Clara Westhoff

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Clara Rilke-Westhoff, Gemälde von Paula Modersohn-Becker, 1905 (Hamburger Kunsthalle)

Clara Henriette Sophie Rilke, geb. Westhoff (* 21. November 1878 in Bremen; † 9. März 1954 in Fischerhude) war eine deutsche Bildhauerin und Malerin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Als Tochter des Kaufmanns Heinrich Westhoff wuchs sie in Bremen-Oberneuland auf. Bereits im Alter von siebzehn Jahren zog Westhoff nach München und besuchte dort eine private Malschule. 1898 nahm sie bei Fritz Mackensen in Worpswede Zeichen- und Modellierunterricht. In Worpswede freundete sie sich unter anderem mit Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker an und war häufig Gast auf dem Barkenhoff des Künstlers Heinrich Vogeler und seiner Frau Martha. Dort lernte sie 1900 auch ihren späteren Ehemann, den Dichter Rainer Maria Rilke, kennen.

1899 setzte Westhoff bei Carl Seffner und Max Klinger in Leipzig sowie 1900 an der Académie Julian in Paris ihre Ausbildung als Bildhauerin fort; dort lernte sie Auguste Rodin kennen. Ein Jahr später heiratete sie am 28. April Rainer Maria Rilke, und sie zogen in ein Nachbardorf Worpswedes, nach Westerwede. Dort hatte Rilke ein Haus gekauft, für dessen Innenausstattung sein Freund Heinrich Vogeler gesorgt hatte. Im Dezember 1901 kam die gemeinsame Tochter Ruth auf die Welt.

Bereits im Sommer 1902 gab Rilke die gemeinsame Wohnung auf und zog nach Paris, um dort eine Monografie über Auguste Rodin zu verfassen. Clara Westhoff folgte ihm kurze Zeit später und brachte die Tochter zu den Großeltern. Die Ehe war jedoch zerbrochen, da Rilke offenbar nicht für ein bürgerliches Familienleben geschaffen war. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Rilke und Clara Westhoff blieb bestehen.

Familiengrabstelle Clara Rilke-Westhoff

Clara Westhoff schuf unter anderem eine Porträtbüste ihres Mannes Rainer Maria Rilke (1901, Gips auf Gipssockel), 1902 eine Büste von Heinrich Vogeler und elf Jahre später ein Bildnis der Schriftstellerin Ricarda Huch (1912, Bronze), die aber damals von Clara Westhoff verlangte, die Büste ohne Nennung ihres Namens auszustellen, weil sie sich zu alt dargestellt sah.

Das Café Rilke

Im Jahr 1919 siedelte Westhoff mit ihrer Tochter nach Fischerhude über, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Aus ihrem Wohnhaus mit Atelier wurde später das „Café Rilke“, das auch heute noch besteht. Es bekam von Rainer-Maria Rilke den Hausspruch: „Da vieles fiel, fing Zuversicht mich an, die Zukunft gebe, dass ich darf, ich kann!“

Um 1925 wandte sich Westhoff der Malerei zu, sodass neben ihrem plastischen Werk ein ebenso umfassendes malerisches Werk entstand. Bald nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit. Ihre Arbeiten befanden sich in privater Hand oder waren in verschiedenen Depots der Öffentlichkeit kaum zugänglich. Mit ihrer 1986 erschienenen umfassenden Biografie leitete Marina Sauer eine Rehabilitierung der Künstlerin ein, indem sie Clara Rilke-Westhoff aus dem Schattendasein befreite, nur als Ehefrau Rilkes und als Freundin Paula Modersohn-Beckers gesehen zu werden. Clara Rilke-Westhoff kann heute als eine Pionierin der Bildhauerei von Frauen in Deutschland gesehen werden.[1]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1899: gemeinsam mit Paula Modersohn-Becker in der Kunsthalle Bremen
  • 1937: Große Deutsche Kunstausstellung, München[2]
  • 1986: Clara Rilke-Westhoff, Georg-Kolbe-Museum, Berlin
  • 2002: Clara Rilke-Westhoff, Buthmanns Hof, Fischerhude
  • 2003: Rücksichtslos geradeaus malend. Marie Bock, Clara Rilke-Westhoff, Paula Modersohn-Becker; Ludwig Roselius Museum, Bremen
  • 2007: Künstlerkolonie Worpswede. Ein Stück vom Himmel?, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
  • 2009: Noble Gäste, Meisterwerke der Kunsthalle Bremen, Große Kunstschau Worpswede, Worpswede
  • 2011: Frauen im Aufbruch, Untere Rathaushalle, Bremen

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Bremer Stadtteil Oberneuland wurde der Rilke-Westhoff-Weg nach ihr benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Isolde Braune: „… als Mensch im Beruf“. Die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff (1878–1954). In: Angela Dinghaus (Hrsg.): Frauenwelten. Biographisch-historische Skizzen aus Niedersachsen. Hildesheim-Zürich-New York 1993, S. 304–312.
  • Eberhard Lutze: Rilke gen. Rilke-Westhoff, Clara Henriette Sophie geb. Westhoff. In: Die Historische Gesellschaft Bremen und das Staatsarchiv Bremen (Hrsg.): Bremische Biographie 1912-1962, Bremen 1969, S. 409 Sp. 1 bis 410 Sp. 1.
  • Gunna Wendt: Clara und Paula. Das Leben von Clara Rilke-Westhoff und Paula Modersohn-Becker. Europa Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-203-84031-6
  • Eduard Hindelang (Hrsg.) Die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff (1878–1954). Langenargen – Sigmaringen 1988. Erschienen zu der Ausstellung „Die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff (1878–1954).“ Veröffentlicht mit der Unterstützung des Regierungspräsidium Tübingen, des Landratsamtes Bodenseekreis u. a.
  • Marina Sauer: Die Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff: 1878–1954. Leben und Werk, mit Oeuvre-Katalog. Hauschild, Bremen 1986, ISBN 978-3-920699-72-1
  • Marina Sauer: Rilke-Westhoff, Clara Henriette Sophie. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 623 f. (Digitalisat)
  • Karl-Robert Schütze: Refugium nach einem unsteten Leben. Nachforschungen zum Haus der Clara Rilke-Westhoff in Fischerhude. In: Zwischen Elbe und Weser 23 (2004), Nr. 1, S. 4–8

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach Weblink frauenmuseum.de
  2. Robert Thoms: Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden, Band II: Bildhauer. Berlin 2011, ISBN 978-3-937294-02-5. Clara Rilke-Westhoff in Band II Nr. 485, S. 59.