Burghard von Schorlemer-Alst
Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst (* 21. Oktober 1825 auf Schloss Herringhausen bei Lippstadt; † 17. März 1895 auf der Wasserburg Haus Alst in der Bauerschaft Alst bei Horstmar) war ein deutscher Politiker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schorlemer-Alst war der Gründer des „Westfälischen Bauernvereins“ und Initiator der ländlichen Genossenschaftsbewegung in Westfalen.
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Leben[Bearbeiten]
Er entstammte dem westfälischen Adelsgeschlecht von Schorlemer. Sein Vater war der Rittergutsbesitzer und Politiker Friedrich Wilhelm von Schorlemer (1786-1849). Seine Mutter war Josephine (geb. von Pelden genannt von Cloudt). Ein älterer Bruder war der Offizier, Landrat und Politiker Wilhelm von Schorlemer (1821-1884). Sein zweitältester Sohn war der deutsche Politiker Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser [1856-1922).
In der Zeit der demokratischen Revolution von 1848/49 kämpfte der junge westfälische Adlige Schorlemer-Alst auf der Seite der Revolutionsgegner. Als preußischer Sekondeleutnant nahm er an der militärischen Niederschlagung der „demokratischen Umtriebe“ im Rahmen der Feldzüge in Rheinland-Pfalz teil. Die demokratische Revolution fand auch in der westfälischen Landbevölkerung, insbesondere in den klein- und unterbäuerlichen Schichten große Anhängerschaft. Im Frühjahr 1848 stürmten Bauern, Kleinbauern und Heuerlinge Adelssitze und Schlösser. Diese Ereignisse prägten Schorlemer-Alst nachhaltig. Nach seinem Ausscheiden aus dem preußischen Militärdienst 1852 lernte er bei der Mitwirkung in einer Bonitierungskomission die Lage der Landwirtschaft aus unmittelbarer Nähe kennen. Nach seiner Auffassung fand die zahlenmäßig starke Bevölkerungsgruppe der Landwirtschaft nicht entsprechende gesellschaftliche Beachtung. Aus religiöser, katholisch-altständischer Sicht sah Schorlemer die Landwirtschaft vornehmlich durch den wachsenden Einfluss des Liberalismus bzw. des kapitalistischen Marktsystems und durch einen wachsenden Staat bedroht. 1862 schrieb er: "Unsere Zeit strebt dahin, sich mehr und mehr vom lieben Gott, von seinen Geboten, vom Glauben der Väter loszumachen, und die Menschheit ist auf dem besten Wege, vor den zwei modernen Gottheiten, nämlich vor sich selbst und vor dem goldenen Kalb, anbetend hinzusinken. Auch der Staat als solcher emanzipiert sich von der Konfession, damit von der Religion und von Gott."(Pro Memoria zur Gründung eines Bauernvereins, 1862) Es gelte, "den Bauernstand in eine auf religiöse Grundlage basierende Korporation zusammenzufassen und damit zugleich den weiteren Zweck zu erreichen, dem Gift und Despotismus der modernen sogenannten Freiheit einen neuen, gesunden Organismus entgegenzustellen." Aus dieser Perspektive gründete Schorlemer 1862 den ersten Bauernverein für den Kreis Steinfurt und 1871 für ganz Westfalen. Dieser berufsständische, politisch unabhängige Verband vertrat die Interessen der ländlichen Bevölkerung. Besondere Anliegen von Schorlemer-Alst waren das Anerbenrecht, die Feuer- und Lebensversicherung, Ausbildung der Landwirte in Winterschulen, der gemeinschaftliche Warenbezug sowie Förderung und Ausbau einer genossenschaftlichen Geld- und Kreditversorgung.
Zum Dank beschloss der Westfälische Bauernverein in der ersten Sitzung nach Schorlemers Tod einstimmig, mit einem erheblichen Teil des Vereinsvermögens dem Westfälischen Bauernkönig „ein Denkmal in Erz“ zu setzen, ein überlebensgroßes Bronzestandbild, das am 15. März 1902 vor dem neu errichteten Landeshaus (1901) unter riesiger Beteiligung der Bauern des Münsterlandes und der Münsteraner Bürger im Beisein des Vorstands des Bauernvereins und des Berliner Bildhauers Bernhard Heising, der das Kunstwerk geschaffen hatte, feierlich enthüllt und in die Obhut der Provinz gegeben wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde es vernichtet. Das Gipsmodell für die Ausschreibung ist bei den Nachkommen Heising in Bad Driburg erhalten.
Bei aller politischen Neutralität des Bauernvereins war Schorlemer-Alst eine politische Kämpfernatur. Er war Vorsitzender der Zentrumspartei im Preußischen Landtag, Reichstagsabgeordneter und im Kulturkampf ein erbitterter Gegner Otto von Bismarcks. Neben Ludwig Windthorst gehörte er zu den prononciertesten Gegnern Bismarckscher Innenpolitik.
Er war als Vorsitzender des Verbandsausschusses erster Präsident der westfälischen Genossenschaften. Ebenso führte er viele Jahre in Personalunion den Westfälischen Provinzialverein, Vorläufer der Landwirtschaftskammer. Sein Engagement für die Landwirte brachte ihm die Ehrenbezeichnung „Westfälischer Bauernkönig“ ein.
Schorlemer-Alst war Ehrenmitglied der katholischen Verbindungen Winfridia Göttingen und Askania Berlin (jetzt K.St.V. Askania-Burgundia Berlin) im KV. 1874 wurde er auch Ehrenmitglied der Katholischen Studentenverbindung Alsatia Münster (jetzt V.K.D.St. Saxonia Münster) im CV.
Die Katholische Landvolkshochschule in Freckenhorst bei Warendorf trägt zur Erinnerung an Burkhard Freiherr von Schorlemer-Alst die Zusatzbezeichnung „Schorlemer-Alst“. Dort findet sich ein Bronzenachguss des Gipsmodells.
Abgeordneter[Bearbeiten]
Burghard von Schorlemer-Alst wurde im April 1870 in einer Nachwahl im Wahlkreis Münster 2 (Münster, Coesfeld) in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, wodurch er gleichzeitig auch Mitglied des Zollparlaments wurde.[1] Von 1874 bis 1885 war er Abgeordneter im Reichstag, darunter von 1874 bis 1881 und von 1884 bis 1885 für den Wahlkreis Münster 1 (Tecklenburg, Steinfurt, Ahaus) und von 1881 bis 1884 für den Wahlkreis Arnsberg 5 (Bochum). Bei der Reichstagswahl 1890 wurde er noch einmal zum Abgeordneten für den Wahlkreis Bochum gewählt.
Er war außerdem von 1870 bis 1889 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1887 bis 1890 Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags. 1891 wurde er zum Mitglied des Preußischen Herrenhauses ernannt.
Schorlemer-Plakette[Bearbeiten]
Am 8. August 1967 wurde die „Schorlemer-Plakette“ gestiftet, anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes e. V., der Nachfolgeorganisation des „Westfälischen Bauernvereins“. Die Ehrenplakette wird seitdem in Gold, Silber und Bronze an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um den bäuerlichen Berufsstand verdient gemacht haben.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Haunfelder, Bernd / Pollmann, Klaus Erich (Bearb.): Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch. Düsseldorf: Droste Verlag, 1989, Foto S. 295, Kurzbiographie S. 464 (Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 2)
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Karl Gerland: Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst (1825–1895). In: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Band I. Aschendorff, Münster 1931, S. 123-138.
- Rudolf Morsey: Burghard von Schorlemer-Alst. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 479 f. (Digitalisat).
- Hermann von Petersdorff: Schorlemer-Alst, Burghard Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 54, Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 158–166.
- Gisbert Strotdrees: Ein Mann im Widerspruch. Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst. Schriftenreihe der Katholischen Landvolkshochschule "Schorlemer Alst" (Band 1), Katholische Landvolkshochschule Freckenhorst. Warendorf 1995
- Norbert Wenger: Von Schorlemer bis Heereman. 125 Jahre Westfälischer Bauernverein, 50 Jahre Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband, hrsg. vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, Münster 1997.
Weblinks[Bearbeiten]
- Burghard von Schorlemer-Alst in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Burghard von Schorlemer-Alst. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich) (der genaue Datensatz muss mit der Suchfunktion ermittelt werden)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schorlemer-Alst, Burghard von |
| ALTERNATIVNAMEN | Schorlemer-Alst, Burghard Freiherr von (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (Zentrum), MdR |
| GEBURTSDATUM | 21. Oktober 1825 |
| GEBURTSORT | bei Lippstadt |
| STERBEDATUM | 17. März 1895 |
| STERBEORT | Haus Alst bei Horstmar |
- Reichstagsabgeordneter (Norddeutscher Bund)
- Mitglied des Zollparlaments
- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich)
- Mitglied des Preußischen Herrenhauses
- Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
- Mitglied des Provinziallandtages von Westfalen
- Zentrum-Mitglied
- Freiherr
- Schorlemer
- Korporierter im CV
- Korporierter im KV
- Geboren 1825
- Gestorben 1895
- Mann