Bunjewatzen

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Die Bunjewatzen (serbokroatisch Bunjevci/Буњевци, ungarisch bunyevácok) sind eine südslawische Ethnie von überwiegend römisch-katholischer Konfession. Sie leben vornehmlich in der historischen Region Batschka, welche in der heutigen Vojvodina im nördlichen Serbien und einem Teil von Ungarn liegt (Dreieck Baja-Subotica-Sombor), und sprechen die Bunjewakische Sprache, einen ikavisch-štokavischen Dialekt. Nach der Volksbefragung 2002 in Serbien leben 20.012 Bunjewatzen mehrheitlich in der Vojvodina.

Zu Zeiten Österreich-Ungarns gehörte die Batschka zum Königreich Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1918 der größte Teil dieses Gebiets Serbien angegliedert und ab 1974 Teil der autonomen serbischen Provinz Vojvodina.

Ethnische Einordnung[Bearbeiten]

Bunjevci migrations.png

Viele Wissenschaftler (vgl. Matija Poljaković[1][2], Ante Sekulić[1], Lajčo Budanović[1], Ivan Evetović[1], Petar Pekić[1] [3], Rudolf Horvat[4], Matija Evetović[5][1], Geza Kikić [1][6]) nehmen anhand der Sprache, Religion, Familiennamen, Kulturverbindungen und anderer Kriterien an, dass die Bunjewatzen ursprünglich aus den Regionen Dalmatien (Zadar, Ravni Kotari, Cetinska krajina), Podgorje (primorski Bunjevci: Senj, Krivi Put, Jablanac, Krasno), der Lika und aus der Herzegowina (das Gebiet um die Buna, Čitluk, Međugorje) stammen und sich im 18. Jahrhundert in Südungarn angesiedelt haben.[7]

In Ungarn und Kroatien werden die Bunjewatzen als Kroaten zusammengefasst, soweit sie sich nicht selbst als Kroaten o.a. deklarieren. Vor allem in Serbien wollen jedoch einige Zehntausend als eine eigene Volksgruppe anerkannt werden. Vor und während der Zeit des Königreichs Jugoslawien und in der jüngeren Geschichte versuchten serbische Ethnologen, die Bunjewatzen der eigenen Volksgruppe zuzurechnen und als „katholische Serben“ zu bezeichnen.[8][9]

Kulturelles Zentrum der Bunjewatzen aus Batschka ist die Stadt Subotica. Kulturelles Zentrum der primorski Bunjevci ist die Stadt Senj. In Senj gibt es ein Bunjewatzen-Museum, einen Fußballklub Bunjevac und eine Bunjevačka ulica (Bunjewatz-Straße) [7].

Kroatisierung der Bunjewatzen[Bearbeiten]

In den aktuellen kroatischen und ungarischen Bevölkerungsstatistiken taucht die Kategorie „Bunjewatzen“ nicht auf[10][11][12]. In Ungarn lehnte es das Parlament 2006 ab, die Bunjewatzen als eigenständige Nationalität anzuerkennen, sodass sie weiterhin als Teil der kroatischen Minderheit gelten.

Verfolgt man die Erwähnungen der Bunjewatzen in historischen Volkszählungen Österreich-Ungarns und später Jugoslawiens, so tauchen diese nur am Rande in einzelnen Vermerken auf und werden von Beginn mit den Serben als Illyrer, Dalmatiner, Serben und Serbokroaten zusammengefasst. Der Beginn der Kroatisierung katholischer Raszier, wie sie aufgrund ihrer Herkunft ebenso genannt wurden, wurde in verschiedenen Sitzungen der kommunistischen Partei schon während des Zweiten Weltkriegs festgelegt. In den kommenden Volkszählungen der Volksrepublik Jugoslawien ab 1945 wurden die Bunjewatzen aufgrund der unterstellten Nichtexistenz einer eigenen Volkstümlichkeit (narodnost) mit den Schokatzen den Kroaten zugezählt. Hierzu gab es offene Briefe[13], die eindeutige Anweisungen zur „Korrektur“ der gesammelten Daten aus Volksbefragungen enthalten. Weiterhin machte sich der spätere Diktator Josip Broz Tito, der sich selbst zur kroatischen Volkstümlichkeit zählte, in einer Rede am 8. Mai 1945 persönlich für die Kroatisierung der Bunjewatzen stark, indem er dem serbischen Chauvinismus in der Vojvodina die Schuld gab, wieso dem Kroaten nicht anerkannt wird, dass er Kroate sei und als Bunjewatze bezeichnet wird. Erst in der Volksbefragung 1991 nach der Machtübernahme von Slobodan Milošević werden die Bunjewatzen erstmals und nur in Serbien als eigenständige Ethnie in den Volkszählungen aufgeführt.[14][15] Ihr besonderer Werdegang, der sie zum ersten Mal beim Anschluss mit den Serben der Vojvodina an das Fürstentum Serbien und das zweite Mal nach dem Sturz des titoistischen Erbes 1989 erscheinen lässt, wie auch eine starke Lobbyarbeit Kroatiens verhindern die Thematisierung der Frage der Standardisierung und Anerkennung auf europäischer Ebene.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Wissenschaftler:

Schriftsteller:

Politiker:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Radio-Subotica Donesen nastavni program „Bunjevački govor sa elementima nacionalne kulture", 23 Jul 2007
  2. Matija Poljaković: Pregled povijesti Hrvata Bunjevaca
  3. Petar Pekić: Povijest Hrvata u Vojvodini : od najstarijih vremena do 1929. godine, Matica hrvatska, Zagreb, 1930.
  4. Rudolf Horvat: Hrvati u Bačkoj, Bunjevci i Šokci, 1922.
  5. Matija Evetović: Kulturna povijest bunjevačkih i šokačkih Hrvata, 1941.
  6. a b c Geza Kikić: Antologija poezije bunjevačkih Hrvata, Matica Hrvatska, Zagreb, 1971.
  7. a b Radio Subotica Bunjevci posjetili svoju pradomovinu, 24. September 2008
  8. Hrvatska riječ Bezuspješno su nam pokušavali "otvoriti oči", 26. November 2004
  9. Vjesnik Novo zastrašivanje vojvođanskih Hrvata, 23.–24. Juli 2005
  10. Republika Hrvatska – Državni zavod za statistiku Population by ethnicity, by towns/municipalities, census 2001
  11. Republika Hrvatska – Državni zavod za statistiku Population by ethnicity, detailed classification, by towns/municipalities, census 2001
  12. Népszámlálás 2001 – Központi Statisztikai Hivatal Population by national/ethnic groups 2001
  13. Archiv Novi Sad
  14. Dekret zur Kroatisierung der Bunjewatzen
  15. Katholische Enzyklopedie; Bunjewatzen als katholische Serben
  16. Reliquiae Pancicianae
  17. a b Povijest hrvatskog plemstva u Bačkoj (die Quelle war Zeitschrift Miroljub oder Hrvatska riječ)
  18. Bunjevci Croats in Bačka
  19. a b c d e f g Geza Kikić: Antologija proze bunjevačkih Hrvata, Matica Hrvatska, Zagreb, 1971.
  20. Društvo Antuna Gustava Matoša Tovarnik Biografija
  21. Globus Nr. 818/2006 Bunjevci su Hrvati kao i Ličani, Dalmatinci, Slavonci... ,
  22. Zvonik br. 137 Kojim Bunjevcima je stalo da budu Hrvati, a kojima nije?, März 2006.
  23. Matija Poljaković: Pregled povijesti Hrvata Bunjevaca, Subotička Danica, 1971.
  24. Zvonik Kojim je jezikom govorio Blaško Rajić