Die Feuerzangenbowle

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Die Feuerzangenbowle (Begriffsklärung) aufgeführt.
Gedenkplakette für die Schriftsteller Heinrich und Alexander Spoerl an ihrer früheren Schule in Düsseldorf

Die Feuerzangenbowle ist der Titel eines Romans aus dem Jahr 1933, der von Heinrich Spoerl verfasst wurde. Als Mitverfasser galt in der Literaturwissenschaft lange Zeit Hans Reimann, nachdem dieser nach Spoerls Tod in seiner Autobiografie Mein blaues Wunder (1959) angegeben hatte, wesentliche Teile des Romans verfasst zu haben. Ein Rechtsstreit über die Urheberschaft ist bis heute nicht abgeschlossen.[1] Der Roman wurde mehrfach verfilmt, wobei die Filmfassung von 1944 die bekannteste ist.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Titel rührt daher, dass zu Beginn eine Herrenrunde bei einer Feuerzangenbowle Geschichten aus ihrer Schulzeit erzählt. Der junge erfolgreiche Schriftsteller Johannes Pfeiffer kann sich nicht vorstellen, welchen Spaß seine Freunde in der Schule hatten, denn er ist von einem Hauslehrer erzogen worden. Seine Freunde kommen auf die Idee, ihn noch einmal in eine richtige „Penne“ zu schicken. Jung zurechtgemacht soll er all die Späße erleben, die ihm in seiner Jugend verwehrt blieben. Johannes Pfeiffer spinnt die Gedanken seiner Freunde weiter, in welchen er den Lehrern Crey, genannt Schnauz, Bömmel und dem Direktor Knauer die verrücktesten Streiche spielt, und in der seine Freundin Marion versucht, ihn von dieser verrückten Idee abzubringen und ihn mit nach Haus zu nehmen. Doch Pfeiffer entscheidet sich anders und bleibt, weil er sich in Eva verliebt hat, die Tochter des Direktors. Seine Geschichte endet schließlich mit seinem provozierten Hinauswurf aus der Schule; er gibt sich als erfolgreicher Schriftsteller zu erkennen.

Hintergrund und Entstehung[Bearbeiten]

Heinrich Spoerls Sohn Alexander schreibt in seinem Roman Memoiren eines mittelmäßigen Schülers, das Buch sei deshalb entstanden, weil sein Vater es leid geworden sei, ständig Briefe an die Schule wegen der Vergehen seines Sohnes zu schreiben. Daher habe Alexander nach der Schule über die Streiche in der Schule zu berichten gehabt („Memoiren …“, 24. Auflage, dtv 1982, S. 27). Da sich in den „Memoiren“ Autobiographisches und Fiktives mischen, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob dies tatsächlich so gewesen ist, wenn auch der zeitliche Rahmen der Handlung dem der Entstehung der Feuerzangenbowle entspricht.

Sprech-Eigentümlichkeiten der Romanfigur Professor Crey übernahm Spoerl aus der 1875 veröffentlichten Humoreske Der Besuch im Karzer von Ernst Eckstein.[2]

Verfilmungen[Bearbeiten]

So ein Flegel, 1934[Bearbeiten]

siehe: So ein Flegel

Das Drehbuch fußt auf dem Roman; im Gegensatz zur späteren Verfilmung von 1944 variiert Reimanns Drehbuch jedoch den Roman stark: Rühmann stellt in diesem Film die Brüder Pfeiffer dar, die ihre Rollen tauschen: Der Theaterautor geht auf die Schule seines Bruders, während der jüngere Bruder an der Premiere des neuen Stückes im Theater mitwirkt. Im Finale des Filmes stehen sie gemeinsam am Premierenabend im Theater auf der Bühne, ein für das Jahr 1934 bemerkenswerter filmtechnischer Trick.

Die Feuerzangenbowle, 1944[Bearbeiten]

siehe: Die Feuerzangenbowle (1944)

Diese Verfilmung mit Heinz Rühmann als Pfeiffer ist die bei Weitem bekannteste.

Die Feuerzangenbowle, 1970[Bearbeiten]

siehe: Die Feuerzangenbowle (1970)

Der Film wurde in der Machart der zu dieser Zeit populären Lümmel-Filme aufgezogen, woran auch die Mitarbeit Käutners wenig ändern konnte. Der Humor hat wenig mit dem der beiden Vorgänger zu tun.

Hörspiel[Bearbeiten]

Erstmals im Jahre 1970 strahlte der Bayerische Rundfunk Bernd Grashoffs 83-minütige Hörspielbearbeitung des Stoffes aus. Regie führte Heinz-Günter Stamm.

In den Hauptrollen: Hans Clarin als Johannes Pfeiffer, Fritz Rémond als Prof. Dr. Crey, Paul Verhoeven als Direktor Knauer, Margot Philipp als Eva, seine Tochter, Josef Meinertzhagen als Physiklehrer Bömmel, Thomas Piper als Ackermann u. v. a. m.

Theater und Musical[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 hatten eine Theaterinszenierung der Feuerzangenbowle in Düsseldorf-Bilk sowie eine Musicalversion in Neu-Isenburg Premiere.

Seit Herbst 2006 wird Die Feuerzangenbowle im Coburger Landestheater aufgeführt.

Im September 2008 wurde Die Feuerzangenbowle in einer Inszenierung von Thomas Grahammer in Burgkirchen an der Alz als Co-Produktion vom Cabaret des Grauens und der ANTHA aufgeführt.[3]

Im Sommer 2011 wurde Die Feuerzangenbowle in einer Inszenierung von Adelheid Müther bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel aufgeführt.[4]

Bis Anfang Januar 2015 wird Die Feuerzangenbowle in der Komödie im Bayerischen Hof in München aufgeführt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Die Feuerzangenbowle. Eine Lausbüberei in der Kleinstadt. Droste Verlag, Düsseldorf 1974–2002, ISBN 3-7700-0025-0
  • Die Feuerzangenbowle. Eine Lausbüberei in der Kleinstadt. Piper Verlag, München u. Zürich 2002, ISBN 3-492-23510-7
  • Die Feuerzangenbowle. Hörspielfassung des Bayerischen Rundfunks (1970) von Bernd Grashoff (1 CD), Der Hörverlag, München 2006, ISBN 978-3-89940-969-7
  • Hörbuch: Götz Alsmann liest Die Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl. (4 CDs), Roof Music, Bochum 2003, ISBN 3-936186-34-0

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Entscheidung des LG Hamburg (Az. 3240962/08) vom 12. März 2010: Hans Reimann ist nicht Miturheber des Romans Die Feuerzangenbowle.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatErnst Eckstein: Der Besuch im Karzer. In: Gesammelte Schulhumoresken. Projekt Gutenberg-DE, 1907, abgerufen am 4. Oktober 2008.
  3. Die Feuerzangenbowle. Eine Kooperation der ANTHA und des Cabaret des Grauens.
  4. Die Feuerzangenbowle. Burgfestspiele Bad Vilbel 2010