehen, sondern diente als typisches Mehrzweckstadion vor allem Turnfesten, Reiterspielen und Leichtathletikveranstaltungen. Hierzu hatte es eine 500 Meter lange Laufbahn sowie eine 8 Meter breite Rasenbahn für den Reitsport. Fußballspiele wurden zunächst nur vereinzelt durchgeführt.

Am 26. Juli 1932 nutzten Adolf Hitler und die NSDAP das Stadion für eine Großkundgebung, an der über 75.000 Zuschauer teilgenommen haben sollen. [4] Nach der Machtergreifung 1933 folgten dort weitere Aufmärsche und Fackelzüge. Hierzu wurde das Stadion um eine Holztribüne für weitere 1.270 Zuschauer vergrößert und fasste damit insgesamt 35.000 Zuschauer. Am 25. August 1935 bestritten Deutschland und Rumänien das erste Länderspiel (4:2) im Erfurter Stadion.

1948-1991: Georgij-Dimitroff-Stadion[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Spielbetrieb zunächst eingestellt, die sowjetische Besatzungsmacht nutzte die Spielstätte unter anderem für den Kartoffelanbau. Am 6. November 1948 wurde das Stadion nach Aufbringung einer neuen Rasenfläche wieder eröffnet, nun unter dem Namen Georgij-Dimitroff-Stadion. In den 1950er Jahren wurde der bisher gültige Zuschauerrekord aufgestellt. Das DDR-Oberligaspiel Turbine Erfurt – Chemie Leipzig (1:2) wurde von 47.390 Zuschauer besucht.

Neben den Fußballspielen von Turbine / FC Rot-Weiß Erfurt wurde das Stadion in der DDR-Zeit auch mehrfach für die Etappenankünfte eines Radsport-Etappenrennens, der „Internationalen Friedensfahrt“, und zur Durchführung von Leichtathletikveranstaltungen genutzt. 1969 wurde die Leichtathletik-Laufbahn auf 400 Meter verkürzt und mit Tartan überzogen. Das Stadion erhielt eine elektronische Anzeigetafel und eine Flutlichtanlage mit 1000 Lux. Diese wurde am 6. Oktober 1970 mit dem Freundschaftsspiel FC Rot-Weiß – Vasas Budapest (2:2) mit 14.000 Zuschauern eingeweiht.

Die Fußballnationalmannschaft der DDR trug folgende fünf Länderspiele im Dimitroff-Stadion aus:

Datum Heim Gast Ergebnis Zuschauer
21. Juni 1961 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik MarokkoMarokko Marokko 1:2 25.000
11. Sep. 1966 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik PolenPolen Polen 2:0 30.000
30. Aug. 1978 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 2:2 09.000
28. Mär. 1984 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 2:1 07.000
23. Aug. 1989 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 1:1 05.000

Seit 1991: Steigerwaldstadion[Bearbeiten]

1991 erhielt die Sportstätte nach einer Befragung der Erfurter Bevölkerung ihren heutigen Namen Steigerwaldstadion. 1992 wurde die alte Holztribüne abgerissen und es entstand bis 1994 eine neue Tribüne, die Platz für 4000 Zuschauer bietet. Ebenfalls 1994 fanden erstmals die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Steigerwaldstadion statt. Am 13. Juni 1996 fand das erste Open-Air-Konzert – die US-Rocker Bon Jovi starteten hier ihre damalige Deutschlandtour – der Stadiongeschichte statt. Bei dieser Art der Nutzung, stellt eine Anzahl von rund 45.000 Zuschauern die obere Begrenzung dar, wie am 1. Juni 2003 bei einem Konzert von Herbert Grönemeyer deutlich wurde.

Im Jahr 1999 wurde die Flutlichtanlage komplett erneuert. Kurz vor der Einweihung des neuen Flutlichtes beim Spiel gegen FC Erzgebirge Aue am 4. Dezember 1999 knickte jedoch einer der vier Masten aufgrund eines Materialfehlers ab. Nach jahrelangen Streitigkeiten um die Schuldfrage und einem erneuten Wiederaufbau der Flutlichtmasten, konnte das neue Flutlicht am 7. März 2003 zum Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken endlich eingeweiht werden. Die Schuldfrage ist bis heute noch nicht rechtskräftig geklärt worden.

Im Rahmen der Frauenfußball-Europameisterschaft 2001, die in Deutschland ausgetragen wurde, fanden im Steigerwaldstadion folgende drei Vorrundenspiele statt:

Datum Team 1 Team 2 Ergebnis Zuschauer
23. Juni 2001 DeutschlandDeutschland Deutschland SchwedenSchweden Schweden 3:1 10.252
27. Juni 2001 DeutschlandDeutschland Deutschland RusslandRussland Russland 5:0 6.249
30. Juni 2001 SchwedenSchweden Schweden RusslandRussland Russland 1:0 820

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden dreimal die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Steigerwaldstadion ausgetragen. Im Juli 2005 fanden hier die U23-Europameisterschaften statt.

Am 13. Dezember 2010 wurde im Stadion eine neue Rasenheizung in Betrieb genommen.

Stadionblöcke[Bearbeiten]

Block E2

Im Spielbetrieb des FC Rot-Weiß Erfurt ist der Block E2, auf der Haupttribüne, der "Fanblock" der Erfurter Anhänger und Heimat der sangesfreudigen Anhängerschaft (u.a. der Erfordia Ultras). Bis zum Ende der Saison 2012/2013 war Block 3 der "Fanblock". Dieser Stehplatzblock befindet sich (wie auch die Blöcke 4,5 und 6) in der Südkurve und wird seit dem Umzug Ende der Saison 2012/2013 nur noch von wenigen Fangruppen als "Fanblock" beibehalten. Block 3 löste die damalige Ostkurve als Standort des „Harten Kerns“ der Fans ab.

Die Zuschauer der Gastmannschaft finden in den Blöcken 1 und 2 Platz. Wenn eine besonders große Anzahl von Gästeanhängern erwartet wird (z. B. von Dynamo Dresden oder dem FC Carl Zeiss Jena), werden diesen auch die Marathontor-Blöcke F und G zur Verfügung gestellt. Das Marathontor verfügt noch über zwei weitere Blöcke, H und I. Die Tribüne des Stadions umfasst die Blöcke A bis E. Hier ist im Block E ein weiterer Fanblock vorgesehen. Im Allgemeinen sind alle Blöcke, die mit Buchstaben bezeichnet sind, mit Sitzplätzen ausgestattet, während alle mit Zahlen gekennzeichneten Blöcke für Stehplätze vorgesehen sind. Eine Besonderheit stellt der Block 7 dar. In ihm befindet bei Heimspielen des FC Rot-Weiß ein VIP-Zelt, und der Block ist für Zuschauer gesperrt.

Umbau 2011-2016[Bearbeiten]

2011 wurde ein Umbau des Stadions zu einer multifunktionalen Sport- und Veranstaltungsarena für bis zu 120 Veranstaltungstage pro Jahr beschlossen, welcher ursprünglich bis Ende 2013 abgeschlossen sein und rund 27 Millionen Euro kosten sollte.[5] Unklarheiten über die Rechtskonformität der Fördermittelzulage des Landes Thüringen in Höhe 29,5 Millionen Euro mit EU-Recht konnten erst im März 2013 geklärt werden. Demnach war der Baubeginn für Frühjahr 2014 und die Fertigstellung Mitte 2015 geplant. Die Gesamtkapazität soll nach Fertigstellung 21.700 betragen und die Kosten sich auf 35,2 Millionen Euro belaufen.[6] Die Ausschreibung für den Bau musste ein zweites Mal durchgeführt werden, nachdem es offenbar in der ursprünglichen Ausschreibung im Juni 2013 Fehler gegeben hatte. Damit verzögerte sich der Baubeginn weiter.[7] Am 8. August 2013 gab Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein bekannt, dass der Umbau nun im Spätsommer oder Herbst 2014 starten und 2016 abgeschlossen sein sollte.[2]. Anfang Oktober 2014 wurde offiziell Abschied genommen vom Steigerwaldstadion: Dazu gab es eine Neuauflage des UEFA-Pokal-Spiels von 1991 gegen den FC Groningen, das 1:1 endete, und im Anschluss daran das Lied „Time to say goodbye“ in Begleitung von Pyro und Feuerwerk.

Kritik[Bearbeiten]

Im November 2014 gab Bausewein zudem bekannt, dass die letzten historischen Reste der alten Mitteldeutschen Kampfbahn, das "Marathontor", bereits im Frühjahr 2015 abgerissen werden sollen. Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hatte es versäumt, die Anlage als Kulturdenkmal einzutragen. Dieses führte zu Protesten aus der Bevölkerung. So äußerte sich der Erfurter Sporthistoriker Karl Gaida hierzu: "Wenn das Tor abgerissen wird, verliert das Stadion sein prägendes Symbol".[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Skrentny: Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien; Werkstatt-Verlag; 2001; ISBN 3-89533-306-9

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatÜbersicht Steigerwaldstadion. FC Rot-Weiß Erfurt e.V., o.J., abgerufen am 18. August 2013.
  2. a b Christoph Lesk: Umbau des Steigerwaldstadions verzögert sich bis 2016. Julian Koch, 9. August 2013, abgerufen am 18. August 2013.
  3. Sportstätten auf erfurter-sportbetrieb.de, abgerufen 28. Oktober 2013
  4. a b René Röder: Der Bau des Erfurter Stadions, ein Balanceakt. Thüringische Landeszeitung Weimar, 10. November 2014, abgerufen am 10. November 2014.
  5. Steigerwaldstadion Erfurt und Sportfeld Jena werden umgebaut. CMAC GmbH & Co. Verlags KG, 2. Mai 2011, abgerufen am 18. August 2013.
  6. Marco Alles: Im Frühjahr 2014 beginnt Umbau des Steigerwaldstadions. Zeitungsgruppe Thüringen GmbH & Co. KG, 23. März 2013, abgerufen am 18. August 2013.
  7. Dirk Lübke: Multifunktionsarena in Erfurt droht wohl neue Ausschreibung. Zeitungsgruppe Thüringen GmbH & Co. KG, 30. Juli 2013, abgerufen am 18. August 2013.
  8. Matthias Thüsing: Marathontor wird zuerst abgerissen, Thüringer Allgemeine, 7. November 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steigerwaldstadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien