Czarne

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Czarne
Wappen von Czarne
Czarne (Polen)
Czarne
Czarne
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Człuchów
Gmina: Czarne
Fläche: 46,39 km²
Geographische Lage: 53° 41′ N, 16° 57′ O53.68333333333316.95Koordinaten: 53° 41′ 0″ N, 16° 57′ 0″ O
Höhe: 136 m n.p.m
Einwohner: 6089
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 77-330
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GCZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 201 (Szczecinek-) Gwda Mała ↔ Debrzno
DW 202 Czarne → Rzeczenica
Schienenweg: PKP-Linie 210 Runowo Pomorskie ↔ Chojnice
Nächster int. Flughafen: Flughafen Danzig
Flughafen Stettin
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 21 Ortschaften
10 Schulzenämter
Fläche: 235,00 km²
Einwohner: 9316
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 40 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2203023
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Jan Zieniuk
Adresse: ul. Moniuszki 12
77-330 Czarne
Webpräsenz: www.czarne.pl/

Czarne ['ʈ͡ʂarnɛ] (deutsch Hammerstein) ist eine Kleinstadt mit Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Człuchowski (Kreis Schlochau) der polnischen Woiwodschaft Pommern mit etwa 6.000 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Czarne liegt im Südwesten der Woiwodschaft Pommern am linken Ufer des Flusses Zahne in einem ausgedehnten Waldgebiet in 136 Metern über Meereshöhe. Die nächsten größeren Orte sind Szczecinek (Neustettin) im Westen und Człuchów (Schlochau) im Osten, die nur über die Woiwodschaftsstraße 201 oder mit der Eisenbahn (Staatsbahnlinie von Chojnice (Konitz) nach Runowo Pomorskie (Ruhnow)) zu erreichen sind. Nordwestlich verläuft die Draheimer Seenplatte.

Platz im Stadtzentrum

Geschichte[Bearbeiten]

Der Deutsche Orden verlegte in den 1380er Jahren einen befestigten Hof, ein sogenanntes Wildhaus, von Falkenwalde in die Nähe der heutigen Stadt, um hier den Übergang über den Fluß Zahne zu sichern. Die Burg erhielt den Namen Hammerstein, wohl nach einem dort vorhandenen Eisenhammer. Bereits 1388 und 1389 ist Hammerstein als Ort von Verhandlungen zwischen dem Orden und den Herzögen von Pommern genannt. 1395 verlieh der Hochmeister des Ordens Konrad von Jungingen für die zu besetzende Stadt das Kulmer Stadtrecht. Burg und Stadt gehörten zur Komturei Schlochau des Ordens.

Nach der Schlacht bei Tannenberg (1410) kam Hammerstein kurzzeitig an den mit Polen verbündeten pommerschen Herzog Bogislaw VIII., der es aber bereits mit dem Thorner Frieden von 1411 wieder an den Deutschen Orden herausgeben musste. Der Hochmeister Heinrich von Plauen bestätigte der Stadt ihre Rechte und verlieh ihr zusätzlich das Recht, sich eine Walkmühle zu bauen. Im Dreizehnjährigen Krieg (1454–1466) zwischen dem Preußischen Bund und dem Deutschen Orden stand die Stadt auf der Seite des Ordens, wurde zwar 1454 von den Truppen des Bundes besetzt, aber 1455 durch den Ordenshauptmann Kaspar Nostitz durch eine Kriegslist – er ließ zehn seiner Männer als Frauen verkleidet in die Stadt gehen – noch einmal für den Deutschen Orden zurückerobert.

Hammerstein gehörte zu dem Teil Preußens, der mit dem Zweiten Thorner Frieden 1466 als Preußen Königlichen Anteils der Krone Polens unterstellt wurde. Die Ordensburg wurde der Sitz einer Starostei. Die Starosten wurden in den folgenden Jahrhunderten aus den Familien von Konarski, Sapieha, von Weiher, von Raczynski, von Wedelstädt und von Unruh gestellt.

Zur Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Hammerstein etwa 700 Einwohner, acht Tuchmacher, sechs Schuhmacher und fünf Schmiede gingen ihrem Gewerbe nach. Es gab ein Sägewerk, und an der Zahne wurde eine Wassermühle betrieben. 1624 suchte die Pest Hammerstein erstmals heim und raffte die Mehrzahl der Einwohner hin. Drei Jahre später litt die Stadt unter den Überfällen der am Polnisch-Schwedischer Krieg (1600–1629) beteiligten Truppen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte sich auch in Hammerstein das Luthertum ausgebreitet, und die Stadtkirche war von den Evangelischen übernommen worden. Es blieb aber bei Spannungen zwischen beiden Konfessionen. 1600 errangen die katholischen Einwohner wieder das Nutzungsrecht für die Stadtkirche. 1645 wurde der katholische Lehrer Jakob Büttner erschlagen, und Kirche, Pfarrhaus und Schule wurden demoliert. Die Stadt wurde zum Schadenersatz verurteilt. 1653 fielen die meisten Häuser einem großen Brand zum Opfer. Eine eigene evangelische Kirche wurde erstmals 1676 errichtet; sie wurde 1716, 1755 und 1819 jeweils neu erbaut.

Nach der Ersten Polnischen Teilung kam Hammerstein 1772 zum Königreich Preußen und hier in die neugeschaffene Provinz Westpreußen. Die preußische Neuordnung der Territorialverwaltung ordnete die Stadt 1818 in den westpreußischen Landkreis Schlochau ein. 1819 wurde für die evangelische Gemeinde am Markt eine Kirche errichtet. Noch immer war Hammerstein eine Stadt der Schuh- und Tuchmacher, 1850 gab es dort fast 200 Schuhmacher. Daneben lagen in der Stadt aber auch mehrere größere Bauernhöfe. In diesem Jahr entstand auf dem Gelände der inzwischen verfallenen Ordensburg das Schloss des Amtsrates von Livonius. Der Anschluss an die Pommersche Centralbahn erfolgte mit dem Streckenabschnitt von Neustettin nach Schlochau im Jahre 1878. Das war der Startschuss für die Ansiedlung größerer Industriebetriebe des Baustoffgewerbes und der Holzverarbeitung. Zu einem weiteren bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelte sich der von Preußen ab 1885 angelegte Truppenübungsplatz. Im Ersten Weltkrieg gab es hier ein großes Lager für russische Kriegsgefangene.

Als nach dem Ersten Weltkrieg viele Bewohner der an Polen abgetretenen Ostprovinzen in das Reichsgebiet umsiedelten, entstanden in Hammerstein in Richtung Süden und zum Truppenübungsplatz hin neue Siedlungen, sodass die Bevölkerungszahl um über 30 Prozent anstieg. Hammerstein selber gehörte zu dem schmalen Streifen Westpreußens, der bei Deutschland geblieben war und wurde in die neu eingerichtete Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Hammerstein eine Flächengröße von 43,9 km², und in dem Stadtgebiet standen zusammen 439 Wohnhäuser an 14 verschiedenen Wohnorten:[2]

  1. Bahnhof Hammerstein (Kr. Schlochau)
  2. Birkenwäldchen
  3. Bürgershof
  4. Forsthaus Hardelbruch
  5. Forsthaus Jägersberg
  6. Forstsekretärgehöft Hasselberg
  7. Hammerstein
  8. Heinrichsburg
  9. Karlsberg
  10. Louisenhöh
  11. Neumannshof
  12. Schießplatz Hammerstein
  13. Walkmühle
  14. Ziegelei

Im Jahr 1925 wurden in Hammerstein 4.122 Einwohner gezählt, die auf 1.111 Haushaltungen verteilt waren.[2]

Mit der Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen wurde Hammerstein 1938 in die Provinz Pommern eingegliedert. 1939 errichteten die Nationalsozialisten ein großes Strafgefangenenlager, später kam noch ein Kriegsgefangenenlager (Stalag II-B) hinzu.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hammerstein am 26. Februar 1945 von sowjetischen Truppen eingenommen. Während der Kämpfe wurden 40 Prozent der Stadt zerstört. Nach Kriegsende wurde Hammerstein polnisch und in Czarne umbenannt. Soweit sie nicht geflohen war, wurde die deutsche Bevölkerung in der darauf folgenden Zeit vertrieben.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1772: 670[3]
  • 1780: 876[3]
  • 1816: 1.188[3]
  • 1875: 2.790[4]
  • 1880: 2.856[4]
  • 1925: 4.122, davon 3.594 Protestanten, 411 Katholiken und 61 Juden[2]
  • 1933: 4.423[4]
  • 1934: 4.420[3]
  • 1939: 4.387[4]
  • 1983: 5.892[5]

Einwohnerentwicklung von Czarne

Partnerstädte[Bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der niedersächsischen Gemeinde Langlingen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Alexander Beer, * 10. September 1873 in Hammerstein, Architekt und Gemeindebaumeister in Berlin

Gmina Czarne[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Czarne gehören 21 Ortschaften, die 10 Ortsteilen (Schulzenämtern) zugeordnet sind (* = Schulzenamt):

polnischer Name deutscher Name
Biernatka* Bärenhütte
Bińcze* Bärenwalde
Czarne Hammerstein
Domisław* Domslaff
Domyśl Eggebrechtsmühle
Grabowiec Klein Hasselberg
Janowiec Hansfelderbrück
Kijno* Marienhof
Krzemieniewo* Krummensee
Lędyczek Drugi Landeck II
Łoża Loosen
Malinowo Amalienruh
Nadziejewo* Hansfelde
Prądy Landeckermühle
Raciniewo* Ruthenberg
Sierpowo* Breitenfelde
Sokole* Falkenwalde
Wierzbnik Franzenhof
Wronkowo Idashof
Wyczechy* Geglenfelde
Wygonki Zehnruthen

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Czarne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Hammerstein im ehemaligen Kreis Schlochau in Pommern (2011).
  3. a b c d Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9 , S. 308–310.
  4. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Pommern - Kreis Schlochau (2006).
  5. Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Würzburg 1996, S. 150.