Diaspora (Software)
| Diaspora* | |
|---|---|
Screenshot der Alphaversion |
|
| Basisdaten | |
| Entwickler | Diaspora-Projekt |
| Aktuelle Version | 0.0.3.4[1] (18. März 2013) |
| Kategorie | Soziales Netzwerk |
| Lizenz | AGPL[2] (Freie Software) |
| Deutschsprachig | ja |
| diasporaproject.org | |
Diaspora (auch: Diaspora*, wobei der Stern eine Pusteblume symbolisieren soll) ist eine freie Software zur Bildung eines gleichnamigen sozialen Netzwerks, das derzeit geschätzt über 405.000 Nutzer aufweist.[3] Anders als zentralisierte soziale Netzwerke, wie Facebook oder StudiVZ, ist Diaspora als verteiltes System angelegt.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Leistungsumfang [Bearbeiten]
Diaspora ist in der Programmiersprache Ruby programmiert.[4] Das Projekt zielt darauf ab, den gleichen Leistungsumfang zu bieten wie Facebook: schwarze Bretter für die zeitversetzte und ein Chat-Fenster für die Echtzeit-Kommunikation sowie Schnittstellen für von Dritten programmierte Anwendungen (Plug-Ins). Anders als bei Facebook jedoch sorgt die dezentrale Struktur dafür, dass der Anwender seine Daten auf „persönlichen Webservern“ („pods“) ablegt und damit die Kontrolle über sie behält.[5]
Benutzer, die sich „bei Diaspora“ anmelden wollen, setzen entweder auf ihrem Server ihren eigenen Pod auf, der sich mit den anderen Pods im Netzwerk abgleicht, oder sie richten sich ein Konto bei einem öffentlichen Pod ein. Da es sich um ein dezentrales Netzwerk handelt, gibt es keine einheitliche URL, unter der die Benutzer erreichbar sind. Andere Nutzer findet man über die Suchfunktion, die pod-übergreifende Ergebnisse liefert. Es gibt bei Diaspora auch keine globalen Benutzernamen wie bei zentralen Webangeboten, sondern (wie bei E-Mail-Adressen oder Jabber-IDs) jeweils einen Benutzernamen, der aus einem "@"-Zeichen und der Pod-Adresse zusammengesetzt ist, also beispielsweise: example@pod-name.tld.
Geschichte [Bearbeiten]
Das Projekt geht auf vier Mathematikstudenten der Universität von New York zurück: Dan Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirskiy.[5]
Es war am 24. April 2010 auf der Plattform Kickstarter angekündigt worden und erzielte sein erstes Spendenziel von 10.000 US-Dollar innerhalb von 12 Tagen.[5] In den darauffolgenden Wochen wurden insgesamt 200.642 Dollar von 6479 Spendern eingenommen. Damit wurde Diaspora zum bis dahin erfolgreichsten Kickstarter-Projekt.[2] Ein Spender war nach eigenen Angaben der Gründer und Firmenchef von Facebook, Mark Zuckerberg, der Diaspora eine „coole Idee“ nannte.[6]
Den Anstoß zur Gründung des Diaspora-Projekts hatte eine Rede gegeben, die Eben Moglen von der Columbia Law School am 5. Februar 2010 vor der Internet Society gehalten hatte. Moglen beschrieb darin unter dem Titel „Freedom in the Cloud“, wie zentralisierte soziale Netzwerke ihre Nutzer ausspähen.[5][7]
Mit einem Startkapital von 200.000 US-Dollar entwickelten die Studenten einen Prototypen und veröffentlichten ihn am 23. November 2010 als Alpha-Version.[5]
Seit September 2011 wird das Projekt von der Diaspora Foundation getragen, die im darauffolgenden Monat eine große Spendenkampagne startete.[8] Kurz darauf wurde bekannt, dass die Firma PayPal, über die der Spendentransfer getätigt werden konnte, das Konto des Projekts einfror, nachdem innerhalb weniger Tage 45.000 US-Dollar an Spenden eingegangen waren. Eine genaue Erklärung wurde nicht abgegeben, doch wurden seitens des US-Konzerns weitere Dokumente eingefordert.[9] Nach massiven Protesten der Diaspora-Unterstützer wurde das Konto kurz darauf wieder freigegeben.[10]
Am 12. November 2011 verstarb Ilya Zhitomirskiy, einer der Mitbegründer des Projekts, im Alter von 22 Jahren kurz vor dem Zeitpunkt, zu dem der Start der öffentlichen Beta-Phase des sozialen Netzwerks vorgesehen war.[11][12]
Die meisten Nutzer des Netzwerks stammen aus den USA, gefolgt von Deutschland. Es sind hauptsächlich „technisch interessierte“ Mitglieder, daneben Kreative sowie Anhänger der Occupy-Bewegung und der Piratenpartei. Der derzeit größte Pod in Deutschland ist Geraspora.[12]
Im Mai 2012 wurde bekannt, dass Diaspora von nun an im Rahmen des Startup-Programms Y Combinator weiter entwickelt werde. Daraus entstand die Besorgnis, das Projekt könne kommerzialisiert werden, so dass es seinen derzeitigen freien Charakter verliere und dadurch gegebenenfalls für seine derzeitigen Nutzer an Attraktivität einbüße.[13]
Ende August 2012 gaben die Entwickler bekannt, dass Diaspora zu einem Community-Projekt wird.[14]
Quellcode-Veröffentlichung [Bearbeiten]
Die Software sollte ursprünglich am 15. September 2010 veröffentlicht werden.[4][15] Der Quellcode ist seit Oktober 2010 auf der Website von Diaspora verfügbar.[16]
Alpha-Veröffentlichung [Bearbeiten]
Eine Alpha-Version des sozialen Netzwerkes wurde am 24. November 2010 veröffentlicht. Einladungen werden seit dem 23. November 2010 über die Mailingliste des Projekts verschickt.[17][18][19] Die Zulassung von neuen Einladungen auf dem joindiaspora.com-Pod wurde am 27. November 2010 zunächst wieder eingestellt. Ein Hinweis dazu findet sich in einem aktualisierten Blogeintrag.[20] Seit Anfang Januar 2011 stehen eine Reihe von Pods zum Testen von Diaspora öffentlich zur Verfügung.[21] Seit September 2011 ist es wieder möglich, neue Einladungen zu erhalten.[22][16] Mitte November 2011 wurde eine neue Version mit erweitertem Funktionsumfang, die „Hashtag-Follow-Funktion, Direkt-Nachrichten, Like-Buttons für Status-Updates und ein Benachrichtigungs-System“ umfassen, veröffentlicht.[23]
Sicherheit [Bearbeiten]
Diaspora basiert auf der Idee, ein dezentrales Verteiltes System zum sicheren, kontrollierten und einfachen Austausch von Daten im Internet zur Verfügung zu stellen. Jeder Nutzer kann selbst einen Server betreiben und die Software vollständig kontrollieren. In der Folge können weder Nutzer, die auf Server zugreifen, noch andere Server, mit denen kommuniziert wird, ohne sichere Identifizierung als vertrauenswürdig betrachtet werden, da Angreifer (Cracker) nicht daran gehindert werden könnten, einen eigenen kompromittierten Server ins Netzwerk einzugliedern. Daher werden Daten, die nur für einen eingeschränkten Kreis von anderen Nutzern bestimmt sind, nicht unbeschränkt an andere Server weitergegeben, sondern ausschließlich in der Form wie es der Nutzer bestimmt.
Weitere Entwicklung [Bearbeiten]
Diaspora soll mithilfe von Add-ons modular aufgebaut werden, um jede denkbare Art von Kommunikation zwischen den Benutzern zu ermöglichen. Außerdem sollen Plug-ins möglich sein, die den Funktionsumfang erweitern.[24] Die Entwickler planen auch, einen kostenpflichtigen Webhosting-Dienst für Diaspora-Pods anzubieten.[2]
Eine Paketverwaltung für Debian wird aktuell von der Diaspora Community entwickelt. Nach Fertigstellung soll Diaspora mit einem Befehl (dpkg) auf jedem Debian Server installiert werden können.[25]
Für Android-Smartphones steht eine App in einer Alpha-Version zur Verfügung.[26]
Kritik [Bearbeiten]
Im Februar 2012 kritisierte die c't, das ursprüngliche Versprechen, ein Peer-to-Peer-Netzwerk zu bieten, sei bisher von Diaspora nicht eingelöst worden, weil die Installation für den eigenen PC oder für den eigenen Webhoster für die meisten Anwender zu umfangreich und zu kompliziert seien. Auf einem Linux- oder Mac-OS-X-Server müssten Ruby, SQLite3, OpenSSL, libcurl, ImageMagick, Git und Redis eingerichtet werden, bevor man Diaspora installieren könne. Deshalb seien die meisten Benutzer von Diaspora weiterhin darauf angewiesen, dass der Pod, der ihren Account führt, mit ihren Daten vertrauensvoll umgeht. Die Alternative friendica sei in Bezug auf einfache Installation schon weiter als Diaspora.[27]
Literatur [Bearbeiten]
- Simon Hurtz: Eine Plattform für Paranoiker. In: Berliner Zeitung. 27. Oktober 2011. Abgerufen am 27. Oktober 2011.
- Erika Jonietz: Bye-bye Facebook. Technology Review. 31. Dezember 2010, abgerufen am 5. Januar 2011 (Erfahrungsbericht vom Alpha-Test).
- Kurt Sagatz: Das Anti-Facebook. In: Der Tagesspiegel. 13. November 2011. Abgerufen am 14. November 2011.
Siehe auch [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
- Website der Diaspora Foundation
- Roadmap des Projekts
- podupti.me/ Liste von Diaspora-Servern
- Tutorials für Diaspora
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Diaspora Project GitHub
- ↑ a b c d Decentralize the web with Diaspora — Kickstarter, Maxwell Salzberg, Daniel Grippi, Raphael Sofaer, und Ilya Zhitomirskiy, Kickstarter, abgerufen am 13. Mai 2010.
- ↑ How many users are in the DIASPORA network? Geschätzte Nutzerzahlen vom 2. April 2013
- ↑ a b Striking back at Facebook, the open-source way, Amy Vernon, 12. Mai 2010, Network World, International Data Group, abgerufen am 12. Mai 2010.
- ↑ a b c d e Four Nerds and a Cry to Arms Against Facebook, Jim Dwyer, 11. Mai 2010, New York Times, abgerufen am 12. Mai 2010
- ↑ Epicenter: Mark Zuckerberg: I Donated to Open Source, Facebook Competitor Ryan Singel, Wired News, 28. Mai 2010, abgerufen am 29. Mai 2010.
- ↑ Internet Society — Eben Moglen — Freedom in The Cloud, Software Freedom, Privacy and Security for Web 2.0 and Cloud Computing, 5. Februar 2010, abgerufen am 3. Juli 2010.
- ↑ Blogeintrag des Projekts über die Spendenkampagne abgerufen am 20. Oktober 2011
- ↑ Blogeintrag des Projekts über die Sperrung des Kontos abgerufen am 20. Oktober 2011
- ↑ PayPal acts like a “pal,” unfreezes the Diaspora* community’s donations Eintrag im Blog des Projekts vom 20. Oktober 2011 (abgerufen am 14. November 2011)
- ↑ Diaspora Co-Founder Ilya Zhitomirskiy Passes Away At 22. Meldung auf TechCrunch.
- ↑ a b Kurt Sagatz: Diaspora startet für alle offene Betaphase. Das dezentrale soziale Netzwerk Diaspora soll demnächst für alle offen stehen. Dieser lang erwartete Schritt wird jedoch vom Tod eines der Gründer überschattet. In: zeit.de. 14. November 2011. Abgerufen am 15. November 2011.
- ↑ Martin Weigert: Eine neue Ära beginnt: Diaspora plant mit Y Combinator den großen Neustart. In: netzwertig.com. 14. Mai 2012, abgerufen am 29. Juli 2012.
- ↑ gil: Social Network Diaspora wird Community-Projekt. In: Heise Newsticker. 28. August 2012, abgerufen am 1. September 2012.
- ↑ Diaspora Project: An Overdue Update. 26. August 2010 (abgerufen am 27. August 2010).
- ↑ a b Diaspora-Gründer setzt auf Langzeitstrategie gegen Facebook & Co.. In: Technology Review vom 19. August 2011.
- ↑ Diaspora Project: An Overdue Update. 26. August 2010 mit einem Nachtrag 30. August 2010 (abgerufen am 15. September 2010): „Addendum (8/30): To clarify, September 15 will be our open-source developer release. At that time, we will open up our github repository, publish our roadmap, and shift our development style to be more community oriented. We intend on launching a consumer facing alpha in October. Join our mailing list to get an invite.“.
- ↑ Diaspora Project: Developer Release. 15. September 2010 (abgerufen am 16. September 2010).
- ↑ Diaspora Project: Private Alpha Invites Going Out Today. 23. November 2010 (abgerufen am 24. November 2010).
- ↑ Diaspora Project: Invite Update. 27. November 2010 (abgerufen am 27. November 2010).
- ↑ Es gibt mehrere Verzeichnisse von Pods, beispielsweise Diaspora* Pod uptime, abgerufen am 19. November 2011.
- ↑ Diaspora* is making a difference. In: blog.diasporafoundation.org. Abgerufen am 23. September 2011.
- ↑ Diaspora lädt zu überarbeiteter Alpha-Version auf der Internetseite der Zeitung Der Standard vom 14. November 2011
- ↑ Erika Jonietz Bye-bye Facebook auf heise.de vom 31. Dezember 2010
- ↑ Debian Diaspora Packaging Status.
- ↑ Android-App Diaspora*
- ↑ Jo Bager: Private Treffpunkte. Diaspora und andere Facebook-Alternativen. In: c't. Nr. 5/2012. S. 136–139 (hier: S. 137). (kostenpflichtige Onlineversion)