Peter Longerich

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Peter Longerich (* 1955 in Krefeld) ist ein deutscher Zeithistoriker.

Longerich promovierte 1983 bei Gerhard A. Ritter an der Universität München mit einer Arbeit über die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop. Von der zeitgenössischen Rezeption wurde an Longerichs Dissertation gelobt, dass er mit seiner fundierten Studie zur „in eigener Regie“ betriebenen Auslandspropaganda des Auswärtigen Amtes eine „Forschungslücke geschlossen“ habe, da vorherige Arbeiten fast ausschließlich auf Joseph Goebbels' Propagandaapparat fixiert gewesen seien.[1] Heutige Kritik an Longerichs Dissertation betrifft den Umstand, dass er auf die propagandistischen Vorschläge des Leiters der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes Paul Karl Schmidt vom 27. Mai 1944 zur Verschleierung des Holocaust inhaltlich „gar nicht eingeht, obwohl er von ihnen Kenntnis hatte“.[2]

Von 1984 bis 1989 war Longerich Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München. 2002/03 lehrte er als Gastprofessor am Fritz-Bauer-Institut und forschte anschließend 2003/04 als J.B. and Maurice Shapiro Senior Scholar in Residence am Centre for Advanced Holocaust Studies des Holocaust Memorial Museum in Washington. Er ist Professor am Royal Holloway and Bedford New College der Universität London und dort Direktor des Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History.

Longerich gilt als Spezialist für die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands und besonders des Holocausts.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monographien

  • Propagandisten im Krieg. Die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop. Oldenbourg, München 1987, ISBN 3486541110 (Studien zur Zeitgeschichte, Bd. 33).[3]
  • Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. Beck, München 1989, ISBN 3406336248.
  • Hitlers Stellvertreter. Führung der NSDAP und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Heß und Bormanns Partei-Kanzlei. K.G. Saur, München 1992, ISBN 3598110812.
  • Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Piper, München 1998, ISBN 3492037550.
  • Die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942. Planung und Beginn des Genozid an den Europäischen Juden. Ed. Hentrich, Berlin 1998, ISBN 3894682507
  • Der Ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“. Piper, München 2001, ISBN 3492042953.
  • „Davon haben wir nichts gewusst!“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945. Siedler, München 2006, ISBN 3886808432.
  • Heinrich Himmler: Eine Biographie. Siedler Verlag, München 2008, ISBN 978-3886808595.[4]
  • Goebbels. Biographie. Siedler Verlag, München 2010, ISBN 978-3-88680-887-8.[5]

Herausgeberschaften

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rezension von Hans-Jürgen Döscher in: Historische Zeitschrift. HZ-Sonderheft 16 (1992), S. 184 f.
  2. Christian Plöger: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Marburg 2009 (zugleich Diss., Universität Münster 2009), S. 167; siehe auch Wigbert Benz: Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2005, S. 46 f.
  3. Über Karl Paul Schmidt, Hans Georg von Studnitz, Friedrich Sieburg, Friedrich Berber u. a.
  4. Vgl. Bastian Hein: Rezension von: Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie, München: Siedler 2008. In: Sehepunkte 8, 2008, Nr. 12 vom 15. Dezember 2008.
  5. Vgl. Marianne Enigl, Sebastian Hofer: Joseph Goebbels: Der letzte Fanatiker in: profil, 13. November 2010. Sven Felix Kellerhoff: Joseph Goebbels – Narziss von Hitlers Gnaden. In: Welt Online, 15. November 2010. Willi Winkler: NS-Diktatur: Biographie. Goebbels und sein Christus, der Adolf hieß. In: Süddeutsche Zeitung online, 15. November 2010 (unter dem Titel „Ich bin der Mittelpunkt und alles dreht sich um mich.“ In: Süddeutsche Zeitung Nr. 264, 15. November 2010, S. 11).