Zadar

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Zadar
Wappen von Zadar
Zadar (Kroatien)
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44.12025277777815.2306555555560Koordinaten: 44° 7′ 13″ N, 15° 13′ 50″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Wappen der Gespanschaft Zadar Zadar
Höhe: m. i. J.
Fläche: 194 km²
Einwohner: 75.062 (2011)
Bevölkerungsdichte: 387 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 023
Postleitzahl: 23 000
Kfz-Kennzeichen: ZD
Bootskennzeichen: ZD
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 21 Stadtteile
Bürgermeister: Božidar Kalmeta (HDZ)
Koalitionspartner: HSP AS, HSU, A-HSS, HČSP
Postanschrift: Narodni trg 1
23 000 Zadar
Webpräsenz:
Sonstiges
Schutzpatron: Hl. Simeon (Sv. Šimun),
Hl. Chrysogonus
(Sv. Krševan),
Hl. Anastasia
(Sv. Stošija),
Hl. Zoilo (Sv. Zoilo)
Stadtfest: 24. November (Chrysogonus),
15. Januar (Anastasia)

Die Stadt Zadar [ˈzadar] (italienisch Zara; lateinisch Iader oder Iadera ‚Jadera‘) liegt im Süden Kroatiens in Norddalmatien. Zadar ist eine Hafenstadt und ein Seebad an der Adria mit 75.062 Einwohnern (2011).

Zadar ist Verwaltungssitz der Gespanschaft Zadar (kroatisch Zadarska županija), Sitz des katholischen Erzbistums Zadar (welchem das Militärordinariat unterstellt ist). Zadar ist auch Sitz einer 2003 gegründeten Universität.

Zum Stadtgebiet zählen auch die 14 Dörfer Babindub, Brgulje, Crno, Ist, Kožino, Mali Iž, Molat, Olib, Petrčane, Premuda, Rava, Silba, Veli Iž und Zapuntel.

Geschichte[Bearbeiten]

Zadar war schon in der illyrischen Zeit eine Siedlung. In römischen Quellen wird es als Iader (Iadera), bei Konstantinos Porphyrogennetos im 10. Jahrhundert als Diadora erwähnt.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. unterwarfen die Römer die Stadt, bauten ein Kapitol, Befestigungsanlagen, Thermen und einen Aquädukt. Nach 59 v. Chr. war Zadar römisches Municipium, ab 48 v. Chr. eine Kolonie römischer Bürger. Nach dem Niedergang des Weströmischen Reiches wurde Zadar Hauptstadt des byzantinischen Themas Dalmatien. Von da an wechselten die Herrscher der Stadt: erst fränkische, zu Beginn des 9. Jahrhunderts byzantinische. Infolge der Plünderungen durch Seeräuber begab sich Zadar um 1000 unter venezianischen Schutz und wurde von dem oströmischen Kaiser Alexios I. förmlich abgetreten.

Der Eroberung von Zadar 1062, Gemälde des italienischen Künstlers Jacopo Tintoretto (1518–1594)

Im 10. und besonders im 11. Jahrhundert hatten kroatische Herrscher die eigentliche Herrschaft über die Stadt inne. Im Jahr 1069 kam Zadar erstmals unter König Petar Krešimir IV. zu Kroatien. Im Jahr 1102 kam Kroatien und damit auch Zadar durch ein Abkommen (Pacta conventa) in Personalunion zu Ungarn. Ab Anfang des 12. Jahrhunderts wurde Zadar mehrmals von der Republik Venedig angegriffen. Hier siegten 1118 die Scharen des ungarisch-kroatischen Königs Stephan II. über die Venezianer und Ordelafo Faliero, der Doge Venedigs, fand seinen Tod vor der Stadt. 1202 wurde Zadar von den Venezianern mit Hilfe des französischen Kreuzfahrerheers zunächst belagert und schließlich erobert.

Die venezianische und kroatisch-ungarische Herrschaft wechselten nun. Nach mehreren Aufständen gelangte Zadar in den Besitz des ungarisch-kroatischen Königs Ludwig I. (Friede von Zadar, 1358). Nach dessen Tod herrschte König Sigismund, danach Ladislaus von Neapel, Prätendent der ungarischen Krone. Dieser verkaufte im Jahre 1409 Zadar und seine Rechte auf Dalmatien für 100.000 Dukaten an Venedig.

Es begann nun die Sicherung der Stadt, da die Venezianer den politischen und wirtschaftlichen Schutz der Stadt übernahmen. Als die Osmanen zu Beginn des 16. Jahrhunderts das Hinterland eroberten, wurde die Stadt von den Venezianern zu einer starken Festung ausgebaut, die den venezianischen Handel an der Adria sicherte und als Verwaltungszentrum für die venezianischen Besitztümer in Dalmatien diente. Zadar war bis 1797 die Hauptstadt der venezianischen Doppelprovinz Dalmazia e Albania.

Nach dem Fall Venedigs 1797 kam Zadar an Österreich. Letzteres musste die Stadt 1805 an Frankreich abtreten, das sie zu den illyrischen Provinzen schlug. Zur Zeit der französischen Herrschaft erschien in Zadar die erste Zeitung in kroatischer Sprache, der Kraljski Dalmatin (1806−1810).

Postkarte von Zara aus dem Jahr 1920

Im Dezember 1813 kam Zadar nach einer sechstägigen Beschießung durch Kapitulation wieder an Österreich, in dessen Besitz es bis 1918 blieb. Es war Hauptstadt des Königreichs Dalmatien, das eines der österreichischen Kronländer war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Zadar ein Zentrum der kroatischen kulturellen und nationalen Wiedergeburtsbewegung in Dalmatien, die eigentlich eine erstmalige Nationenbildung darstellte, bei der sich bestimmte Begrifflichkeiten erst herausgebildet haben. Hier erschienen ab 1838 das Srpsko-dalmatinski Magazin und ab 1844 die Literaturzeitschrift Zora dalmatinska. Ab 1862 wurde zweimal wöchentlich die Zeitung Il Nazionale herausgegeben, einmal in der Woche mit der Beilage Prilog k Narodnom listu in kroatischer Sprache. Es handelte sich dabei um die Zeitung der Narodnjaci (deutsch etwa die Nationalen), die für einen Zusammenschluss Dalmatiens mit dem Königreich Kroatien und Slawonien plädierten. Im gleichen Jahr wurde in Zadar die Matica dalmatinska, ein slawischer Kulturverein nach dem Vorbild der Matica srpska und Matica hrvatska, gegründet. 1863 wurde in der Stadt die Slavjanska čitaonica eröffnet, ein Lesesaal, der auch Tagungsort der Narodnjaci im dalmatinischen Landtag (sabor) war.[1]

Bis zum Ersten Weltkrieg war Zadar Garnisonstadt der k.u.k. Armee. Stationiert waren hier 1914 der Stab sowie das I. und III. Bataillon des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 23.

Italienisches Territorium Zara

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Zadar durch den Grenzvertrag von Rapallo (1920) an Italien. Während des Zweiten Weltkriegs war die Küstenstadt Ziel heftiger alliierter Luftangriffe, die schwere Schäden an den historischen Stätten verursachten. 1945/47 wurde die Stadt Teil der Teilrepublik Kroatien innerhalb Jugoslawiens.[2] Die großteils italienischsprachige Bevölkerung verließ daraufhin fast vollständig die Stadt Richtung Italien (siehe Foibe-Massaker). Seit 1991 ist Zadar Teil der unabhängigen Republik Kroatien und entwickelt sich immer mehr zu einem der wichtigsten Adria-Seehäfen. Nebst vielen anderen Ordensgemeinschaften, ist in Zadar auch der Orden der Karmelitinnen vertreten.

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1991 griff die Jugoslawische Volksarmee im Zuge des Kroatienkrieges Zadar aus der Luft und mit Artillerie an und verursachte auch an Kulturgütern zahlreiche Schäden. Die Stadt konnte anschließend nur mit großen Anstrengungen gegen die anrückenden Truppen verteidigt werden. Der Verkehr mit Zagreb konnte ausschließlich über die Insel Pag aufrecht gehalten werden. Die Belagerung der Stadt dauerte bis zum 22. Januar 1993, als die kroatische Armee die Verbindung von Zadar und der Umgebung Maslenicas mit Zagreb wiederherstellte. 1995 wurde dann durch die Operation Oluja im gesamten Hinterland die staatliche Gebietshoheit wiederhergestellt.

Kulturerbe[Bearbeiten]

Panorama der Altstadt von Zadar

Zadar, auf einer schmalen Landzunge am Adriatischen Meer und am Kanal von Zadar gelegen, wird vom Festland durch einen Wassergraben getrennt. Zadar war bis 1873 eine Festung. Die Stadt hat einen großen Hafen, vier Tore (darunter das Marinetor mit einem eingesetzten Stück eines römischen Triumphbogens und die nach dem Entwurf von Sanmicheli erbaute Porta di Terraferma) und besteht aus vier Stadtteilen. Der überwiegende Teil der Altstadt von Zadar ist venezianischen Baustils. Unter den Plätzen sind der Herrenplatz (Piazza dei Signori) mit schönem Hauptwachtgebäude und der Gradska Straza (mit der Stadtbibliothek) sowie der Brunnenplatz mit antiker korinthischer Säule nennenswert. Eine solche ziert auch den Simeonsplatz.

Zadar: Sveti Krsevan

Kulturhistorisch bedeutende Kirchen:

  • die Domkirche der Heiligen Anastasia (kroat. Sv. Stošija), eine romanische Basilika aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts., mit schönen Marmoraltären und Gemälden
  • die Kirche St. Elias
  • die Kirche St. Simeon mit dem kunstvollen Reliquienschrein des heiligen Simeon
  • die Kirche des Nonnenklosters St. Marien im lombardischen Stil
  • die ehemalige Kirche zur heiligen Dreifaltigkeit (die älteste der Stadt, der Sage nach aus den Trümmern eines Junotempels im 9. Jahrhundert erbaut), jetzt Antikenmuseum
  • die Kirche Sankt Donatus (Crkva svetoga Donata) aus dem 9. Jahrhundert
  • die Kirche des Heiligen Chrysogonus (Sveti Krševan) aus dem 12. Jahrhundert (anstelle einer Kirche aus dem 6. Jahrhundert erbaut).
Das Landtor (Porta Terraferma) mit venezianischem Markuslöwen, 1543

Sonstige bemerkenswerte Bauwerke sind:

  • das römische Forum
  • der ehemalige Palast der Prioren
  • der erzbischöfliche Palast
  • das Arsenal
  • Die „fünf Brunnen“ und der angrenzende „Turm des Stadtkommandanten“ Der Platz entstand 1574 über einer Zisterne. Die Brunnen versorgten bis Mitte es 19. Jahrhunderts die Stadt mit Wasser.

Tourismus[Bearbeiten]

Im März 1902 eröffnete das erste Hotel der Stadt, das Hotel Bristol (heute Hotel Zagreb). In der Umgebung von Zadar befinden sich fünf Nationalparks: der Nationalpark Krka, der Nationalpark Paklenica, der Nationalpark Nördlicher Velebit, Nationalpark Kornaten und der Nationalpark Plitvicer Seen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der Sport in ist in Zadar besonders durch Basketball geprägt: KK Zadar ist ein Traditionsverein, der in der Vergangenheit auch an europäischen Turnieren teilnahm. Neben KK Zadar spielt auch der kleinere Verein KK Borik in der ersten kroatischen Liga. Die Mehrzweckhalle Dvorana Krešimira Ćosića, die anlässlich der Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2009 errichtet wurde, dient dem KK Zadar als Heimspielstätte.

Weiterhin gibt es zwei Radsportvereine: den BK Zadar und den BK Donat. Beide haben sich dem Straßenrennen verschrieben und kümmern sich aktiv um jüngere Radsportler. Traditionell veranstaltet der BK Zadar das „1. Mai Straßenrennen“ und der BK Donat die z. T. touristischen Radeltouren Plitvice-Zadar (Frühsommer) und Knin-Zadar (5. August).

Der städtische Fußballverein NK Zadar spielt seit der Saison 2006/07 wieder in der 1. Kroatischen Liga, kämpft aber vermehrt mit finanziellen Problemen.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen Zadar ist der internationale Flughafen der Stadt. Neben regionalen Zielen werden von hier auch verschiedene europäische Städte angeflogen.

Zadar ist an das kroatische Straßennetz sehr gut angebunden. Die Europastraße 65 (Državna cesta D8|kroatische Nationalstraße 8) führt direkt durch den östlichen Teil der Stadt und sichert eine Verbindung mit den an der Küste gelegenen Städten, wie Rijeka, Šibenik oder Split. Darüber hinaus ist Zadar auch über die Ausfahrten Posedarije, Zadar 1 und Zadar 2 an die neu erbaute Autobahn 1 angeschlossen.

Zadar verfügt außerdem über einen Fährhafen, von dem aus Verbindungen auf die vorgelagerten Inseln oder auch nach Italien angeboten werden.

Der Eisenbahnverkehr ist von nicht allzu großer Bedeutung. Die Stadt ist Endpunkt der Bahnstrecke Knin–Zadar. Es verkehren täglich drei Regionalzugpaare von und nach Knin.[3]

Sehenswerte Kunstobjekte[Bearbeiten]

Meeresorgel

Seit Juli 2005 gibt es am Hafen eine vom Architekten Nikola Bašić geschaffene Meeresorgel, die durch die Wellenbewegung Musik erzeugt. Durch die Meereswellen wird Luft in die Orgelpfeifen gepresst, wodurch je nach Wellengeschwindigkeit und Pfeifengröße verschiedene Töne erzeugt werden.[4]

In unmittelbarer Nähe hierzu installierte derselbe Architekt 2008 einen 22 Meter großen Kreis aus 300 mehrschichtigen, begehbaren Glasplatten. Sie fangen das Sonnenlicht ein und produzieren zum Sonnenuntergang bunte Lichtspiele.

Wappen und Stadtheilige[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt St. Grisogonus (sveti Krševan), als Stadtheilige gilt jedoch heute die hl. Anastasia (sveta Stošija).
Der Liedtext "Zadar Grad u moru" nennt außerdem den hl. Bischof Donat, den hl. Šimeon (siehe Simeon (Prophet)), den hl. Franz von Assisi (sv. Frane) sowie Maria.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Königin Jelena von Zadar (nationalromantische Büste)

Die folgenden Personen wurden in Zadar geboren oder stammen aus Zadar:

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zadar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antoni Cetnarowicz: Die Nationalbewegung in Dalmatien im 19. Jahrhundert. Vom „Slawentum“ zur modernen kroatischen und serbischen Nationalidee. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57418-8, S. 23 u. 73
  2. Friedensvertrag mit Italien, Artikel 11
  3. timetable
  4. ZADAR Meeresorgel auf www.lotos-croatia.com, abgerufen am 24. Dezember 2010