Eberhard Jäckel

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Eberhard Jäckel (2009)

Eberhard Jäckel (* 29. Juni 1929 in Wesermünde) ist ein deutscher Historiker, der hauptsächlich über den Nationalsozialismus forschte und publizierte.

Leben[Bearbeiten]

Jäckel besuchte die Gymnasien in Dortmund, Fulda und Arnsberg. Nach dem Geschichtsstudium an den Universitäten Göttingen, Tübingen, Freiburg im Breisgau, Gainesville (Florida) und Paris wurde er 1955 zum Dr. phil. in Freiburg promoviert. Er wechselte als wissenschaftlicher Assistent nach Kiel (Habilitation 1961 über Hitlers Frankreichpolitik). Als Dozent blieb er der Kieler Universität bis 1966 verbunden. Von 1967 bis zur Emeritierung 1997 wirkte er als ordentlicher Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart.

Seit 1967 ist Jäckel Mitglied der SPD und er wirkte 1968 in der Wählerinitiative zur Wahl von Willy Brandt mit.[1] Seit 1974 ist er Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Einem breiten Publikum wurde Jäckel vor allem durch seine Beiträge zur Forschung zur Person Hitler bekannt. Als bahnbrechend gilt sein Buch Hitlers Weltanschauung von 1969. Sein Buch Frankreich in Hitlers Europa: die deutsche Frankreichpolitik im 2. Weltkrieg ist auch heute noch das Standardwerk zur deutschen Frankreichpolitik im Zweiten Weltkrieg. Seine Quellensammlung Hitler. Sämtliche Aufzeichnungen 1905–1924 von 1980 leidet darunter, dass unter insgesamt 694 Urkunden 76 Fälschungen von Konrad Kujau Eingang fanden (vier Prozent des Bandes).[2] Bei der Affäre um die Hitler-Tagebücher, die ihm ebenfalls angeboten worden waren und die er anfangs für authentisch hielt, trat Jäckel als Zeuge auf.[3] In der britischen Fernsehserie Hitler zu verkaufen, die auf dem Sachbuch Selling Hitler von Robert Harris beruht, wird Jäckel von dem britischen Schauspieler John Golightly dargestellt.

Jäckel gehört zu den sogenannten Intentionalisten, das heißt er ist überzeugt, dass die Verbrechen im Nationalsozialismus auf Entscheidungen und Befehle Hitlers zurückgehen und aus bewusstem Handeln resultieren.

Für die gemeinsam mit der Publizistin Lea Rosh erstellte Dokumentation Der Tod ist ein Meister aus Deutschland erhielt er 1990 den Geschwister-Scholl-Preis. Zusammen mit Rosh regte er 1988 den Bau einer zentralen deutschen Holocaust-Gedenkstätte an, die schließlich 2005 in Berlin als Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet wurde.

2001 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen „wegen seiner großen Verdienste bei der inhaltlichen Neukonzeption der Gedenkstätte Buchenwald“. Von 1994 bis 1999 war er Vorsitzender des wissenschaftlichen Kuratoriums der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Dora-Mittelbau.

Im Historikerstreit des Jahres 1986 war Jäckel ein Verfechter der Einzigartigkeit der Shoa. Vergleiche mit den Massenverbrechen an Armeniern 1915 oder denen an den Indianern Nordamerikas sah er als Relativierung der Shoa an. Zu den Unterschieden zwischen dem „Mord an den europäischen Juden“ - er vermied den Begriff „Holocaust“[4] - und den Massakern an Armeniern gab er an, dass letztere „eher von Morden begleitete Evakuierungen“ gewesen seien und nur „im eigenen Lande“ - damit meinte er das Osmanische Reich - geschehen seien.[5] Jäckel erklärte im Zusammenhang der Diskussion um ein Mahnmal der Bundesrepublik für die im Holocaust ermordeten europäischen Roma, es habe zwar eine „schreckliche Verfolgung“ der, wie er sagte, „Zigeuner“ sowohl in Deutschland als auch in den von Deutschland besetzten Gebieten gegeben. Es „verbiete sich“ aber die Gleichsetzung dieser Verfolgung mit dem Genozid an der jüdischen Minderheit.[6]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Frankreich in Hitlers Europa. Die deutsche Frankreichpolitik im 2. Weltkrieg. Stuttgart 1966.
  • Hitlers Weltanschauung. Entwurf einer Herrschaft. Tübingen 1969.
  • Hitlers Herrschaft. Vollzug einer Weltanschauung. Dt.-Verl.-Anst., 4. Auflage, Stuttgart 1999, ISBN 3-421-06254-4 (Erstausgabe Stuttgart 1986).
  • Eberhard Jäckel, Jürgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Entschlussbildung und Verwirklichung. Stuttgart, 1985.
  • Das deutsche Jahrhundert. Eine historische Bilanz. Fischer-Taschenbuch-Verl., Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-13944-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Texte von Jäckel[Bearbeiten]

Sekundäres[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Spiegel vom 11. August 1969 (Nr. 33).
  2. Eberhard Jäckel, Axel Kuhn: Neue Erkenntnisse zur Fälschung von Hitler-Dokumenten. In VfZ 32 (1) 1984, S. 163f. (PDF); Bernd Sösemann: Wie „Mein Kampf“ ediert werden sollte. In: Die Welt, 20. Mai 2008.
  3. Karl-Heinz Janßen: Drei Zeugen in Not. In: Die Zeit, Nr. 49/1984; Henryk M. Broder: Kopyright auf Holokaust. In: Tagesspiegel, 17. Oktober 2000.
  4. Über die Einzigartigkeit des Mordes an den europäischen Juden (PDF).
  5. Über die Einzigartigkeit des Mordes an den europäischen Juden (PDF).
  6. Gegen die Gleichsetzung, in: Kölner Stadt-Anzeiger, 22. August 2002.