Cyril Radcliffe

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Cyril John Radcliffe, 1st Viscount Radcliffe, GBE, PC, QC (* 30. März 1899; † 2. April 1977) war ein britischer Rechtsanwalt und Publizist. Er wurde bekannt durch die von ihm erstellte Radcliffe-Linie, durch die nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft in Indien die Grenzen zwischen Indien und der Islamischen Republik Pakistan festgelegt wurden.

Leben und Karriere bis 1947[Bearbeiten]

Cyril Radcliffe wurde in Llanychan, Denbighshire geboren. Er wurde zwar im Ersten Weltkrieg zur Armee eingezogen, aber aufgrund seines schlechten Sehvermögens nicht in einer Kampfeinheit eingesetzt.

Nach dem Ende seiner Militärzeit besuchte er die Oxford University. Im Jahre 1924 wurde er als Rechtsanwalt zugelassen. Während des Zweiten Weltkriegs diente Radcliffe im Ministry of Information. Einer Propagandaeinrichtung, die die Kriegsanstrengungen Großbritanniens unterstützen und die Moral sowohl der kämpfenden Truppe als auch der Zivilbevölkerung unterstützen sollte.

1941 wurde Radcliffe zum Generaldirektor des Ministry of Information berufen, eine Position in der er eng mit dem Minister für Information Brendan Bracken zusammenarbeitete.[1][2]

Tätigkeit in Indien 1947[Bearbeiten]

Die Radcliffe-Linie[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Krieges kehrte Radcliffe zum Beruf des Anwalts zurück, wurde aber wenig später im Jahr 1946 als Vorsitzender einer Regierungskommission eingesetzt, die entsprechend dem Indian Independence Act von 1947 die geographische Trennlinie zwischen den Dominions Pakistan und Indien festlegen sollte.

Aufgrund der Brisanz seiner Arbeit an der Radcliffe-Linie erstellte Radcliffe diese abgeschottet und unter strengen Sicherheitsbedingungen, obwohl er während seiner Arbeit durchaus Kontakt zu Louis Mountbatten, dem seinerzeitigen Vizekönig, und dessen engstem Mitarbeiterstab hielt.[3]

Obwohl Radcliffes Grenzziehung für beide Staaten katastrophale Auswirkungen zeitigen sollte, ist es zweifelhaft, ob aufgrund der Ausgangslage, die Radcliffe vorfand, eine andere Lösung als die von ihm bevorzugte einen signifikanten Unterschied gemacht hätte, zumal Radcliffe unter enormem Zeitdruck zu arbeiten hatte.[4]

Dennoch bleibt der Fakt bestehen, dass die Teilung Britisch Indiens entlang der Radcliffe-Linie zum Tod von etwa einer Million Menschen und der Vertreibung und Umsiedlung von weiteren etwa 20 Millionen Menschen, Hindus, Moslems und Sikhs, führte. Und somit eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte auslöste.[2] Nachdem Radcliffe bewusst geworden war, zu welch desaströsen Auswirkungen seine Arbeit geführt hatte, kam es zu Spannungen zwischen Mountbatten und ihm.

Radcliffe lehnte das Honorar, das ihm für seine Arbeit am Grenzverlauf zwischen Indien und Pakistan zugestanden hätte, ab.[5]

Leben und Karriere 1947 bis 1977[Bearbeiten]

Nach Beendigung seiner Arbeit in Indien kehrte Radcliffe nach Großbritannien zurück, wo er seine erfolgreiche Anwaltskarriere fortsetzte, eine wichtige Rolle bei der Reform des britischen Steuersystems spielte, zahlreichen Untersuchungskomitees vorsaß und Bücher verfasste.[6][2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • W. H. Auden: Partition. Collected Poems, 1976, S. 604, (Gedicht „A poem on the man who drew the lines“ von Mai 1966)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patrick French: Liberty or Death: India’s Journey to Independence and Division. Harper Collins, 1997, Seite 321
  2. a b c Peter Lyon Conflict Between India and Pakistan: An Encyclopedia. ABC-Clio Inc, 2008 Seite 135
  3. Patrick French: Liberty or Death: India’s Journey to Independence and Division. Harper Collins, 1997, Seite 323
  4. Collins, Larry and Dominique Lapierre: Gandhi. Um Mitternacht die Freiheit 1975. ISBN 978-3-442-06759-6, Seite 229
  5. Patrick French: Liberty or Death: India’s Journey to Independence and Division. Harper Collins, 1997, Seiten 329–330
  6. Patrick French: Liberty or Death: India’s Journey to Independence and Division. Harper Collins, 1997, Seite 330