Bulgarische Makedonien-Adrianopeler Revolutionäre Komitees

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Gründer der IMRO (1927)

Die Bulgarischen Makedonisch-Adrianopler Revolutionären Komitees (BMARK, bulgarisch Български Македоно-Одрински революционни комитети) waren eine im Untergrund operierende Organisation im Osmanischen Reich. Das erste Komitee wurde am 23. Oktober 1893 in dem zu diesem Zeitpunkt noch zum Osmanischen Reich gehörenden Thessaloniki, nach dem Vorbild der Inneren Revolutionären Organisation gegründet.

Ziel der Komitees war es, die mit der osmanischen Herrschaft unzufriedenen bulgarische Bevölkerung in Makedonien und Thrakien zu einem Aufstand zu mobilisieren und diese Gebiete mit dem 1878 befreiten Bulgarien zu vereinen. Später änderte man die Strategie dahingehend, dass man im ersten Schritt Autonomie und im zweiten Schritt den Anschluss an Bulgarien nach dem Vorbild Ostrumeliens zu erreichen suchte.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Als Vorbild diente die Inneren Revolutionären Organisation von Wassil Lewski. Gründungsmitglieder waren Christo Tatartschew und Dame Gruew, die später die Führung übernahmen, sowie Petar Poparsow, Anton Dimitrow, Christo Batandschiew und Iwan Chadschinikolow. Ihre Mitglieder sowie die der Nachfolgeorganisationen wurden in Anlehnung an das türkische Wort komita (für Komitee) Komitadschi oder Komiti genannt.

Ihr bekanntester Vorsitzender war Goze Deltschew. Anfänglich als rein bulgarische Organisation konzipiert, wurde sie 1902 maßgeblich unter dem Einfluss von Deltschew in Geheime Makedonisch-Adrinanopeler Organisation umbenannt. Ziel war es, auch den nicht-bulgarischen Ethnien in Makedonien die Mitarbeit in der Organisation zu ermöglichen, was man jedoch nicht erreichen konnte. Außerdem wollte man Unannehmlichkeiten für Bulgarien für den Fall vermeiden, dass es zu einem Aufstand im osmanisch besetzten Makedonien kommt.

Ilinden-Preobraschenie-Aufstand[Bearbeiten]

Die Leiter der BMARK in Ostthrakien während des Ilinden-Preobraschenie-Aufstandes

Nach der Gründung der BMARK nahmen die militärischen Aktionen gegen die osmanisch-türkische Militärpräsenz auf der Balkanhalbinsel zu. Darunter waren auch Sprengstoffattentate, auf die das Osmanische Reich mit blutiger Vergeltung reagierte – so am 13. Februar 1903, als es zu regelrechten Massakern an der Bevölkerung in Thrakien und Makedonien kam. Im April 1903 erfolgten als Rache die Attentate von Thessaloniki auf das Gebäude der Imperial Ottoman Bank, auf den französischen Frachter Guadalkivi und auf das Elektrizitätsnetz der Stadt. Daraufhin beschloss die BMARK Anfang August 1903, einen groß angelegten Aufstand zu wagen in der Hoffnung, durch ausländische, insbesondere russische Intervention unterstützt zu werden. Auch der russisch-türkische Krieg von 1877/1878 war bereits durch Aufstände in Bulgarien ausgelöst worden.

Die langjährigen revolutionären Tätigkeit gipfelte in dem Ilinden-Preobraschenie-Aufstand, der im Juli und August 1903 ausbrach. Obwohl größere Gebiete von den Aufständischen befreit wurden (siehe Strandscha-Republik und Republik Kruševo), wurde angesichts der osmanischen militärischen Übermacht der Aufstand blutig niedergeschlagen. Am 2. September brannte beim Einlaufen in Burgas das ungarische Schiff Vaskapu nach einem misslungenen Bombenattentat der BMARK aus. Ziel der BMARK war es, den Dampfer, der von Warna über Burgas nach Konstantinopel fuhr, erst beim Einlaufen in die osmanische Hauptstadt zur Explosion zu bringen.[1][2]

Jungtürkische Revolution, Balkankrieg und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach der erfolgreiche Konstitutionelle Revolution der Jungtürken, durch die die Osmanische Verfassung nach dreißigjähriger faktischer Unwirksamkeit erneut in Kraft trat und sich politischen Parteien im Reich bilden könnten, bildeten Mitglieder der BMARK zwei konkurrierende Parteien (die Union der bulgarischen Verfassungsclubs in Makedonien und die Volksföderative Partei (bulgarische Sektion)), die an den Wahlen zum osmanischen Abgeordnetenhaus teilnahmen.

Viele der Kämpfer der BMARK nahmen als Freiwillige im sog. Makedonien-Adrianopel-Freiwilligen-Korps an den Balkankriegen 1912 und 1913 auf der Seite Bulgariens teil. Im Ostthrakien konnten sie dabei unter anderem Rodosto, Tekirdağ, Corlu sowie die Marmara-Insel einnehmen. Im Zweiten Balkankrieg nahmen sie an Kämpfen in Makedonien gegen die serbische Armee teil. Als nach dem Zweiten Balkankrieg ein großer Teil Makedoniens unter serbische Herrschaft geriet, organisierte die BMARK gemeinsam mit albanischen Kräften im September 1913 den Ohrid-Debar-Aufstand, der gegen die serbische Herrschaft gerichtet war.

Während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 übernahmen vielerorts Mitglieder der BMARK die Verwaltung der von der bulgarischen Armee besetzten Gebiete Serbiens und Griechenlands. Nach dem Ende des Krieges spaltete sich die BMARK. Ihre Organisationsstrukturen in Makedonien fungierten ab 1919 unter dem Namen Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation (kurz IMRO, oder VMRO).[3] Die in Thrakien wirkenden Strukturen trugen den Namen Innere Thrakische Revolutionäre Organisation. Teile der BMARK schlossen sich der Inneren Dobrudschanischen Revolutionären Organisation an, welche in der Dobrudscha agierte.

Kongresse[Bearbeiten]

Satzung der BMARK herausgearbeitet während des Rila-Kongresses 1905
Kongresse der gesamten Organisation
I. Resen-Kongress 1894
II. Thessaloniki-Kongress 1896
III. Thessaloniki-Kongress 1903
IV. Rila-Kongress 1905
V. Kjustendil-Kongress 1908
VI. Sarbinowo-Kongress 1925
VII. Krupnik-Kongress 1928
VIII. Troskowo-Kongress 1932
Kongresse lokaler Komitees[4]
Plowdiw-Kongress 1902
Smilewo-Kongress 1903
Kongress von Petrowa Niwa 1903
Serres-Kongress 1903
Prilep-Kongress 1904
Kneschewo-Kongress 1905
Skopje-Kongress 1906

Literatur[Bearbeiten]

  • Björn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdrückung? Eine komparative Untersuchung über die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915–1918 und 1941–1944. Verlag Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-7997-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bulgarische Makedonien-Adrianopeler Revolutionäre Komitees – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Iwan Karajotow, Stojan Rajtschewski, Mitko Iwanow: История на Бургас. От древността до средата на ХХ век (zu dt. etwa Geschichte der Stadt Burgas. Von der Antike bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts), Verlag Tafprint OOD, Plowdiw, 2011, ISBN 978-954-92689-1-1, S. 190-201
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThe Montreal Gazette: Ship blown up on Black Sea. The austrian Streamship Vaskapu Met Whit Disaster. 3. September 1903, abgerufen am 3. November 2011 (englisch).
  3. Björn Opfer: Im Schatten des Krieges, S. 27
  4. unvollständig