Deborah Lipstadt

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Deborah Esther Lipstadt (geboren am 18. März 1947 in Manhattan, New York, NY) ist eine amerikanische Historikerin und Holocaust-Forscherin.

Nach Studium in New York und Lehraufträgen an Universitäten in Los Angeles und Seattle hat Lipstadt den Lehrstuhl als Dorot Professor of Modern Jewish History and Holocaust Studies (Dorot Professorin für Moderne Jüdische Geschichte und Holocaust Studien) an der Emory University in Atlanta übernommen (Stand 2014).

Im nordamerikanischen Wissenschaftsbetrieb wurde die Forscherin zunächst durch ihre Untersuchungen darüber bekannt, wie die amerikanischen Medien im Zweiten Weltkrieg das Wissen von der Vernichtung des europäischen Judentums ignorierten (Beyond Belief, 1986).

Eine für wissenschaftliche Publikationen ungewöhnlich große, internationale Aufmerksamkeit erreichte sie mit ihrer Darstellung der Geschichte der Holocaustleugnung (Denying the Holocaust, 1993; deutsch: Betrifft: Leugnen des Holocaust, 1994), einer kommentierten Zusammenstellung der Lügen und Halbwahrheiten international bekannter Holocaustleugner, verbunden mit einer sorgfältigen und sachlich fundierten Analyse und Widerlegung der Argumentationen, mit der erstmals die Holocaustleugnung als internationales Phänomen Thema einer umfassenden wissenschaftlichen Monographie wurde.

Der Prozess Irving gegen Lipstadt[Bearbeiten]

Wegen der ihn betreffenden eindeutigen Aussagen dieser Veröffentlichung verlangte der prominente britische Holocaustleugner David Irving im November 1995, dass der britische Verlag Lipstadts, Penguin Books, die Veröffentlichung zurückziehen solle. Als der Verlag dieser Aufforderung nicht nachkam, verklagte Irving Lipstadt und den Verlag im September 1996 vor einem Londoner Gericht wegen Beleidigung, übler Nachrede und Geschäftsschädigung.[1] Nach englischem Recht muss in einem solchen Verfahren nicht der Kläger die Richtigkeit seiner Anschuldigungen beweisen, sondern die Beweislast liegt auf der Seite des Beklagten. Der Verlag und Lipstadt mussten also nachweisen,[2] dass die Wissenschaftlerin Irving zu Recht als Bewunderer Hitlers, Geschichtsklitterer und gefährliches Sprachrohr der Holocaustleugner bezeichnet hatte.[3] Mit dem Urteilsspruch am 15. März 2000 wies das Gericht Irvings Klage ab und gab Lipstadt und ihrem Verlag in allen wesentlichen Punkten Recht.[4][5]

Als Irving 2006 von einem österreichischen Gericht zu drei Jahren Haft wegen des Leugnens von Naziverbrechen im Wiederholungsfall verurteilt wurde, zeigte sich Lipstadt gegenüber BBC News bestürzt über das Hafturteil und sagte, sie glaube nicht daran, dass sich Auseinandersetzungen durch Einschränkung der Redefreiheit gewinnen ließen. Die richtige Bekämpfung von Holocaustleugnern finde mittels der historischen Wahrheit statt.[6]

Werke[Bearbeiten]

  • The Zionist Career of Louis Lipsky. 1900-1921. New York 1982, ISBN 9780405140860 (Dissertationsschrift 1976)
  • Beyond Belief. The American Press and the Coming of the Holocaust, 1933-1945. New York 1986, ISBN 9780029191613 (weitere Auflagen)
  • Denying the Holocaust. The Growing Assault on Truth and Memory. New York 1993, ISBN 9780029192351 (weitere Auflagen)
    • Deutsche Ausgabe: Betrifft: Leugnen des Holocaust. Zürich 1994, ISBN 3907768108 (weitere Auflagen; auch als Taschenbuch unter dem Titel: Leugnen des Holocaust. Rechtsextremismus mit Methode. Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 349960101X)
  • History on Trial. My Day In Court With David Irving. New York 2005, ISBN 9780060593766
  • The Eichmann Trial. New York 2011, ISBN 9780805242607

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard J. Evans: Der Geschichtsfälscher. Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-593-36770-X
  • Peter Longerich: Auschwitz-Leugnen. Das Verfahren Irving gegen Lipstadt vor dem Londoner High Court. In: Klaus-Dietmar Henke (Hg.): Auschwitz. Sechs Essays zu Geschehen und Vergegenwärtigung. Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden, Berichte und Studien 32, Dresden 2001, S. 53-64. Online: pdf, tu-dresden.de

Weblinks[Bearbeiten]

Soweit nicht anders erwähnt: alle Weblinks abgerufen 16. Oktober 2014.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Soweit nicht anders erwähnt: alle Weblinks in den Anmerkungen abgerufen 16. Oktober 2014.

  1. Evans: Der Geschichtsfälscher, Frankfurt/Main 2001, S. 20.
  2. Evans: Der Geschichtsfälscher, Frankfurt/Main 2001, S. 47ff.
  3. Lipstadt: Betrifft: Leugnen des Holocaust, Zürich 1994, S. 196f bzw. S. 220.
  4. Evans: Der Geschichtsfälscher, Frankfurt/Main 2001, S. 289ff. Der Verlag stellte anschließend Irving die Prozesskosten in Höhe von 2 Mio Pfund in Rechnung, die dieser aber nicht bezahlen konnte. Evans, S. 293 ff, vgl. auch Vicram Dodd: Failed libel action costs Irving his home, The Guardian, 22. Mai 2002, abgerufen 14. Oktober 2014.
  5. Eine umfassende Aufarbeitung des Prozesses einschließlich Materialien der Verteidigung und der vollständigen Urteilsbegründung ist auf der Website Holocaust Denial on Trial zugänglich (TAM Institute for Jewish Studies at Emory University).
  6. Holocaust denier Irving is jailed, BBC-Meldung vom 20. Februar 2006 (ohne Verfasserangabe), abgerufen 16. Oktober 2014.