Dieter Langewiesche

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Dieter Langewiesche bei seinem Abschiedssymposium am 26. Januar 2008.

Dieter Langewiesche (* 11. Januar 1943 in St. Sebastian bei Mariazell) ist ein deutscher Historiker. Langewiesche zählt zu den führenden Experten für die Geschichte des Nationalismus und Liberalismus.

Leben[Bearbeiten]

Langewiesche machte 1959 den Abschluss der Realschule mit der Mittleren Reife in Essen und begann eine kaufmännische Ausbildung. Ab 1962 arbeitete er drei Jahre als kaufmännischer Angestellter, nebenbei holte er 1966 am Abendgymnasium in Gelsenkirchen sein Abitur nach. In der Zeit von 1966 bis 1971 studierte er die Fächer Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg, in denen er 1971 sein Staatsexamen machte. Von 1971 bis 1978 hatte er eine wissenschaftliche Assistentenstelle bei Eberhard Kolb für neuere Geschichte an der Universität Würzburg inne. In dieser Zeit wurde er 1973 über Liberalismus und Demokratie in Württemberg zwischen Revolution und Reichsgründung promoviert und habilitierte sich 1978/79 an der Universität Würzburg. Seit 1978 hatte Langewiesche eine Professur für neuere Geschichte an der Universität Hamburg und von 1985 bis 2008 lehrte Langewiesche mittlere und neuere Geschichte an der Universität Tübingen. Sein Nachfolger ist Ewald Frie. Von 1997 bis 2000 war Langewiesche in Tübingen beurlaubt, um als Prorektor an der neugegründeten Universität Erfurt zu wirken.

Er vertritt die These, dass Nationalismus in allen Phasen nationaler Bewegungen zugleich Partizipation und Aggression beinhaltet. Langewiesche hält Fremdenfeindlichkeit und Kriege für integrale Bestandteile der Nationsbildung. Zu seinen Forschungs- und Publikationsschwerpunken der deutschen und europäischen Geschichte zählen Liberalismus und Bürgertum, Arbeiterbewegung und Arbeiterkultur, die europäischen Revolutionen 1848/49, Nation und Nationalismus, Kriege, Geschichtsdenken.

Langewiesche ist ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften Erfurt, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 2010), der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Außerdem war er Mitglied der deutsch-tschechischen und deutsch-slowakischen Historikerkommission und von 1998 bis 2010 ordentliches Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1994/95 wurde Langewiesche Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Langewiesche erhielt 1974 den Preis der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung für seine Dissertation. 1996 wurde er für seine Leistungen mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. 2001 erhielt er zusammen mit Wolfgang Schluchter den Erwin-Stein-Preis der Erwin-Stein-Stiftung.[1] Die Ehrendoktorwürde verlieh ihm die Philosophische Fakultät der Universität Erfurt. 2013 wurde Langewiesche das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Schriften[Bearbeiten]

Monographien

  • Liberalismus und Demokratie in Württemberg zwischen Revolution und Reichsgründung, Düsseldorf 1974 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, 52)
  • Zur Freizeit des Arbeiters. Bildungsbestrebungen und Freizeitgestaltung österreichischer Arbeiter im Kaiserreich und in der Ersten Republik, Stuttgart 1980.
  • Liberalismus in Deutschland, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-11286-4. (online einsehbar)
  • Übersetzung: Liberalism in Germany. Macmillan Press, London und Princeton University Press, Princeton N.J. 2000.
  • Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa, München 2000, ISBN 3-406-45939-0. (online einsehbar)
  • Liberalismus und Sozialismus: Gesellschaftsbilder - Zukunftsvisionen - Bildungskonzeptionen, Bonn 2003, ISBN 3-8012-4132-7. (online einsehbar)
  • Zentralstaat – Föderativstaat. Nationalstaatsmodelle in Europa im 19. und 20. Jahrhundert. Państwo centralistyczne - państwo federalne. Modele państw narodowych w Europie XIX i XX wieku. Warschau 2003 (Willy-Brandt-Vorlesung 2003) [in deutscher und polnischer Sprache]
  • Liberalismus und Demokratie im Staatsdenken von Theodor Heuss. Stuttgart 2005 ISBN 3-9809603-0-7
  • Europa zwischen Restauration und Revolution: 1815–1849, 5 Auflage, München 2007, ISBN 978-3-486-49765-6.
  • Zeitwende. Geschichtsdenken heute. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, 2. Auflage 2009.
  • Reich, Nation, Föderation. Deutschland und Europa. Beck, München 2008.
  • Staat, Nation und Föderation in der europäischen Geschichte. Gerda Henkel Vorlesung. Rhema, Münster 2008, ISBN 978-3-930454-85-3.
  • La época del estado-nación en Europa.Universitat de Valéncia, Valéncia 2012. ISBN 978-84-370-9017-7.
  • Die Monarchie im Jahrhundert Europas. Selbstbehauptung durch Wandel im 19. Jahrhundert. Universitätsverlag Winter,Heidelberg 2013. ISBN 978-3-8253-6160-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. erwin-stein-stiftung.de: Text der Verleihungsurkunde an beide Preisträger (abgerufen am 30. Juni 2014)