Das Paradies der Damen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Au Bonheur des Dames

Das Paradies der Damen (im Original: Au Bonheur des Dames) vom französischen Autor Émile Zola erschien 1884 als elfter Roman des zwanzigbändigen Romanzyklus’ Die Rougon-Macquart – Natur- und Sozialgeschichte einer Familie unter dem zweiten Kaiserreich.

Beschreibung[Bearbeiten]

Les Grands Magasins du Louvre, eines der Vorbilder für das Paradies der Damen (1877)

Zola begann am 28. Mai 1882 mit der Niederschrift und beendete sie am 25. Januar 1883. Der Feuilletonvorabdruck im Gil Blas erfolgte vom 17. Dezember 1882 bis zum 1. März 1883.[1]

Anhand der Geschichte der Protagonistin Denise, einer Verkäuferin, die aus der Provinz nach Paris kommt und im Paradies der Damen eine Anstellung findet, wird das Wachstum und die Struktur dieses Kaufhauses und gleichzeitig der Niedergang des kleingewerblichen Einzelhandels eines kompletten Pariser Stadtviertels beschrieben. Die im Roman auftauchenden Figuren sind aktiv oder passiv mit dem expandierendem Kaufhaus verbunden. Als Mitarbeiter, Käufer oder anliegender Einzelhändler. Besonderes Augenmerk findet neben der Verkäuferin Denise der Inhaber des Kaufhauses, Octave Mouret, und dessen Leben in der feinen Pariser Gesellschaft sowie seine Geschäftspraktiken. Vorbild für diese Romanfigur waren der Unternehmer Auguste Hériot, der das Pariser Kaufhaus Grands Magasins du Louvre begründete sowie Aristide Boucicaut, der Gründer des Le Bon Marché. Um den Kampf des kleinen Einzelhändlers gegen das aufkommende Großwarenhaus darzustellen, betrieb Zola gewohntermaßen umfangreiche betriebswirtschaftliche und soziologische Studien, er interviewte Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Verkäuferinnen der genannten Warenhäuser. Sein fiktives Riesenwarenhaus sollte ein ideales Beispiel darstellen, deshalb nahm er sich bei dessen Beschreibung die Verwaltung des Unternehmens Le Bon Marché zum Vorbild, während ihm das Kaufhaus Grands Magasins du Louvre zwar schlechter organisiert, in der Warenpräsentation aber überlegen erschien.

Zolas 380 Seiten starke Dokumentation ist erhalten und in der Pariser Nationalbibliothek für Forschungszwecke zugänglich. Sie beschreibt bereits moderne Marketingstrategien wie zum Beispiel der Einsatz von Lockartikeln, die zum Einstandspreis verkauft werden und das Verteilen von Firmenluftballons an Kinder, die somit zu Reklameträgern gemacht werden.

Dem Autor gelingt es, schon durch die Beschreibung der Fassade des Kaufhauses, beim Leser die Neugier auf das Innere zu wecken. Zola eröffnet Einblicke in die Lebensverhältnisse der Kaufhausangestellten seiner Zeit und legt dar, wie die Kunden bzw. hauptsächlich Kundinnen zum Kaufen verführt werden.

Der Schriftsteller zeichnet in seinem Roman ein naturalistisches Bild der Gepflogenheiten und Arbeitsverhältnisse der Mittelschicht im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten]

  • Émile Zola: Das Paradies der Damen. Übersetzt von Hilda Westphal. Nachwort Gertrud Lehnert. Fischer TB, Frankfurt 2004, ISBN 359616155X.
  • Jean Firges: Die Stadt Paris. Geschichte ihrer Entwicklung und Urbanisierung, darin S. 103ff: Die neue Realität der Warenästhetik und des Warenfetischismus, eine Interpretation dieses Werks und Einordnung in Zolas Gesamtwerk. Literaturangaben, ISBN 3933264006.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • Das Paradies der Damen. (OT: Au bonheur des dames.) Spielfilm, Frankreich, 1930, 89 Min., Regie: Julien Duvivier, u.a. mit Dita Parlo als Denise und Pierre de Guingand als Octave Mouret.
  • The Paradise". (Verlegt die Handlung nach London.) 8-teilige BBC-Produktion, 2011. Mit Joanna Vanderham als Denise Lovett, Emun Elliott als John Moray.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Au bonheur des dames – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seminararbeit von Tina Rönz auf GRIN Verlag