Château Gaillard

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Dieser Artikel behandelt die normannische Burg Château Gaillard im Vexin; für die gleichnamige Gemeinde im Département Ain siehe Château-Gaillard (Ain).
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Château Gaillard ist eine zerstörte mittelalterliche Festung im Zentrum des Vexin normand in der Gemeinde Les Andelys und im Département Eure, 100 Kilometer von Paris entfernt. Sie wurde von Richard Löwenherz, König von England beherrschend über dem Tal der Seine auf einem Kalkfelsen errichtet. Der Bau hat rund 50.000 Livres gekostet.

Panoramasicht auf die Festung

Die Normandie am Ende des 12. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Die Burg von der Seine aus gesehen

Richard Löwenherz, früherer Verbündeter des französischen Königs Philipp August gegen seinen Vater Heinrich II., ging, nachdem er die Krone Englands geerbt hatte, auf den Dritten Kreuzzug. Nach seiner Rückkehr (1194) widmete er sich mit großer Energie der Aufgabe, die Oberherrschaft an der Ostgrenze der Normandie zurückzuerlangen. Nachdem er die Armee der Franzosen in der Schlacht von Vendôme geschlagen hatte, profitierte er von dem Frieden, den der Papst angeordnet hatte, um eines seiner Projekte in Rekordzeit durchzuziehen: der Bau der Grenzfestung Château-Gaillard begann 1196 und wurde bereits im zweiten Jahr abgeschlossen.

Der Standort[Bearbeiten]

Die von Richard angelegte Verteidigungsanlage, die buchstäblich den Fluss blockierte, bestand aus weit mehr als der Festung, die alleine heute noch zu sehen ist. Auf der Hochebene befanden sich eine Reihe von Vorposten und weitere befestigte Punkte auf mit Gräben umgebenen Motten; im Tal zwischen den beiden befestigten Orten Petit Andely und Grand Andely lag ein Sumpfgebiet; auf der anderen Seite des Flusses ein Netz von Schützengräben, eine befestigte Insel auf dem Fluss, über den Ketten gespannt waren und weiter noch, wo die heutige Brücke sich befindet, standen Holzpfosten im Wasser, um Schiffe an der Durchfahrt zu hindern. In der Mitte schließlich Château-Gaillard.

Donjon und Hauptmauer, Sicht von der Hochebene aus

Die Architektur der Anlage wird durch die Kreuzfahrerburgen beeinflusst, die Richard auf seinem Kreuzzug kennengelernt hatte, und erwies sich als für die Zeit äußerst modern: die Burgmauer verhinderte den direkten Einschlag von Geschossen in die Innenwände und der Donjon besaß an seiner Basis einen Sporn, der mit dem gleichen Ziel gegen Angreifer gerichtet werden konnte.

Aufgrund der relativ geringen Reichweite der damaligen Waffen wurde die Burg nicht auf dem höchsten Punkt errichtet, dort ließ Richard eine Anlage rund um die Motte von Cléry errichten, um sich diese Stelle auch für die Zukunft offen zu halten.

Der Kalkfelsen erforderte, dass für den Bau der drei Brunnen 120 Meter tief – zwanzig Meter unter das Niveau der Seine – gebohrt wurde, erlaubte aber auch, eine Vielzahl von Kellern anzulegen, um ausreichend Vorräte für den Fall einer Belagerung einzulagern.

Die Belagerung von Château-Gaillard[Bearbeiten]

Der Donjon an der Flussseite

Beim Tod Richards im April 1199 folgte ihm sein Bruder Johann Ohneland auf dem Thron auch in der Normandie. Johann schloss am 22. Mai 1200 einen Friedensvertrag mit dem französischen König, der Vertrag von Le Goulet, der 1202 bereits wieder gebrochen wurde. Philipp August griff das Herzogtum an und begann am 10. August 1203 mit 6000 Männern die Belagerung von Château-Gaillard, nachdem er sich der Festung auf der Insel und Petit-Andelys bemächtigt hatte, und versuchte nun, die Garnison und die Bevölkerung, die sich in die Burg zurückgezogen hatten, auszuhungern.

Roger de Lascy, der Kommandant der Garnison, wehrte sieben Monate lang alle Angriffe, Versuche, die Burg zu erstürmen und Brandstiftungen ab, bis der Hunger in der Burg überhandnahm und drei Viertel seiner Männer ums Leben gekommen waren. Die Alten, Frauen und Kinder aus Petit-Andelys, die in der Burg Zuflucht gefunden hatten, waren im Dezember allmählich verjagt worden, die Belagerer ließen die Ersten am Anfang durch, aber dann entschied sich Philipp, sie nicht mehr durchgehen zu lassen, sie verhungerten gefangen zwischen den Palisaden und den Mauern der beiden Lager.

Überdrüssig des anglonormannischen Widerstands, beendete Philipp August die Belagerung, indem er einen Sturmangriff befahl, mit dem sich seine Truppen nach und nach aller Teile der Burg bemächtigten. Der Überlieferung nach drangen die Franzosen durch die Latrinen im unteren Hof ein, tatsächlich aber scheinen sie durch eines der niedrigen Fenster der Kapelle hineingekommen zu sein, die Johann Ohneland trotz Abratens hatte bauen lassen. Die Garnison ergab sich am 6. März 1204, wodurch der Weg frei war für die Franzosen, die Eroberung der Normandie bis zum Juni des Jahres abzuschließen.

14. Jahrhundert[Bearbeiten]

Unterer Hof

Am Fuß des Donjons befindet sich auf der Nordseite eine Treppe, die in eine große Zelle führt. „In diesem Kellergewölbe“, versichert der Historiker Édouard Gachot, „wurde am 18. Juni 1314 Margarete von Burgund eingesperrt, die ehebrecherische Frau Ludwigs X., genannt „der Zänker“. Am 15. August 1315 mit Hilfe ihrer Haare erdrosselt, wurde ihr Körper in der folgenden Nacht auf den Friedhof der Cordeliers von Vernon gebracht.“ Zwei von drei Schwiegertöchtern König Philipps IV. wurden nach dem Skandal in der Tour de Nesle in Château Gaillard eingesperrt: Margarete, die hier starb, und Blanka, die Ehefrau Karls IV., der es „gestattet“ wurde, sich in ein Kloster zurückzuziehen.

Hundertjähriger Krieg[Bearbeiten]

Eingang in der den Donjon schützenden Mauer

Während des Hundertjährigen Krieges wurde hier auf Befehl König Johanns II. von Frankreich dessen Schwiegersohn König Karl II. von Navarra eingekerkert (ein Enkel Margaretes), der aber 1357, nach der Niederlage Frankreichs in der Schlacht bei Maupertuis wieder freikam, wobei zu den Umständen hierzu unterschiedliche Aussagen vorliegen. Zum einen wird berichtet, er habe am 9. November 1357 fliehen können, zum anderen, dass die Generalstände sich kurz nach der Schlacht versammelt hätten und die Freilassung Karls beschlossen, in der Hoffnung, dass er als Vetter und Schwiegersohn Johanns das Land nach der Niederlage schützen würde.

In dieser Zeit erlebte Château-Gaillard eine Reihe von Belagerungen. 1417 fiel die Burg nach 16 Monaten den Engländern in die Hände, nachdem das letzte Brunnenseil gerissen und die Burg ohne Wasserversorgung war. Étienne de Vignolles, genannt La Hire, Kampfgefährte Jeanne d’Arcs, eroberte sie 1429. 1430 geriet sie erneut unter englische Kontrolle, 1449 kam sie wieder in den Besitz der Franzosen.

Neuzeit[Bearbeiten]

Lageplan nach Viollet-le-Duc

Nach der letzten Belagerung Château Gaillards durch Heinrich von Navarra, den späteren König Heinrich IV., wurde angeordnet, die Festung zu schleifen und sie den Mönchen von Les Andelys zu übergeben. Der Abriss wurde 1611 unterbrochen, dann aber unter Richelieu wieder aufgenommen.

1852 wurden die Ruinen von Château Gaillard in die Liste der Monuments historiques aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Château Gaillard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.2386111111111.4022222222222Koordinaten: 49° 14′ 19″ N, 1° 24′ 8″ O