Dunkelrestaurant

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Dunkelrestaurants sind Restaurants, in denen Gäste in absoluter Dunkelheit speisen. Sie gehören zum Bereich der Erlebnisgastronomie. Einige Betreiber zielen darauf ab, ihren sehenden Gästen das „Wahrnehmungsspektrum blinder Menschen und somit deren Situation in der Gesellschaft“ dadurch näherzubringen, andere wiederum verstehen sich als interaktive Bühne, die es den Besuchern ermöglicht, Wahrnehmung und Kommunikation einmal sehr intensiv über alle weiteren Sinne zu erfahren, und auch reine Erlebnisveranstalter bieten Abende in abgedunkelten Restaurants an. Das erste derartige Restaurant weltweit wurde 1999 in Zürich eröffnet. Seither sind zahlreiche weitere im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus entstanden.

Konzept[Bearbeiten]

Vor dem Eintritt werden die Teilnehmerinnen ersucht, potenzielle Lichtquellen, wie Uhren mit Leuchtziffern und Mobiltelefone zu verstauen bzw. auszuschalten. Den eigentlichen dunklen Speiseraum erreicht man über eine Schleuse, so dass andere Gäste nicht durch einfallendes Licht gestört werden. Zu den Tischen geführt und bedient wird man normalerweise von blinden und sehbehinderten Mitarbeiter/Innen, jedoch gibt es vereinzelt auch Veranstalter, in denen sehende Kellner/Innen Infrarotgeräte tragen.

Zum Einsatz kommen zunächst der Tastsinn und der Gehörsinn. Durch den Geschmackssinn und Geruchssinn kann man versuchen, die Speisen zu identifizieren. Es herrscht eine ungewohnte Atmosphäre, welche meist als anregend unterhaltsam empfunden wird. Teils wird die Meinung vertreten, man könne in der Dunkelheit das Essen und die Unterhaltung bewusster genießen und seine Sinne und die Aufmerksamkeit schärfen.

Die Angebote der Dunkelrestaurants sind sehr unterschiedlich, manche unter ihnen bieten allein zwei Hauptgerichte zur Auswahl, in der Regel dann eine Fleischspeise und ein vegetarisch zubereitetes Gericht, und jeder Gast erhält eine genau vorgegebene Zahl an Gängen serviert, was eher den Charakter einer Veranstaltung vermittelt, als den eines Restaurantbetriebes, in anderen kann aus vielen Geschmacksrichtungen gewählt werden und jeder Gast bestimmt für sich die Zahl der zu servierenden Gänge. Nach dem Essen kann man sich über die genaue Menufolge und die Zubereitung der Speisen informieren.

Das Konzept der Dunkelrestaurants gibt sicherlich nur einen sehr eingeschränkten Eindruck vom tatsächlichen Erleben blinder und sehbehinderter Menschen. Ein wesentlicher Unterschied besteht z. B. darin, dass sehende Gäste in Dunkelrestaurants sich unbeobachtet fühlen und in der Regel auch unbeobachtet sind, während das Verhalten blinder Menschen von ihrer Umgebung ständig beobachtet werden kann. Auch werden weder die sehenden Gäste noch die sehende Bedienung für die realen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Restaurantbesucher – etwa beim Bestellvorgang, beim Servieren oder Bezahlen – sensibilisiert.

Entstehung der Idee[Bearbeiten]

Axel Rudolph aus Köln baute ursprünglich akustische Trennwände in hellhörige Räume und beschäftigte sich in seiner Promotion mit dem Einfluss von Alltagsgeräuschen auf das Kundenverhalten. Auf Einladung der Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt am Main entwarf er ein Kulturangebot für blinde Menschen und ihre sehenden Angehörigen, die gemeinsam Kultur erleben wollten und dies unter denselben Voraussetzungen auch erleben sollten, eben nichts davon zu sehen. Aus Axel Rudolphs Konzeption eines abgedunkelten, szenisch gestalteten und über eine Klangkulisse „dekorierten“ Begegnungsraumes entwickelte sich 1988/1989 in seiner Zusammenarbeit mit Andreas Heinecke die Veranstaltungsreihe „Dialog im Dunkeln“, in welcher von Beginn an auch das gemeinsame Besuchen und Erleben eines gastronomischen Betriebes im Dunkeln (Café, Bar, Restaurant) fester Bestandteil des Konzeptes war, also über ein gemeinsames Konsumieren von Getränken und Speisen ein entspanntes Verweilen und eine aufmerksame Konversation unter den Gästen provoziert werden sollte.

Geschichte der Dunkelrestaurants[Bearbeiten]

Angeregt durch die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ (Februar – April 1998 im Museum für Gestaltung Zürich) entstand ein Projekt des blinden Pfarrers Jürg Spielmann und des sehbehinderten Psychologen Stefan Zappa für die Schweizerische Landesausstellung Expo.02. Mit „blindekuh“ nahm im September 1999 schließlich das erste Dunkelrestaurant seinen Dauerbetrieb in Zürich auf.

2001 wurde das erste deutsche Lokal in Köln eingerichtet, das mittlerweile auch Restaurants in Berlin und Hamburg betreibt, 2002 folgte das erste österreichische Dunkelrestaurant in Innsbruck.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Dunkelrestaurants in den unterschiedlichsten Konzeptionen weltweit, und 2011 wurde der Begriff „Dunkelrestaurant“ auch in den Duden aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]