Djado

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Landgemeinde Djado
Landgemeinde Djado (Niger)
Landgemeinde Djado
Landgemeinde Djado
Koordinaten 21° 1′ N, 12° 19′ O21.01638888888912.309444444444Koordinaten: 21° 1′ N, 12° 19′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Bilma
Einwohner 876 (2012)

Djado ist eine Landgemeinde im Departement Bilma in Niger. Die eigentliche Siedlung Djado ist eine Ruinen- und Geisterstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Djado ist ein Oasenort im Nordosten der zur Sahara zählenden Ténéré-Wüste, am südwestliche Rande des Plateau von Djado. Die Landgemeinde Djado ist sowohl die weitesten nördlich als auch die am weitesten östlich gelegene Gemeinde Nigers. Sie grenzt im Norden an die Nachbarstaaten Algerien und Libyen und im Osten an den Nachbarstaat Tschad. Die Nachbargemeinden in Niger sind Dirkou im Süden sowie Gougaram und Iférouane im Westen. Die Landgemeinde Djado besteht aus den vier administrativen Dörfern Chirfa (208 Einwohner), Orida (47 Einwohner), Séguédine (485 Einwohner) und Yaba (196 Einwohner).[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Chirfa.[2]

Nahezu rund um den felsigen Ruinenhügel von Djado, der im Westen in steilen Klippen endet, befinden sich aus unterirdischen Quellen gespeiste Tümpel, ideale Brutstätten für Stechmücken. Allerdings trocknet ein Teil der Tümpel in bestimmten Jahreszeiten fast vollständig aus. In südlicher Richtung gelangt man von Djado aus ins Kaouar-Tal. Nach Westen geht es durch die Kieswüste der Ténéré in das Aïr-Gebirge.

Geschichte[Bearbeiten]

Ruinen der Lehmbauhäuser von Djado

Djado soll nach der Tradition der einheimischen Kanuri von den Sao gegründet worden sein, denen auch die Gründung von Tedjerhe im südlichen Fessan, der ältesten Ortschaften des Kaouar und der bedeutenden Stadtkultur der Kotoko südlich des Tschadsees zuzuschreiben ist. Der städtische Charakter Djados und der Name verbinden die Ortschaft weiterhin mit Djado im Dschabal Nafusa südwestlich von Tripolis. Diese beiden Merkmale scheinen somit auch auf Gemeinsamkeiten mit den sesshaften Berbern hinzudeuten. Mindestens seit der Herrschaft des Dunama Dibalemi (1203–1243) war Djado in das Sefuwa-Reich von Kanem-Bornu integriert. Nach einer zeitweiligen Unabhängigkeit unterwarfen sich die Einwohner erneut der Herrschaft der Sefuwa zur Zeit des Idris Alauma (1564–1596). Mit seinem Heer war dieser König selbst durch die Wüste über Fachi bis in das 260 km südlich von Djado gelegene Bilma gezogen.

Aufgrund der schwindenden Macht des Bornureiches waren die Einwohner der Oase im 18. und 19. Jahrhundert zahlreichen Tuareg-Überfällen ausgesetzt. Sie verließen deshalb langsam den Ort und siedelten sich im Kaouar an. Als weiterer Grund für das Verlassen der Ortschaft wird die durch Viehherden eingeschleppte Malariamücke angenommen. Um 1860 sollen noch etwa tausend Kanuri in Djado gelebt haben. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts war der Ort nur noch von einigen wenigen Kanuri und Tubu bewohnt. Die Salzgewinnung und die Bewirtschaftung der Dattelhaine waren die Haupterwerbsquellen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Djado 936 Einwohner.[3] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 876.[4] Zur Zeit der Dattelernte halten sich regelmäßig Tubu in der Nähe der Geisterstadt auf. Im Osten der Gemeinde sind die Tubu-Sprache Tedaga sowie Libysch-Arabisch verbreitet, im Nordwesten an der Grenze zu Algerien die Tamascheq-Varietät Tahaggart.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf dem Hügel die Ruinen der verlassenen Stadt

Das Plateau und Fort von Djado wurde aufgrund seiner universellen kulturellen Bedeutung am 26. Mai 2006 in die vorläufige Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.[6]

Vor einigen Jahren entdeckte der deutsche Reisejournalist Uwe George eine christliche Kapelle in den Ruinen von Djado. George fand Reste eines aufgegipsten Kreuzes, die er als Kruzifix identifizierte. Ähnliche Kreuzzeichen (croix d’Agadès) findet man bei den Tuareg und auch in diesem Fall nimmt man häufig einen christlichen Ursprung an. Bei einer eingehenderen Untersuchung legten George und der Archäologe Helmut Ziegert in der Kapelle auch die grobe Skulptur eines segnenden Christus und ein Behältnis mit der Reliquie eines Herzens frei. Christliche Einflüsse erreichten die Bewohner der zentralen Sahara allerdings nicht von Nubien aus, wie George annimmt, sondern über den Fessan, wo das Christentum im 6. Jahrhundert n. Chr. unter der Herrschaft von Byzanz eingeführt wurde. Bemerkenswert sind weiterhin die Überreste einer Burg auf dem höchsten Punkt der Ortschaft und die Reste eines Totenhauses im Bereich des Friedhofs der Stadt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Chapelle: Nomades noirs du Sahara, Paris 1957.
  • Uwe George: Die Zitadelle der vergessenen Christen, GEO, 1992, Nr. 9, S. 157–182.
  • Dierk Lange: A Sudanic Chronicle: the Borno Expeditions of Idris Alauma (1564–1576), Stuttgart 1987.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Djado – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  3. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 53.
  4. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  5. Niger map. In: Ethnologue: Languages of the World. Seventeenth edition. SIL International, 2013, abgerufen am 18. Juli 2013 (englisch).
  6. Plateau et Fortin du Djado - UNESCO World Heritage Centre